Sick, Bastian (Buchautor) / Gruber, Fritz (Spielidee) – Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Der – Das große Spiel

Mit seinen |Zwiebelfisch|-Kolumnen begann für Bastian Sick vor einigen Jahren ein steiler Aufstieg, der schließlich in mehreren Ausgaben seiner Buchreihe [„Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=952 mündete und ihn in Kreisen begeisterter (Hobby-)Germanisten zu einer der populärsten Figuren seit etlichen Jahren aufsteigen ließ.

2006 folgte dann auch die [erste Adaption]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3053 fürs Spielbrett, die in Form eines simplen Frage-Antwort-Spiels bereits einzelne Wirrungen im Irrgarten der deutschen Sprache anschnitt und damit die Themen der Bücher noch einmal nachempfand. Ein Jahr später, zur |SPIEL ’07|, veröffentlichte der |Kosmos|-Verlag nun eine weitere Ausgabe dieses Spiels, jedoch in einer etwas üppigeren Aufmachung – und mit gesteigertem Anspruch.

_Spielidee_

Der Irrgarten der deutschen Sprache, hier ist er bereits auf dem Spielbrett sinnbildlich dargestellt. Ziel der Spieler ist es nun, sich ihren Weg aus jenem Labyrinth zu bahnen und der Gefangenschaft inmitten dieses Gartens zu entfliehen. Hierzu müssen sie sich zu Multiple-Choice-Fragen über den gesamten Bereich der (deutschen) Sprache äußern, dabei ein wenig Risikobereitschaft beim Einsatz von Punkte-Chips zeigen und schließlich die Konkurrenz nach 20 Fragekarten hinter sich lassen. Wem dies frühzeitig gelingt, der hat das Spiel bereits vor dem eigentlichen Ende gewonnen. Ansonsten siegt derjenige, der dem Ausgang des Irrgartens in 20 Runden am nahsten gekommen ist.

_Spielmaterial_

• 1 Spielplan
• 6 Spielfiguren
• 170 beidseitig bedruckte Fragekarten
• 25 beidseitig bedruckte Risiko-Fragekarten
• 25 beidseitig bedruckte Lingotaurus-Karten
• 30 Einsatzschips in 6 Farben mit den Werten 1-5
• 18 Tippkärtchen in 6 Farben, jeweils mit den Buchstaben A, B und C
• 3 Lingotaurus-Plättchen
• 1 Spielanleitung

Das Spielmaterial ist ziemlich neutral gehalten, überzeugt aber mit einer gewissen Effizienz. Alle Karten sind beidseitig bedruckt und werden in die Farben Grün und Gelb unterteilt. Vor jeder Runde wird nun entschieden, welche Farbe gespielt wird, sodass sich die Karten über mehrere Partien vermischen und trotz des begrenzten Kartenschatzes allzu schnelle Wiederholungen bzw. gleiche Konstellationen weitestgehend ausgeschlossen werden können. Ein Blickfang ist übrigens das Spielfeld, welches das Thema mit Humor aufgreift und somit den Kreis des Konzepts zumindest äußerlich makellos schließt.

_Spielvorbereitung_

Vor jeder Partie werden die drei unterschiedlichen Fragekarten in Stapel getrennt und unabhängig voneinander gemischt. Anschließend nimmt man 17 normale Fragekarten und drei Risiko-Fragekarten und mischt diese zum Zugstapel für die kommende Partie zusammen. Außerdem werden die Lingotaurus-Karten bereitgelegt.

Danach wird das Spielmaterial aufgeteilt. Alle Spieler bekommen Tippkärtchen und Einsatzchips in ihrer Farbe. Die Lingotaurus-Plättchen werden zuletzt auf die dafür vorgesehenen Felder auf dem Spielplan gelegt. Jeder Spieler setzt nun seine Spielfigur auf das Startfeld in der Mitte des Spielplans. Wer nun weiß, mit welchen Worten Schillers „Glocke“ beginnt, darf anfangen.

_Spielablauf_

Vor der Partie einigen sich die Spieler darauf, mit welcher Kartenfarbe gespielt werden soll. Der Startspieler nimmt nun den Zugstapel an sich, zieht die obere Karte und liest die entsprechend farbige Frage vor. Bei einer Multiple-Choice-Frage nennt er alle drei möglichen Antworten und wartet nun die Reaktionen der Mitspieler ab. Diese entscheiden sich zunächst für einen Einsatz, legen anschließend verdeckt ihren Tipp vor sich ab und decken ihr Resultat schließlich gleichzeitig mit allen anderen Befragten auf. Wer nun richtig getippt hat, darf seine Figur um so viele Felder vorwärts bewegen, wie er einzusetzen bereit war. Im umgekehrten Fall muss man ebenso viele Felder zurückziehen. Das gerade gesetzte Einsatz-Plättchen wird zur Seite gelegt, bis alle Einsätze einmal verwendet wurden. Anschließend übernimmt der linke Nachbar die Rolle des Fragestellers.

Sollte nun ein Risiko-Fragekärtchen gezogen werden, müssen alle Spieler bereits vorab bieten, ohne die Frage gehört zu haben. Dies ist gerade in Situationen, in denen nicht mehr viele Chips zur Verfügung stehen, verdammt knifflig, da man häufig von den Fragen überrannt wird. Mehr Lohn gibt es bei den Risiko-Fragen hingegen nicht.

Während der Reise durch den Irrgarten wird man zwangsläufig auch die Lingotaurus-Felder passieren müssen. Hier wacht ein wild schnaubender Sprachstier, dessen Zitate auf Komplettierung warten. Ein Spieler, der nun eines dieser Felder übergehen möchte, muss zunächst eines dieser Zitate vervollständigen. Andernfalls bietet sich für die Mitspieler die Chance, wertvolle Punkte einzusammeln und den prestigeträchtigen Bösewicht aus dem Weg zu räumen.

Nach 20 Karten endet das Spiel schließlich, wenn nicht vorher jemand die frühzeitige Flucht bewerkstelligen konnte. Der Spieler, der nun am weitesten vorangeschritten ist, darf sich für den Moment mit dem Titel des gewieftesten Germanisten schmücken.

_Persönlicher Eindruck_

Die Spielidee zum „großen Spiel“ weicht inhaltlich kaum von derjenigen des kleinen Vorgängers ab, macht aber alleine schon wegen des Symbolismus auf dem Spielbrett sowie dessen grafischen Designs einiges mehr her als die erste spielerische Umsetzung des Spiels. Das kann die neue Fassung zu „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ auf jeden Fall schon einmal auf der Haben-Seite verbuchen.

Andererseits ist der Spielspaß über weite Strecken ein wenig durch den immensen Schwierigkeitsgrads eingeschränkt. Die Fragen sind zumeist ziemlich hart, und es ist zu bezweifeln, dass die jüngste Zielgruppe – das Spiel ist empfohlen ab 14 Jahren – sich hier schon einigermaßen zurechtfinden wird, ohne raten zu müssen. Das Argument, dass hier sehr viele Feinheiten der deutschen Sprache erörtert werden, mag zwar in diesem Zusammenhang berechtigt sein und den hohen Anspruch rechtfertigen, aber dennoch werden hier oft auch skurrile Themen angesprochen, bei denen der Weg zur Lösung oft nur über Raten führt – und das macht das gesamte Spiel dann doch zu einem Erlebnis, das nur für einen kleinen, elitären Kreis von Interesse sein dürfte.

Genau dies sollte man sich dann auch bei einer eventuellen Investitions-Überlegung vor Augen führen. Das Spielsystem ist klasse, der Mechanismus mit den Einsätzen an dieser Stelle auch völlig willkommen, aber der Härtegrad ist so manches Mal doch unverschämt knifflig, nicht zuletzt, da die gefragten Wortstämme auch nicht immer unmittelbar mit der Muttersprache in Verbindung stehen. Der Irrgarten der deutschen Sprache bleibt deswegen auch weiterhin für viele passionierte Brettspieler ein Buch mit sieben Siegeln. Schade eigentlich, denn durch die besonders hohen Anforderungen wird eine ziemlich gute Spielidee leider unnötig negativ beeinträchtigt.

http://www.kosmos.de

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