Graeme Simsion – Der Mann, der zu träumen wagte

Worum gehts?

Über zwanzig Jahre ist es her, dass Adam Sharp Angelina, die Liebe seines Lebens traf – und wieder verlor. Doch völlig unerwartet meldet sie sich nach all den Jahren wieder bei ihm und es herrscht direkt wieder dieses gewisse Etwas zwischen den beiden. Sie geht sogar noch weiter und lädt ihn in ihr Landhaus nach Frankreich ein. Nun liegt es an Adam, ob er sein bisheriges Leben in Frage stellt und eventuell alles über Bord wirft und sich in diese Gefahr begibt, um möglicherweise am Ende vor den Trümmern seiner Ehe zu stehen.

Inhalt

Adam Sharp ist ein sogenannter „Datenspeicher-Architekt“, was im Prinzip nichts anderes als IT-Berater bedeutet. In seiner Freizeit interessiert er sich außerordentlich für Musik und nimmt regelmäßig am Pub-Quiz in der Kneipe um die Ecke teil und sahnt meistens den ersten Platz ab. Ab und zu spielt er selbst auch Klavier und singt sogar zu manchen Stücken den Text.

Alles in allem ist er ganz zufrieden mit sich und seinem Leben. Seine Ehe mit Claire ist im Laufe der Zeit etwas abgekühlt und jeder macht sein Ding, was aber nicht heißt, dass es oft Streitigkeiten gibt oder es schlecht läuft. Ein stetiger Ballast zwischen den beiden ist allerdings das Thema „Kinder“. Diese wurden den beiden nämlich leider Gottes vergönnt und ein in-vitro-Eingriff kam nicht in Frage.

Er führt sozusagen ein Leben, wie Millionen andere Männer seines Alters das auch tun. Doch eines Tages, er saß gerade am Rechner, poppte eine E-Mail auf – von Angelina. Die Mail beinhaltete nur das Wort „Hi“, doch das reicht aus, um Adams Gehirn-Maschinerie in Gang zu setzen. Warum meldet sie sich nach all den Jahren? Was möchte sie von mir? Ist sie etwa nicht mehr verheiratet? Er musste Stunden nachdenken, was er ihr auf diese Mail antwortet, doch als der Stein einmal ins Rollen gebracht wurde, gab es kein Halten mehr. Sie „verabreden“ sich nun regelmäßig mittwochs zum Chatten und schließlich eines Tages zum Skypen. Direkt war dieses Knistern von vor zwanzig Jahren wieder gegenwärtig.
Auf ganz dünnes Eis begibt Adam sich schließlich, als er eine Einladung ihrerseits in das französische Landhaus bekommt – und annimmt. Stellt sich nur die Frage, wie diese Reise sein zukünftiges Leben beeinflussen wird. Gibt es ein Zurück mit Angelina? Oder bedeutet der Frankreich-Trip das Aus seiner Ehe mit Claire? Oder steht er hinterher vielleicht sogar ohne eine von beiden da?

Diese eine Woche in Frankreich ist vollgespickt mit Ereignissen. Es handelt sich um eine Woche voller gutem Wein, leckerem, dekadentem Essen, skurrilen Gesprächen und jeder Menge Sex. Während manche Ereignisse absehbar waren, kommen andere völlig unerwartet um die Ecke. Doch eines steht fest, nach dieser Woche muss eine Frage geklärt werden, nämlich die Frage nach der Zukunft.

Mein Eindruck

Der Einstieg in das Buch gelang mir nicht ganz so leicht, musste ich mich doch erst mal an den Schreibstil des Autors und seinen Schachtelsätzen gewöhnen. Etwas störend fand ich auch die ständigen Einwürfe von unzähligen Musiktiteln. Klar, sie sind irgendwie Teil dieser Geschichte, aber sicherlich hätte man die Anzahl sowie der Ausschmückungen zu den entsprechenden Künstlern sicher etwas reduzieren können.

Um nach den beiden Kritikpunkten jedoch das Buch zu loben, muss man an dieser Stelle die Geschichte an sich erwähnen. Diese ist nämlich keineswegs konventionell und abgedroschen. Es handelt sich hier um einen bittersüßen Roman um Protagonisten in der Lebensmitte, die sich mit der Frage nach dem Alter und der Liebe beschäftigen. Ebenso fragwürdig ist, ob die Vergangenheit mit der Gegenwart kompatibel ist.

Dieses Buch ist auf eine Weise zwar sehr skurril und befremdlich, doch auf der anderen Seite regt es extrem zum Denken an. Als Außenstehender versucht man sich permanent in die Protagonisten, die übrigens sehr gut dargestellt sind, hineinzuversetzen und die Denkweise nachzuvollziehen. Während es mir bei Angelina und Adam recht häufig gelungen ist, blieben mir bis zum Schluss fast alle Taten von Charlie, Angelinas Ehemann, unschlüssig bzw. zu abgefahren.

Über den Autor

Sein erster Roman, ›Das Rosie-Projekt‹, wurde auf Anhieb ein Welterfolg und stand in Deutschlang monatelang auf Platz 1 der Bestsellerliste. Mit dem Roman ›Der Rosie-Effekt‹ und jetzt ›Der Mann, der zu träumen wagte‹ setzt der Australier Graeme Simsion seine Erfolgsgeschichte fort. Simsion war erfolgreicher IT-Berater, bis er mit dem Schreiben anfing. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit seiner Familie in Melbourne. (Verlagsinfo)

Fazit

Dieses Buch ist sicherlich lesens- und empfehlenswert, was nicht allein der Tatsache geschuldet ist, dass es einfach anders ist. Auch, weil es mich gut unterhalten hat. Da ich nur dieses Buch des Autors gelesen habe, kann ich nicht sagen, ob dieses den Geschichten um Rosie ähnelt oder der Schreibstil vergleichbar ist. Dennoch wage ich zu behaupten, dass auch „Der Mann, der zu träumen wagte“ eine Rolle in der Bestseller-Liste spielen dürfte.

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Gebunden: 400 Seiten
Originaltitel: The Best of Adam Sharp
Ins Deutsche übersetzt von Annette Hahn
ISBN: 381053031X

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www.graemesimsion.com