Andreas Eschbach – Submarin

Die lang erwartete Fortsetzung von Andreas Eschbachs „Aquamarin“!

Noch immer kann es Saha kaum glauben: Sie ist ein Submarine, halb Mensch, halb Meermädchen. Gemeinsam mit ihrem Schwarm erkundet sie den Ozean. Als Saha auf den mysteriösen Prinzen des Graureiter-Schwarms trifft und mit ihm auf seinem Wal reitet, ist sie wie verzaubert. Sie ist entschlossen, von nun an selbst über ihr Schicksal zu bestimmen. Doch der König der Graureiter hegt finstere Pläne für die Submarines, in denen ausgerechnet Saha als Mittlerin zwischen den Welten eine wichtige Rolle spielt. Saha gerät in große Gefahr und muss eine folgenschwere Entscheidung treffen …
(Verlagsinfo)

Dies ist der zweite Teil der Geschichte des Mädchens Saha. Sie taucht ein in das zweite Medium, das ihr Lebensspender sein kann, denn neben irdischer Luft vermag sie gleich einem Fisch, Wasser zu atmen. Diese Fähigkeit, im ersten Buch »Aquamarin« erst entdeckt und als Fluch verstanden, nimmt sie nun an als Gabe. Denn obwohl sie sehrwohl über die unmenschlichen Experimente, die zur Entstehung der »Submarines«, der Wassermenschen führten, bescheid weiß, eröffnet die Gabe neue Möglichkeiten: Elternlos, aufgewachsen bei ihrer Tante, macht sie sich auf, ihren Vater in den Weltmeeren zu suchen.

Wir folgen Saha auf ihrem Weg, der in diesem Buch vor allem unter Wasser verläuft, durch eine entfernte, gleichwohl erschreckend nahe Zukunft. Gentechnische Manipulationen lassen Menschen mit modischen Veränderungen entstehen. Der Klimawandel führte zu einem völlig veränderten Bild der Erde. Vernichtende Kriege änderten für immer die gesellschaftlichen Ordnungen. Und trotzdem sind es Menschen, denen Saha während ihrer Reise begegnet, mit denen sie lebt, lacht und leidet.

Durch ihre Eltern – ihr Vater ist ein Submarine, ihre Mutter war ein klassischer Luftatmer – ist sie ein Grenzgänger, der sich in beiden Bereichen nicht ganz zuhause fühlt. Nicht ganz akzeptiert wird. Nicht vollends zufrieden ist. Diese Einmaligkeit ist es, die der jungen Frau eine besondere Aufgabe entstehen lässt: Sie ist die Mittlerin.

Andreas Eschbach schreibt diese Jugendromantrilogie aus der Ich-Perspektive Sahas. Zwei Jahre liegen zwischen dem Erscheinen der einzelnen Bücher, doch auch ohne die kleinsten Details des ersten Bandes klar parat zu haben, taucht man mit dem Mädchen ein in die unwirkliche Welt des Unterwasserlebens. Dieser Bereich ist es auch, der gut die Hälfte des Buches einnimmt. Über weite Strecken ist es ein ruhiges, meist unaufgeregtes Entdecken einer fremden Welt, das Auskundschaften und die Selbsterfahrung des Mädchens begleitend; stimmungsvoll und beinahe vergessend, mit welchem Ziel sie ursprünglich aufbrach. Schließlich wird durch diesen langen Abschnitt deutlich, wie sinnlos das Unterfangen anmuten muss, in den noch vergrößerten Weltmeeren ein einzelnes Wesen finden zu wollen, in einem Bereich, der keine Telekommunikation kennt und wo jeder willkürlich umherzieht und sich mal diesem, mal jenem »Schwarm« von Unterwassermenschen anschließt.

Umso brachialer wirkt der Bruch in der Handlung, als Sahas Suche sie in erneuten Kontakt mit Luftmenschen bringt und dies manipulativ zu Machtmissbrauch genutzt wird – von einem Submarine, unter denen gleichfalls die Grautöne der menschlichen Charakterlichkeiten Bestand haben. Nun wird die Erzählung schnell, packend, mitreißend, und Eschbach versäumt es nicht, die bisher aufgebauten zwischenmenschlichen Beziehungen und Spannungen unter der neuen Prämisse zu nutzen, um den Druck auf die Protagonisten nicht nur durch die äußeren Umstände, sondern auch aus dem Inneren zu erhöhen. Hier erkennt man den leichten Anflug von Allgemeinplätzen in der Charakterisierung und Teeniebeziehung der Hauptfigur, vielleicht ein Feld, dem Eschbach nicht in seiner typischen Kreativität gewachsen ist.

Schließlich gelingt es dem Autor, mit diesem Mittelband einer Trilogie dem oft befürchteten Spannungstief des Mittelteils zu entfliehen, ja, er liefert ein knackiges Finale mit einem richtigen Ende ab, das die Geschichte eigentlich zu einem runden Abschluss brächte – wäre da nicht die eine Frage, die sich durch beide bisherigen Romane zieht und noch ihrer Antwort harrt: Wer ist Sahas Vater, und was wird geschehen, wenn die beiden sich begegnen?

Auffällig ist die Veränderung im Titelbild: Die zielgruppengerechte und moderne Implementation eines Fotos in die Gestaltung des Bildes zu „Aquamarin“ wurde hier zugunsten einer klassisch-künstlerischen Annäherung an den Inhalt verlassen. Die Verbindung bleibt über die Korallendetails noch bestehen, und natürlich trägt der Titel die unverwechselbare Ähnlichkeit in sich.

»Submarin« leidet als Mittelteil einer Trilogie glücklicherweise nicht unter den üblichen Schwächen, sondern erzählt seine eigene Geschichte unterhaltsam und spannend. Die ruhige erste Hälfte führt ausführlich in die Unterwasserwelt ein und knüpft menschliche Bande, die in der Mitte des Romans gnadenlos zerrissen werden und unter dem Druck der Ereignisse in der letzten Hälfte gerettet und neu geknüpft werden müssen, um das Zünglein an der Waage für ein gutes und rundes Ende sein zu können. Insgesamt wirkt das Buch gleich seinem Vorgänger deutlicher zielgruppenorientiert auf junge Leute zwischen 12 und 20 Jahren, als das bisher bei Andreas Eschbach der Fall war.

Gebundene Ausgabe, 456 Seiten
Originalausgabe

ISBN: 978-3401600239
Das Buch beim Verlag
Über den Autor

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