Brandon Sanderson – Herrscher des Lichts (Mistborn 3)

Mistborn

Band 1: „Kinder des Nebels“
Band 2: „Krieger des Feuers“

Nach der Schlacht um Luthadel versucht Elant Wager, inzwischen erneut König und Oberster Herrscher, sein Reich wieder zu einen und die Menschen in seiner Hauptstadt zu versammeln. Denn nur dort kommt noch genug Sonnenlicht zum Erdboden durch, um Pflanzen wachsen zu lassen. Vor allem aber braucht Elant den Zugang zu einer Höhle unter einem Ministeriumsgebäude in Fadrex. Vier Höhlen dieser Art haben sie bereits gefunden, und dort fanden sich vor allem Vorräte jeglicher Art, außerdem aber auch eine Metallplatte mit Hinweisen des ehemaligen Obersten Herrschers Raschek. Vin erhofft sich von der fünften Platte die Lösung des Rätsels, wie sie das Wesen bekämpfen kann, das sie unwissentlich an der Quelle der Erhebung frei gelassen hat und das offensichtlich ein gefährlicher Feind ist. Doch in Fadrex hat sich ein ehemaliger Obligator namens Yomen zum Herrscher aufgeschwungen und ist nicht bereit, mit Elant und Vin zusammenzuarbeiten.

Außerdem macht Urteau, ehemals Stammsitz der Wager, große Schwierigkeiten. Nach einer Volkserhebung herrscht hier der sogenannte Erste Bürger, der ebenfalls unter keinen Umständen mit Elant kooperieren will. Spuki, der hier Informationen sammelt, muss schon bald feststellen, dass es damit allein nicht getan ist …

TenSoon, der Kandra, der sich so sehr mit Vin angefreundet hatte, dass er den Vertrag der Kandra gebrochen hat, ist derweil in sein Heimatland zurückgekehrt, aber nicht nur, um seine verdiente Strafe auf sich zu nehmen, sondern auch, um sein Volk zu warnen. TenSoon ist sicher, dass bald ein Ereignis eintreten wird, das von den Kandra ein besonderes Opfer verlangen wird. Doch die Führer seines Volkes wollen ihm nicht glauben …

Die Stimmung in diesem dritten Band ist noch düsterer als in seinem Vorgänger. Ständig bebt die Erde, inzwischen regnet so viel Asche vom Himmel, dass sie ganze Landstriche verschüttet, und Marsch, Kelsiers Bruder, ist – wenn auch gegen den Willen seines eigenen Selbst – damit beschäftigt, immer neue Diener für das Geschöpf zu schaffen, das Ruin genannt wird. In diesem Zusammenhang wird eine dritte Art von Magie wichtig, die zwar bisher auch schon vor kam, aber noch nie beim Namen genannt wurde: die Hämalurgie. Zum ersten Mal erfährt der Leser, was es mit der Macht der Stahlinquisitoren auf sich hat und warum sie Allomanten und Ferrochemikern so weit überlegen sind. Dabei stellt sich Marschs Antwort auf die Frage, wie er zum Inquisitor gemacht worden sei, als ziemliche Untertreibung heraus.

Auch sonst ist dieser dritte Band ein gutes Stück blutiger ausgefallen als der erste. In den Kämpfen gegen die Kolosse, von denen es über das gesamte Buch verteilt gleich mehrere gibt, wimmelt es nur so von abgehackten Gliedmaßen und Köpfen.

Nicht ganz so drastisch geraten sind die Ereignisse in Urteau. Zwar ist auch Spuki mit einer Menge Grausamkeit konfrontiert, allerdings geht der Autor hier nicht ins Detail, was dem Leser die Möglichkeit gibt, seine Vorstellungskraft einfach mal eine Weile auszuschalten.

Tatsächlich sind die Ereignisse in Urteau während der ersten Hälfte des Buches ziemlich wichtig. So wichtig, dass auf diesem Handlungsstrang zunächst mehr Gewicht liegt als auf dem um die eigentliche Heldin Vin, die sich in Fadrex aufhält. Zum Einen geht es hier um die Hämalurgie, zum Anderen um Sazed, der sich nach Tindwyls Tod mit massiven Zweifeln an seiner Tätigkeit als Bewahrer herum schlägt. Beides ist sehr gut gemacht. Sazeds Ringen um seinen verlorenen Glauben dient nicht nur der Charaktervertiefung, es verstärkt auch die düstere Stimmung, die dem gesamten Band zu Grunde liegt, und die Veränderungen in Spukis Wesen drehen gehörig an der Spannungsschraube.
Leider reißt dieser Spannungsbogen etwa in der Mitte des Buches ab, als das Rätsel um die Hämalurgie gelöst ist. Daraufhin zieht die Handlung sich erst mal eine Weile, bis die Ereignisse in Fadrex etwas mehr in Schwung kommen. Mit dem zügigeren Erzähltempo kommen ein paar Haken, die die Handlung schlägt, und auch nochmal ein rasanter Kampf zwischen Vin und den Stahlinquisitoren. Die endgültige Zuspitzung dagegen empfand ich eher dramatisch als spannend, und der Schluss war – obwohl ich aufgrund der Zitate am Beginn der Kapitel recht früh ahnte, wer der Held aller Zeiten sein würde – eine echte Überraschung.

Allerdings ging es nicht ganz ohne logische Brüche ab. Zum Beispiel Sazeds Aussage, Spukis Botschaft, die er von Hauptmann Goradel hatte überbringen lassen, hätte sie alle gerettet. Tatsächlich jedoch hat Marsch diese Botschaft abgefangen.

Auch blieben einige Fragen offen: Warum sollte Raschek es für nötig gehalten haben, die Umlaufbahn des Planeten um die Sonne zu verändern? Was hat zu der Existenz der beiden Wesenheiten Ruin und Bewahr geführt? Und welches sind die beiden letzten allomantischen Metalle und welche Fähigkeiten verleihen sie? Fast scheint es, als hätte der Autor sich hier noch die Option für eine Fortsetzung offen gehalten.

Insgesamt fand ich Mistborn spannend und interessant. Vor allem die Idee der Metalle und ihrer Nutzung hat mir gut gefallen und auch die Darstellung der Duelle zwischen Vin und ihren allomantischen Gegnern war sehr temporeich und gelungen. Dass mit dem Fortschreiten des Zyklus‘ immer mehr der sympatischen Charaktere aus Kelsiers Mannschaft weg fielen, fand ich dagegen schade. Im Grunde war das nur konsequent und normalerweise stört mich das auch nicht sonderlich, aber in diesem speziellen Fall hatte es massive Auswirkungen auf die Gesamtstimmung des Zyklus‘, die sich dadurch massiv verdüstert hat, was natürlich Absicht war.

In einer Sache dagegen ist Brandon Sanderson seiner eigenen Vorgabe nur teilweise treu geblieben: Das Ende ist durchaus nicht so unhappy, wie es sich auf seiner Homepage ursprünglich angehört hat. Der Schluss war aber so unerwartet und interessant, dass ihm dieses Detail keinen Abbruch tut. Alles in allem ein äußerst lesenswerter Zyklus.

Brandon Sanderson gehört zu denjenigen, die bereits als Kinder phantastische Geschichten schrieben. Sein Debütroman „Elantris“ erschien 2005, seither war er ungemein fleißig. Neben seiner Trilogie Mistborn schreibt er an seinem Jugendbuchzyklus Alcatraz, der inzwischen ebenfalls bis Band drei gediehen ist, sowie an den beiden Serien Warbraker und Dragonsteel. Außerdem hat er das Angebot angenommen, nach Robert Jordans Tod dessen Zyklus Das Rad der Zeit zu Ende zu bringen und so kam im Herbst 2009 Band 12 des Zyklus‘ unter dem Titel „The Gathering Storm“ in die Buchläden. Bis zum endgültigen Schluss sollen noch zwei weitere Bände folgen.

Taschenbuch: 992 Seiten
ISBN-13: 978-3453523388
 Originaltitel: The Hero of Ages – Mistborn 3
 Deutsch von Michael Siefener
http://www.brandonsanderson.com

http://www.heyne.de

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