Crispin, Ann C. (+ O’Malley, Kathleen) – Alien 4 – Die Wiedergeburt

Selbst im Tode scheint Ellen Ripley den säureblütigen Aliens und der „Gesellschaft“ nicht entkommen zu können (vgl. [Alien 3,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=674 |Heyne|-TB 01/8490). In der Raumstation „Auriga“ erwacht sie in den geheimen Labors dieses Konzerns, der sich mühelos über alle Gesetze hinweg zu setzen scheint, zu neuem Leben – als Klon, den man aus den wenigen Zellen zog, welche nach Ripleys Tod zwei Jahrhunderte zuvor in einem Kessel voll glühenden Metalls auf dem Gefängnisplaneten Fiorina gefunden werden konnten. Freilich waren diese „verunreinigt“ mit der DNA des Aliens, das damals in ihrem Leib nistete – für die ehrgeizigen Mediziner der „Gesellschaft“ unter der Leitung des skrupellosen Dr. Wren ein weiterer Anreiz. Bisher haben sie sich bemüht, einen „Alien-Soldaten“ zu entwickeln. Nun sind sie bestrebt, ein Mensch-Alien-Wesen zu erschaffen, das die Vorzüge beider Spezies in sich vereinigt und aufgrund seiner menschlichen Komponente leichter zu kontrollieren ist. Neben der „neuen“ Ripley gibt es eine ganze Reihe weiterer Hybriden, die mehr zur einen oder mehr zur anderen Seite tendieren. Zudem gibt man die Experimente am „Original“ keineswegs auf und hat eine erkleckliche Anzahl von Alien-Kriegern herangezogen.

Der militärische Befehlshaber der „Auriga“, General Perez, steht ebenfalls bei der „Gesellschaft“ im Sold. Zu seinen schmutzigen Aufgaben gehört es, der medizinischen Crew genug menschliche „Brutkästen“ für die heranreifende Alien-Brut herbeizuschaffen. Die Gesellschaft zahlt gut und stellt keine Fragen nach der Herkunft der unfreiwilligen „Helfer“. Während Ripley sich nur allmählich an ihre neue Existenz gewöhnt, legt an der Raumstation das Schmugglerschiff |BETTY| an. Kapitän Elgyn führt eine bunte Crew, er bringt menschliche Versuchskaninchen für die Labors der „Auriga“, ohne jedoch genau zu wissen, welches Schicksal diese erwartet. Nachdem die „Fracht“ übernommen wurde, kann ein Alien-Krieger aus seiner Gefangenschaft entkommen. Er befreit seine „Brüder“. Die Wesen beginnen, Tod und Entsetzen in der „Auriga“ zu säen. Aber auch Ripley erkennt, dass ihr dasselbe Schicksal droht wie den Ripley-Klonen vor ihr: Sie soll als „Mutter“ für neue, biologisch weiter veränderte Hybriden missbraucht werden. So beginnt sie ihren persönlichen Kampf gegen die „Gesellschaft“, muss sich dabei aber ständig mit ihrem außerirdischen „Erbe“ auseinandersetzen: Wie menschlich ist Ripley eigentlich noch?

Die Besatzung der |BETTY| wird in die Auseinandersetzung zwischen Aliens und Menschen gezogen. Während sie durch die Raumstation irren, treffen sie auf Ripley, die sich den Schmugglern anschließt. Im weiteren Verlauf der Flucht wird auch offenbar, wie es den Menschen ergangen ist, die Elgyn und seine Leute zur „Auriga“ geschafft haben. Nun gehen sie endgültig auf Konfrontationskurs mit Perez und der „Gesellschaft“, doch stehen beide Seiten vor einem gemeinsamen Problem – der Horde der Alien-Krieger, die mordend durch die Korridore der Raumstation ziehen …

Der vierte Teil der „Alien“-Saga stellte die Autoren des Drehbuchs wie des Romans zum Film vor das Problem, dass die Geschichte im Grunde zu Ende erzählt worden war. Doch der Erfolg erzwang förmlich eine weitere Fortsetzung. Nun musste die Entscheidung fallen, ob man völlig neue Wege gehen und nur die Aliens als Leitmotiv beibehalten (wie später in „Aliens vs. Predator“ geschehen) oder die Gesetze der Logik über ihre natürlichen Grenzen hinaus strapazieren und Ripley in die Handlung zurückbringen sollte. Da Hollywood nicht für seine Risikobereitschaft bekannt ist, kristallisierte sich rasch heraus, dass in einem neuen „Alien“-Streifen auch Ripley alias Sigourney Weaver eine zentrale Rolle spielen würde.

Das Problem der „Wiedergeburt“ von Ripley, für die es nur kommerzielle, aber keine logischen Gründe gab, wurde mit einigen geistigen Verrenkungen recht anständig gelöst. Ansonsten bot der dritte Aufguss inhaltlich wenig Spektakuläres, glänzte aber mit Schauwerten und wurde vom französischen „Gast-Regisseur“ Jean-Pierre Jeunet trotz aller Kontrollen seitens des Studios mit gallischer Dickköpfigkeit ein gutes Stück jenseits des US-amerikanischen Popcorn-Kinos inszeniert. Was bleibt, ist ein Film, der wenig Neues zum „Alien“-Mythos beiträgt, aber immer ein gutes Stück über dem Durchschnitt unterhält.

Insofern war es vielleicht vorteilhaft, dass der Roman zum Film dieses Mal nicht wie bisher vom Routinier Alan Dean Foster geschrieben wurde, sondern von A. (Ann) C. Crispin (ungenannt bleibt in der deutschen Fassung aus unerfindlichen Gründen Ko-Autorin Kathleen O’Malley). Sie tat sich bisher nur mit wenigen eigenständigen Romanen, sondern mehr noch als Foster als zuverlässige Auftrags-Autorin hervor. Aus Crispins Feder stammen u. a. eine Reihe von STAR WARS- und STAR TREK-Romanen, die mit „Alien – Die Wiedergeburt“ ihre grundsolide Machart gemeinsam haben. Literarischen Sprengstoff durfte man von einer solchen Autorin natürlich nicht erwarten, und auch das Herz der Kritiker konnte Crispin schwerlich gewinnen. Immerhin – sie hat sich sichtlich Mühe gegeben, weil sie die „Ehre“ zu schätzen wusste, an der ehrwürdigen „Alien“-Reihe mitarbeiten zu dürfen – die üblichen unverbindlichen Worthülsen, derer sich amerikanische SF-Autoren im Interview gern bedienen, um potenzielle Auftraggeber nicht zu vergraulen.

Es sei ihr trotzdem geglaubt, denn während Regisseur Jeunet das Drehbuch mit Spezialeffekten und Kameratricks aufwerten konnte, musste Autorin Crispin den oft recht dünnen roten Faden der Geschichte an vielen Stellen neu knüpfen und mehr inhaltliche Lücken, als hier aufzuzählen der Platz ist, überbrücken. Wenn dennoch bei der Lektüre ein (leichtes) Gefühl der Enttäuschung aufkommt, dann liegt das wohl daran, dass es Alan Dean Foster, der zwar eher ein Handwerker als ein Künstler ist, besser als Crispin & O’Malley gelang, seinen „ausgeliehenen“ Figuren Tiefe zu verleihen und damit Leben einzuhauchen.