Brandon Sanderson – Die Splitter der Macht (Die Sturmlicht-Chroniken 3, Teil 2)

Die Sturmlicht-Chroniken

Band 1: Der Weg der Könige“
Band 2: Der Pfad der Winde“
Band 3: „Die Worte des Lichts“
Band 4: „Die Stürme des Zorns”
Band 5: Der Ruf der Klingen“
Band 6: „Die Splitter der Macht“

Dalinar hat Elhokar, Adolin, Kaladin und Shallan zusammen mit ein paar Leuten nach Kholinar geschickt, um das dortige Eidtor für die alethischen Truppen zu öffnen. Doch während er in Urithiru und anderen Städten darum ringt, eine Allianz gegen die Ungemachten und ihre Truppen zu schmieden, kehren seine Erinnerungen an seine Frau vollständig zurück und stürzen ihn in eine neue Depression.

Der Stoßtrupp in Kholinar muss derweil feststellen, dass er es nicht nur mit einem Ungemachten, sondern gleich mit mehreren zu tun hat.

Um es gleich vorwegzunehmen, meine Befürchtung nach der Lektüre des Vorgängerbandes hat sich leider bewahrheitet. Der Zyklus ist auch nach diesem aktuellen Band noch nicht abgeschlossen. Stattdessen ist noch einmal ein neuer Charakter aufgetaucht.

Die geheimnisvolle Azure hat Kholinar als Offizier gegen die anrückenden Eroberer verteidigt, zumindest hat sie es versucht. Sie scheint eine kluge Frau, eine begabte Organisatorin und eine gute Offizierin zu sein, ansonsten erfährt man zunächst gar nichts über sie. Aber sie jagt offenbar jemanden.

Azure ist nicht uninteressant und sicher ein Gewinn für die Geschichte, aber sie erweitert die Komplexität des Ganzen noch. Dabei hatte ich statt dessen gehofft, dass allmählich mal ein paar Fäden zusammengeführt würden.

Shallans und Dalinars Schwierigkeiten mit sich selbst verstärken sich im Laufe der Geschichte noch, in Dalinars Fall, so gelungen die Darstellung auch geraten ist, empfand ich es jedoch als einen der Punkte, die zu detailliert ausgearbeitet wurden, zumal die diversen Alkoholexzesse sich ziemlich ähneln. Ich muss zugeben, dass ich teilweise mit trommelnden Fingern dasaß und mir dachte: ‚Komm doch bitte mal zum Punkt!‘

Dasselbe gilt für die Zeit in Shadesmar, zumal dieser Teil sich weder durch Spannung, noch durch Charme, noch durch besondere Ereignisse oder Informationen, die für den späteren Verlauf entscheidend wären, auszeichnet, sondern lediglich durch Exotik. Vielleicht hätte ich mehr Wertschätzung für die ungewöhnlichen Geschöpfe Shadesmars entwickelt, wäre die Geschichte insgesamt nicht bereits so überfrachtet.

Letztlich steuert die Handlung auf die nächste große Konfrontation zu. Nach der Schlacht auf den zerbrochenen Ebenen folgt nun also die Schlacht um Thaylen-Stadt. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob die Ereignisse auf der zerbrochenen Ebene ebenso umfangreich geschildert wurden, die Schlacht um Thaylen-Stadt jedenfalls zieht sich über mehr als zweihundert Seiten! Kein Wunder, wenn man die Duelle von sechs oder sieben Leuten schildern muß. Traurigerweise sind sie sich alle so unglaublich ähnlich! Kaladin muss schon einen größeren Kampf ausfechten, um überhaupt den Übergang von Shadesmar zurück nach Roschar zu ermöglichen, von den späteren Duellen Kaladins in der Schlacht ganz zu schweigen. Sie alle werden recht ausführlich geschildert, und obwohl sie immer wieder von Jasnahs oder Adolins oder Shallans Bemühungen unterbrochen werden, die zumindest ein wenig Abwechslung bedeuten, tröstete mich das kaum darüber hinweg, dass das Ganze einfach kein Ende zu nehmen schien.

Ein solch bombastisches Ereignis sollte doch eigentlich genug für einen abschließenden Höhepunkt bieten, aber wie ich eingangs schon erwähnte, ist das nicht der Fall. Statt dessen endet das Buch mit einem Cliffhanger.

Unterm Strich muss ich sagen, dass ich trotz all der guten Ideen und obwohl ich Komplexität, Verwicklungen und Intrigen eigentlich mag, diesen Zyklus nicht zuende lesen werde. Das ist mir bei einer Geschichte, die mir gefiel, noch nie passiert. Vielleicht werde ich alt. Aber dieser Teil der Sturmlicht-Chroniken ist auf fünf Originalbände, also insgesamt zehn deutsche Bände ausgelegt ist, es würde also noch mindestens drei- bis viertausend Seiten dauern, bis ich endlich erfahren würde, wie es ausgeht, und mir hat schon die Lektüre der letzten beiden Bände mehr Mühe als Spaß bereitet. Ich glaube nicht, dass ich mir das in diesem Umfang noch zweimal antun will. Zu ausgeufert, ja aufgebläht ist die Geschichte inzwischen, und dass ein so dickes Buch umso mehr Zeit braucht, um geschrieben zu werden, die Wartezeit also entsprechend lang ist, selbst bei einem fleißigen Mann wie Sanderson, trägt nicht dazu bei, mich zu motivieren.

Stattdessen werde ich wohl lieber „Die Tänzerin am Abgrund“ noch lesen, die im November erscheinen soll. Das Buch wird bei Amazon als siebter Band der Sturmlicht-Chroniken bezeichnet, das ist allerdings nicht korrekt. Stattdessen handelt es sich um einen zusätzlichen Nebenband mit Lift als Hauptfigur und lediglich dreihundert Seiten Umfang.

An dieser Stelle aber immerhin noch einen großen Dank an Heyne, das die Originalbände zwar auf zwei deutsche Ausgaben aufgeteilt, diese aber immerhin ziemlich zeitnah zueinander veröffentlicht hat. Da ist mir schon ganz anderes begegnet.

Brandon Sanderson gehört zu denjenigen, die bereits als Kinder phantastische Geschichten schrieben. Sein Debütroman „Elantris“ erschien 2005, seither war er ungemein fleißig. Neben den Sturmlicht-Chroniken stammen eine ganze Reihe von Fantasy-Zyklen aus seiner Feder, darunter unter anderen der Jugendbuchzyklus Alcatraz sowie die Serien Warbraker, Dragonsteel und Mistborn. Außerdem hat er das Angebot angenommen, nach Robert Jordans Tod dessen Zyklus Das Rad der Zeit zu Ende zu bringen. Im November diesen Jahres soll mit „Die Tänzerin am Abrund“ ein zusätzlicher Nebenroman zu den Sturmlicht-Chroniken erscheinen, die tatsächliche Fortsetzung des Zyklus ist noch in Arbeit.

Gebundene Ausgabe 1120 Seiten
Originaltitel: Oathbringer
Deutsch von Michael Siefener
ISBN-13:978-3-453-27039-8

http://www.brandonsanderson.com
http://www.randomhouse.de/heyne/

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