Seiwert, Lothar – Bären-Strategie, Die: In der Ruhe liegt die Kraft

In der heutigen Arbeitswelt zählt jede Minute und auch in der Freizeit setzt sich der Stress fort. So haben die meisten Menschen das Gefühl, mit ihrer Zeit nicht auszukommen und wünschen sich am besten jeden Tag 25 Stunden. Dabei ist Zeitmanagement eigentlich gar nicht so schwer, die Bären machen es uns vor. Denn in der Ruhe liegt die Kraft und genau diese Arbeitspausen sind es, die unsere Arbeit effektiver gestalten. Nun müssen wir nur noch etwas mehr Bär in unseren Alltag bekommen …

_Gestatten, mein Name ist Bär_

Im Wald steht das große Neujahrsfest an, zu dem sämtliche Tiere kommen und bei welchem Prof. Eusebia Eule wieder ihre perfekt ausgearbeitete Rede halten wird. Doch sind einige Tiere wie immer unpünktlich, so auch der bequeme Hirsch, der vor lauter Tagträumerei zu spät kommt, ebenso wie der hektische Hase, der zunächst seine sieben Kinder versorgen muss, die er der Einfachheit halber durchnummeriert hat. Jedes Tier schleppt somit seine eigenen Probleme mit sich, denn auch Eusebia Eule merkt, wie sie immer müder wird, da aufgrund ihrer vielen Arbeit der Schlaf ausfallen muss. Aber so kann es nicht weitergehen. Eusebia beschließt, Rat bei den weisen Bären im Norden zu holen.

So bricht schließlich eine bunte Ansammlung von Waldbewohnern Richtung Norden auf, um die Bären zu suchen und von ihnen zu lernen. Da wären neben Eusebia, dem hektischen Hasen und dem bequemen Hirsch noch die emsige Beate Biene, die vor lauter Arbeit gar nicht mehr weiß, wo ihr der Kopf steht und immer nur daran denkt, Honig zu sammeln und ihre Aufgaben zu erledigen. Aber auch Ferdinand Fuchs geht es nicht besser, denn er lässt sich zu leicht von seinen Aufgaben ablenken; daher kehrt er meist ohne eine Gänsebeute abends heim und muss sich dem Ärger seiner enttäuschten Frau aussetzen. Aber nun haben die Tiere beschlossen, dass es so nicht weitergehen kann. Nur leider haben sie nicht mit dem zunehmend kühleren Wetter gerechnet, denn Schnee und Kälte machen ihnen immer mehr zu schaffen. Glücklicherweise hat die Bärenfrau Brunhilde Bär einen leichten Schlaf und kann ihren Mann Bruno wecken, um die Waldbewohner zu retten.

Fortan lernen die Tiere von dem weisen Bären, der ihnen hilfreiche Tipps für den Alltag mit auf den Weg gibt, aber zunächst sind natürlich einige Rückschläge zu verkraften. So fällt der bequeme Hirsch erst auf einen gemeinen Zeitdieb herein, Eusebia arbeitet bis zur völligen körperlichen Erschöpfung und auch der schlaue Fuchs schafft es nicht gleich, seine Aufmerksamkeit auf die wirklich wichtigen Dinge zu lenken.

_In der Ruhe liegt die Kraft_

In diesem Buch begegnen uns die Bären als weise Zeitmanager, die ihr Wissen und ihre bärigen Tipps an die anderen Tiere weitergeben wollen, um ihnen bei der Bewältigung ihrer täglichen Aufgaben zu helfen. Jedes der fünf Tiere, die uns in verschiedenen Situationen näher vorgestellt werden, steht dabei für einen anderen Arbeitstyp, sodass jeder Leser sich in einem der Tiere oder vielleicht auch in mehr als einem gut wiedererkennen kann. Es werden uns übertragen auf das Leben im Wald typische Situationen geschildert, in denen die verschiedenen Tiere an ihre Grenzen geraten und merken, dass sie mit ihrer Strategie auf keinen grünen Zweig kommen werden.

Die verschiedenen Tipps für den Arbeitsalltag werden uns dabei in einer Fabel präsentiert, in denen wir den Tieren bei ihren Fehlern zuschauen dürfen. Hier wird beispielsweise der Hirsch Opfer eines Zeitdiebes, der sich überall im Alltag verstecken kann. Um die wichtigen Aufgaben zu schaffen, darf man diesen Zeitdieben allerdings keine Chance geben. Im Wald treten die Bären dann helfend auf, weisen die Tiere auf ihre Fehler hin und geben ihnen Tipps, um diese in Zukunft umgehen zu können. Hier lernt Eusebia Eule, dass auch eine vielbeschäftigte und kluge Eule ihren Schlaf braucht, um nicht krank zu werden, die emsige Biene baut in ihren Arbeitsalltag systematisch Pausen ein und kann dadurch ihre Effizienz sogar noch steigern. Der hektische Hase lernt, einen Großteil seiner Arbeit an die Kinder zu delegieren, wodurch seine Pulsfrequenz zur Ruhe kommt und das Familienleben im Hause Hase wesentlich harmonischer wird. Der Fuchs muss erkennen, dass er seine wichtigste Aufgabe als erste erfüllen muss, danach erst folgen die unwichtigeren Aufgaben und ganz am Schluss dann das Vergnügen; auf diese Weise schafft er es schließlich doch, seinen Gänsefang zu machen. Und der bequeme Hirsch schließlich benötigt einen kräftigen Tritt in den Hintern, um seinen Alltag ebenfalls umzustellen. Jedes der Tiere muss somit seine eigenen Lektionen lernen, jeder Arbeitstyp braucht seine eigene Strategie zum Erfolg.

In wesentlich vereinfachter Darstellung bekommt der Leser also auch seine eigenen Fehler vor Augen geführt und kann von den Tieren und den bärigen Tipps lernen, seinen Arbeitsalltag geschickter zu gestalten. Meist sind es nur die völlig offensichtlichen Hinweise, die die Bären uns geben können, denn jedem Leser wird wohl klar sein, dass es sinnvoll ist, immer erst die wichtigen Aufgaben abzuarbeiten und sich nicht so lange mit den unwichtigen aufzuhalten, bis für die wirklich wichtigen Dinge keine Zeit mehr ist. Dennoch macht es Spaß, das Buch zu lesen, und es ist auch hilfreich, sich diese Strategien noch mal vor Augen zu führen.

_Lernen leicht gemacht_

Das Buch wird aufgelockert durch viele Bilder. So ist zu Beginn jeden Kapitels zu erkennen, welches Tier in der nun folgenden Geschichte die Hauptrolle spielen wird, da sein Bild neben den ersten Zeilen des jeweiligen Kapitels zu sehen ist. Außerdem wird jedes Kapitel abgeschlossen mit einer Übersichtsseite, auf der die bärigen Tipps noch einmal zusammengefasst sind; hier sehen wir immer wieder ein niedliches Bild von unserem weisen Bären.

Abgerundet wird das Buch am Ende durch einen kleinen Psychotest, durch welchen man mit Hilfe von zehn Punkten herausfinden kann, welches Arbeitstier man „ist“. Dazu sind unter jedem Punkt fünf Verhaltensweisen aufgelistet, welche man in eine persönliche Reihenfolge bringen muss. Anschließend zeigt einem die Auflösung, welchem Tier beziehungsweise welcher Mischung aus Arbeitstieren das eigene Verhalten entspricht. Nach dem Test erhält jedes Arbeitstier seine eigene Doppelseite, auf welcher typische Verhaltensmuster dieses Tieres aufgezählt sind und auf welcher der Bär einem nochmals sieben Tipps gibt.

Rein inhaltlich steckt nicht wirklich viel drin in diesem schmalen Büchlein, zumal die „Bären-Strategie“ uns nur das erzählt, was durch gesunden Menschenverstand völlig selbstverständlich ist. Allerdings führt einem dieses Buch überspitzt mit Hilfe der Tiere vor Augen, was alles schief gehen kann, wenn man sein Verhalten nicht überdenkt und anschließend seine Arbeit besser strukturiert. Am Ende der Geschichte sind natürlich alle Tiere glücklich, erfolgreicher und haben dennoch mehr Zeit für Freunde und Familie, da diese bewusst eingeplante Entspannung dafür sorgt, dass den Tieren ihre Arbeit schneller von der Hand bzw. von der Pfote geht.

Erwartungen sollte man keine allzu hohen an dieses Buch haben, da das einmalige Lesen der „Bären-Strategie“ sicherlich nicht jedermanns Leben revolutionieren wird. Es geht vielmehr darum, sich seiner Verhaltensweisen bewusst zu werden und zu versuchen, nach und nach sinnvolle Strategien umzusetzen. Damit dieses Buch wirklich etwas verändert, muss man schon an sich selbst arbeiten und zumindest einen Teil der bärigen Tipps im (Arbeits-)alltag beherzigen.

_Bärenstark_

Insgesamt hat mir die „Bären-Strategie“ sehr gut gefallen. Leider wird einem für sein Geld nur ein sehr dünnes Büchlein geboten, welches aber wirklich hübsch aufgemacht ist durch die vielen Zeichnungen der Tiere und welches einem auf einfache und überspitzte Weise Fehler vor Augen führen und Tipps zur Abhilfe geben kann. Im Grunde genommen erzählt uns Seiwert nichts Neues, sondern verdeutlicht dem Leser eigentlich nur, was passieren kann, wenn er keine sinnvolle Zeitstrategie entwickelt. Den Lerneffekt schätze ich eher mittelmäßig ein, das Lesevergnügen ist aber dennoch groß, weil die erzählten Geschichten einfach niedlich sind und wir die Tiercharaktere mit ihren so menschlichen Fehlern doch richtig lieb gewinnen.

http://www.baeren-strategie.de