Johns / Morrison / Rucka / Giffen / Bennet – 52 – Sonderband 2

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_Story_

Die Folgen der |Infinite Crisis| sind überall auf der Welt noch deutlich spürbar. Vor allem in Gotham City herrscht noch großes Chaos, weil die Welt der Superhelden nach wie vor schwer erschüttert scheint und die einst so großen Helden spurlos von der Bildfläche verschwunden sind.

Unterdessen verfolgt Clark Kent die Entwicklung neuer Superhelden wie Booster Gold und Supernova aus nächster Nähe. Zwischen diesen beiden kommt es alsbald zum Konflikt, als Booster Golds kalkulierte Maßnahmen zur Verbrechensbekämpfung auffliegen und der gefeierte Supernova seinem Kollegen mit heroischen Taten den Rang abläuft. In einer letzten Verzweiflungstat versucht Booster Gold, seine Stellung wieder zurückzuerlangen – und findet den sicheren Tod.

Black Adam verweilt derweil wieder in Kahndaq, wo er Adrianna Tomaz zu seiner neuen Lebensgefährtin macht und sie mit Hilfe der Magie des Tempels in Isis verwandelt. Die beiden kündigen ihre Hochzeit an und bereiten auch schon die Feier vor. Kurz vor der Eheschließung tauchen jedoch dann plötzlich Renee Montoya und ihr Partner Charlie auf und verhindern ein Bombenattentat am Schauplatz des Festes. Als Retter gefeiert, heißt Adam sie willkommen; doch Renee kann den sich bietenden Obsessionen nicht widerstehen und schürt so den Hass der Herrschers von Kahndaq erneut.

Auch Ralph Dibny ist nicht untätig. In der verzweifelten Hoffnung, seine Frau könne von den Toten zurückkehren, lässt er sich von Wonder Girl auf die Spur einer Sekte bringen, welche die Wiederkehr Superboys herbeibetet. Gemeinsam mit Green Lantern und einigen Verbündeten besucht er eine Sitzung des Ordens und entlarvt ihn als Fälschung. Dann jedoch ergeben sich plötzlich doch einige Spuren aus dem übersinnlichen Bereich, die Dibny daran zweifeln lassen, ob Sektenführer Devem nicht doch über Möglichkeiten verfügte, mit den Verblichenen zu kommunizieren …

_Meine Meinung_

Im zweiten Sammelband der in Amerika wöchentlich erscheinenden Heftreihe „52“ geht es weitaus kontrollierter zu als noch im Debüt der Reihe, die im unmittelbaren Anschluss an die |Infinite Crisis| veröffentlicht wurde und die dortigen Ereignisse bzw. die sich daraus ergebenden Folgen verarbeitet.

Der Fokus liegt dabei auf insgesamt vier parallel verlaufenden Handlungsabschnitten, die im Laufe der Story mehr und mehr aufeinander zulaufen und auch in vielerlei Hinsicht einander bedingen, hier aber noch zu eng mit dem Schicksal der einzelnen Charaktere verknüpft sind. Die Story beginnt mit einer Auseinandersetzung zwischen Black Adam und der verwaisten Adrianna, die sich letztlich doch noch auf die Seite der Herrschers von Kahndaq schlägt, sich von ihm verführen lässt und durch magische Kräfte den Rang einer Königin erhält, wie ihn einst Kleopatra innehatte. In der Rolle der Isis strahlt sie plötzlich Seite an Seite von Adam große Macht aus und stimmt seinem Heiratsangebot bedingungslos zu. Doch insgeheim wird dem Leser schon in diesem Band klar, dass dieser abhängige Bund für die gemeinsame Zukunft der beiden nichts Gutes verheißt. Dafür nämlich sind ihre Ansichten zu unterschiedlich.

Renee Montoya und Charlie begeben sich indes ebenfalls nach Khandaq, um mehr über die Pläne von Black Adam in Erfahrung zu bringen. Kurz zuvor trafen sie bereits auf eine neue Schurkin im Fledermauskostüm, die mit ihren Monstern Gotham City unsicher macht: Batwoman. Mit viel Glück überleben sie deren Attentat und reisen nach Afrika. Doch Montoya verfolgt gleich mehrere Ziele; ihr Hauptanliegen besteht darin, die beruflichen Versäumnisse und den Verlust der Polizeimarke zu verdrängen. Aber auch die Vergangenheit und ihre Beziehungen zum gleichen Geschlecht hat sie nicht verarbeitet, so dass der drohende Eklat vorherbestimmt ist.

Einem solchen wohnt der ehemalige Elastoman Ralph Dibny bei der Sitzung einer merkwürdigen Sekte bei. In der letzten Hoffnung auf eine Rückkehr seiner verstorbenen Frau lässt er sich auf die Versammlung ein, zerschlägt sie aber dann kurzerhand mit seinen Freunden. Doch die Erkenntnis, dass der Draht zum Übersinnlichen so dünn gar nicht sein muss, verführt ihn dazu, in dieser Sache weiterzuforschen. Allerdings hat er keine Ahnung, was er mit der Berufung des Shadowpact auslöst.

Im letzten Strang kommt schließlich der Fall von Booster Gold zur Sprache. Aufgrund seines Wissens über die Zukunft konnte er Verbrechen stets vorhersehen und sie rechtzeitig entschärfen. Der Betrug flog auf, und der Ruf war ruiniert. Als plötzlich ein neuer Superheld namens Supernova auftaucht, kann Gold dies nicht akzeptieren; er sucht nach Mitteln und Wegen, um den Kollegen in die Schranken zu weisen, ist jedoch meist zur richtigen Zeit am falschen Ort. In einer direkten Konfrontation verliert Booster Gold schließlich die Kontrolle über sich und sein Handeln. Eine letzte Probe soll beweisen, dass er der Superheld Nr. 1 ist; doch der Tod kommt ihm zuvor.

„52“ hält in der Fortsetzung des Auftaktbandes, was die umfangreiche Storyline bereits vorab versprochen hat. Das DC-Autoren-Team hält die Geschichte schön bunt und vielschichtig, konzentriert sich angenehmerweise mal fast ausschließlich aus die Helden aus der zweiten Reihe und lotet diesbezüglich auch inhaltlich neue Grenzen aus. Interessant ist in diesem Sinne auch der Zugewinn neuer, prägender Gestalten wie zum Beispiel Batwoman oder der hinterlistige Mörder Lobo, der hier einen prächtigen Einstieg in die DC-Comic-Landschaft erfährt.

Weiterhin sehr lobenswert ist der Spannungsaufbau in diesem zweiten Sammelalbum. Die Autoren wechseln stets am Höhepunkt die Szenarien und warten dabei auch reihenweise mit Überraschungen auf. So tauchen am Ende plötzlich wieder Schurken wie Devilance auf, die im Vorgängerband noch eine elementare Rolle spielten, dann aber außen vor blieben. Oder es wird der schmerzlich vermisste Lex Luthor beim sich anbahnenden Ende mit einem Mal wieder einbezogen, während man sich schon die ganze Zeit fragte, welche Rolle ihm nun wohl zukommt. Greifbar ist auch die spannende Frage, wann Batman und Superman wieder aktiv ins Geschehen eingreifen. Letzterer erhält zwar in Form von Clark Kent einige kurze Gastauftritte, hält sich aber noch bewusst aus dem Geschehen raus. Mal sehen, ob diese Figuren erst im Finale eingesetzt werden. Zeichen ihrer Rückkehr bzw. zumindest derer Supermans tauchen in Band 2 jedenfalls zuhauf auf.

Wie wird es nun weitergehen? Eine Frage, die man sich natürlich in jeder stringent fortgeführten Reihe stellt, die aber in diesem Fall kaum zu beantworten ist. So viele Verstrickungen schmücken bereits jetzt die Handlung, enorm viele weitere Komplexe bahnen sich schon für die Zukunft an. Wo hingegen ein Schwerpunkt der folgenden Ausgabe liegen könnte, kann beim besten Willen nicht vorhergesagt werden, weil die ständigen Überraschungen im Verlauf der bisherigen Geschichte jegliche Prognose verbieten. Dies zeichnet „52“ schlussendlich aber aus, dieses Gefühl von ‚alles ist möglich, nichts ist sicher‘, welches sich unablässig durch Teil 2 zieht und die Serie zu dem eleganten Crossover macht, den man sich davon erhofft hatte. Wie bereits zuletzt resümiert: Die Welt von |DC| gerät derzeit in euphorischen Aufruhr ob der hier geschilderten Ereignisse. Und das mit Sicherheit völlig zu Recht!

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