Anna McPartlin – Die letzten Tage von Rabbit Hayes


Worum gehts?

Stell Dir einmal vor, Dir bleiben nur noch neun Tage Zeit – Neun Tage bevor Du sterben wirst. Genauso geht es Rabbit Hayes. Sie leidet an Krebs und verbringt gerade ihre letzten Tage im Hospiz. Sie hat noch neun Tage Zeit, über die Schimpfwörter ihrer Mutter zu lachen und ihre Flüche zu ertragen, neun Tage, um die Nähe ihres Vaters zu erkämpfen, neun Tage um ihren Geschwistern bei ihren Problemen zu helfen und neun Tage, um ihre Tochter auf den Tod ihrer Mutter vorzubereiten, von dem das Mädchen noch nichts ahnt.

Inhalt

Rabbit Hayes leidet an metastasierendem Brustkrebs im Endstadium. Sie ist gerade auf dem Weg in ein Hospiz, um dort ihre letzten Tage zu verbringen und palliativ versorgt zu werden. Ihre Mutter Molly ist dabei stets an ihrer Seite und begleitet ihre Tochter auf diesem schweren Weg. Obwohl es für Rabbit keine Hoffnung mehr gibt und sie den Kampf gegen die erneut ausgebrochene Krankheit nicht noch einmal besiegen wird, möchte kein Familienmitglied sich mit dieser Tatsache abfinden. Während ihre Eltern Hilfe im Zweigespräch mit Gott suchen, ist Rabbit selber konfessionslos – sie glaubt nämlich nicht an Märchen und diesen ganzen Hokuspokus mit Gott, dem Himmel und ein Leben nach dem Tod. Sie schöpft Kraft aus anderen Dingen und ist noch immer felsenfest davon überzeugt, dass sie es auch dieses Mal schaffen wird, den Krebs zu besiegen, auch wenn sie dabei ihre einzig übriggebliebene Brust auch noch hergeben muss.

Juliet, Rabbits Tochter ist zwölf Jahre. Sie weiß zwar, dass ihre Mutter sehr krank ist, dennoch ahnt auch sie nicht, wie schlimm es um sie steht. Wie auch, wenn selbst alle Onkels und Tanten es nicht wahrhaben wollen und ihr die Situation nicht erklären. Doch das Verdrängen der Tatsache hat auch etwas Positives, so wird auch an Rabbits Sterbebett das ein oder andere Mal herzhaft gelacht und rumgealbert.

Rabbit ist kaum eine Sekunde alleine mit ihrem Schicksal. Abgesehen von ihrer Mutter, die fast immer an Rabbits Seite ist, versucht auch Rabbits ältere Schwester Grace jede freie Minute mit ihr zu verbringen. Das stellt sich allerdings manchmal als große Herausforderung heraus, denn als Mutter von vier Kindern, ist Freizeit der reinste Luxus und rar gesät. Dennoch herrscht in der Familie Hayes ein sehr enges Miteinander, so dass Rabbit stets einen ihrer Lieben um sich hat. Doch ihre Krankheit nagt an der Nerven aller Beteiligten, Grace und ihr Mann Lenny bekommen sich in letzter öfter in die Haare, Mollys Gesundheitszustand verschlechtert sich, Jack, Rabbits Vater, kann die Trauer kaum noch ertragen und auch Juliet bekommt ein Gespräch ihrer Cousins mit und ergreift die Flucht. Sie möchte von alledem was vor ihr zu liegen scheint nichts wissen und hören – ihrer Mutter geht es gut.

Doch leider ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Juliet einsehen muss, dass die Zeit ihrer Mutter langsam aber sicher zu Ende geht. Von Tag zu Tag geht es Rabbit schlechter, sie schafft es kaum noch wachzubleiben und nimmt ihre Umwelt schließlich kaum noch bewusst wahr. Nichtsdestotrotz ist und bleibt ihr Zimmer im Hospiz immer ein Treffpunkt für die ganze Familie und alte Freunde. Alle möchten in den letzten Stunden der lieben Rabbit bei ihr sein und sie nicht alleine lassen.

Mein Eindruck

Das Buch besteht aus neun großen Teilen. Diese sollen gleichzeitig Rabbits letzte Lebenstage darstellen. Diese neun Teile wiederum bestehen aus zahlreichen kürzeren Kapiteln, die alle aus der Sicht der einzelnen Familienmitglieder und Freunden geschrieben sind. Der Hauptteil der Geschichte handelt zwar in der Gegenwart, aber es wird auch immer wieder ein Rückblick auf Rabbits Kindheit und Jugend eingeblendet.

Die Protagnisten sind allesamt sehr sympathisch und tiefgründig beschrieben. Durch den Schreibstil der Autorin kommt die ganze Herzlichkeit und Wärme, die in der Familie herrscht deutlich herüber. „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ ist ein Buch über Krankheit und den Tod und im Laufe der Geschichte erlebt man verschiedene Emotionen. Im Vordergrund dabei stehen natürlich Schmerz und Trauer, jedoch stößt man auch auf lustige und komische Szenen, die einem ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Generell finde ich es gut, wenn man so eine abwechslungsreiche Bandbreite verschiedener Gefühle geboten bekommt, aber leider fehlt bei allen der gewisse Tiefgang, der Gefühle zu Emotionen werden lässt. Aufgrund dieser Tatsache war ich zum Beispiel die ganze Geschichte über nicht ein einziges Mal zu Tränen gerührt und das liegt weiß Gott nicht an Rabbits Schicksal, sondern eher an der stilistischen Ausführung der Autorin.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Geschichte nun einmal sehr vorhersehbar ist. Bereits beim Lesen des Klappentextes weiß man, dass Rabbit ihrer schweren Krankheit erliegen wird. Ich finde es sehr schade, wenn dem Leser gleich zu Beginn so viel verraten und auch gleichzeitig die Hoffnung auf eine Heilung der Protagonistin genommen wird. Man fiebert automatisch nicht mehr so mit, wie man es tun würde, wenn man nicht wüsste, dass die Geschichte von den letzten neun Tagen in Rabbits Leben handeln. Das ist ein Grund mehr, den Fokus auf die Emotionen zu legen und die Leser auf diese Art und Weise mitzunehmen. Doch da bleibt noch ganz viel Luft nach oben, leider.

Fazit

Eher zufällig, durch eine Empfehlung bin ich auf dieses Buch gestoßen. Es ist zwar ein gelungener Roman, der mich gut unterhalten, jedoch nicht umgehauen hat. Ich würde definitiv niemanden davon abhalten, dieses Buch zu lesen. Allerdings bin ich mir noch nicht sicher, ob es für eine Weiterempfehlung gereicht hat, was keineswegs heißen soll, dass mir das Buch überhaupt nicht gefallen hat. Es ist nur so, dass es einfach unzählig viele gute Bücher gibt und um all diese guten Bücher zu lesen, würde ein einziges Leben leider nicht ausreichen, so dass sich das aktuelle Werk von Anna McPartlin eher in die Riege der „ganz netten“ Bücher einreiht.

Über die Autorin

Anna McPartlin wurde 1972 in Dublin geboren und verbrachte dort ihre frühe Kindheit. Wegen einer Krankheit in ihrer engsten Familie zog sie als Teenager nach Kerry, wo Onkel und Tante sie als Pflegekind aufnahmen. Nach der Schule studierte Anna ziemlich unwillig Marketing. Nebenbei stand sie auch als Comedienne auf der Bühne, doch ihre wahre Liebe galt dem Schreiben, das sie bald zum Beruf machte. Bei der künstlerischen Arbeit lernte sie ihren späteren Ehemann Donal kennen. Die beiden leben heute zusammen mit ihren drei Hunden und zwei Katzen in Dublin. Bereits ihr Debüt «Weil du bei mir bist» war international ein Bestseller. Mit dem Roman «Die letzten Tage von Rabbit Hayes», in dem Anna McPartlin viel von ihrer eigenen Vergangenheit verarbeitet hat, rührte und begeisterte sie unzählige Leserinnen und Leser und landete einen Riesenerfolg. (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 464 Seiten
Originaltitel: The last days of Rabbit Hayes
Ins Deutsche übersetzt von Sabine Längsfeld
ISBN-13: 978-3499269226

www.rowohlt.de/verlag/rororo
www.annamcpartlin.com

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