Sapkowski, Andrzej – Dame vom See, Die (Geralt-Saga, 5. Roman)

_Die Geralt-Saga:_

Vorgeschichte: 1 [„Der letzte Wunsch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3939
Vorgeschichte: 2 [„Das Schwert der Vorsehung“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5327

Roman 1: [„Das Erbe der Elfen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5334
Roman 2: [„Die Zeit der Verachtung“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5751
Roman 3: [„Feuertaufe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5966
Roman 4: [„Der Schwalbenturm“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6447
Roman 5: _“Die Dame vom See“_

_Wie es scheint_, ist Ciri durch ihre Flucht in den Turm vom Regen in die Traufe geraten. Denn trotz aller Mühe kann sie den Ort, den sie durch das Betreten des Turmes erreicht hat, nicht verlassen, und obwohl die dort lebenden Elfen sie nicht schlecht behandeln, ist die Forderung, die sie an Ciri stellen von geradezu absurder Unverschämtheit. Geralt hat von den Druidinnen keine Antwort auf seine Fragen erhalten, und so folgt er fürs Erste dem Ritter Reynart de Bois-Fresnes nach Toussaint. Dort trifft Geralt auf Fringilla Vigo, die ihn recht schnell und recht gründlich aus dem Konzept bringt. Was sie natürlich nicht einfach aus einer Laune heraus tut, sondern im Auftrag der Loge … Jarre hat sich derweil heimlich aus dem Tempel der Melitele davongeschlichen, um in den Krieg zu ziehen.

_“Die Dame vom See“_ ist das Finale des |Hexer|-Zyklus‘, insofern wundert es nicht, dass der Neulinge unter den Figuren nicht nur wenige sind, sondern dass sie auch lediglich am Rande auftauchen. Aber auch Vertiefung bestehender Charaktere wie Bonhart oder Assire sucht man vergeblich. Nicht einmal Fringilla Vigo, die diesmal eine etwas wichtigere Rolle spielt, hat echtes, eigenes Profil erhalten. Die größte Enttäuschung aber war Vilgefortz, dessen Intelligenz ja bereits während der Ereignisse auf Thanned demontiert wurde. Diesmal ließ er auch noch jegliche Vernunft vermissen, sodass außer seiner magischen Macht nur noch ein so krankhaft übersteigerter Ehrgeiz übrig blieb, dass es schon Züge von Größenwahn trug. Wieder einmal ein vielversprechender Bösewicht, der am Ende als eindimensionales Klischee endete. Auch der durch seine schiere Macht und Zielstrebigkeit faszinierende Kaiser von Nilfgaard wurde gewissermaßen auf Durchschnittlichkeit reduziert, wenn auch auf überraschende und angenehmere Weise als Vilgefortz.

Mit anderen Worten, Andrzej Sapkowski hat sich in diesem letzten Band ganz auf die Handlung konzentriert, die sich allerdings wie schon in Band 4 auf verschiedene Orte und Zeiten verteilt. So beginnt der Autor sein Buch am Ende der Geschichte, indem er Ciri einen Ritter treffen lässt, dem sie ihre Erlebnisse erzählt, nur um im nächsten Kapitel zwei völlig neue Personen einzuführen, die in einer noch viel späteren Zeit versuchen, der Wahrheit hinter der Legende des Löwenjungen von Chintra auf die Spur zu kommen. Erst im dritten Kapitel kehrt der Autor zur eigentlichen Geschichte zurück, indem er an die Ereignisse um Geralt am Ende des vierten Bandes anknüpft, um einige Kapitel später wieder in der Zeit der beiden Legendenforscherinnen zu landen, allerdings an einem völlig anderen Ort! Dazu kommt, dass auch in diesem letzten Band gelegentlich kurze Episoden eingefügt wurden, die eigentlich in keinem Zusammenhang mit der eigentlichen Geschichte standen, so zum Beispiel die Sache mit dem Professor und seinem Perpetuum Mobile. Der Leser hat es also wieder einmal nicht leicht, und einige Anspielungen aus dem zweiten Kapitel gingen schlicht in der Masse unter.

Immerhin war Sapkowski mit der Anzahl seiner Sprünge diesmal etwas sparsamer, sodass der Handlungsverlauf als solcher, trotz der unterschiedlichen Perspektiven, aus denen erzählt wird, wesentlich kompakter daherkommt als im Vorgängerband. Echte Spannung wollte sich aber auch diesmal nicht wirklich einstellen. Ciris Flucht vor den Schergen des Erlkönigs war eher interessant als spannend, da die vielen Sprünge durch Zeit und Raum die Aufmerksamkeit von der Verfolgung weg auf die vielen unterschiedlichen Umgebungen lenkten, an denen Ciri herauskam. Die diversen, kleineren Scharmützel wie das zwischen Geralt und den Ungeheuern während seines Aufenthaltes in Toussaint glichen zu sehr den vielen anderen Scharmützeln, die sich im Laufe des gesamten Zyklus ereigneten, um sich auf den Blutdruck auszuwirken. Und die Schlacht an der Brenna wiederum zog sich über fünfzig Seiten hin und wirkte auf Dauer eher ermüdend als spannend, woran nicht die Szenen im Lazarett schuld waren.

Viel mehr Eindruck als die Schlacht, ja selbst als der Kampf in Vilgefortz‘ Versteck, machte auf mich der Teil der Geschichte, an dem eigentlich alles bereits vorbei war. Vielleicht ging es nur mir so, aber bei manchen Szenen sprang mich die Ähnlichkeit zur deutschen Geschichte regelrecht an. Der Zug der Nilfgaarder Bauern, die nach der Eroberung Chintras dort gesiedelt hatten und nun vertrieben wurden, schien dem der vertriebenen Schlesier aufs Haar zu gleichen, und auch die beiden Offiziere, die den Zug begleiteten, wirkten wie Abbilder der Vergangenheit. Und mit dem Progrom in Riva und den Worten, die ihm vorausgegangen waren, war es genauso.

Abgesehen von diesem speziellen Detail hat der Autor in diesem Buch einen recht unverblümten Blick auf das Phänomen Krieg geworfen, und das in jeder Beziehung. Die Schlacht, das Elend der Lazarette, das Geschacher der Parteien während der Friedensverhandlungen, die Verrohung der Gesellschaft, die Kriegsgewinnler, die offizielle Geschichtsschreibung, nichts wird ausgelassen. Diese Frage des Krieges und seiner Folgen, und wie der Einzelne, der einfache Mann damit umgeht, war mit einer der interessantesten Aspekte des ganzen Buches. Es war der Aspekt, der einen vergessen ließ, dass man es mit Fantasy zu tun hat. Er verlieh diesem eh schon eher düsteren Werk eine noch dunklere Schattierung, die weit mehr überzeugt als alles, was in Dark und Urban Fantasy so auftauchen mag.

_Unterm Strich_ bleibt zusagen, dass der |Hexer|-Zyklus insgesamt eine lesenswerte Lektüre war. Vielleicht nicht gerade unmäßig spannend, aber durchaus komplex, abwechslungsreich und stets unvorhersehbar. Wer es gern romantisch mag oder einen schwachen Magen hat, dürfte wenig Freude an dem Buch haben. Action-Freunde dagegen kommen ebenso auf ihre Kosten wie Fans von Intrigen und Geheimnissen.

_Andrzej Sapkowski_ ist Literaturkritiker und Schriftsteller und nebenbei Polens bekanntester Fantasy-Autor. Der Hexer-Zyklus diente bereits als Grundlage für einen Kinofilm und eine Fernsehserie sowie für das polnische Rollenspiel „Wiedzmin“. Auch das Computerspiel „The Witcher“ stammt von Sapkowski, ebenso die Narrenturm-Trilogie um die Abenteuer des jungen Medicus‘ Reinmar von Bielau.

|Taschenbuch: 539 Seiten
Originaltitel: |Pani Jeziora|
Aus dem Polnischen von Erik Simon
ISBN-13: 978-3423248174|
[www.dtv.de]http://www.dtv.de
[www.der-hexer.de]http://www.der-hexer.de

_Weitere Titel des Autors bei |Buchwurm.info|:_
[„Narrenturm“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1884
[„Gottesstreiter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3367
[„Lux perpetua“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4568

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