John Flanagan – Die brennende Brücke (Die Chroniken von Araluen 2)

Action-Fantasy: Agentenabenteuer mit Entscheidungsschlacht

Sein ganzes Leben hat der 15-jährige Waisenjunge Will davon geträumt, ein Ritter zu werden wie sein Vater. Weil er aber zu klein und schmächtig ist, wird er dem geheimnisvollen Waldläufer Walt als Lehrling zugeteilt. Als das Königreich Araluen von einem altem Feind und dessen ungeheuerlichen Kreaturen angegriffen wird, muss Will sich bewähren und stellt fest, dass das Leben eines Waldläufers viele Herausforderungen, aber auch besondere Möglichkeiten birgt …

Band 2: Der Angriff Morgaraths geht weiter, doch die Waldläufer wissen nicht, wo. Will ist bereits einige Zeit bei den Waldläufern König Duncans, die sowohl Krieger als auch Späher und Agenten sind. Da schickt sein Lehrmeister Walt den jungen Bogenschützen auf eine Mission in das entlegene Nachbarland Celtica. Aber Celticas Dörfer und Kupferminen liegen ausgestorben da. Doch mitten in der Wildnis erhebt sich eine gigantische neue Brücke über einer Schlucht, die das Land Morgaraths begrenzt. Sie wurde offensichtlich erbaut, um heimlich in Araluen einfallen zu können. Wenn Will nicht schnell handelt, ist das Königreich, das Morgarath woanders erwartet, in höchster Gefahr.

Der Autor

John Flanagan arbeitete als Werbetexter und Drehbuchautor, bevor er das Bücherschreiben zu seinem Hauptberuf machte. Den ersten Band von „Die Chroniken von Araluen“ schrieb er, um seinen 12-jährigen Sohn zum Lesen zu animieren. Die Reihe eroberte in kürzester Zeit die Bestsellerlisten in Australien.

Die Bände der Serie „Die Chroniken von Araluen“:

1) [Die Ruinen von Gorlan]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?idbook=3708
2) Die brennende Brücke

Handlung

Will, der Lehrling des Waldläufers Walt, bekommt einen wichtigen Auftrag: Er soll ein Hilfsersuchen des Königs von Araluen an den König des Nachbarlandes Celtica überbringen. Denn Wills König Duncan erwartet jederzeit den entscheidenden Angriff seines Feindes Morgarath. Walt und Will haben einen Überläufer abgefangen, der sogar einen Schlachtplan des Feindes bei sich hatte. Nun kann sich die Armee von Araluen richtig aufstellen, doch sie brauchen mehr Kämpfer. beispielsweise aus Celtica.

Der erfahrene Waldläufer Gilan, ein durchtriebener Bursche mit einem hinterlistigen Sinn für Humor, nimm Will mit auf die Reise. Dann soll sich auch noch Wills Freund, der Schwertkämpfer Horace, ihnen anschließen. Gilan bringt den beiden ein paar Schwertkampftricks bei, die er von seinem Lehrmeister, dem besten Schwertkämpfer des Reiches, gelernt hat. Will und Horace geben ihr Bestes, sich nicht allzu sehr zu blamieren.

Als sie die Grenze zu Celtica überschreiten, wundern sie sich über die ausgestorbenen Dörfer, Minen und Gehöfte. Es sieht aus, als seien alle Einwohner in großer Hast aufgebrochen, doch Leichen sind keine zu sehen. Gemeinsam bringen sie ein paar Räuber und Plünderer zur Räson, dann läuft ihnen eine junge Frau über den Weg. Ihr Name sei Evanlyn, bringt sie hervor, bevor sie entkräftet zusammenbricht. Sie ist vor den Wargal, den unmenschlichen Bestien Morgaraths, durch die Wildnis geflohen. Bis sie endlich die drei Araluenser als Waldläufer erkannte und sich ihnen anvertraute.

Von ihr und den Banditen erfahren sie, was in Celtica los ist. Die Wargals haben die Armee Celticas besiegt, die sich in den Südwesten zurückzog. Daraufhin nahmen sie jeden Minenarbeiter, den sie finden konnten, gefangen und verschleppten ihn. Will wundert sich: Wie konnten die Wargals über die Schlucht gelangen, die das Plateau abgrenzt, auf dem Morgarath herrscht? Na, durch Seile und Klettern. Will fragt sich insgeheim, woher diese angebliche Zofe einer Lady so viel über Strategie und Waldläufer weiß.

Nachdem Gilan losgeritten ist, um sofort den König von dieser neuen Gefahr zu unterrichten, müssen sich Will, Horace und Evanlyn, ihre neue Freundin, vor einer Horde Wrgals verstecken. Als sie ihnen unauffällig folgen, werden sie so zur Schlucht geführt. Mit Schrecken staunen sie über das Bauwerk, das die Schlucht überspannt: eine mächtige Holzbrücke, die einer ganzen Armee den Zutritt zu Araluen ermöglicht, um der königlichen Armee in den Rücken zu fallen. Und sie wird offenbar in wenigen Tagen fertig sein.

Was ist zu tun, fragen sich die drei Jugendlichen. Will, der das Kommando bekommen hat, beschließt, zuerst die Brücke in Brand zu setzen und dann die Armee zu verständigen. Doch dann kommt alles ganz anders …

Mein Eindruck

Das Buch habe ich in wenigen Stunden gelesen. Erstens ist es flott geschrieben und voller Einfälle, außerdem ist die Schrift ziemlich groß gedruckt, so dass sich die Seiten wie von selbst umblättern.

Drei Teile

Das erste Drittel ist überwiegend von ironischem Humor und lehrreichen Übungen bestimmt. Das ändert sich mit den ersten Gefahren, die in Celtica auftauchen. Nun ist Schluss mit lustig, aber es gibt weiter viele Entdeckungen zu machen. Der Mittelteil schildert eine verzweigte Handlung, mit Wills kleiner Truppe auf der einen Seite und der Armee Araluens auf der anderen. Zur Armee gehören auch die Waldläufer. Wichtige Entscheidungen sind zu treffen, denn man denkt ja, den Schlachtplan des Feindes zu kennen. Dass dies dessen List sein könnte, ahnt man noch nicht. Unterdessen schreitet Will zur Tat, um den Feind auszuspionieren – er hat das ja gelernt – und die Brücke zu zerstören.

Das letzte Drittel ist der Höhepunkt der Handlung, doch der Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem Geschehen in der Armee. Durch Horaces Ankunft, ohne Will und Evanlyn, offenbart sich die schreckliche List, die der Feind anwendet. Morgarath will den König in die Zange nehmen. Von Nordosten kommen angeheuerte Nordlandsöldner, aus dem Südwesten, von Celtica her, seine Wargals über die Schluchtbrücke. Dazwischen steht das Heer auf der Ebene, die sich vor dem Pass erstreckt, der den einzigen Zu- und Ausgang zu Morgaraths Land bildet.

Durch rasches Handeln müssen die Ritter des Königs sowie die Waldläufer alles auf eine Karte setzen, um den Feind zu überlisten. Während die Gefahr aus Süden durch Wills Tapferkeit ausgeschaltet wurde, droht immer noch ein Flankenangriff von Nordosten. Diesen will Wialt mit seinen Waldläufern ausschalten. Schließlich ist die direkte Konfrontation mit dem Feind nicht zu vermeiden, und es kommt zu einer furiosen Schlacht. Doch nicht sie bringt die endgültige Entscheidung, sondern ein direkter Zweikampf Mann gegen Mann. Mit Horace als Champion des Königs!

Von Langeweile kann also keine Rede sein, ganz im Gegenteil: Ständig ist etwas los. Aber jede Action ist keineswegs Selbstzweck. Was die Jungs Will und Horace im ersten Band und im ersten Drittel dieses Bandes gelernt haben, müssen sie nun, ob sie wollen oder nicht, verantwortungsbewusst anwenden, wollen sie nicht das Königreich gefährden oder ihren weiblichen Schützling. Evanlyn, so viel darf verraten werden, ist nämlich alles andere als eine Zofe niederen Standes, sondern dem König lieb und teuer. Der Schluss hat mich überrascht, doch hier hält sich der Autor ein Hintertürchen offen, um die Geschichte Wills fortzuführen. Und bei ihm ist die schöne Evanlyn.

Die Landkarte ist zwar eine nette Beigabe, aber eigentlich habe ich sie gar nicht benötigt, um mich zu orientieren. Es kommen kaum Ortsnahmen vor, und im Heer ist nur eine begrenzte Anzahl von Figuren genannt, ganz im Gegensatz zu George R. R. Martins Winterfell-Saga. Nein, im Vergleich dazu ist die Story recht geradlinig und auch für zwölfjährige Leser ohne weitere Kenntnisse zu verstehen.

Unterm Strich

„Die brennende Brücke“ ist eine recht geradlinig und sprachlich einfach erzähltes Jugendabenteuer, das aber mit weiterem Fortschreiten ein erhebliches Potenzial offenbart. Der Verlauf des Krieges gegen Morgarath kann alle möglichen Ereignisse mit sich bringen, die jede Menge Action versprechen. Sehr sympathisch fand ich die Einfühlung des Autors in die Gefühlswelt der Jungen Will und Horace sowie den hie und da aufblitzenden ironischen Humor. Das ist eine sehr unterhaltsame Mischung, die aus einem Action-Abenteuer mehr macht, nämlich auch eine unterhaltsame Bildungsreise. Diese Reise wird im folgenden Band in andere Länder führen, auf die ich mich jetzt schon freue.

Taschenbuch: 316 Seiten
Originaltitel: Ranger’s Apprentice: The burning Bridge, 2005
Aus dem Australischen Englisch von Angelika Eisold-Viebi
www.cbj-verlag.de