Clive Staples Lewis – Die Chroniken von Narnia (Gesamtausgabe)

Die sieben Bände des angelsächsischen Kinder- und Jugendbuchklassikers in einer schön aufgemachten Gesamtausgabe. Narnia ist eine ökologisch korrekte, latent zivilisationsfeindliche, monarchistisch-autoritär regierte ‚Gegenerde‘, in der (guter und böser) Zauber, sprechende Tiere und Fabelwesen zum Lebensalltag gehören. Starke christliche Glaubensvorstellungen und Allegorien fließen in die nur scheinbar einfach gestrickte Handlung ein und verschaffen dem Werk jenseits seiner Qualitäten als spannendes, zeitloses Kinderbuch eine zweite Rezeptionsebene, die aus heutiger Sacht oft aufdringlich wirkt.

Inhalt:

1. Die Wunder von Narnia (The Magican’s Nephew, 1955), S. 7-72

London im Jahre 1900/Narnia-Jahr 0: Möchtegern-Magier Andrew Ketterley schickt seinen Neffen Digory Kirke und dessen Freundin Polly Plummer auf die Reise in ein Reich zwischen Zeit & Raum. Dort betreten sie durch einen Zauberteich die tote Welt Charn und geraten an die böse Hexenkönigin Jadis, die sie in die Menschenwelt verfolgt und hier sogleich die Herrschaft an sich reißen will. Zwar gelingt es den Kindern, die Hexe zurück in die Zwischenwelt zu locken, doch dort stürzen alle durch einen anderen Teich in die noch unbelebte Welt Narnia, die Aslan, der goldene Schöpferlöwe, gerade mit Licht und Leben erfüllt. Jadis will sich nunmehr Narnia unterwerfen. Digory muss eine gefährliche Mission antreten, um die junge Welt zu retten.

2. Der König von Narnia (The Lion, the Witch and the Wardrobe, 1950), S. 73-134

London 1940/Narnia-Jahr 1000. Die Kinder Lucy, Suse, Edmund und Peter werden aus der von deutschen Bombern attackierten Stadt evakuiert und im Landhaus des exzentrischen aber freundlichen Professors Digory Kirke einquartiert. In einem der vielen Räume des verwinkelten Gebäudes entdecken sie einen Wandschrank, der sich als Portal in ein Märchenreich jenseits unserer Welt entpuppt. Narnia steht inzwischen unter dem Bann der „Weißen Hexe“ Jadis, die sich selbst zur Königin ernannt und einen ewigen Winter über das Land gelegt hat. Aslan, der goldene Löwe, der zwischen den Welten wandeln kann, entsendet Lucy und ihre Freunde Jadis Zauber zu brechen.

3. Der Ritt nach Narnia (The Horse and His Boy, 1954), S. 135-210

London 1940/Narnia-Jahr 1014: Im fernen Kalormen plant der Sklavenjunge Shasta gemeinsam mit dem sprechenden Streitross Bree die Flucht ins nördlich gelegene Narnia. In der Hauptstadt Tashbaan werden sie zufällig Zeugen einer Verschwörung: Kronprinz Rabadash will mit einem Heer die Länder des Nordens unterwerfen. Nun ist es an Shasta und Bree – denen sich inzwischen die vor einer Zwangsehe mit dem hässlichen Wesir von Kalormen flüchtende Arawis und das gleichfalls sprechende Pferd Hwin zugesellt haben – den Invasoren zuvorzukommen und die Könige von Archenland und Narnia rechtzeitig zu warnen.

4. Prinz Kaspian von Narnia (Prince Caspian, 1951), S. 211-286

London 1941/Narnia-Jahr 2303: Lucy, Suse, Edmund und Peter kehren ins Land Narnia zurück. Dort sind seit ihrem ersten Besuch mehr als 1000 Jahre verstrichen. Narnia wurde von den Telmarern erobert. Sie haben die sprechenden Tiere und Fabelwesen in die Wildnis vertrieben und führen ein strenges, freudloses Regiment. Auf dem Thron sitzt der Usurpator Miraz, der seinen Bruder, den König, beseitigen ließ. Ein solches Ende plant er nun auch für seinen ahnungslosen Neffen Kaspian, doch dieser wird rechtzeitig gewarnt und kann flüchten. Gemeinsam mit den Erdmenschen und unter Führung des rechtzeitig zurückkehrenden Aslan geht Kaspian gegen den Tyrannen vor.

5. Die Reise auf der Morgenröte (The Voyage of the „Dawn Treader“), S. 287-370

London 1942/Narnia-Jahr 2306: König Kaspian unternimmt mit seinem Schiff, der „Morgenröte“, eine Expedition in Narnias unbekannte östliche Meere, wo er nach sieben treuen Gefolgsleuten seines Vaters sucht, die sein böser Onkel einst dorthin entsenden ließ. Das Schicksal in Gestalt des Löwen Aslan stellt ihm per Zauber seine irdischen Gefährten Lucy und Edmund zur Seite, die dieses Mal von ihrem Cousin Eustachius Knilch begleitet werden. Piraten, Stürmen, Seeungeheuern und vielen anderen Gefahren muss die Besatzung der „Morgenröte“ trotzen, bis sie ihre Mission erfüllt hat.

6. Der silberne Sessel (The Silver Chair, 1953), S. 371-452

London 1942/Narnia-Jahr 2356: Der alte König Kaspian begibt sich zum letzten Mal auf große Fahrt, um endlich das Schicksal seines Sohnes und Erben Prinz Rilian zu klären, der vor Jahren von der bösen Schlangenhexe entführt wurde. Narnias Thron droht zu verwaisen, was nicht geschehen darf. Der Löwe Aslan holt aus der Menschenwelt die Kinder Eustachius Knilch und Jill nach Narnia. Sie sollen Rilian suchen und finden. Die Spur führt in den wilden, kalten Norden. Gemeinsam mit dem skurrilen Moorwackler Trauerpfützler machen sich die Kinder auf den Weg. Die Hexe hat freilich schon von ihrer Mission erfahren und stellt tückische Fallen auf.

7. Der letzte Kampf (The Last Battle, 1956), S. 453-524

London 1949/Narnia-Jahr 3555: Der Affe Listig streift seinem dummen Gefährten, dem Esel Wirrkopf, eine alte Löwenhaut über. Den sprechenden Tieren und Fabelwesen von Narnia gaukelt er vor, dies sei ihrer aller Herr, der Löwe Aslan, dem sie bedingungslos zu gehorchen hätten. Da Aslan schon viele Jahre nicht mehr erschienen ist, gelingt der Schwindel. Listig holt die Kalormen ins Land, das er im Namen Aslans plündern und versklaven lässt. Tirian, der letzte König von Narnia, ist machtlos. Aber Aslan ist keineswegs tot. Während Tirian die Kräfte Narnias gegen Listig und die Invasoren mobilisiert, holt der Löwe alle Menschen, die je für Narnias Wohl gekämpft haben. Eustachius und Jill folgen Digory Kirke, Polly, Peter, Edmund sowie Lucy; sie nehmen Teil an der letzten, alles entscheidenden Schlacht zwischen Gut & Böse, die Narnias Schicksal entscheiden wird.

Siebenfach-Klassiker als Pracht-Ausgabe

Alle sieben Bände der „Narnia“-Sage, vereinigt in einem großen, dicken, auf feines Kunstdruckpapier gedruckten, schön und farbig illustrierten und verzierten Prachtwerk: Die „Narnia“-Saga war schon vor dem ersten Disney-Spektakel von 2005 Literaturklassik und Kult – ein wenig auch in Deutschland, wo die Geschichten um das sagenhafte Land, das u. a. durch einen Kleiderschrank zu erreichen ist, 1957 zuerst und seither in unzähligen Ausgaben veröffentlicht wurden. Viele schon ältere Zeitgenossen werden sich erinnern, in ihrer Jugend Narnia bereits besucht zu haben. Nicht nur an den Nachwuchs, sondern auch an sie wendet sich dieser Sammelband.

Die Faszination der Vergangenheit stellt sich freilich erstaunlich schwer oder gar nicht mehr ein, so viel Freude das Wiedersehen auch bereitet. Man kann es pompös damit begründen, dass die Unschuld der Jugend verflogen ist. Gemeint ist allerdings eher, dass die „Narnia“-Bücher trotz Neuübersetzung in Stil und Ausdruck oft sowohl geschraubt als auch altmodisch bis angestaubt wirken. Zudem hat man gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen. Die „Narnia“-Saga ist ein doppeldeutiges Werk. Das Märchen ist eher eine Allegorie, die fest im Christentum verwurzelt ist. Der Verfasser will seinen (jungen) Lesern etwas sagen, sie überzeugen; will er sie womöglich auf seine Seite ziehen?

Unterhaltung mit Untertönen

Manipulation im Dienst der guten Sache ist ein Vorwurf, der gegen die „Narnia“-Bücher oft erhoben wird. Allerdings sind die Kinder des 21. Jahrhunderts aus anderem Holz geschnitzt als ihre ‚Vorfahren‘ in den 1950er Jahren. C. S. Lewis’ Entwurf einer besseren (aber nie idealen) Welt werden sie sicherlich kaum im Rahmen eines neuen Kreuzzugs realisieren wollen. Stattdessen werden sich die jungen Leser wie zu allen Zeiten an spannenden, mal ernsten, mal lustigen Geschichten in fantastischen Welten erfreuen, die bis ins Detail kunstreich und liebevoll ausgetüftelt wurden. In Narnia steht eine Straßenlaterne mitten im Wald, sitzen Biberfrauen hinter der Nähmaschine, tragen Faune Regenschirme und Mäuse Degen. Dabei verliert Lewis die (komplizierte) Chronologie seiner Welt nie aus den Augen. Wir hören in späteren Bänden immer wieder von alten Bekannten, treffen sie womöglich wieder. In Narnia – da walte Aslan – ist nichts unmöglich.

Zudem wurden die „Narnia“-Geschichten im Laufe der Jahre immer besser. Der Verfasser bekam seinen Stoff sichtlich in den Griff. Er baute seine Fantasiewelt aus, brachte immer neue, exotische Länder und deren groteske Bewohner hervor. Spätestens „Der silberne Sessel“ und vor allem „Der letzte Kampf“ beantworten die Frage, wieso diese „Kinderbücher“ mit den „Herr-der-Ringe“-Büchern von J. R. R. Tolkien verglichen werden.

Mit britisch skurrilem Witz, dessen Hintersinn von Kindern vielleicht nicht erkannt aber dessen Komik sehr wohl honoriert wird, vermeidet Lewis offen missionarische oder gar fanatische Untertöne. Auf der anderen Seite ist er ein Kind seiner Zeit. Das macht sich z. B. in „Der Ritt nach Narnia“ bemerkbar. Das Reich Kalormen ist deutlich der arabischen Welt aus 1001 Nacht nachempfunden. Aus heutiger Sicht bedient sich Lewis dabei einer politisch höchst unkorrekten Sichtweise. Seine Kalormenen sind allesamt dunkelhäutig, verschlagen, grausam. Hellhäutig, hoch gewachsen und edel präsentieren sich dagegen die Menschen aus Archenland und Narnia. Dies ist das zeitgenössische Herrenmenschendenken des kolonialen Weltreichs Großbritannien, in dem und mit dem Lewis aufgewachsen war und das er verinnerlicht hatte.

Integraler Bestandteil der „Narnia“-Geschichten sind seit ihrer Erstveröffentlichung die Illustrationen von Pauline Baynes (1922-2008). C. S. Lewis selbst war auf sie aufmerksam geworden, als er Zeichnungen sah, die sie für ein Büchlein seines Freundes Tolkien („Farmer Giles of Ham“) schuf. Obwohl seither andere Künstler eigene Narnia-Interpretationen vorgelegt haben, gelten Baynes’ Bilder weiterhin als die Narnia-Illustrationen. Für die „Complete Chronicles of Narnia“ kolorierte sie Baynes selbst 1998 nach ihren Vorstellungen.

Narnia von unten

Narnia ist eine Welt, in der Kinder die Hauptrolle spielen. Erwachsene kommen selbstverständlich vor; sie werden jedoch aus der ‚Untersicht‘ der jungen Protagonisten beschrieben und benehmen sich einerseits unverständlich oder töricht, andererseits unerträglich jovial. Kinder sind dagegen offener. Ihnen fällt es leicht eine Realität zu akzeptieren, in der es Hexen, Fabelwesen oder sprechende Tiere gibt. (Lewis schildert in „Die Wunder von Narnia“ sehr anschaulich, wie es Onkel Andrew die Erfahrungen eines langen Lebens voller Alltäglichkeiten unmöglich machen, Narnias Tiere zu verstehen – er hört nur Knurren & Fauchen und fürchtet sich.)

Dabei begeht Lewis niemals den Fehler, seine jungendlichen Figuren als reine Engel zu verklären. Sie streiten sich, entscheiden oft falsch. In „Der König von Narnia“ verfällt Edward sogar der Weißen Hexe und verrät seine Gefährten. Solches Verhalten, so Lewis, gehört zum Leben. Man lernt daraus und macht es dann besser. Deshalb gehen die „Narnia“-Geschichten trotz manchmal tragischer Ereignisse schließlich gut aus. Das ist nicht realistisch, liest sich jedoch für Kinder (und für Erwachsene) tröstlich.

Wieso einem Widerling wie Eustachius Knilch in „Die Reise auf der Morgenröte“ das Privileg einer Narnia-Reise vergönnt wird, wird unter dieser Prämisse verständlich. Autor Lewis verwendet auch ihn als ‚didaktisches Modell‘: Der unausstehliche Eustachius bringt sich durch seinen Eigensinn und die Weigerung, ein Teil des ‚Teams‘ der „Morgenröte“ zu werden, in gewaltige Schwierigkeiten. Er muss lernen, sich an- und einzupassen, was ihn im Sinne des Verfassers zu einem wertvolleren Menschen reifen lässt. (Keine Sorge, Lewis hirnwäscht Eustachius nicht zum Elite-Narniaisten: Rückfälle in sein altes, störrisches Wesen kämen immer wieder vor, merkt der Autor trocken an.)

Aslan, der goldene Löwe, steht kaum verhohlen für Gott bzw. Christus. Er erschafft Narnia in „Die Wunder von Narnia“ und hat dies wohl schon mit vielen Welten, die Erde eingeschlossen, getan. Aslan ist ein gütiger aber strenger Gott. Er zwingt seine ‚Kinder‘ nicht zum Gehorsam, sondern lässt ihnen die Wahl. Vor falschem Verhalten warnt er, doch er verhindert es nicht. Deshalb müssen diejenigen, welche der Versuchung erliegen, die Konsequenzen tragen. Freilich wacht Aslan im Hintergrund. Gerät seine Schöpfung in eine Gefahr, die ihre Bewohner überfordert, ist er um der Rettung willen durchaus bereit sich zu opfern (in „Der König von Narnia“) – auch dies eine deutliche biblische Parallele, zumal er wieder aufersteht.

Narnia – die Filme

2004 wurde für die Kinowelt ein Jahr des kollektiven Heulens & Zähneknirschens. 2001 bis 2003 war in jedem Dezember eine neue Episode des Peter-Jackson-Filmepos‘ „Der Herr der Ringe“ in die Lichtspielhäuser der Welt gekommen. Selbst wenn die übrigen Monate des Jahres nicht so gut gelaufen waren, brachten Frodo, Gandalf & Co. die Bilanzen zuverlässig in Ordnung. 2004 fehlte diese sichere Bank; es machte sich in der Einnahmestatistik durchaus unerfreulich bemerkbar.

Ein neuer Fantasy-Dauerbrenner musste her. Von J. R. R. Tolkien zu C. S. Lewis ist der Weg gar nicht so weit; die beiden waren zu Lebzeiten Freunde und diskutierten ihr Werk. Lewis’ „Narnia“-Reihe kann in Sachen Kultstatus und Auflagezahl durchaus mit dem „Herrn der Ringe“ mithalten.

„Der König von Narnia“, 2005 gedreht nach dem 1950 entstandenen „The Lion, the Witch and the Wardrobe“, kleckerte nicht, sondern klotzte. Die Spezialeffekte stellten selbst den „Herrn der Ringe“ in den Schatten. Der Film wurde (fast hysterisch) als das (Weihnachts)- Ereignis des Kinojahres beworben, nein: den potenziellen Zuschauern eingehämmert. Ein Erfolg bei Kritik und Publikum, der mit dem „Herrn der Ringe“ mithalten konnte, blieb zwar aus. Freilich war „Der König von Narnia“ alles andere als ein Fehlschlag, weshalb 2008 und 2010 Fortsetzungen entstanden und weitere Teile geplant sind.

Autor

Clive Staples Lewis wurde am 29. November 1898 im nordirischen Belfast als zweiter Sohn des Anwalts Albert Lewis und seiner Ehefrau Flora Hamilton Lewis geboren. Mit seinem älteren Bruder Warnie verlebte er eine geborgene Kindheit in Little Lea, dem großen, verwinkelten Haus, das später in den „Narnia“-Büchern als Landhaus des alten Digory Kirke wieder auftaucht. Eine weitere Parallele zur Romanwelt lässt sich in der schweren Erkrankung von Flora Lewis erkennen. 1908 starb sie; der Witwer schickte seine Söhne in ein Internat nach London. Clive hasste es dort – in „Prinz Kaspian“ lässt er seine jungen Narnia-Reisenden über ähnliche Probleme klagen und schildert die telmarischen Internate als Brutstätten schweinsgesichtiger Jungs und dicker, dummer Mädchen, in „Der silberne Sessel“ lässt er Jill und Eustachius mit sichtlicher Genugtuung ihre von einer irren Leiterin terrorisierte „Experimentalschule“ aufmischen – und war glücklich, als das Haus 1910 schließen musste und er nach Belfast zurückkehren konnte.

Ab 1916 studierte Lewis am University College zu Oxford University Antike und Englische Literatur, Philosophie sowie Alte Geschichte. Unterbrochen durch seinen Militärdienst im I. Weltkrieg, schloss Lewis 1925 seine Studien mit Auszeichnung ab. Er wurde Dozent für Englisch am Magdalen College in Oxford. Dort blieb er 29 Jahre, dann ging er als Professor für Mittelalter- und Renaissance-Literatur in die Universitätsstadt Cambridge. In dieser Zeit entstanden zahlreiche literaturwissenschaftliche Bücher und Artikel.

Während seiner Jahre am Magdalen College wurde Lewis Schriftsteller. Ein erstes großes Werk („The Pilgrim’s Regress“, dt. „Flucht aus Puritanien“) erschien 1933 und thematisierte seinen langen, schwierigen Weg vom Atheismus zum Christentum. Lewis’ intensive Beschäftigung mit Glaubensfragen floss immer in sein belletristisches Werk ein. Gleichzeitig blieb er stets ein strenger Wissenschaftler, der ein durchaus szientistisches Weltbild besaß.

Zu einem phantastischen Klassiker wurde seine Perelandra-Trilogie („Out of the Silent Planet“, 1938, dt. „Jenseits des schweigenden Sterns“; „Perelandra“/„Voyage to Venus“, 1943, dt. „Perelandra“; „That Hideous Strength“, 1945, dt. „Die böse Macht“), eine Mischung aus ‚christlicher‘ Science Fiction und mystischer Fantasy, dessen Hauptfigur Lewis nach seinem Freund J. R. R. Tolkien, dem Schöpfer des „Herrn der Ringe“, formte.

Lewis‘ Hauptwerk wurde die siebenbändige „Narnia“-Reihe, entstanden zwischen 1950 und 1956. Das Projekt eines „anspruchsvollen“ Kinderbuchs traf auf viel Kritik; man riet Lewis, sich seines schriftstellerischen Ranges zu besinnen und ‚richtige‘ Literatur zu verfassen. Freund Tolkien hielt die „Narnia“-Geschichten gar für missraten, was Lewis sehr kränkte. Der zunächst flaue Absatz der Bücher schien den Skeptikern Recht zu geben. Mundpropaganda brachte erst den Erfolg und dann den Quantensprung. Die Gesamtauflage der „Narnia“-Bücher, die seit ihrer Entstehung niemals außer Druck waren, wird auf mehr als 90 Millionen Exemplare geschätzt. Lewis hatte den idealen Weg gefunden, seine Ansichten in einfachen Worten einem möglichst großen Publikum nahe zu bringen.

Mit dem siebten Band schloss Lewis die Saga offiziell ab; es blieben keine losen Enden. 1957 heiratete er die Schriftstellerin Joy Davidham. Sie erkrankte bald an Krebs; die Pflege ließ dem Gatten wenig Zeit zum Schreiben und belastete ihn zudem psychisch. Nach Joys Tod 1960 begann Lewis selbst zu kränkeln. Er gab sein Lehramt auf und zog sich ins Privatleben zurück. Am 22. November 1963 ist Clive Staples Lewis gestorben. Sein Tod blieb fast unbemerkt, denn am selben Tag wurde in Dallas US-Präsident John F. Kennedy erschossen. Als Wissenschaftler und Schriftsteller ist Lewis indes längst eine feste, noch immer präsente Größe geblieben.

Gebunden: 526 Seiten
Originaltitel: The Complete Chronicles of Narnia (London : Collins 1998)
Übersetzung: Ulla Neckenauer (Bd. 1-4), Lisa Tetzner (Bd. 5,6), Hans Eich (Bd. 7)
Illustrationen: Pauline Baynes
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