Brent Weeks – Düsterer Ruhm (Licht-Zyklus 4.1)

Licht-Zyklus

Band 1: Schwarzes Prisma“
Band 2: Die blendende Klinge“
Band 3.1: Sphären der Macht“
Band 3.2: Schattenblender“
Band 4.1: „Düsterterer Ruhm“
Band 4.2: “Lichtbringer” (Oktober 2018)

Karris kann es kaum glauben: Nach all der Mühe, die es bereitet hat, Gavin aus Ruthgar herauszuholen, ist er jetzt einfach verschwunden! Karris schwört sich, ihn wiederzufinden, doch ihre Pflichten als neue Weiße lassen ihr dazu nicht viel Spielraum.

Dummerweise befindet sich Gavin an einem Ort, von dessen Existenz sie nichts ahnt: in dem Gefängnis, in dem er selbst einst seinen Bruder gefangen gehalten hat! Und sein Kerkermeister ist … Andross Guile!

Kip hat tatsächlich Tisis geheiratet, der Vollzug der Ehe macht den beiden allerdings Schwierigkeiten. Um den Adleraugen Eirenes zu entgehen, beschließt Tisis deshalb kurzerhand, Kip und seine Abteilung Schwarzgardisten auf ihrem Feldzug zur Befreiung des Blutwalds zu begleiten. Und zur großen Überraschung aller erweist die junge Frau sich als erstaunlich nützlich!

Teia fühlt sich derweil in ihrer Situation immer unwohler. Sie soll den Orden des gebrochenen Auges unterwandern, aber die Prüfungen, die sie dafür absolvieren muß, gefallen ihr überhaupt nicht, und es sieht nicht so aus, als käme sie dadurch mit ihrer eigentlichen Aufgabe voran …

Die Ereignisse dieses Bandes erstrecken sich über Monate, erkennbar an beiläufig fallen gelassenen Zeitangaben. Auch diesmal tut sich wieder nicht viel.

Kip hat inzwischen genug Selbstbewusstsein entwickelt, um die Führung seiner Leute zu übernehmen, wobei es nicht lange bei der handvoll Schwarzgardisten bleibt, mit denen er losgezogen ist. Doch Tisis, bei aller Unterstützung, die sie ihm gewährt, ist so sehr Ablenkung für ihn , daß er den Haken nicht findet, dessen Existenz er genau spürt.

Tisis war die erstaunlichste Entwicklung innerhalb der Charakterzeichnung. An Kips Seite entfaltet die bisher hauptsächlich herumgeschubste und kaum ernstgenommene junge Frau erstaunliche diplomatische und organisatorische Fähigkeiten. Außerdem ist sie zäher als erwartet, und auch hartnäckiger.

Gavin Entwicklung ist etwas, von dem ich nicht weiß, ob ich es Entwicklung nennen will. Seine Einkerkerung hat ihn dazu gebracht, sich ein paar Dinge einzugestehen, über die er sich bisher sogar selbst belogen hat. Allerdings haben sich dadurch für mich ein paar logische Probleme aufgetan. Denn wenn es nicht der Ausbruch seines Bruders aus der ersten Zelle war, muss es etwas anderes geben, was ihn die Fähigkeit gekostet hat, blau zu wandeln. Und wenn es möglich ist, dass jemand eine seiner Farben einfach so verliert, warum ist es dann sonst noch niemandem passiert?

Teias Persönlichkeit zeichnet sich momentan hauptsächlich durch Gewissensbisse aus. Es kostet sie schon einiges an Argumentation sich selbst gegenüber, um das Doppelspiel, zu dem sie verdammt ist, weiterzuspielen.

Die Charakterzeichnung ist soweit also recht gelungen, wobei ich hoffe, dass sich die wirren Einsichten von Gavin irgendwann noch irgendwie logisch erklären werden.

Die Handlung dagegen fängt allmählich an, sich zu ziehen.

Während Gavin sich im Gefängnis mit Selbstvorwürfen zerfleischt, Teia versucht, endlich so weit das Vertrauen des Alten aus der Wüste zu erringen, daß sie an brauchbare Informationen über den Orden kommt, und Kip versucht, den Blutwald davor zu bewahren, vom Farbprinzen überrannt zu werden, hat letzterer, der sich jetzt der weiße König nennt, längst ein anderes Ziel, und Karris und Andross lassen sich zu einer Aktion hinreißen, die ich als ziemlich zweifelhaft empfinde: sie lassen die Satrapah von Paria und die Nuqaba ermorden! Sowohl Karris als auch Andross hoffen, dass Paria dadurch wieder zu einem Verbündeten der Chromeria wird. Allerdings haben sie niemanden, den sie an die Stelle der Ermordeten setzen können. Was bringt zwei im Grunde so intelligente Leute dazu zu glauben, ein Machtvakuum würde sich von allein mit den für sie richtigen Personen füllen?

Was das Setting angeht, hat der Autor diesmal keine neuen Ideen mehr eingebracht, was auch nicht wirklich nötig war. Die Welt und ihre Historie sind bereits umfangreich genug, und Gavins seltsame Enthüllungen sorgten für genügend Neuigkeiten. Die Spannung war jedoch diesmal ebenfalls dünn gesät. Die paar Actioneinlagen um Kip und Teia sorgen für Abwechslung, aber nicht für einen durchgehenden Spannungsbogen. Insgesamt wird in diesem Band mehr geredet als gehandelt, was nicht unbedingt ein Problem sein muß. Leider sorgte diesmal ein ziemlich großer Teil der Unterhaltung bei mir eher für Irritation als für Nervosität.

Das einzige, was einen anziehenden Spannungsbogen verspricht, ist die kurze Szene, in der Liv Danavis zur Armee des weißen Königs zurückkehrt, denn hier wird der kommende Showdown angekündigt, und nach der kurzen Unterredung zwischen Koios und Karris dürfte der sehr rabiat werden.

Alles in allem muss ich sagen, der Umfang der Geschichte ist inzwischen so groß ist und bremst den Handlungsfortschritt so stark aus, dass ich froh sein werde, wenn der Zyklus zu Ende ist. Allmählich wird es doch etwas ermüdend, Ereignissen zu folgen, die einfach nicht so recht vom Fleck kommen. Dass Gavins Gespräche mit seinem Vater und dem Toten Mann einige logische Lücken aufgerissen haben, und Andross und Karris plötzlich zu politischem Aktionismus greifen, machte die Sache nicht besser. Und Kips Liebesleben war zwar psychologisch interessant, in einem dermaßen von Details überbordenden Buch hätte ich das allerdings nicht unbedingt gebraucht. Kurz und gut, so interessant die Geschichte bisher auch war, ich hoffe, der nächste Band wird der letzte sein.Nach über sechs Jahren und mehr als 4500 Seiten will man irgendwann einfach auch mal wissen, wie es ausgeht.

Brent Weeks wollte schon als Junge Schriftsteller werden und hat sich deshalb nach dem College nicht mit dem Erlernen eines anderen Berufes aufgehalten, sondern gleich mit dem Schreiben begonnen. Bis jemand bereit war, ihm etwas dafür zu bezahlen, hielt er sich als Barkeeper über Wasser. Aus seiner Feder stammt außer dem Licht-Zyklus auch die Nachtengel-Trilogie, sowie „Perfect Shadow“, ein Prequel zur Nachtengel-Trilogie, das auf Deutsch noch nicht erschienen ist.

Broschiert 864 Seiten
Originaltitel „The Blood Mirror“
Deutsch von Michaela Link
ISBN-13: 978-3734160387

www.brentweeks.com
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

(Visited 1 times, 1 visits today)