Azzarello, Brian (Autor) / Risso, Eduardo (Zeichner) – 100 Bullets: Bd. 7 – Samurai

Brian Azzarello und Eduardo Risso werden seit einiger Zeit als Dream-Team des US-Action-Comics gehandelt. Nicht ohne Grund. Ihre Serie „100 Bullets“ ist ein Dauerbrenner und hat schon einen Haufen Preise abgeräumt. Hierzulande folgt |Panini| der Spur und veröffentlichte kürzlich „Samurai“, den siebten Band der Serie. Er enthält die Knastgeschichte „Chillen im Ofen“ und die Parabel „InStinkt“.

„Chillen im Ofen“ ist eine Gefängnisgeschichte, in der eigentlich nicht viel passiert. Die Handlung ist recht statisch und gleicht eher einem erzählten Gemälde als einer Achterbahnfahrt. Eingangs wird der Knastbruder Loop, die Hauptfigur dieses Vierteilers, aus der Einzelhaft entlassen. Mehrere Tage hat er in einer kakerlakenverseuchten Höhle ohne Fenster zugebracht. Nun wird er zurück in den Alltag hinter Mauern geschickt. Wieder unter Leuten, muss er aufpassen, dass ihm niemand das Fell über die Ohren zieht. Loop ist nämlich gut darin, sich Feinde zu machen. Nacheinander werden nun die Figuren ins Feld geführt, die ihm ans Leder wollen. Ex-Minuteman Lono ist darunter, Aufseher Dirtz und schließlich Nine Train, dem Loop die Luftröhre brach, weswegen er in der Einzelhaft landete. Viel Platz zum Manövrieren bleibt ihm nicht, denn seine Gegner sind alle größer, stärker und einflussreicher als er. Was er braucht, ist eine List, ein Zaubertrick, um aus der Situation herauszukommen. Eine Geschichte ohne Agent Graves, ohne einhundert Kugeln, dafür aber mit Lono und Sheperd, die direkt an die Episode „Die Nacht des Zahltags“ (100 Bullets 6: [„Sechs im Roten Kreis“)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3283 anknüpft.

In dem Dreiteiler „InStinkt“ dreht sich alles um Tiger, Mafiosi und zwei Junkies. Einer der Heroinabhängigen ist der ehemalige Minuteman Jack, ein großer Kerl mit zerschlissenen Hosen und einer Pistole, die ihm Agent Graves gab. Plus einhundert Kugeln, die nicht zurückverfolgt werden können. Zu der Waffe gab Graves noch den Hinweis, dass Jack sich selber in die Scheiße geritten habe. So ist Jack also angehalten, über sich selbst nachzugrübeln. Zurzeit kurvt er mit seinem Junkie-Freund Mikey durchs nächtliche Nirgendwo. Als Mikey den Wagen zu seinem Cousin Garvey lenkt und Jack dort einen stolzen Tiger hinter Gittern erblickt, bekommt er den entscheidenden Denkanstoß. Der Tiger wird zum Spiegelbild seiner eigenen Situation. „Ob er glaubt, er hat’s verratzt?“ Während Jack auf solch geistigen Höhenflügen reitet, empfängt Cousin Garvey Besuch. Drei suspekte Herren aus der Großstadt mit italienischem Akzent sind angereist, um viel Geld auszugeben und dafür einen Tiger zu erschießen. In seinem Käfig, null Risiko. Der König des Dschungels als Schlachtvieh. Jack erkennt, dass für ihn der Zeitpunkt gekommen ist, um sein Leben zu ändern. Hätten sich die italienischen Herren doch besser einen anderen Tag für ihren Besuch ausgesucht …

Wer die Arbeiten von Azzarello und Risso mag, wird an „Samurai“ seinen Spaß haben. Knallharte Macker, scharfe Babes, kurze, bissige Wortwechsel und ein schmierig-düsteres Ganoven-Milieu machen auch dieses Mal wieder den Flair der Storys aus. Etwas spannender kommt der erste Teil „Chillen im Ofen“ weg, da die Handlung facettenreicher und weniger vorhersehbar ausfällt als „InStinkt“. Das zweite Szenario lahmt, weil der Leser zu schnell den Braten riecht, der ihm da vorgesetzt werden soll. Das Gleichnis zwischen Tiger und dem Minuteman Jack ist klar, die Konsequenz daraus folgt jedoch zu langsam. Die Geschichte hinkt etwas hinter den Gedanken des Lesers hinterher. So ist „Samurai“ eine konsequente und gute Weiterführung der Serie „100 Bullets“, aber sicherlich kein Meilenstein der Comic-Literatur.

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