Lachlan, M.D. – Wolfskrieger

_|Wolfsengel|:_

Band 1: _“Wolfskrieger“_
Band 2: „Fenrir“ (Mai 2012, noch ohne dt. Titel)

_Wie alle Könige_ träumt Authun davon, eine Dynastie zu gründen. Doch die Hexen in den Bergen haben ihm prophezeit, daß er keinen eigenen Sohn haben wird. Wenn er sein Ziel erreichen will, muss er den Westleuten ein besonderes Kind rauben. Tatsächlich erreicht er den Ort, den die Hexen ihm genannt haben. Allerdings findet er dort nicht nur ein Kind, sondern zwei …

_Laut Buchbeschreibung_ ist „Wolfskrieger“ der „Auftakt zu einem Mythos, der so alt und dunkel ist wie die nordischen Sagas selbst“. Das rief erst einmal ein Stirnrunzeln hervor, aber letztlich kam ich zu folgendem Schluss: Die Geschichte baut zwar auf dem Mythos vom Fenriswolf auf, der einst seine Ketten sprengen und dann Odin töten und dadurch Ragnarök einleiten wird, das Ende der Welt. Die Geschichte selbst aber hat keine literarische Vorlage unter den Nordlandsagas, sondern ist frei erfunden.

Der Klappentext klang eigentlich nicht so verlockend, dass er mehr als vages Interesse erzeugt hätte. Die Leseprobe war es letztlich, die mich dazu bewog, mir die Geschichte zu Gemüte zu führen. Ich weiß nicht, ob ich das auch getan hätte, wäre die Leseprobe noch etwas länger gewesen!

Nicht, dass das Buch schlecht wäre. Es enthält viele interessante Aspekte, ist sauber aufgebaut und flüssig und fesselnd erzählt. Dazu wartet es immer wieder mit unerwarteten Wendungen und Überraschungen auf. Die Interpretation und Darstellung des nordischen Weltbildes allerdings gefiel mir nicht. Dazu gehörte zum einen die Magie der Hexen. Mit Folter hab ich’s nicht so, und wenn Leute sich Folter mehr oder weniger freiwillig antun, macht es das eher noch schlimmer. Auch fand ich eine Magie, die auf völligem Irrsinn beruht, teils beunruhigend, teils abstoßend.

Ein weiterer Punkt waren die Berserker, die hier als eine Art Odin-Kultisten beschrieben sind, die sich mit Hilfe von Giftpilzen berauschen, und nur um des Tötens willen überhaupt in den Kampf ziehen. Am Übelsten aber fand ich die Sache mit dem Wolf. Alles, was damit zusammenhängt, ist eine sehr blutige Angelegenheit.

Natürlich gilt es in der Literatur als legitim, Inhalte umzudeuten oder auch leicht abzuwandeln, damit sie besser in den Kontext der Geschichte passen, und über die Berserker gibt es ohnehin kaum gesichertes Wissen. Trotzdem konnte ich mich damit, wie der Gott Odin hier dargestellt ist, nicht wirklich anfreunden. Denn wenn ein Gott derart irrsinnig ist, was läßt das dann für Rückschlüsse auf diejenigen zu, die ihm ihr Leben geweiht haben? Hier zeichnet sich eine Welt ab, aus der ich, wäre ich dort hineingeboren, schnellstmöglich auswandern würde.

Um das Maß vollzumachen, wirkt das Schicksal hier auf ähnliche Weise wie in den Nebeln von Avalon. Der Leser sieht den Protagonisten dabei zu, wie sie unwiderruflich und unaufhaltsam in ihr Verderben schlittern, ohne jede Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. Letztlich sind sie nicht mehr als Figuren im Spiel der Götter, die nur scheinbar einen freien Willen haben. Dass das Verhängnis, das auf sie wartet, auch noch eine Endlosschleife ist, macht die Sache nicht besser.

_Irrsinn, Grausamkeit, Blutgier,_ und das immer wieder aufs Neue bis zum Ende aller Tage, das ist wirklich ein ungemein deprimierendes Szenario. Da hilft es auch nicht, dass die Charaktere, wenn auch nicht besonders tiefschürfend, so doch sehr sympathisch geraten sind. Was letztlich aus ihnen wird, macht die Sache eher noch deprimierender. Niemand hat ein solches Schicksal verdient. Zumal das alles letztlich nur einem einzigen Ziel dient: einem Irren zu weiteren Erkenntnissen über den Tod zu verhelfen. Die Welt, die M. D. Lachlan hier entworfen hat, wirkt wie ein einziges riesiges Tollhaus, in der Leben und Tod, Kampf und Magie, alles gleichermaßen wahnsinnig ist. Ein Schlachtfest für Durchgeknallte.

Wer einen robusten Magen hat und finstere Geschichten ohne Happy End mag, der ist hier absolut richtig und darf sich auf eine Fortsetzung freuen. Mir aber hat dieser Entwurf einer Welt der Wikinger nicht gefallen, so gut sie auch erzählt war. Ich empfand sie als ausgesprochen frustrierend, großteils widernatürlich und stellenweise schlicht eklig. Die Folgebände werde ich ganz bestimmt nicht lesen.

_M. D. Lachlan_ ist ein Pseudonym des britischen Jornalisten und Schriftstellers Mark Barrowcliffe, von dem auf Deutsch die Titel „Girlfriend44“, „Auf den Hund gekommen“ sowie „Der kleine Hunger zwischendurch“ erhältlich sind. „Wolfskrieger“ ist der erste Fantasy-Roman des Autors, der zweite Band mit dem Titel „Fenrir“ ist für April nächsten Jahres angekündigt.

|Taschenbuch: 558 Seiten
Originaltitel: Wolfsangel
Übersetzung: Jürgen Langowski
ISBN-13: 978-3453526754|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de
[www.mdlachlan.com]http://www.mdlachlan.com

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