Flanagan, John – Belagerung, Die (Die Chroniken von Araluen 6)

_|Die Chroniken von Araluen|:_

1) [„Die Ruinen von Gorlan“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3708
2) [„Die brennende Brücke“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3936
3) [„Der eiserne Ritter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4938
4) „Der Angriff der Temujai-Reiter“
5) „Der Krieger der Nacht“
6) _“Die Belagerung“_
7) „Der Gefangene des Wüstenvolks“
8) „The Kings of Clommel“
9) „Halt’s Flint“
10) „The Emperor of Nihon-Jin“

_Finale auf Burg Macindaw: Showdown im Burgfried_

Sein ganzes Leben hat der 15-jährige Waisenjunge Will davon geträumt, ein Ritter zu werden wie sein Vater. Weil er aber zu klein und schmächtig ist, wird er dem geheimnisvollen Waldläufer Walt als Lehrling zugeteilt. Als das Königreich Araluen von einem alten Feind und dessen ungeheuerlichen Kreaturen angegriffen wird, muss Will sich bewähren und stellt fest, dass das Leben eines Waldläufers viele Herausforderungen, aber auch besondere Möglichkeiten birgt …

Band 5: Kaum hat Will Hallas seine Ausbildung zum Waldläufer abgeschlossen, bekommt er es mit übernatürlichen Mächten zu tun. Zunächst hält er die Gerüchte über Hexerei für blanken Unsinn. Doch dann erblickt er im Wald die unwirkliche Gestalt eines dunklen Kriegers. Will muss sich einem Kampf stellen, auf den ihn keine Ausbildung der Welt vorbereiten konnte …

Band 6: Burg Macindaw wird von Verrätern besetzt gehalten. Es ist an Will, die Verteidigung gegen eine drohende Invasion der Skotten aufzustellen. Mit Mut und Einfallsreichtum – und der Hilfe eines alten Freundes – macht sich Will an seine erste geheime Mission im Dienste des Königs …

_Der Autor_

John Flanagan, geboren 1944, arbeitete als Werbetexter und Drehbuchautor, bevor er das Bücherschreiben zu seinem Hauptberuf machte. Den ersten Band von „Die Chroniken von Araluen“ schrieb er, um seinen 12-jährigen Sohn zum Lesen zu animieren. Die Reihe eroberte in kürzester Zeit die Bestsellerlisten in Australien. (Verlagsinfo)

_Vorgeschichte_

Als Gaukler und Musikant verkleidet macht sich Will auf den Weg ins Nordland. Als Waldläufer würden die Leute ihm nur mit Misstrauen begegnen und keinen Ton sagen, was wirklich dort vorgehe, meinen seine Ausbilder Walt und Crowley. Dies soll sich schnell als richtiges Urteil erweisen, denn erst nachdem Will zwei Abende in einem Gasthaus aufgespielt hat, rückt der Wirt mit der Sprache heraus und gibt ihm den Tipp, sich vor dem Sumpfwald Grimsdell zu hüten. Will beschließt, sich daran zu halten, aber der Sache auf den Grund zu gehen.

Während Lord Orman ihn kühl begrüßt, weil er nichts für Musikanten und Gaukler übrighat, ist Sir Keren umso freundlicher. Schon nach dem ersten Abend mit Musik findet Will Gelegenheit, mit seiner treuen Hündin den Wald von Grimsdell zu erkunden. Prompt stößt er auf das Gespenst, das „Krieger der Nacht“ genannt wird. Es warnt ihn eindringlich davor, länger zu verweilen, und ermahnt ihn zu verschwinden, solange noch Zeit ist. Will nimmt die Beine in die Hand und verduftet aus dem gruseligen Wald.

Als tags darauf Lady Gwendolyn von Almare eintrifft und Lord Orman ihre Aufwartung macht, ist Will überaus erleichtert, in ihr seine zuverlässige Alyssa wiederzuerkennen. Natürlich darf niemand von ihrem engen Bund wissen und so verstellen sich beide. Sie beschließen, zusammen dieser mysteriösen Burg auf den Grund zu gehen und wenn es ihre Seelen kosten sollte.

Die beiden entdecken im Sumpf ein paar verräterische Hinweise, die mehr mit weltlichen als übernatürlichen Ursprüngen zu tun haben. Wenig später stellen sich die Verhältnisse auf Burg Macindaw als ganz anders gelagert dar, als Will sie bisher aufgefasst hat. Er hielt Orman für den Schurken und Keren als den guten Kumpel, doch hat er sich offenbar vom äußeren Anschein blenden lassen – genau wie alle anderen hinsichtlich des Kriegers der Nacht im Wald. Das Ende: Alyssa ist gefangen und der Gegner hat die Burg in seiner Hand, die Skotten sind bereits auf dem Vormarsch.

_Handlung_

Will muss die Belagerung der Burg organisieren. Mit großem Glück entdeckt er die 25 Nordmänner Gundar Hardstrikers, deren Langboot gestrandet ist. Gundars Gefangener John Buttle ist in die Burg entkommen. Wenig später findet Will heraus, dass Buttle im Auftrag seines Herrn Lord Keren Leute rekrutieren will – doch er wird nicht fündig.

Der Mann, der ihm dies sagt, ist kein anderer als der Ritter vom Eichenblatt – Horace, der sich unter dem Decknamen „Hawken“ nach einer Anstellung als freier Ritter umsieht. Die Wiedersehensfreude der beiden Freunde ist natürlich riesig, und sie feiern den Anlass auf der Lichtung des Heilers Malcolm, dem vormaligen Zauberer Malkallam. Hier organisiert Will den Widerstand gegen Lord Keren.

Und er plant die Befreiung Alyssas, die von Lord Keren im obersten Stockwerk des Turms eingesperrt worden ist. Alyssa gelingt es, Will mit Lichtzeichen auf sich aufmerksam zu machen. Es sind die Lichtzeichen der Waldläufer, die anderen unverständlich sind. Aufgrund der Verständigung, die sie erreichen, kann er ihr Malcolms Zauberstein per Kurierpfeil in die Kemenate schießen.

Nun verfügt sie über einen Schutz gegen Lord Kerens eigenen Zauberstein und plaudert nicht mehr alles aus. Dadurch erfährt sie ihrerseits, dass die Skotten im Anmarsch sind, und alarmiert Will entsprechend. Dieser kann sich nun bestens auf Kerens Verbündete vorbereiten. Der Skottengeneral bringt allerdings nur ein gutes Dutzend Soldaten – soll dies schon alles seiner Armee sein oder ist dies bloß die Vorhut, fragen sich Will und Horace.

Als der General wieder aus der Burg kommt, um zu seiner Armee jenseits des Passes zurückzukehren, legen ihm Will, Horace und ihre Nordländer einen Hinterhalt. Während sie mit dem Rest des Haufens leichtes Spiel haben, stellt sich der Skottengeneral als harter Brocken heraus, mit dem Will alle Mühe hat. Er muss sogar sein Leben riskieren …

_Mein Eindruck_

Das Hauptthema dieses Bandes ist, wie schon zuvor, die Treue. Diese nimmt zahlreiche Formen an, die allesamt auf den Prüfstand gestellt werden. Die wichtigste Form der Treue ist die Freundschaft zwischen Will und Horace, hier aber auch die problematischste. Will neigt als Agent in geheimer Mission dazu, die Leute herumzukommandieren, doch das lässt sich der Ritter vom Eichenblatt natürlich nicht ohne Weiteres gefallen. Horace muss lernen, Will und dessen Pläne zu verstehen, um ihm helfen zu können.

Wills Freundschaft zu Alyssa geht inzwischen über Kameradschaft und Kollegialität – sie ist ja königlicher Kurier in geheimer Mission – weit hinaus. Doch kaum hat Will erkannt, dass er die eingekerkerte Lady liebt, wird diese Liebe bereits auf das Äußerste gefährdet. Lord Kerens Zaber bringt nämlich Alyssas Geist per Hypnose unter seine Kontrolle. Er befiehlt ihr, den zu ihrer Befreiung heranstürmenden Will mit Kerens Schwert zu töten. Und es sieht ganz danach aus, als würde sie ihm gehorchen. Doch es gibt ein Zauberwort, das selbst diesen Bann brechen kann …

Lord Keren ist der Inbegriff der gebrochenen Treue in dieser Geschichte. Er hat seinen Herrn, Lord Syron, vergiftet und es bei Lord Ormand fast geschafft. Dieser konnte gerade noch rechtzeitig (in Band 5) in den Wald in Sicherheit gebracht werden, wo sich Malcolm, der Heiler, um ihn kümmerte. Nun sieht Keren, als er sich mit Alyssa unterhält, nur noch einen Ausweg, sobald die Skotten die Burg in ihre Gewalt gebracht haben werden: Ins Ausland gehen, um ein Lehen zu erwerben. Für diesen zweiten Verrat an der Burg bittet er Alyssa, mit ihm zu gehen. Wird sie einwilligen?

Den absoluten Tiefpunkt in puncto Treue bildet John Buttle. Der Raufbold und Gesindelkommandeur auf Kerens Burg ist das Inbild des Opportunisten. Seine Treue, sofern existent, gehört niemandem, der ihn nicht bezahlt. Er findet ein verdientes ruhmloses Ende, als Wills Leute die Burg stürmen.

Will erweist sich als ein Mann, der Treue in anderen inspiriert, ähnlich wie Aragorn. So gelingt es ihm, die Waldbewohner auf seine Seite zu ziehen, die von Malcolm beschützt werden. Ebenso gelingt es ihm, die Nordmänner unter Gundar hinter sich zu scharen, und nachdem er selbst den Dümmsten unter ihnen besiegt hat, folgen sie ihm selbst noch dann, als seine Pläne echt kompliziert werden.

Dies alles wäre aber notwendig, wenn der ortsansässige Waldläufer, ein Typ namens Melanor, seinen Job gemacht hätte. Melanor hat es sich jedoch im fernen Norgate, der Grenzfestung Araluen, einfach zu gut gehen lassen und in Macindawr nicht nach dem Rechten gesehen. Er hat es verdient, dass er abgelöst wird, finden die Chefs der Waldläufer, Walt und Crowley.

Aber nicht durch Will, stellt dieser erleichtert fest. Und so kann der junge Waldläufer zufrieden in sein eigenes Schutzgebiet auf der Insel Seacliff heimkehren. Allerdings fehlt ihm etwas Entscheidendes zu seinem Glück, wie er bekümmert feststellt: Er vermisst die liebe Alyssa. Da erreicht ihn zusammen mit anderen Botschaften und Dingen ein Brief der königlichen Kurierin, mit einer ganz besonderen Botschaft …

_Die Übersetzung _

Inzwischen hat sich ein Muster im Aufbau der Serie abgezeichnet: Es handelt sich um Doppelromane. Die ersten zwei Romane ergaben eine ganze Geschichte, ebenso Band 3 und 4. Und da es sich hier um Band 6 handelt, ist dies die zweite Hälfte, die aus Band 5 ein Ganzes ergibt.

Dem Text ist eine Karte des Geländes um die Burg Macindaw vorangestellt. Allerdings wird die sonst übliche Karte von Araluen schmerzlich vermisst. Diese muss der Leser in den vorangegangenen Bänden suchen, v.a. in Band 1 und 2.

Die Übersetzung ist sehr gut gelungen und inhaltlich fehlerfrei. Es fanden sich jedoch Druckfehler auf den Seiten 192, 239 und 331.

_Unterm Strich_

Um diesen zweiten Teil des Doppelromans zu verstehen, ist natürlich Kenntnis des Bandes „Der Krieger der Nacht“ notwendig. Das sollte für Fans dieser Reihe jedoch kein Problem darstellen – es sei denn durch die lange Wartezeit, die zwischen den beiden Erscheinungsterminen verstrichen ist.

Ich fand diese zweite Hälfte des Doppelromans durchaus spannend in der ersten und in der zweiten Hälfte, ab etwa Seite 200 zudem richtig actionreich und humorvoll. Zwischen diesen beiden Hälften liegt eine kleine Durststrecke, in der Will einen Plan finden und dann den anderen erklären muss, wie er die Burg zu erstürmen gedenkt: mit List und Tücke, wie sonst? Hier muss der Leser sich gedulden, bis der Plan in die Tat umgesetzt wird – eine Sache von etwa 40 Seiten.

Die erste Hälfte gipfelt in der Gefangennahme des Skottengenerals in einer tollen Actionsequenz. Danach geht es darum, dem ziemlich harten Brocken seine Geheimnisse zu entlocken: Wann soll die Invasion der Skotten aus Picta erfolgen? Bleibt noch Zeit, bis der Ersatz aus Norgate kommt oder müssen die Waldläufer, Waldbewohner und Nordmänner – also nur eine Handvoll Leute – vorher die schwer verteidigte Burg erstürmen, in deren Kerker Alyssa schmachtet?

Um den General zu überreden, kommt es zur einzigen Fantasy-artigen Szene dieses an übernatürlichen Elementen nicht gerade reich gesegneten Bandes. Ich Fantasy-artig, weil auch die Spezialeffekte, die dem General das Erscheinen eines Dämons von schrecklichem Erscheinungsbild vorgaukeln, alle rational erklärt werden. Ich fand diese Szene deshalb sehr ironisch, doch sie verfehlt ihre Wirkung nicht, wenn man an das Übernatürliche glaubt.

Den absoluten Höhepunkt des Bandes hat der Autor natürlich für das Finale aufgespart: Es ist die Szene in Alyssas Gefangenenquartier im großen Turm. Alyssa, von Keren hypnotisiert, wendet sich gegen ihren Freund Will und soll ihn töten. Mehr darf nicht verraten werden, aber allein diese höchst emotionale Szene lohnt die Lektüre, wenn man die drei Freunde Will, Alyssa und Horace mag.

Sieht man also von dem Durchhänger in der Mitte ab, so bekommt man als Fan der Reihe eine Menge Spannung, Romantik, Action und Humor für sein Geld. Und sobald Will zu seiner Liebsten galoppiert ist, werden wir die drei Freunde im nächsten Band wiedersehen.

Fazit: Vier von fünf Sternen.

|Taschenbuch: 384 Seiten
Originaltitel: The Siege of Macindaw (Ranger’s Apprentice 6) (2007)
Aus dem Australisch-Englischen von Angelika Eisold-Viebig
ISBN-13: 978-3570222225|
[Verlagshomepage]http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch/index.jsp

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