Rudy Rucker – Weißes Licht. Phantastischer Roman

Einchecken im Unendlichen Hotel

Das Spiel mit der Mathematik, speziell mit der des Unend-lichen, hat Tradition, für die vor allem Berges, Abbott und Lewis Carroll stehen. Rudy Rucker, selbst Mathematiker, hat in diesem Bandan bezaubernde Weise die bizarre Welt der Zahlen mit der ebenso bizarren des Märchens verknüpft. Hera usgekommen ist ein faszinierendes Spiel, das auf angenehme Weise verblüffende Einsichten vermittelt, indem es das Universum der Zahlen ins Geographische umsetzt. Kein oberlehrerhaft erhobener Zeigefinger — sondern Spaß am Spiel und spannendes Abenteuer. (Verlagsinfo)

Der Autor

Rudy Rucker, geboren 1948, heißt bürgerlich eigentlich Rudolf von Bitter-Rucker und ist seines Zeichens Urururenkel des Philosophen G.W.F. Hegel sowie SF-schreibender Dozent für Philosophie der Mathematik und Computerprogrammierer. Rucker ist für seine Gewandtheit in Sachen theoretische Mathematik und Physik bekannt bzw. berüchtigt. Er hat sie unter anderem in seinem Roman „Weißes Licht“ unter Beweis gestellt, der diesbezüglich hohe Anforderungen an den Leser stellt. In „Hohlwelt“ griff er eine phantastische Theorie aus dem 19. Jahrhundert auf.

Der Ware-Zyklus:

1) Software (1982)
2) Wetware (1988)
3) Freeware (1990?)
4) Realware (2000)

Sowohl „Software“ als auch „Wetware“ wurden mit dem Philip K. Dick Award ausgezeichnet.

In „Weißes Licht“ wendet er die „Spielereien“ höherer Mathematik auf eine erfundene Geographie an. herausgekommen ist dabei eine Art witzige „Alice“ zwischen Himmel und Hölle.

Handlung

Der Held und Erzähler des Buches, Felix Rayman, ist ein junger Dozent mit einer Vorliebe für abstruse Mathematik und harte Rockmusik. Nicht gerade vergeistigt, sollte man meinen, doch genau dies ist der Fall: Er experimentiert mit Tagträumen und sogenannten Out-of-body-Erfahrungen, bei denen er seinen Körper zu verlassen scheint, zumindest subjektiv. So erkundet er das Traumland, das sich ihm über ein mathematisches problem erschließt, das sich mit der Unendlichkeit befasst.

Doch eines Tages treibt es der Gute zu weit. Er fällt auf einem Friedhof in Schlaf, begibt sich im Traumland auf Wanderschaft. Als er in seinen Körper zurückkehren will, muss er feststellen, dass dies nicht geht. Gefangen in seinem Astralkörper, begibt sich Felix auf die Suche nach dem Land Cimön. Auf dem Weg dorthin hat er das seltene Privileg, Jesus Christus und den Teufel zu treffen. Des weiteren macht er nähere Bekanntschaft mit drei verehrten Mathematikern, nämlich Cantor, Hilbert und Albert Einstein. (Auf Cantors Kontinuum-Problem bezieht sich der Originaltitel.)

In Cimön steigt er in einem unendlichen Hotel (Hilberts Problem) ab, besteigt einen unendlichen Berg und wandert in einer unendlichen Bibliothek. Letzteres erinnert an die Bibliothek von Babel, die Jorge Luis Borges erfand. Er ist hinter dem Weißen Licht her, Gott und der Antwort auf Cantors-Problem. Das Weiße Licht befindet sich im Land Cimön am Punkt absoluter Unendlichkeit – ein Begriff, der wohl nur für Mathematiker Sinn ergibt. Zum Glück gibt es für Cimön eine Karte im Buch…

Unterm Strich

Wie die Alice-Romane ist auch „Weißes Licht“ in lustigem, kuriosem Ton erzählt und macht den Leser mit paradoxen und hirnverrenkenden Phänomenen und Gestalten bekannt. Felix‘ Führer durch Cimön ist beispielsweise ein großer Käfer mit dem schönen Namen Franx. Auch wenn die Handlung für manchen ein wenig zu schnell und leichtfüßig fortschreitet, so hat man doch zumindest beim zweiten Lesen seinen Spaß. Ideal für Fans der „Illuminatus“-Trilogie.

Taschenbuch: 284 Seiten
Originaltitel: White light, or: What is Cantor’s Continuum Problem?, 1980;
Aus dem Englischen von Udo Breger.
ISBN-13: 9783453312005

www.heyne.de

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