Weeks, Brent – Schwarzes Prisma (Licht-Zyklus 1)

Licht-Zyklus:

Band 1: „Schwarzes Prisma“
Band 2: „Die blendende Klinge“
Band 3: „The Blood Mirror“ (voraussichtlich 2014, noch ohne dt. Titel)

Gavin Guile ist das Prisma, derjenige, der das Verhältnis der verschiedenen Farben innerhalb des Lichts und damit auch die Magie im Gleichgewicht hält. Das macht ihn zum nahezu mächtigsten Mann des Reiches. Was nicht bedeutet, dass er nicht mit Schwierigkeiten zu kämpfen hätte. Außerdem hat er ein extrem gefährliches Geheimnis…

Wer jetzt glaubt, die Geschichte klänge im Vergleich zur Schatten-Trilogie recht einfach gestrickt, der hat sich ziemlich geirrt. Tatsächlich wartet Brent Weeks‘ neuer Zyklus sogar noch mit mehr Handlungssträngen und Personen auf als sein erstes Werk.

Die Hauptfigur ist natürlich Gavin. Der Mann ist im Grunde ein recht anständiger Kerl. Hauptsächlich ist er mit dem Versuch beschäftigt, Missstände innerhalb der Reiche zu bereinigen. Allerdings lügt er wie gedruckt.

Gavins Vater Andross ist ein alter Mann, hält aber noch immer einen Sitz im Rat des Spektrums und macht Gavin dort das Leben schwer. Denn für Andross zählt nur der eigene, persönliche Vorteil, und es ärgert ihn ganz erheblich, dass Gavin sich seinen Befehlen nicht fügt.

Kip wiederum ist ein Bastard. Aufgewachsen in armen Verhältnissen, dick, unbeholfen und schwach, hält er sich selbst für einen Versager. Das Einzige, von dem er glaubt, dass er es gut kann, ist das Ertragen von Schmerz. Tatsächlich aber unterschätzt Kip seine Fähigkeiten.

Und dann wäre da noch Garadul, der Mann, der sich zum König von Tyrea ausgerufen hat, einfach weil er glaubt, die Macht dazu zu haben. Doch der Verbündete, auf den er sich da stützt, ist wesentlich gefährlicher als Garadul selbst …

Insgesamt entspricht die Qualität der Charakterzeichnung ziemlich genau dem, was man von Brent Weeks schon kennt. Nicht überaus intensiv, aber sehr gut nachvollziehbar, glaubwürdig und angenehm klischeefrei.

Noch besser gefallen hat mir der Entwurf der Magie. Magische Fähigkeiten beruhen auf Licht, wobei jede Farbe des Spektrums bestimmte Eigenschaften besitzt. Magiebegabte, die sogenannten Wandler oder Chromaten, können auf die Substanz dieser Spektralfarben, das Luxin, zugreifen und es für alles Mögliche verwenden, je nach Eigenschaft der Farbe. Diese Idee erlaubt nicht nur eine Vielzahl von Möglichkeiten, was die Nutzung von Magie angeht, sondern auch eine einfache Abstufung von Macht, abhängig davon, wie viele Farben jemand wandeln kann. Positiv ist auch, dass der Autor diese Fähigkeiten gedeckelt hat. Ein Wandler kann nur ein gewisses Maß an Farbe wandeln. Überschreitet er dieses Maß, hat das gefährliche Folgen, weshalb von Wandlern, die ihre Grenze erreichen, erwartet wird, dass sie sich einen Sterberitual unterziehen. Erwartungsgemäß sind damit nicht alle Wandler einverstanden.

Zwangsläufig bedeutet magische Macht in einer solchen Welt auch politische Macht. Bestes Beispiel dafür ist natürlich das Prisma, dessen Einflussmöglichkeiten auf die Politik auf seiner herausragenden Stellung beruhen, welche wiederum von seinen magischen Fähigkeiten abhängt. Denn logischerweise kann nur jemand die Farben des Lichts im Gleichgewicht halten, der auch auf jede einzelne davon zugreifen kann.

Um die Machtfülle eines solchen Superchromaten in Schach zu halten, gibt es den Rat des Spektrums, in dem jeweils ein Wandler jeder Farbe vertreten ist. Jeder dieser Wandler ist der Vertreter eine Satrapie. Und natürlich haben die alle unterschiedliche Interessen, was die Sache schon schwierig genug macht. Wenn dann auch noch Leute in diesem Spektrum sitzen wie Andross Guile, deren Entscheidungen lediglich den eigenen Interessen dienen, muss das früher oder später in einer Katastrophe enden. Eine solche Katastrophe gab es bereits, als zwei extrem mächtige Männer sich wegen einer Frau dermaßen in die Haare geraten sind, dass sie das gesamte Reich in einen grausamen Bürgerkrieg gestürzt haben: Gavin Guile und sein Bruder Dazen!

Das ist inzwischen zwar sechzehn Jahre her, die Auswirkungen sind aber noch immer zu spüren, vor allem in der Art und Weise, wie die damals unterlegene Satrapie Tyrea seither behandelt wird, in der unter anderem zum Beispiel Kip aufgewachsen ist. Kein Wunder, dass der selbsternannte König Garadul ausgerechnet Tyrea zu seinem Königreich machen will. In einer seit Jahren von allen Seiten ausgeplünderten Satrapie kann man prima als Befreier auftreten.

Weil es Gavin nicht gelingt, den Rat aus Duckmäusern, Kleingeistern und Egoisten rechtzeitig zur Raison zu bringen, nimmt er sich persönlich der Sache an. Ein gefährliches Unterfangen für einen Mann, der nicht nur Gegner hat, die seine Macht fürchten, sondern auch solche, die ihn persönlich hassen!

Das alles – die Magie, die politischen und sozialen Strukturen, die Familiengeschichte der Guiles, Gavins persönliche Geheimnisse – hat Brent Weeks zu einem dichten, nahtlosen Stoff verwoben. Das sorgt zum einen dafür, dass die Welt insgesamt wie aus einem Guss daherkommt, es tut andererseits auch den Figuren gut, die alle in einem engen Netz aus Beziehungen und Abhängigkeiten agieren. Keiner von ihnen tut etwas einfach nur so, alle haben sie ihre Beweggründe. Das ist vor allem ein dickes Plus für den Antagonisten, der dadurch zu einer echten Persönlichkeit wird, anstatt nur den Standardtypus des machthungrigen Bösewichts zu verkörpern. Zu keiner Zeit wirkt die Geschichte bemüht oder unglaubwürdig.

Auch Spannung findet sich, wenn sie sich auch nur langsam steigert. Die immer wieder eingestreuten Szenen über die Bemühungen des Gefangenen auszubrechen, über seine allmählichen Fortschritte, sorgt für eine unterschwellige Grundspannung. Der Großteil der Handlung ist aber so breit angelegt, dass der Aufbau der einzelnen Figuren und Stränge schon eine Menge Raum einnimmt. Vorerst ging das ein wenig auf Kosten eines echten Spannungsbogens. Mich hat das nicht gestört. Die Geschichte bietet so viele verschiedene Facetten, dass mir trotzdem niemals langweilig wurde.

Brent Weeks wollte schon als Junge Schriftsteller werden und hat sich deshalb nach dem College nicht mit dem Erlernen eines anderen Berufes aufgehalten, sondern gleich mit dem Schreiben begonnen. Bis jemand bereit war, ihm etwas dafür zu bezahlen, hielt er sich als Barkeeper über Wasser. „Der Weg in die Schatten“ war seine erste Veröffentlichung und der Auftakt zur Schatten-Trilogie, die inzwischen vollständig auf Deutsch erschienen ist. „Schwarzes Prisma“ ist der erste Band seines neuen Licht-Zyklus, dessen zweiter Band unter dem Titel „Die blendende Klinge“ ebenfalls bereits erschienen ist. Der Autor arbeitet derweil am nächsten Band.

Taschenbuch 800 Seiten
Originaltitel: Lightbringer 1 – Black Prism
Deutsch von Hans Link und Clemens Brumm
ISBN-13: 978-3-442-26816-0

www.brentweeks.com
www.randomhouse.de/blanvalet

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