Sebastian Fitzek – Flugangst 7A

Nele ist hochschwanger und hat schon den Termin für den Kaiserschnitt im Krankenhaus. Dort soll ihr Kind auf die Welt kommen – hoffentlich, ohne dass sie sich bei Nele mit dem HI-Virus infiziert. Doch als Nele frühmorgens in das Taxi ins Krankenhaus einsteigt, muss sie schnell erkennen, dass ihr Fahrer sie leider nicht ins Krankenhaus bringt. Er hat ganz andere Pläne mit der hochschwangeren Frau.

Davon ahnt der erfahrene Psychiater Mats Krüger noch nichts, als er mit klopfendem Herzen in Buenos Aires in das Flugzeug nach Berlin steigt, um seiner Tochter Nele nach der Geburt beizustehen. Mats leidet unter schrecklicher Flugangst, der er versucht hat, in einem Flugangst-Seminar beizukommen. Im Flugzeug hat er verschiedene Sitze gebucht, um in jeder Situation auf dem vermeintlich sichersten Platz sitzen zu können. So fällt es ihm beim Einsteigen leicht, einer verzweifelten Mutter und ihrem Baby den Platz 7A in der Business-Class zu überlassen, denn das ist der gefährlichste Platz im gesamten Flugzeug.

Doch trotz aller Vorbereitung muss ich Mats Krüger einer Angst stellen, mit der er nicht gerechnet hat: Noch vor dem Start meint er, das Lieblingsparfum seiner längst verstorbenen Frau zu riechen, und kurze Zeit später erhält er den Anruf von Neles Entführer. Mats erhält genaue Anweisungen: An Bord ist eine ehemalige Patientin von ihm, die er in seinen Sitzungen von ihren Gewaltfantasien befreit hat. Nun soll er sie wieder auslösen, damit die Frau das Flugzeug zum Absturz bringt. Nur wenn es vom Radar verschwindet, wird Nele gerettet….
Flugangst der besonderen Art

Sebastian Fitzek nimmt seine Leser mit auf eine Reise, in der ein erfahrener Psychiater sich seinen eigenen Ängsten stellen muss. Das Psychospiel mit seiner ehemaligen Patientin ist unglaublich interessant. Auf dem aktuellen Flug von Buenos Aires nach Berlin arbeitet sie als Purserin und scheint ihr Leben auf die richtigen Bahnen gebracht zu haben. Doch schon das erste Gespräch mit Mats Krüger erschüttert sie in ihren Grundfesten. Sie wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, in der Schreckliches passiert ist. Aber auch Mats Krüger muss lernen, dass er längst nicht alles über seine ehemalige Patientin weiß. Als er ein altes Video zu sehen bekommt, steht auch für ihn alles Kopf und er weiß nicht mehr, was oder wem er noch glauben kann.

Zur gleichen Zeit liegt Nele in den Wehen – schutzlos und nur mit ihrem Entführer, der in kryptischen Worten zu ihr spricht. Er wolle ihre Milch – doch warum? Und was er damit will? Das ist zunächst unklar. Auch was die Purserin an Bord des Flugzeugs zu verbergen hat, verrät uns Sebastian Fitzek lange Zeit nicht. Geschickt spielt der Autor wieder einmal mit der Neugierde seiner Leser. Lange Zeit bleibt man im Unklaren, was damals wirklich vorgefallen ist und warum der Absturz der Purserin gleichzeitig auch den Absturz des Flugzeugs bewirken könnte. Erahnen kann man es nicht, dazu fehlen einem die notwendigen Informationen, und so muss man schnellstmöglich weiterlesen, um endlich des Rätsels Lösung zu erfahren.

Der Spannungsbogen setzt dadurch sehr früh an und steigert sich immer mehr, bis schließlich alles wie ein Kartenhaus in sich zusammen fällt. Als Fitzek die Auflösung präsentiert, muss man als Leser erst mal alles Revue passieren lassen, um den Faktencheck zu betreiben. So ganz hat mich das nicht überzeugt, aber nichtsdestotrotz ist das Buch mega spannend.

Facettenreich

Im Zentrum des Buches stehen neben Mats Krüger und seiner Tochter, die sich schon seit Jahren nicht mehr gesehen haben, Mats gute Freundin und ehemalige Kollegin Feli, die sich in Berlin auf die Suche nach der entführten Nele macht, obwohl sie doch am gleichen Tag vor den Altar treten wollte. Als vierte Person hätten wir dann noch Kaja, die einst bei Mats Krüger in Behandlung war, um gegen ihre Gewaltfantasien anzugehen. Alle Personen lernen wir im Buch immer besser kennen, und das Zusammenspiel dieser Charaktere fand ich ausgesprochen gelungen. Einzig Feli, die immer auf das hört, was Mats aus dem Flieger von ihr verlangt, konnte ich häufig nicht verstehen. Einst hat Mats sie fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel, und nun riskiert sie ihr Leben für ihn und seine Tochter. Das fand ich nicht immer logisch. Dafür gefiel mir die Wendung, dass Mats Krüger, der seine Familie vor Jahren im Stich gelassen hat, nun alles auf sich nimmt, um seiner Tochter und ihrem Baby beizustehen. Auch auf dem Flug versucht er, alles für Nele und das Baby zu tun – das nimmt man ihm trotz der jahrelangen Trennung durchaus ab.

Interessant ist natürlich auch Kajas Vergangenheit, in der sich nicht nur eine „Leiche“ verbirgt, sondern auch der Schlüssel zur Lösung des Rätsels, wer hinter der Tat steckt. Die Aufklärung, wer alles eingefädelt hat, fand ich schlüssig, das Motiv allerdings nicht so ganz. Aber darüber mag ich mal hinwegsehen.

Gelandet

Unter dem Strich gefiel mir Sebastian Fitzeks neuester Thriller wieder ausgesprochen gut. Ich hatte das Buch im Nu durchgelesen, wobei allerdings auch die vielen kurzen Kapitel geholfen haben. Der Spannungsbogen war sehr gelungen, die Charakterzeichnung ebenso. Nur die Auflösung fand ich nicht in allen Punkten logisch. Aber das gibt nur minimale Abzüge.

Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
ISBN-13: 978-3785725450
www.droemer-knaur.de

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