Marillier, Juliet – Erben von Sevenwaters, Die (Sevenwaters 4)

_|Sevenwaters|:_

Band 1: [„Die Tochter der Wälder“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=177
Band 2: [„Der Sohn der Schatten“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=186
Band 3: [„Das Kind der Stürme“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=191
Band 4: _“Die Erben von Sevenwaters“_

_Clodaghs Zwillingsschwester_ Deirdre heiratet, und das Haus ist voller Gäste. Da außerdem Clodaghs Mutter Aisling hochschwanger ist, bleiben die Hochzeitsvorbereitungen an Clodagh hängen. Das wäre an sich kein Problem, zumal ihr Cousin Johnny unter den Gästen ist, und damit auch sein Leibwächter Aidan, zu dem Clodagh sich schon länger hingezogen fühlt. Nur ist unter Johnnys Leibwächtern dieses Mal auch Aidans Ziehbruder Cathal, dessen arrogante, gelangweilte und unhöfliche Art Clodagh ziemlich ärgert. Dann wird kurz nach der Geburt ihr kleiner Bruder Finbar entführt, und das, während Clodagh bei ihm war, um auf ihn aufzupassen! Clodagh fühlt sich schuldig und macht sich auf den Weg, um das Baby zu suchen …

_Eigentlich war die_ |Sevenwaters|-Trilogie mit „Das Kind der Stürme“ ja abgeschlossen. Aber wie so oft wurde aufgrund des großen Erfolges am Ende doch noch einmal eine Fortsetzung drangehängt. Diesmal dreht sich die Geschichte um Clodagh, eine von Seans zahlreichen Töchtern, die im dritten Band noch Kinder waren. Oberflächlich betrachtet scheint sie Aislings Ebenbild zu sein: ordentlich, kompetent und häuslich, und abgesehen davon, dass sie sich mit ihrer Zwillingsschwester telepathisch verständigen kann, besitzt sie offenbar keine der besonderen Gaben, die unter den Kindern von Sevenwaters so häufig sind. Doch das täuscht. Clodagh hat dasselbe Durchsetzungsvermögen wie ihre Tante Liadan, die sich bereits im zweiten Band erfolgreich dem Elfenvolk widersetzte. Und sie hat ein großes Herz, das auch für Außenseiter und noch fremdartigere Geschöpfe Platz hat.

Und fremdartige Geschöpfe gibt es einige in diesem Band. Denn da der Kampf um die Heiligen Inseln inzwischen entschieden ist, war eine neue Grundthematik nötig. Die Wahl der Autorin hat einen großen Teil der Handlung in die Elfenwelt verlegt, wo Clodagh nicht nur auf das Kleine Volk und das Feenvolk trifft, sondern auch auf andere Geschöpfe, von denen nicht alle freundlich sind. Und natürlich sind Prüfungen zu bestehen und Gefahren zu meistern, um Finbar nach Hause zurückzubringen.

Bis es allerdings so weit ist, vergeht ein Drittel des Buches. Die Autorin lässt sich viel Zeit damit, ihre Hauptfigur einzuführen und deren Beziehung zu ihrem Verehrer Aidan und dessen Ziehbruder aufzubauen, sowie Hinweise auf den eigentlichen Plot zu verstecken. Dabei geht es nicht ohne einige Nebensächlichkeiten ab. Vor allem den unmittelbaren Anfang empfand ich als etwas holprig, denn er enthält einige Erklärungen, die sich auf die vorangegangenen Bände und die darin vorkommenden Personen beziehen, und der Autorin ist es nicht gelungen, diese Erklärungen nahtlos einfließen zu lassen.

Die Suche nach Finbar entwickelt sich dann weit abwechslungsreicher und zügiger. Fast schon ein wenig zu zügig. Recht schnell haben Clodagh und ihre Begleiter all die Hindernisse überwunden und Finbar gefunden. Dessen Befreiung ist dann immerhin noch einmal für eine Überraschung gut. Denn wirklich spannend kann man Clodaghs Reise nicht nennen. Das mag daran liegen, dass ein Großteil der Schwierigkeiten hauptsächlich als Katalysator für zwischenmenschliche Beziehungen dient. Zu deutlich ist spürbar, dass das eigentliche Augenmerk der Autorin auf ihre Figuren gerichtet ist, und die Handlung nur dazu da ist, deren Entwicklung voranzutreiben. Obwohl ich persönlich viel Wert auf die Ausarbeitung und Entwicklung von Charakteren lege, finde ich, die Handlung sollte durchaus auch Eigenständigkeit aufweisen, sie sollte auch für sich allein genommen interessant sein, was hier nicht so recht der Fall ist. Ein weiterer Grund sind möglicherweise die seltsamen Auswüchse, die der Plot stellenweise bildet, wie zum Beispiel der Überfall auf Glencarnagh: Nachdem die Entführer bereits über Clodaghs Herzensangelegenheiten Bescheid wussten, war diese Aktion eigentlich völlig überflüssig. Und noch sinnloser war die Ermordung der Suchmannschaft aus Sevenwaters.

Offensichtlich sind Intrigen nicht die Stärke der Autorin. Aber auch dem zwischenmenschlichen Bereich, eigentlich ihre liebste Spielwiese, fehlte es diesmal an gewohnter Intensität. Was für ein Unterschied zwischen der Szene aus dem ersten Buch, in der Hugh nach Sevenwaters kommt und darum bittet, bei Sorcha bleiben zu dürfen, und der Rückkehr von Clodagh und ihrem Erwählten. Während im ersten Fall jedes einzelne Wort von Herzen kam, haben wir es bei der zweiten Szene mit einer Menge gehaltloser Nichtigkeiten zu tun. Überhaupt war diesmal von dem, was einen Großteil des Flairs der ursprünglichen Trilogie ausgemacht hat, nämlich die starken Bande innerhalb der Familie von Sevenwaters, so gut wie nichts zu spüren. Zu sehr stand Clodaghs sich entwickelnde Liebesgeschichte im Vordergrund, und auch die hat diesmal Schwachstellen. Die Szene nach der endgültigen Rettung ist ins Kitschige abgerutscht, wie ich es bei Juliet Marillier noch nie erlebt habe. Und das letzte Kapitel empfand ich als zusammengestückelt und genauso holperig wie den Anfang, als wollte die Autorin möglichst schnell noch alle losen Enden irgendwie miteinander verwursteln, nur um endlich fertig zu werden.

_Von diesem Buch_ war ich wirklich enttäuscht. Die Grundidee war so vielversprechend, wurde letztlich aber durch überflüssige Zusatzkomplikationen verwässert und ausgebremst. Nachdem die Handlung sich anfangs in diversen Nebensächlichkeiten verfranst hatte, stürzte sie später umso hastiger voran und ließ so an den interessanten Stellen keinen Raum mehr für Details. Die meisten von Clodaghs Familienmitgliedern spielten so gut wie überhaupt keine Rolle und wirkten deshalb eher wie lästige Anhängsel als wie ein Teil der Geschichte. Manche Dialoge klangen so hölzern und unnatürlich, dass ich es kaum fassen konnte. Und die Hauptfiguren waren zwar von der Charakterzeichnung her gut angelegt und in ihrer Entwicklung glaubwürdig, litten aber ganz erheblich unter der Übertreibung am Ende.

Kurz und gut: Im Vergleich zur ursprünglichen |Sevenwaters|-Trilogie wirkt dieses Buch lustlos und unmotiviert. Sehr schade. Falls die Autorin vorhat, diese neue Variante der Geschichte noch weiterzuspinnen, was durchaus möglich wäre, dann hoffe ich, dass sie in den nächsten Band wieder etwas mehr von dem Herzblut und der sprachlichen Stärke einfließen lässt, die die ersten drei Bände so sehr auszeichneten.

_Juliet Marillier_ war lang als Dozentin für Musikgeschichte, Gesangslehrerin und Chorleiterin tätig, ehe sie sich 2002 zurückzog, um sich der Schriftstellerei zu widmen. Aus ihrer Feder stammen außer der |Sevenwaters|-Trilogie noch |The Bridei Chronicles|, |The Saga of the Light Isles| sowie ihr Jugendbuch „Wildwood Dancing“, das bisher nur auf Englisch erschienen ist. Auch der letzte Band der |Bridei Chronicles| ist nicht auf Deutsch erhältlich. Juliet Marillier lebt in Neuseeland, in der Nähe von Perth.

|Taschenbuch: 549 Seiten
Originaltitel: Heir to Sevenwaters
Ins Deutsche übertragen von Sabine Schilasky
ISBN 978-3426508909|
[www.droemer-knaur.de]http://www.droemer-knaur.de/home
[www.julietmarillier.com]http://www.julietmarillier.com

_Juliet Marillier bei |Buchwurm.info|:_

|Saga of the Light Isles|:
Band 1: [„Die Priesterin der Insel“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=874
Band 2: [„Die Wolkeninsel“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2501

|Unter dem Nordstern|:
Band 1: [„Die Königskinder“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2001
Band 2: [„Die Herrscher von Fortriu“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2908

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