Die drei ??? und der Schatz der Mönche (Folge 107)

Schon Mitte 2002 angekündigt, aber erst Januar 2003 veröffentlicht ist Folge 107 „Der Schatz der Mönche“ ein Vorbote auf die schon zu dieser Zeit schwelenden Lizenzstreitigkeiten gewesen. Die Fans waren entsprechend gespannt, was EUROPA aus dem Hut zaubern würde, sprich: Ob die Motivation, neue Hörspiele zu produzieren, gelitten haben würde. Wer Titel und Cover sieht, der denkt unwillkürlich an Martial-Arts und erwartet vielleicht deftige, fernöstliche Handkanten-Action, bedeutungsschwere Weisheiten von Lao Tse oder Konfuzius zu gebrochener Sprache und Kieferknochen. Dass dies bei einem Fall der drei Fragezeichen eher nicht vorkommt, kann man sich denken. Dass daraus eine sehr gesetzte Folge wird, weniger. Zumal wenn man das Buch kennt überrascht der etwas andere Grundton des Hörspiels.

Zur Story

Die drei ??? sollen für ihre Film-AG in der Schule ein Video mit selbst gewähltem Thema drehen. Wer die drei kennt, weiß: Da kommt eigentlich nur etwas Detektivisches oder Mysteriöses in Frage. Dem ist natürlich auch so. Peter ist auf Inlines mit Videokamera bewaffnet unterwegs, die Location zu sondieren: Ein altes, verlassenes Fabrikgebäude. So verlassen ist das Gebäude aber gar nicht. Er filmt so eifrig, dass ihm ein wertvoll aussehendes Kästchen auf seinem Weg entgeht – und er legt sich erstmal lang. Doch damit nicht genug: Als er sich wieder aufrappelt, bekommt er das Gespräch zweier offenbar asiatischer Männer mit, von denen er aber nur einen sehen kann. Als sie ihn bemerken, bekommt er ein Messer entgegen geschleudert. Alles feinsäuberlich auf Video aufgenommen, macht Peter, was er am Besten kann: Die Flucht ergreifen.

Auf seiner Flucht vor dem Messerwerfer, der dummerweise jetzt mit einem Motorrad den skatenden Peter verfolgt, deponiert er das geheimnisvolle Kästchen in der Mülltonne eines Autoverleihers. Vollkommen fertig stürzt Peter in die Zentrale und präsentiert den beiden bereits wartenden Mit-Detektiven Justus und Bob seine gemachte Videoaufzeichnung. Sie können das Gespräch nicht verstehen, doch ein kurz darauf erfolgender Anruf in der Zentrale ist umso deutlicher: Der gebrochen mit Akzent sprechende Anrufer macht unmissverständlich klar, dass, wenn die Schatulle nicht bis 18.00 des gleichen Tages an einem bestimmten Treffpunkt abgeliefert wird, Peter klar sein dürfte, was ihm blüht. Eine eindeutige Todesdrohung.

Auf keinen Fall dürfe die Box geöffnet werden. Ein Sprengsatz sichere das angebrachte Zahlenschloss. Drei Fehlversuche: BUMM! Als die drei Fragezeichen sich das hastig versteckte Kästchen wiederholen wollen, um es wie vereinbart zurückzugeben, kommt der nächste Schock: Das Kästchen ist weg! Was befindet sich in dem Kästchen, das es offensichtlich wert ist dafür zu morden? Was haben ein asiatischer Lama und seine Mönchsgruppierung, die derzeit in Rocky Beach residieren, damit zu tun? Justus kommt an eine nicht ganz freiwillige Privataudienz beim Lama, doch findet er dabei nicht die endgültige Erleuchtung. Dennoch weiß er nun endlich Freund von Feind zu unterscheiden, und so verspricht der erste Detektiv alles in seiner Macht stehende zu tun, das ominöse Kästchen wieder zu beschaffen.

Eindrücke

Wie man aus der Sprecherliste bereits ersehen kann, hat man nicht einfach mitteleuropäische Zeitgenossen bei dem Versuch verheizt, chinesisch zu klingen, was häufig in die Hose geht, sondern tatsächlich offenbar hochdekorierte Asiaten verpflichtet – die sind entsprechend authentisch und verleihen dank ihres Akzents der Atmosphäre ein gerüttelt Maß an Glaubwürdigkeit und Asia-Flair. Komischer Weise spricht der Lama selbst ohne merkbaren Akzent. Die Musik hingegen wirkt zunächst ein wenig unpassend, erst im späteren Verlauf ist sie asiatisch angehaucht und somit besser zur Buddha-Story passend. Sprecher und Geräusche sind gewohnt gut ausgewählt, Patzer de facto kaum anzutreffen.

Leider hat die Story selbst so ihre Längen und wird nur ab und an ein kleines Bisschen temporeicher. Offenbar ist diese Folge mal wieder eher dazu angetan, Wissen über fernöstliche Kultur, speziell des Buddhismus, zu vermitteln – der Mystery-Faktor ist nicht besonders hoch angesetzt. Gerade die langen philosophischen Gespräche von Justus mit dem Lama aus Katum sind teilweise recht ermüdend und langatmig. Handkanten-Action kommt übrigens nicht vor, dafür aber manch recht schwülstige Weisheit. Schön, dass auch wieder einmal Morton den Dreien unter die Arme greifen kann. Schade jedoch, dass ein kompletter Handlungsstrang aus dem Buch – wohl aus Laufzeitgründen – entfiel.

Es wurde dadurch die ulkige Figur „Rubbish-George“ (welche später in der Serie auch noch einmal auftaucht) wegrationalisiert, mit ihm zusammen auch der ewige Gegenspieler der drei Fragezeichen: Skinny Norris. Einerseits funktioniert die Geschichte auch ohne dieses Kapitel, andererseits erscheint Justus dadurch am Ende sehr respektlos und überheblich der fremden Religion gegenüber. In jenem hier fehlenden Abschnitt wird Justus nämlich durch widrige Umstände gezwungen, allen Warnungen zum Trotz das Kästchen zu öffnen – gewollt hat er es nicht. Er konnte danach aber nicht widerstehen und platzierte eine der berühmten Karten der Junior-Detektei darin, was bei der späteren Zeremonie zur Weihe des Lama für Konfusion und leichten Tumult sorgt, da das Heiligtum ganz offensichtlich von ihm entweiht wurde. Wie gesagt, im Hörspiel entsteht dieser Eindruck, das Buch ist da schlüssiger.

Fazit

Diese Folge ist mal wieder eine typische Just-Löst-Alles-Alleine-Und-Darf-Am-Ende-Glänzen-Story, wobei man ihr einen gewissen pädagogischen Wert nicht absprechen kann. Auch die handwerkliche Ausführung des Hörspiels ist vollkommen in Ordnung. |Der Schatz der Mönche| gehört eher zu den ruhigeren, philosophischen Folgen, trotz des rasanten Starts. Die Lösung und der Show-Down kann löblicher Weise nicht vorhergesehen werden – so tappt man bis zuletzt im Dunkeln über die Motive. Humoristisch gesehen bietet sie einige flache Sprüche, doch auch einige witzige Einlagen, die zum Schmunzeln anregen; somit ist die neue Nummer 107 eine gut gemachte Fun-Folge, die sich hören lassen kann, auch wenn die Passagen zwischen Justus und dem Lama zuweilen etwas langatmig geraten sind.

Die Hörspieldaten auf einen Blick:

Titel: „Die drei ??? und der Schatz der Mönche“ – Folge 107
Erstveröffentlichung: 13.1.2003, EUROPA (Sony BMG)
Lauflänge: ca. 64 Minuten
Buch & Effekte: André Minninger
Produktion & Regie: Heikedine Körting
Musik: Conrad, Morgenstern, Heinemeier, George, Stahlberg
Cover-Illustration: Silvia Christoph

Die Figuren und ihre Sprecher:
Erster Detektiv – Justus Jonas: Oliver Rohrbeck
Zweiter Detektiv – Peter Shaw: Jens Wawrczeck
Recherchen & Archiv – Bob Andrews: Andreas Fröhlich
Morton: Andreas von der Meden
Mrs. Wilbur: Ingeburg Kanstein
Lama Geshe: Rolf Nagel
Vinaya: Prof. Dr. Zhu
Tai Sutsi: Dr. Boo-Young Shin
Chuck: Yan Kimsang
Mr. Zhang: Ingo Feder
Lesley Dimple: Ann Montenbruck

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