Allende, Isabel – Stadt der wilden Götter, Die

In ihrem ersten Jugendbuch nimmt die Bestsellerautorin den Leser mit auf die Reise ins Innere des brasilianischen Dschungels, zu Menschenwesen, die noch nie Stahl, Waffen oder weiße Haut gesehen haben. Für die beiden Kinder in der Expedition wird dies eine Reise des Wachsens und der Verwandlung.

Das Hörbuch bietet laut Verlag die vollständige Lesung ohne jedwede Kürzung.

_Die Autorin_

Isabel Allende wurde 1942 in Peru geboren und wuchs in Chile auf. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Kalifornien. Ihr erster Roman „Das Geisterhaus“ wurde von Bernd Eichingers Produktionsfirma verfilmt. „Die Stadt der wilden Götter“ ist Allendes erster Roman für Jugendliche, der mit „Im Reich des goldenen Drachen“ und [„Im Bann der Masken“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=605 bereits fortgesetzt und abgeschlossen wurde.

|Der Sprecher|

Marc Oliver Schulze, geboren 1973 in Salzburg, lebte einige Zeit in den USA, um dann wieder nach München zurückzukehren. Seine Schauspielausbildung erhielt er 1996 bis 1999 an der Otto-Falckenberg-Schule. Seither hat er Engagements bei den Münchner Kammerspielen und beim Bayerischen Staatsschauspiel gehabt. Er war in verschiedenen TV- und Film-Produktionen zu sehen. Für den Hörverlag hat er auch das zweite Allende-Abenteuer „Im Reich des goldenen Drachen“ sowie „Das Geheimnis der weißen Mönche“ von Rainer M. Schröder gelesen.

|Regie|: Ursula Honisch

_Handlung_

Für den 15-jährigen Alex Cold, der an der kalifornischen Küste aufwächst, ändert sich plötzlich das ganze Leben. Seine Mutter Lisa ist schwer krank und muss für längere Zeit zwecks Chemotherapie ins Krankenhaus. Sein Vater John möchte sie nach Texas begleiten. Während die zwei Schwestern Nicole und Andrea woanders unterkommen, soll Alexander zu seiner Großmutter Kate nach New York City ziehen. Doch die Reisereporterin Kate Cold ist ein sonderbares Frauenzimmer, von der Alex schon sehr merkwürdige Geschichten gehört hat. Sie brachte ihm das Schwimmen bei, indem sie ihn ins Wasser warf. Er weiß, dass ihr verstorbener Mann Joseph ein berühmter Flötist war. Auch Alex spielt Flöte und sollte eigentlich an diesem Tag auftreten. Seine Proteste verhallen ungehört. Ab geht’s!

Auf dem New Yorker Flughafen findet sich weit und breit niemand, der Alex abholt. Offenbar wird erwartet, dass er selbst mit dem Bus in die Stadt fährt. Unversehens hat sich ihm ein Mädchen namens Morgana angeschlossen, das ein wenig abgerissen aussieht und „Gras“ raucht. Wenig später ist Alex seine Tasche mitsamt der Flöte los. Da er nicht mal mehr Taxigeld übrig hat, muss er durch Manhattans Straßen zur Wohnung seiner Großmutter laufen. Doch dort angekommen, erwartet ihn nicht etwa ein entzücktes Hallo, sondern erstmal eine Predigt. Und ein Auftrag!

Oma Kate, ganze durchtrainierte 64 Jahre alt, steht kurz davor, ins Amazonasgebiet abzureisen, wo sie für „International Geographic“ über ein seltsames Wesen des Dschungels berichten soll: die Bestie. So eine Art Urwald-Yeti, der einen schrecklichen Gestank verbreitet und Menschen gleich reihenweise umbringt, Goldsucher, Indios, you name it. Geleitet wird die Expedition von einem französischen Anthropologen namens Ludevic LeBlanc, der seinen Ruhm mit Horrorstorys über die wilden, wilden Indianer begründet hat. Alles startbereit, Alex?

In Manaus, dem Tor zum Amazonas, schließen sich ihnen Fotografen an, dann geht es per Schiff weiter, den Rio Negro hinauf, nach Santa Maria de la Juvia. Dort ist das Flugzeug ihres Piloten und Führers Cesar Santos ausgefallen, daher geht es per Boot weiter, den Rio Negro hinauf Richtung Orinoco, wo die Grenze zu Venezuela überschritten wird. Doch die Passagiere haben sich geändert.

Eine schöne Ärztin namens Omeira Torres soll angeblich im Auftrag des Gesundheitsministeriums die Indios impfen. Außerdem dabei sind Cesar Santos‘ 12-jährige Tochter Nadia, ihr kleiner Affe Borobà, ein indianischer Führer und als Geleitschutz mehrere Soldaten unter dem Befehl von Hauptmann Ariosto. Die hat ihnen der reiche Kaufmann Mauro Carillas bereitgestellt. Nadia ist bei den Indianern aufgewachsen, kennt deren Sprache und ihren bedeutendsten Schamanen, Vallimai. Das wird noch sehr wichtig.

Nach mehreren Personenverlusten durch Gifpfeile und eine hungrige Anakonda werden Nadia und Alex entführt, ohne je die Bestie gesehen zu haben. Ihre Entführer ist der geheimnisvolle Stamm der Nebelmenschen, der im Hochland von Venezuela inmitten alter Vulkankegel, der tepuis, lebt und noch keinen Kontakt mit Außenweltlern hatte. Sie selbst nennen ihr Gebiet „das Auge der Welt“. Unter Anleitung von Vallimai, der offenbar über erstaunliche Bewegungsmöglichkeiten verfügt, finden sie Aufnahme in den Stamm.

Beide finden heraus, welches ihre Totemtiere sind. Das von Alex ist der schwarze Jaguar, das von Nadia der Adler. Ihr wahrer Name lautet Aguila. Um die Probleme zu bewältigen, die das Auftauchen der „Nahab“, der Weißen, aufwirft, werden Alex und Nadia vom weiblichen Hauptling Iomi zu den Göttern geschickt. Vallimai ist ihr Führer. Sollen die Außenweltler alle getötet werden, soll sich der Stamm verstecken? Und welche Rolle nehmen dabei die Bestie Rah Arikawa und die „Götter“ ein?

Im hohlen Innern eines Vulkankegels stoßen sie auf die „Stadt der Wilden Götter“ und müssen den Göttern Rede und Antwort stehen. Warum sind zum Beispiel so viele Indianer gestorben, die angeblich eine Schutzimpfung erhalten hatten, hm?! Was hat die Ärztin wirklich vor?

_Mein Eindruck_

Alex lernt auf seiner Reise die Welt der brasilianischen Indianer kennen, die von Dämonen und Geistern bevölkert ist. Aber nicht nur diese Welt selbst, sondern auch die falschen Meinungen und Urteile, die die Begegnungen mit diesen Menschen bestimmen. Professor LeBlanc verbreitet hochnäsig und zugleich paranoid, wie blutrünstig doch die Indianer seien. Das kommt Leuten wie Mauro Carillas und Hauptmann Ariosto gerade recht: Sie wollen alle Indianer ausrotten, deren Land rauben und die Bodenschätze ausbeuten. Ein kleiner Völkermord hier und da macht ihnen nichts aus, besonders dann nicht, wenn sich gute Vorwände dafür finden lassen – beispielsweise eine Schutzimpfung …

Für Alex führt die Reise nicht nur in ein unbekanntes Äußeres, sondern vor allem in ein unerforschtes Inneres. Er verwandelt sich, wird erwachsen. Zunächst lernt er, dass sein Totemtier der schwarze Jaguar ist. Die Begegnung mit der jungen Nadia führt ihn weiter in die Geistwelt der Indianer, die Begegnung mit dem Schamanen führt ihn bis zur Aufnahme in den Stamm der Nebelmenschen. Dort erfährt er seine Initiation als Krieger. Nur so kann er Häuptling werden, betraut mit der Aufgabe, mit den Außenweltlern, den Nahab, zu kommunizieren und eine friedliche Lösung zu finden. Gelingt ihm dies nicht, werden die Nebelmenschen untergehen. Die Welt der Götter im Heiligen Berg wird verschlossen bleiben. Er wird nie das „Wasser des Lebens“ erlangen, das seine Mutter heilen könnte. Die Rettung der Indianerwelt bedeutet die Rettung seiner persönlichen Welt, seine Zukunft ist die Zukunft der Welt.

Viele Hindernisse und Gefahren müssen bis dahin überwunden werden, und auf dem Weg verändert sich sogar seine Großmutter. Und ob er Nadia Aguila wiedersehen wird, wissen nur die Götter.

|Der Sprecher|

Marc Oliver Schulze trägt fehlerfrei vor, aber für meinen Geschmack leider viel zu schnell. Immerhin kann man alle fünf Minuten eine Pause einlegen, denn so ist jede der acht CDs unterteilt. Außerdem würde ich viele Sätze anders betonen, deutlicher das Satzende hervorheben.

_Unterm Strich_

Isabel Allende ist ein aufregendes Reiseabenteuer gelungen, das Jung und Alt fesselt. Neben der Unterhaltung gelingt ihr aber auch die Behandlung eines anhaltenden Problems in Südamerika: der Untergang der Indianer. Dieser Vorgang hält weiter an, denn mit jedem Hektar Wald, der gerodet wird, schwindet ihr Lebensraum.

Die Grenze zwischen Realismus und dem, was man gemeinhin „Fantasy“ nennt, verschwimmt unmerklich. Es ist unwichtig, ob es eine reale „Bestie“ gibt oder reale „Götter“. Das war schon in John Boormans Film „Der Smaragdwald“ so, ein Film, der große Resonanz fand, der aber weit erwachsener wirkt als Allendes Geschichte (dort geht es nämlich auch um Sex).

Das Hörbuch richtet sich an Jugendliche ab 13 oder 15 Jahren, die schon über Südamerika Bescheid wissen. Der Sprecher liest ganz ordentlich, kommt aber meinem Geschmack nicht entgegen. Und 540 Minuten (9 Stunden) können sehr lang sein.

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