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[NEWS] A. J. Kazinski – Der Schlaf und der Tod

Der zweite Fall für Kommissar Niels Bentzon und Physikerin Hannah Lund

Kommissar Niels Bentzon wird mitten in der Nacht zu einem dringenden Einsatz gerufen: Eine junge Frau will sich in der Kopenhagener Innenstadt von einer Brücke stürzen. Sie ist unbekleidet und steht eindeutig unter Drogen. Bentzon, der auf solche Fälle spezialisiert ist, klettert die Brücke hinauf, kann aber keinen Kontakt zu der jungen Frau aufbauen. Vor seinen Augen springt sie in den Tod. Was zunächst aussieht wie Selbstmord, entpuppt sich als perfider Mord. Und es bleibt nicht bei einem Opfer. (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 608 Seiten
Originaltitel: Søvnen og døden
Heyne

A. J. Kazinski – Die Auserwählten

_Die Handlung:_

Ein Mönch in China, eine Ärztin in Kanada, ein Bürgerrechtler in Russland – rund um den Erdball werden Menschen ermordet. Menschen, zwischen denen ein geheimnisvoller Zusammenhang besteht: Die Opfer tragen ein blutiges Mal auf dem Rücken. In Kopenhagen laufen die Fälle zusammen, und Kommissar Niels Bentzon übernimmt die Ermittlungen. Unterstützung bekommt er von Hannah Lund, einer genialen Physikerin, die, begeistert von mathematischen Theorien, das Rätsel schließlich löst. Doch damit bringt sie sich und Bentzon in tödliche Gefahr. (Verlagsinfo)

_Mein Eindruck:_

Das Manuskript des Romans wurde bereits vor der Veröffentlichung in acht Länder verkauft, die Rechte am fertigen Buch in 16. Und wir bekommen das Werk nach Frankreich und Italien mit als Erste zu hören, das will schon etwas heißen und lässt die Vorfreude beim Hörer ansteigen.

Seit einiger Zeit scheint es unglaublich hip zu sein, alles was „psycho“ im Namen hat, in seinen Roman einzubauen. Es gibt keine Krimis mehr, die heißen jetzt „Psychothriller“. In denen spielen meist Psychiater oder psychisch gestörte Protagonisten mit, immer wieder ist auch ein Polizist im Rang eines Kommissars gern genommen, der so seine Probleme hat. Warum unser Niels Bentzon als manisch-depressiv eingestuft wurde, kann sich der Hörer auf jeden Fall nicht erklären, da er während dieser Geschichte keine außergewöhnlichen Verhaltensauffälligkeiten zeigt.

Die Geschichte geht los und wir erfahren direkt etwas über die Morde vom Klappentext. Dann lernen wir den Kommissar kennen, seine Arbeit und seine Reiseangst, wegen der er von seinen Kollegen mehr oder weniger ausgebootet wurde. Auch seine Ehe verläuft nicht rosig, da seine Frau in Südafrika ist und er sie aus bekannten Gründen nicht besuchen kann.

Und dann begegnen uns immer wieder jede Menge englische Phrasen z. B. beim Chat, am Telefon, im Flugzeug … Die wird nicht jeder verstehen, auch wenn sie natürlich die internationale Kommunikation in diesem Krimi verdeutlichen. Schulenglisch reicht vollkommen aus, aber, wer in der Schule keins hatte oder nicht richtig aufgepasst hat, der wird hier und da ärgerlich grummeln, denn nur wenige dieser englischen Sätze werden anschließend noch mal auf Deutsch kommentiert.

Nach etwa einer Stunde Hörzeit bekommt dann Niels Bentzon eher aus Mitleid den Auftrag, die weltweiten Mordfälle zu untersuchen, von denen der Hörer schon am Anfang erfahren hat. Die weisen mittlerweile einen Zusammenhang auf: Die Opfer haben alle eine seltsame Tätowierung, ein Muster auf dem Rücken.

Eine weitere Hörstunde später kommt dann auch die ebenfalls im Klappentext erwähnte Hannah Lund mit an Bord. Und, richtig geraten, auch in ihrem Charakter gibts ein „psycho“. Sie war einmal in einer geschlossenen Anstalt untergebracht.

Nun hat unser neu gefundenes Duo also noch über fünf Stunden Hörzeit, um den oder die zu finden, die „die Guten“ auf der Welt töten. Spätestens hier wird klar, dass der Titel mit „Die Auserwählten“ seltsam gewählt ist, heißt der Roman doch im übersetzten Original „Der letzte gute Man“ und trägt diesen auch in der englischen Version. Das passt auch besser zur Geschichte, denn ständig wird über „die Guten“ gesprochen und nicht über „die Auserwählten“.

Alle Opfer vereint ein starkes soziales Engagement. Dass Hannah den „Code“ knackt, das verrät der Klappentext ebenfalls und ab da wechseln die Erzählstandpunkte wild hin und her. Denn Hannah und Niels wissen zwar, dass es noch weitere Opfer geben wird, auch wann es geschehen soll, nur das „wo“, da gibt es mehrere Optionen.

Und so steigt die Spannung von Beginn an immer weiter. Wo sich das Autoren-Duo Kazinski jede Menge Zeit lässt, um den Kommissar vorzustellen, wird die Wissenschaftlerin eher per Zufall nebenbei mit eingesammelt und nicht weiter vertieft. Auch die privaten Probleme des Ermittlers interessieren den Hörer eher weniger, zumal niemand an mehreren Orten gleichzeitig auf der Welt sein kann, um Ermittlungen zu führen, Flugangst hin oder her.

Niels und Hannah sind ein interessantes Team, vielleicht grad aufgrund der „psycho“-Vorbelastung von beiden und sei sie nur von außen eingeredet. Die Ermittlungen sind spannend und fangen den Hörer gerade noch ein, als er im Begriff war, gelangweilt zu werden, da es ein wenig dauert, bis die Recherche und die Hetzerei losgehen und die Spannung zunimmt.

Die letzten Stunden möchte man dann einfach am Stück hören, da man gebannt mitfiebert, ob die beiden Erfolg haben werden. Und hin und wieder wird der Hörer dabei auch mal von der Handlung überrascht, was mich sehr gefreut hat, da ich Unvorhergesehenes grad bei Krimis zu schätzen weiß.

Leider waren mir die letzten 90 Minuten allerdings zu metaphysisch-esoterisch-religös langweilig und die haben mir dann mehr oder weniger die Spannung zerstört, die vorher so gekonnt aufgebaut wurde.

Eine Sache hat mich aber wirklich gestört und das möchte ich direkt nach einer Spoiler-Warnung noch loswerden, damit niemand außer mir am Ende enttäuscht ist:

|Spoiler – Anfang|

Dass die Menschen auf der ganzen Welt ermordet werden und die Morde einem Muster folgen, das wissen wir am Ende. Auch was das Muster bedeutet und wie es funktioniert. Aber die Autoren verraten dem Hörer nichts über das Warum! Ich hätte gern eine Erklärung gehabt, warum die „guten Menschen“ sterben sollten. So macht die ganze Geschichte, bei aller Spannung, so gar keinen Sinn mehr, leider. Ein offenes Ende hätte ich akzeptiert, aber ein fehlender Sinn hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack. Wenn das daran liegen sollte, dass ich einfach zwischen nicht richtig aufgepasst habe oder das im Buch (die Lesung ist gekürzt) erwähnt wird, bitte ich um Entschuldigung.

|Spoiler – Ende|

_Das Hörerlebnis:_

David Nathan kommt sehr leise ins Ohr des Hörers, der bei dieser Lesung die Lautstärke schon eine Ecke weiter aufdrehen muss als bei anderen Hörbüchern.

Hat man das einmal hinter sich gebracht, zeigt Nathan wie so oft, dass er zu den beliebtesten Sprechern Deutschlands gehört. Jede Stimmungslage und jeder Charakter wird von ihm perfekt interpretiert. Ob ein Junkie motzt oder ein Vorgesetzter stutzt, eine alte Dame im Krankenhaus im Sterben liegt oder Hannah und Niels telefonieren. Immer ist David Nathan Herr der Lage und sorgt für ein tolles Kopfkino, indem er die Spannung perfekt transportiert.

Auch die englischen Passagen werden von ihm so deutlich vorgetragen, dass sie leicht zu verstehen sind. Für diesen Roman war er eine gute Wahl.

_Die Autoren_

A. J. Kazinski ist das Pseudonym für das dänische Autorenduo Anders Rønnow Klarlund und Jacob Weinreich. Anders Rønnow Klarlund, Jahrgang 1971, arbeitet als Autor und Regisseur. Für seine Filme ist er bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Jacob Weinreich, 1972 in Århus geboren, ist Drehbuch- und Romanautor. „Die Auserwählten“ ist ihr erster gemeinsamer Roman. (Verlagsinfo)

_Der Sprecher:_

David Nathan, die deutsche Stimme von u.a. Christian Bale und Johnny Depp, gehört zu den gefragtesten Hörbuchsprechern Deutschlands. Für Random House Audio hat er zuletzt die Hörbücher zu Guillermo del Toros „Die Saat“ und „Das Blut“ und Ryan David Jahns „Ein Akt der Gewalt“ gesprochen. Für audible hat er unter anderem die ungekürzten Lesungen von „Es“, „Sie“ und „Die Arena“ gesprochen. (Abgewandelte Verlagsinfo)

_Die Ausstattung:_

Die CDs, die in einem Jewel-Case stecken, sind mit dem gleichen mathematischen Symbol bedruckt, das auch auf dem Titelbild zu finden ist. Ich bin in der Materie nicht bewandert, aber ich meine, dass dieses Bild nichts mit dem Roman zu tun hat, aber den Grund hier zu nennen, wäre ein Spoiler. Ein Booklet-Faltblatt gibt der Verlag noch dazu, in dem noch einmal eine andere Variante des Inhalts zu lesen ist, als die Version, die auf der Rückseite des Jewel-Cases steht. Außerdem gibt es noch Infos zu Autor und Sprecher sowie ein Bild des Sprechers zu sehen und etwas Eigenwerbung für zwei weitere Hörbücher des Verlags.

_Mein Fazit:_

Ein Krimi mit einer interessanten Grundidee, der zu fesseln weiß, auch ohne brutalst verstümmelte Leichen. Ein interessantes Ermittlerduo, das stetig den Spannungsbogen nach oben klettert und dabei von einer von ihm gewohnt brillanten Leistung des Sprechers begleitet wird. Einige kurzweilige Hörstunden sind hier garantiert. Der Rest, der leider den Schluss bildet, war für mich überflüssig und in die Länge gezogen langweilig. Ohne die letzte Stunde hätte das Hörerlebnis keinen leicht faden Abgang gefunden.

|6 Audio-CDs
Spieldauer: ca. 7:48 Std.
Gelesen von David Nathan
Originaltitel: Den sidste gode mand (2010)
ISBN: 978-3-8371-0966-5|
[www.randomhouse.de]http://www.randomhouse.de