Weber, David – Schwur, Der (Schwerter des Zorns 1)

Bei dem Namen David Weber denkt man zwangsläufig an Science-Fiction-Romane rund um die starke Kommandantin Honor Harrington. Doch diesmal entführt er seine Leser in eine an Robert E. Howards hyborische Welt erinnernde Zeit.

Seine Verwandschaft mit Conan kann Webers Held Bahzell Bahnakson nicht verleugnen. Probleme löst auch er am liebsten auf die handgreifliche Art. Doch im Gegensatz zu Howards Conan ist der unheimlich sture Bahzell ein moralischer Charakter mit ausgeprägtem Gerechtigkeitsempfinden.

Als Hradani gehört Bahzell einer der ursprünglichen fünf menschlichen Rassen (desweiteren gibt es Zwerge und „Rote Lords“, Halbelfen) seiner Welt an. Die fuchsohrigen Hradani sind bekannt für ihre hünenhafte, über zwei Meter große Gestalt, Körperkraft und ihr gewalttätiges Temperament. Das machte sie zu idealen Soldaten der Dunklen Götter, deren Hexerei sie mit der Blutrunst verfluchte: einem unkontrollierbaren, berserkerhaften Blutrausch, in dem sie jegliche Kontrolle verlieren. Diesem können sie im Zorn, besonders im Kampf, jederzeit anheimfallen.

Dementsprechend unbeliebt sind sie bei allen anderen Völkern. Insbesondere Bahzells Stamm der Pferdediebe, die man für besonders grausam, hinterhältig und unzivilisiert hält – schließlich essen sie Pferde!

Doch Bahzells Vater, der König von Hurgrum, ist geradezu ein Ausbund an Zivilisiertheit verglichen mit seinem Rivalen Churnazh, in dessen dreckiger Hauptstadt Navahk Terror und Willkür regieren. Als Friedensgeisel lebt Bahzell dort im Palast, sein einziger Freund ist Brandark von den Blutklingen. Der sture Bahzell schätzt den gebildeten Brandark sehr, der ein sehr kluger und gelehrter Hradani mit der Seele eines Poeten ist, aber dessen Stimme und Finger zu seinem Verdruss die eines Kriegers sind, was ihn dennoch nicht davon abhält, als mäßig begabter Barde den Schrecken von Churnazh Hof einen weiteren hinzuzufügen.

Als Kronprinz Harnak eine Bedienstete vergewaltigen will, für die Hradani ein noch schändlicheres Vergehen als bei allen anderen Völkern, schreitet Bahzell ein und bringt ihn in Blutrunst beinahe um, verunstaltet im Kampf sein Gesicht und lässt ihn verkrüppelt liegen. Der Tod seines Sohnes würde Churnazh keine andere Wahl als Krieg lassen, Bahzell muss verständlicherweise nach dieser Tat aus Navahk fliehen. Brandark begleitet ihn.

Auf seiner Flucht wird er von seltsamen Träumen geplagt, die er nicht versteht – oder vielmehr nicht verstehen will. Tomanâk, der Gott des Krieges und der Gerechtigkeit, versucht ihn auf seine Seite zu ziehen. Doch Hradani halten von Göttern rein gar nichts, von den „Guten“ wurden sie im Stich gelassen, von den „Bösen“ missbraucht, und Magie ist ihnen traditionell ein Gräuel. Und Bahzell ist einer der dickschädligsten Hradani überhaupt …

Schließlich trifft er auf die adelige Zarantha und rettet sie vor einer Schlägerbande. Leider handelt er sich dadurch den Zorn der lokalen Unterwelt ein. Zarantha rekrutiert ihn als Leibwächter, denn ihr Beschützer Tothas ist von Krankheit geschwächt. Ihre Reise gestaltet sich nicht so einfach wie von Bahzell gewünscht – die Meuchlergilde der Wolfsbrüder ist hinter ihnen her. Denn Zarantha ist mehr, als sie zu sein scheint, und der verunstaltete Harnak hat überlebt und sinnt auf Rache. Er hat sich dem dunklen Gott Sharnâ verschrieben, dem Herren des Skorpions und Schutzheiligen der Meuchelmörder. Bahzell wird gegen seinen Willen immer mehr in die Konflikte von Menschen und Göttern hineingezogen.

_Heroic Fantasy mit Humor_

Gut und Böse sind in David Webers Fantasywelt so klar wie Kloßbrühe. Die Charaktere sind stark ausgeprägte Archetypen, Tothas ist so pflichtbewusst und treu wie Bahzell stur, böse Charaktere wie Prinz Harnak sind verdorben und körperlich hässlich. Zarantha ist ausnahmsweise nicht ganz so hübsch, dafür sehr klug – ganz das Gegenteil ihrer Zofe Rekah.

Ganz so archaisch wie Howards Ur-Conan präsentiert sich Bahzell nicht; er ist zwar keine Leuchte, aber auch nicht dumm. Sehr martialisch geht es in den häufigen Kampfszenen zur Sache, mit roher Gewalt zertrümmert Bahzell Knochen, trennt Hände ab und rutscht auf Blutlachen aus. Schwarze Magie darf nicht fehlen, die Fleisch vom Knochen brennt und die Luft mit Gestank verpestet.

Bemerkenswert sind die humoristischen Züge der barbarischen Helden: Besonders die Gespräche des widerspenstigen Bahzell mit dem Gott Tomanâk erinnern an das Verhältnis von David Eddings Zauberer Belgarath zu seinen Göttern, schnodderig anstelle von demütig und unterwürfig. Ebenso gelungen ist das Verhältnis von Brandark und Bahzell, der aus den Taten Bahzells sehr zu dessen Verdruss die „Ballade von Bahzell Bluthand“ geschaffen hat, zu der Melodie eines der übelsten Trinklieder überhaupt. Weber hat sich hier Mühe gegeben, denn sehr leicht hätte hieraus ein flacher, bemühter und auf Dauer nerviger Running Gag werden können. Es ist ihm gelungen, den beiden Barbaren einen derben Humor zu verpassen, der sich unterhaltsam liest und nicht unpassend erscheint oder sie gar zu Witzfiguren degradiert.

Für den Weltentwurf hat sich Weber ein besonderes Lob verdient: Der Kampf zwischen Menschen untereinander und zusätzlich mit oder gegen gute oder böse Götter ist nicht gerade ein originelles Szenario, aber Weber hat sein umfangreiches Götterpantheon sorgfältig geplant. Der Anhang und die vielen Karten zu seiner namenlosen Welt quellen geradezu über vor Details und haben mir ausgezeichnet gefallen. Im Laufe der Handlung erfährt der Leser nach und nach mehr über die Vergangenheit dieser Welt und darüber, wie die Götter sie indirekt durch ihre sterblichen Diener – auch das erinnert sehr an Eddings – beeinflussen.

_Fazit_

Bahzell Bahnakson steht für actionreiche Abenteuer in einer faszinierend großen und mannigfaltigen Fantasywelt mit Esprit und Humor. Der Hradani vereinigt in sich mehrere geradezu klassische Rollen; die des Barbaran à la Conan, aber auch eine an den Dunkelelfen Drizzt Do’Urden erinnernde Problematik, man hält ihn aufgrund seiner Herkunft zu Unrecht für eine Bestie. Unterhaltsame, humorige und keinesfalls aufgesetzt wirkende Dialoge und eine abwechslungsreiche Handlung mit Pfiff machen aus „Der Schwur“ ein wahres Lesevergnügen. Die sorgfältige Planung der „Schwerter des Zorns“ zahlt sich aus, der Folgeband „Der Kriegsgott“ setzt die Geschichte konsequent fort und gefiel mir sogar noch ein wenig besser. Die Übersetzung von Wolfgang Thon ist sehr gut gelungen, der Humor der Geschichte blieb erhalten und die Kämpfe kommen hart und direkt, brutal, kurz und blutig herüber. Leider haben sich unnötigerweise auch viele Wort- und Setzungsfehler eingeschlichen. Bei der ansprechenden Umschlaggestaltung hat man sich dagegen mehr Mühe gegeben, auch Papier und Druck bieten ansprechende Qualität.

Interessant ist, dass dieser gelungene Ausflug Webers in die Fantasy im Original bereits 1995 erschienen und erst jetzt übersetzt worden ist. Denn qualitativ übertrifft er mühelos die letzten Honor-Harrington-Romane jüngeren Datums sowie den eher misslungenen Science-Fantasy-Mix „Die Excalibur-Alternative“ bei weitem.

Der „Schwerter des Zorns“-Zyklus bei |Buchwurm.info|:

1. [„Der Schwur“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2093
2. [„Der Kriegsgott“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2889
3. [„Der Windreiter“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2890
4. [„Die dunkle Göttin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2891

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