Ann C. Crispin – Alien: Die Wiedergeburt

Zwei Jahrhunderte nach ihrem Tod erwacht Ellen Ripley als Mensch-Alien-Hybrid und Gefangene jenes Konzerns, dessen Bemühen, einen Alien-Krieger zu züchten, sie stets durchkreuzt hat. Zusammen mit einer bunt zusammengewürfelten Schmuggler-Truppe kämpft sie sowohl gegen als auch für die Aliens, da sie sich ihrer Herkunft nicht mehr sicher ist … – Faktisch überflüssige, aber zumindest als Film spannende und gut gefilmte Fortsetzung der „Alien“-Saga. Die Autorin hangelt sich brav am Drehbuch entlang, füllt aber diverse Handlungslücken: typisches, immerhin verbraucherfreundliches (= lesbares) Merchandising-Produkt.

Das geschieht:

Selbst im Tode scheint Ellen Ripley den säureblütigen Aliens und der ebenso rücksichtslosen „Gesell¬schaft“ nicht zu entkommen. In der Raumstation „Auriga“ erwacht sie in geheimen Labors des Konzerns zu neuem Leben; als Klon, den man aus den wenigen Zellen zog, die man nach Ripleys Tod zwei Jahrhunderte zuvor bergen konnte. Diese waren ‚verunreinigt‘ mit der DNA eines Aliens, das damals in ihrem Leib nistete – für die „Gesellschaft“ unter der Leitung des skrupellosen Dr. Wren der Anreiz, statt eines „Alien-Soldaten“ ein Mensch-Alien-Wesen zu erschaffen, das die Vorzüge beider Spezies in sich vereinigt, aufgrund seiner menschlichen Kom¬ponente aber besser zu kontrollieren ist.

Der militärische Befehlshaber der „Auriga“, General Perez, muss u. a. der medizini-schen Crew genug menschliche ‚Brutkästen‘ für die heranreifende Alien-Brut heranschaffen, wobei deren Ursprung nicht hinterfragt wird. Für Nachschub sorgt Elgyn, Kapitän des Schmugglerschiffs. Er und seine Crew, ‚liefern‘, ohne zu wissen (oder wissen zu wollen), welches Schicksal seine ‚Fracht‘ erwartet.

Einige Alien-Krieger entkommen und säen Tod und Entsetzen an Bord der „Auriga“. Ripley erkennt, dass sie als ‚Mutter‘ für neue, biologisch besonders fortschrittliche Hybriden miss¬braucht werden soll, und bricht ebenfalls aus. Die Besatzungsmitglieder der „Betty“ werden in die Auseinandersetzung verwickelt. Während sie durch die Raumstation irren, treffen sie auf Ripley, die sich den Schmugglern anschließt. Im Verlauf der Flucht wird offenbar, wie es den Menschen ergangen ist, die Elgyn und seine Leute auf die „Auriga“ geschafft haben, woraufhin diese endgültig auf Konfrontationskurs mit der „Gesellschaft“ gehen.

Immer wieder werden Ripley und die Schmuggler von Aliens (und Perez‘ Schergen) attackiert. Es geht nicht nur um nackte Rettung. Die „Auriga“ kreist um die Erde. Sollte es den Aliens gelingen, die Station in ihre Gewalt zu bringen, können sie auf den Planeten gelangen und ihn überrennen …

Trilogie plus: Fortsetzung oder Epilog?

Der vierte Teil der 1979 mit einem Paukenschlag gestarteten „Alien“-Saga stellte die Autoren des Drehbuchs (und damit auch des Romans zum Film) vor das Problem, dass die Geschichte von Ellen Ripley und den Aliens im Grunde zu Ende erzählt war. Der Erfolg ‚erzwang‘ eine weitere Fortsetzung. Dabei musste die Entscheidung fallen, ob man völlig neue Wege gehen und nur die Aliens als Leitmo¬tiv beibehalten, oder die Gesetze der Logik über ihre natürlichen Gren¬zen hinaus strapazieren und Ripley in die Handlung zurückbringen sollte. Da Hollywood nicht für seine Risikobereit¬schaft bekannt ist, kristallisierte sich rasch heraus, dass in einem neuen “Alien”-Strei¬fen auch Ripley alias Sigourney Wea¬ver erneut eine zentrale Rolle spielen würde.

Das Problem der Wiedergeburt von Ripley, für die es nur kommerzielle, aber keine logischen Gründe gab, wurde mit einigen geistigen Verrenkungen recht anständig gelöst. Ansonsten bot der dritte Aufguss inhaltlich wenig Spektakuläres, glänzte aber mit Schauwerten und wurde vom französischen ‚Gast-Regisseur‘ Jean-Pierre Jeu¬net trotz aller Kontrollen seitens des Studios mit gallischer Dickköpfigkeit ein gutes Stück jenseits des US-amerikanischen ¬Popcorn-Kinos inszeniert. So entstand ein Film, der wenig wirklich Neues zum „Alien“-Mythos beiträgt, aber immer ein gutes Stück über dem Durchschnitt unterhält.

Neben einer ‚neuen‘ Ripley gab es eine ganze Reihe mehr oder weniger ‚gelungener‘ Hybriden, die entweder zur bestialischen oder zur menschlichen Seite tendierten. Besonders seltsam wirkte ein Alien-Mensch-Hybrid als Ripley-Spiegelbild: Da sowohl Drehbuch-Hauptautor Joss Whedon als auch Regisseur Jeunet der Saga jene ‚Tiefe‘ verleihen wollten, die Kritiker begeistert, ohne das Zielpublikum zu vergrämen, wurde zwischen den Action-Szenen immer wieder die Frage nach Ripleys ‚Seele‘ gestellt: Wie menschlich ist so eigentlich noch? Darüber vergaß man die ursprünglichen Aliens klugerweise nicht und ließ sie in erklecklicher Anzahl ihr mörderisches Unwesen treiben.

Die Show muss weitergehen

Der Roman zum vierten „Alien“-Film wurde nicht mehr vom Routinier Alan Dean Foster geschrieben wurde, sondern von A. (Ann) C. Crispin; ungenannt bleibt in der deutschen Fassung aus unerfindlichen Gründen Co-Autorin Kathleen O‘Mal-ley. Beide waren mehr noch als Foster zuverlässige Franchise-Autoren, deren Werke höchstens eine grundsolide Machart gemeinsam hatten, während inhaltliche Eigenständigkeit unterblieb.

Literarischen Sprengstoff durfte man von diesem Team nicht erwar¬ten, und auch das Herz der Kritiker konnte Crispin schwerlich gewinnen. Immerhin hat sie sich Mühe gegeben, weil sie die „Ehre“ zu schätzen wusste, an der ehrwürdigen „Alien“-Reihe mitarbeiten zu „dürfen“ – die üblichen, unverbindlichen Wort¬hülsen, derer sich (nicht nur) amerikanische Auftrags-Autoren im Interview bedienen, um poten-zielle Auftraggeber nicht zu vergraulen.

Das sei ihr geglaubt, denn während der Regisseur Jeunet das Drehbuch mit Spezialeffekten und Kameratricks aufwerten konnte, musste Autorin Crispin den oft recht dünnen roten Story-Faden an vielen Stellen neu knüpfen und mehr inhaltliche Lücken überbrücken, als hier aufzuzählen der Platz ist. Wenn dennoch bei der Lektüre ein (leichtes) Gefühl der Ent¬täuschung auf¬kommt, liegt das daran, dass es Alan Dean Foster, der zwar ebenfalls eher ein Hand¬werker als ein Künstler der Feder ist, dennoch besser als Crispin und O‘Malley gelang, den ‚ausgeliehenen‘ Figuren ein wenig Tiefe zu verleihen und damit Leben einzuhauchen.

Hätte schlimmer kommen können (und so kam es)

Was übrigens nicht bedeutete, dass Foster fähig oder willens war, an alte Qualitäten anzuknüpfen, nachdem Ridley Scott, Regisseur des ersten „Alien“-Films, 2012 für „Prometheus“ persönlich ans Franchise-Steuerrad zurückkehrte, um nunmehr tatsächlich ripleyfrei eine Fortsetzung zu kreieren, die metaphysisch verblasen an elementare Fragen der menschlichen Herkunft und des Lebens im Kosmos rüttelte, während die Aliens zu Statisten wurden, die zwischen langen, redseligen Szenen routiniert für ein wenig Rabiat-Unterhaltung sorgen mussten. 2017 setzte wiederum Scott dies in Alien: Covenant“ fort, und Alan Dean Foster schrieb den Roman zum Film.

Autorinnen

Ann Carol Crispin, geboren am 5. April 1950 in Stamford, US-Staat Connecticut, studierte Englische Literatur an der University of Maryland und schloss dort 1972 mit dem Grad eines Batchelors ab. Anschließend arbeitete sie für die staatliche Steuerbehörde. In ihrer Freizeit entstand 1983 ein erster Roman. „Yesterday’s Son“ (dt. „Sohn der Vergangenheit“ spielte im „Star-Trek“-Universum und wurde wegweisend für Crispins Autorentätigkeit, denn die meisten ihrer Werke waren Beiträge zu Franchises wie „Star Wars“ oder „V“; hinzu kamen Romane zu Filmen.

Da Crispin sich als zuverlässige und rasche Beiträgerin etablierte, erschienen in rascher Folge zahlreiche solcher Bücher. Parallel dazu wurde die Autorin ebenfalls ab 1983 in der US-amerikanischen SF-Gemeinde aktiv. Sie übernahm eine leitende Funktion und später das Amt der Vizepräsidentin im Verband der „Science Fiction and Fantasy Writers of America“ (SFWA). Zudem gründete Crispin (gemeinsam mit Victoria Strauss) 1998 „Writer Beware“, eine Gruppe innerhalb der SFWA, die junge Autoren vor alten Ausbeutertricks im Veröffentlichungsgewerbe warnt. Als Schriftstellerin schuf Crispin das Starbridge-Universum. Zusammen mit anderen Autorinnen entstanden zwischen 1989 und 1998 sieben Bände, die sich vor allem an jüngere Leser/innen richteten.

In ihren letzten Lebensjahren kämpfte Crispin gegen eine Krebs-Erkrankung. Am 3. September 2013 verabschiedete sie sich offiziell von ihrem Publikum. Drei Tage später, am 6. September 2013 erlag Crispin erst 63-jährig ihrer Krankheit.

Kathleen Ann O’Malley (geb. 1955) ist als Autorin nur sporadisch und nie allein aufgetreten. Zusammen mit J. M. Dillard und Ann C. Crispin schrieb sie einige Romane für das „Star-Trek“-Franchise sowie – wieder mit Crispin – zwei Bände für deren „Starbridge“-Serie.

Taschenbuch: 272 Seiten
Originaltitel: Alien Resurrection (1997)
Übersetzung: Thomas Hag/Bärbel Deninger
http://www.randomhouse.de/heyne

Der Autor vergibt: (3.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)