Gabriel Burns – Der Ruf des Leviathans (Folge 39)

Die Handlung:

Die Welt – wie der Mensch sie begreift – wird gefomt durch seine Wahrnehmung.
Doch was … oder wer … formt die Wahrnehmung?
Die Baumwurzeln erbebten … und gaben den Blick in den Abgrund frei, wo die toten Nonnen im schwarzen Habit einen Kreis bildeten … und sich vor dem Rauschen verbeugten, das aus der Ferne näher kam. Sie hielten einander die Hände.
Wasser rann ihnen unaufhörlich über die Tracht und versickerte in neun Pfützen im Boden.
Die Augenhöhlen waren gähnend leere Mäuler … aus Nacht gewoben. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Nachdem es sich mit der letzten Folge schon angedeutet hat, scheint es sich hier zu bestätigen. GABRIEL BURNS wird zu einer kafkaesk düsteren Einzelfolgen-Serie, deren Geschichten und Charaktere offenbar nur noch lose bis gar nichts mehr miteinander zu tun haben. Das wird nicht jedem schmecken, denn nachdem die Schöpfer der Hörspiele viele, viele, viele Hörstunden lang die Welt des Gabriel Burns erschaffen haben und uns den Weg des ehemaligen Taxifahrers mitverfolgen ließen, scheint der titelgebende Protagonist nun vollständig aus der Serie geschrieben worden zu sein.

Stattdessen gibts nach diesem Umschwung Einzelschicksale zu hören, diesmal am Amazonas und in der Tiefsee. Sicher, durchaus unterhaltend und so können die Autoren auch die Handlungsorte mit jeder Folge komplett wechseln … düster, dunkel und verstörend, so wie es der Fan gewohnt ist, aber bis auf die Effekte und die bekannte Musik fühlt sich nichts mehr so an wie früher. Und lange bevor die ganzen Andeutungen abgearbeitet sind und alle Fragen beantwortet, gibts auf einmal neue Orte, neue Fragen, neue Andeutungen, neue Gegner … das ist einfach unbefriedigend und lässt den Fan in der Luft hängen.

Nicht dass ich eine Weiterentwicklung ablehne, im Gegenteil, es sollte endlich mal wieder vorangehen, es ist schließlich eine Serie. Aber dieses Konzept scheint entweder kein Interesse mehr bei den Machern zu wecken oder es sind ihnen schlichtweg die Ideen ausgegangen, wie die Haupthandlung vorangetrieben werden soll. Maya, Amazon, Tiefsee? Been there, done that … schon zu häufig. Hier und da mal einen Blick zur Seite zu werfen, lohnt immer, wenn es etwas Interessantes zu sehen und zu erzählen gibt, aber der Fan möchte wissen, wie es mit Gabriel Burns weitergeht … aber es geht nicht weiter, so gar nicht, weil er nicht mehr da ist.

Wenn hier nicht GABRIEL BURNS draufstehen würde, könnte man sich bestimmt über eine Stunde gut verstören lassen … man würde ja nichts vermissen und hätte auch nichts zu meckern. Der Erzähler hat so einen hohen Sprachanteil, dass die Folge fast an eine inszenierte Lesung grenzt. Immer wieder beschreibt er in immer blumigeren und ausschmückenden Textseiten die Szenen, die sich abspielen, aber immer noch nicht so im Kopf des Hörers ankommen, wie gewünscht. Von Effekten, dramatischer und auch mal düsterer Musik begleitet … aber nicht von der Handlung gebannt, hört man zu und fragt sich, ob früher nicht wirklich alles besser war … nicht nur für Gabriel Burns, wo auch immer der jetzt ist.

Die Sprecher und ihre Rollen:

Erzähler – Jürgen Kluckert
Introerzähler – Hans Paetsch
Almirante Corsa – Ferdinand Schrink
Offizier – Raphael Kübler
Cesar Suarez – Uve Teschner
Militärrichter – Sven Rieman
Verteidiger – Thomas Nero Wolff
Bakerman – Ernst Meincke
Nevio – Andreas Richter
Yolanda Fuentes – Silke Werner
Pater Miguel – Gerald Paradies
Junge Yolanda – Maja Velimir
Verfolger – Ulrich Drogge

Technik-Credits:

Idee & Konzeption – Decision Products
Drehbuch – Andreas Gloge und Volker Sassenberg
Musik – Matthias Günthert und Volker Sassenberg, Manuel Rösler
Tontechnik und Schnitt – Marc Sander & Volker Sassenberg
Tonassistenz – Antonia Pehle
Illustration – Cover Design und Illustration: Ingo Masjoshusmann
Aufgenommen und gemischt unter Finians Regenbogen
Produziert von Volker Sassenberg für Decision Products

Die Ausstattung:

Die rot und schwarz bedruckte CD steckt in einem Jewel-Case. Das Booklet enthält eine kurze Einführung in die Gesamthandlung, eine Auflistung der Sprecher und ihrer Rollen sowie die Technik-Credits. Zusätzlich bekommen wir noch sämtliche Cover der bisher erschienenen Folgen zu sehen und die der kommenden sowie der drei GABRIEL-BURNS-Hörbucher. Außerdem finden wir hier noch ein wenig Verlagswerbung in eigener Sache für die Reihe POINT WHITMARK.

Mein Fazit:

Mit dieser Folge ist GABRIEL BURNS nun endgültig „über den Hai gesprungen“. Was vor fast genau 10 Jahren als neuer, verstörend spannender Gänsehautgrusel begann, ist zu einer Einzelfolgen- und Einzelgeschichten-Serie geworden, die nicht mal mehr den Protagonisten beinhaltet. Nur ab und an wird mal ein bekannter Charakter mit dazugeworfen, ein geläufiger Begriff verwendet, um daran zu erinnern, dass dies mal die frischeste Gruselserie auf dem deutschen Markt war.

Die tollen Effekte, die düstere Musik, die guten Sprecher … alle sind noch da, nur die fesselnden Storys, die an die Serie binden könnten, fehlen und Handlungsfortschritt gibts auch keinen, nur immer neue Andeutungen. Wenn die Autoren nicht schnell wieder aus dem künstlerisch höchst anspruchsvollen aber leidlich unterhaltenden Selbstverwirklichungstief der Serie kommen und wieder spannende Unterhaltung anbieten, dann werden immer mehr Fans der Serie enttäuscht aufgeben und nur noch zu Geisterjägern oder Dämonenkillern greifen.

GABRIEL BURNS ist immer noch „anders“, keine Frage, aber ich glaube nicht, dass die Abkehr von bekannten Charakteren und der Verfolgung und Erklärung der ursprünglichen Ziele der richtige Weg ist, um langfristig Bestand zu haben und vor allem Käufer zu finden und darauf kommts schließlich an.

1 Audio-CD
Spieldauer: 69:33 Minuten
Tracks: 10
EAN: 0888837090421
Vom Verlag empfohlen ab 16 Jahren

www.gabriel-burns.com
www.experiment-stille.de

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