Sonnleitner, Marco – Die drei ??? – Nacht der Tiger (Band 159)

_Zur Story_

Der Schrottplatz von Titus Jonas hat ungebetenen nächtlichen Besuch, der es ausgerechnet auch noch auf die Zentrale der drei Fragezeichen abgesehen hat. Der Eindringling kann, trotz vollem körperlichen Einsatz und Herbeirufen einer Polizeistreife, unerkannt entkommen. Gestohlen wurde nichts, doch Justus bemerkt eine Manipulation am Computer der Detektei. Jemand hat einen Trojaner aufgespielt, mit welchem der Unbekannte Kontakt zu den dreien aufnehmen kann. In verschlüsselter Gedichtform teilt er ihnen den Ort eines anstehenden Autodiebstahls mit, die sich in Rocky Beach in letzter Zeit häufen.

Immer geht es dabei um Luxuskarossen und die als Tiger maskierten Diebe gehen erstaunlich dreist wie zielstrebig vor. Der mysteriöse Klient verfügt über jede Menge Insiderwissen und stammt – ebenso wie die Täter – vermutlich aus Polizeikreisen. Als sie ihn um Hilfe bitten wollen, zeigt sich Inspector Cotta den drei ??? gegenüber nicht nur seltsam zugeknöpft, sondern regelrecht feindselig. Es verdichten sich im Laufe der Ermittlungen die Indizien, dass er selbst aktiv in die Fälle verstrickt ist. Die drei Juniorschnüffler sind entsetzt – nicht nur über die rüde Behandlung. Cotta unter einer Decke mit Autodieben?! Die Beweislast scheint jedoch erdrückend …

_Eindrücke_

Die Geschichte, die sich Marco Sonnleitner da ausgedacht hat, ist geprägt von eher klassischen Stilelementen der Serie. Wackere, handwerkliche Ermittlungsarbeit steht an – und: mal kein Fußball. Das alleine ist schon einmal die ersten Punkte wert. Nächtliche Beschattung, Verfolgung, Befragung und auch der exzessive Gebrauch von Peters Dietrich-Set stehen diesmal ganz oben auf dem detektivischen Programm. Ein Rätsel? Na klar. Zumindest chiffrierte Gedichte des geheimen Informanten müssen entschlüsselt werden. Irgendwie schon Ehrensache und eins der wohl am häufigsten verwendeten Serienklischees. Die wollen schließlich auch bedient werden. Vollkommen legitim. Dazu kommt noch eine moderne Komponente, die des Kollegen Computer als Kommunikationsmedium nämlich. OK, nicht wirklich plausibel ausgearbeitet, doch es handelt sich bei „Nacht der Tiger“ ja auch nicht um eine Dissertation zu Logik und Computersicherheit/-technik, sondern um einen Jugendkriminalroman. Mit ein wenig Fantasie haut das schon irgendwie hin.

Auch alte Bekannte kommen mal wieder zum Zuge. Inspector Cotta verschlägt es diesmal sogar auf die Fahndungsliste der drei ???. Sieh an, das hatten wir noch nicht und ist schon mal einer der beiden originelleren Einfälle in der Story. Der andere war eben das mit dem Trojaner auf dem PC, wo der Grundgedanke positiv zählt, die letztendlich präsentierten Begleitumstände aber eben nicht ganz überzeugen. Während Inspector Kershaw nur einen kleinen Cameo-Auftritt bekommt, kann Morton samt Rolls Royce mal wieder etwas ausführlicher seine Qualitäten beweisen. Wobei die Sache mit dem Rolls schon arg fragwürdig herbei gedengelt scheint. So richtig mag man diese – ausgerechnet auch noch für die Handlung elementar wichtige – Schlüsselsituation in der Autovermietung nicht schlucken. Der generelle Ablauf des Plots gestaltet sich, trotz aller sicherlich gut gemeinten Bemühungen einige Nebelkerzen zu werfen und den Fieslingen einen gefährlich-bösen Anstrich (Tigermasken und Pistolen) zu verleihen, ansonsten nahezu überraschungsfrei.

_Fazit_

Ein routiniert heruntergeschriebener und dementsprechend auch flüssig-flott gelesener, stabiler Mittelklassefall. Leidlich spannend inszeniert, mit viel detektivischer sowie actionreicher Fleißarbeit gewürzt aber leider mit nur wenigen guten Ideen garniert, sodass man nun nicht dazu angetan ist, spontan in Lobeshymnen zu schwelgen. Dafür sind einige Elemente dann doch zu abgedroschen und/oder nicht konsequent genug durchdacht bzw. wirken doch schon ziemlich arg konstruiert. Der – fast schon traditionell – gern selbst kombinierende Leser hat überdies keine Chance hat sich die Lösung dieses 159. Falles selbst zu erarbeiten. Daher zeigt der Daumen der tigermäßigen Rezensenten-Pranke alles in allem in die Waagerechte mit minimaler Tendenz nach oben.

|Hardcover, 128 Seiten
Erzählt von Marco Sonnleitner basierend auf den Figuren von Robert Arthur
Redaktion: Martina Zierold, Martina Dold
Franckh-Kosmos, 2011
ISBN 978-3-440-12334-8|
[www.kosmos.de]http://www.kosmos.de

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