John Sinclair – Ein Leben unter Toten (Folge 83)

Die Handlung:

Lady Sarah Goldwyn erhält einen Brief ihrer langjährigen Freundin Diane Coleman, in dem diese sie zum „Fest der Toten“ auf eine Seniorenresidenz nach Schottland einlädt. Ein geschmackloser Scherz? Oder doch ein versteckter Hilferuf …? Noch bevor Lady Sarah zu- oder absagen kann, ist Diane Coleman tot – und John Sinclair und Sarah erleben auf ihrer Reise nach Schottland das Grauen … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Taschenbuchs mit der Nummer 32 gemacht, das erstmalig im November 1983 erschienen ist.

Interessanterweise wird diese Folge als „Crossover-Folge mit Dorian Hunter“ beworben … der tritt im zugrunde liegenden Roman aber gar nicht auf. Das hält die Produzenten der beiden Serien nicht davon ab, hier ein Treffen zu arrangieren, das zeitgleich auch in der aktuellen DORIAN-HUNTER-Folge Nummer 21 stattfindet. Die trägt den frischen Namen „Herbstwind“, der auf den ersten bis dritten Blick nicht zum Leben unter Toten passt. Das muss und sollte eigentlich aber nichts heißen.

Den Einstieg beschert dem Hörer aber aufgrund seines Arrangements der sich aufdrängende Gedanke, dass hier noch eine dritte Serie mit eingebunden wurde: GABRIEL BURNS. Es fehlte eigentlich nur noch das vorspanntypische „Willkommen … in Vancouver“ und das Triple-Crossover wäre perfekt gewesen. Außerdem muss man an dieser Stelle den Lautstärkeregler extrem an den Anschlag drehen, sonst versteht man leider keines der gesprochenen Worte. Gleiches gilt auch für spätere Tonbandaufnahmen. Nette Idee der Hörtechniker, aber für den Hörer selbst eine echte Verständigungsherausforderung. Wohl dem, der sich am liebsten nachts im Bett gruselt, der hat keine störenden Nebengeräusche zu fürchten … nur Diener der Hölle.

Und eigentlich ist dies auch ein Fall für die Horror-Oma Lady Sarah Goldwyn, die in bester MISS-MARPLE-Manier in einer Seniorenresidenz ermittelt und John nur als Mr-Stringer-Ersatz nach Schottland mitzieht. Entsprechend ist auch das Durchschnittsalter der Sprecher, die hier allesamt auf hohem Niveau zeigen, dass auch und gerade reife Sprecher wissen, wie Spannung gut und lebendig zu vermitteln ist.

Im Seniorenheim arbeitet übrigens seit Neuem auch Dorian Hunter, dessen erster Gastauftritt in einer SINCLAIR-Folge extrem mürrisch ausfällt. Ok, ein sprühender Quell guter Laune ist er auch in seiner eigenen Serie nicht, aber so schlimm? Schnell wird diese Folge auch zu einem Parallel-Abenteuer, denn sowohl die Horror-Oma als auch John Sinclair ermitteln … getrennt voneinander … teilweise zwangsweise. Und es vergehen auch über 50 Hörminuten, bis es endlich zu einem nennenswerten Aufeinandertreffen von John und Dorian kommt, die ist dann aber auch gleich recht handfest. Und am Ende stellt man sich gegenseitig vor, vergleicht Notizen und arbeitet sogar zusammen. Wird aber auch Zeit, denn die Zombie-Apocalypse hat schon mal ohne die beiden angefangen …

Leider fällt auch in dieser Folge die Erzählerin wieder negativ auf, schildert sie doch in selten bis nie zur Begebenheit passender Art und Weise ganz einfache Szenen, als wäre etwas Gespenstisches oder Unheimliches am Werk. Spannung? Gern. Aber die Frage danach, ob das Auto wohl repariert ist, hat nichts Dämonisches oder Geheimnisumwittertes an sich. Teilweise regt es extrem zum Grinsen an, wenn Alexandra Lange hörbar bemüht extra tief und rauchig spricht, um besonders viel Spannung zu erzeugen.

Die Sprecher und ihre Rollen:

John Sinclair: Frank Glaubrecht
Erzählerin: Alexandra Lange
Doc Rawson: Jürgen Prochnow
Dorian Hunter: Thomas Schmuckert
Sarah Goldwyn: Evelyn Gressmann
Blanche Everett: Gerlinde Dillge
Carol Finley: Sonja Deutsch
Lory Brendshaw: Maria Mägdefrau
Susan White: Hannelore Minkus
Martha Shepherd: Ursula Sieg
Diane Coleman: Evamaria Bath
Howard Little: Peter Woy
Ansage: Jürgen Holdorf

sowie: Gudo Hoegel, Uwe Hügle, Carla Becker und Marianne Bernhardt

Technik-Credits:

Hörspielskript und Regie: Dennis Ehrhardt
Sounddesign, Schnitt und Mischung: ear2brain productions
Musik: Andreas Meyer
Gitarren im John Sinclair Theme: Jan Frederik
Produktion: Marc Sieper (Lübbe Audio)

Die Ausstattung:

Die komplett schwarze CD steckt in einem Jewel-Case. Das Booklet-Faltblatt enthält diesmal nichtnur eine Liste der bereits veröffentlichten Folgen der „2000er“-Serie und der „Classic“-Serie, sondern auch ausführliche Infos von Dennis Ehrhardt dazu, wie es zu dem SINCLAIR-HUNTER-Crossover gekommen ist und wie begeistert er davon war, Jürgen Prochnow als Sprecher zu gewinnen. Zusätzlich werden noch die Sprecher und ihre Rollen aufgeführt sowie die Technik-Credits.

Mein Fazit:

Miss Marple trifft John Sinclair, der Dorian Hunter trifft, in einem Edgar-Wallace-Krimi, der in einer Zombie-Apocalypse endet. Eine ungewöhnliche JOHN-SINCLAIR-Folgenverhörspielung, aber eine atmosphärisch spannende. Getrennt voneinander und deshalb wohl auch gut als Crossover geeignet, ermitteln hier die Protagonisten … am Ende dann zusammen … und sogar mit Abschlusslacher für den Hörer.

Die interessante Idee, ein Horror-Crossover zwischen zwei beliebten Gruselserien zu versuchen, ist für den Hörer gut gelungen. Da das Ende allerdings feststeht, muss der SINCLAIR-Fan nicht zwingend zur parallel erschienenen DORIAN-HUNTER-Folge greifen, die das gleiche Ende anbietet.

Und wer nicht weiß, dass es aktuell überhaupt eine Hörspielserie rund um Dorian Hunter gibt, dem wird eh nicht auffallen, dass dies ein Crossover ist. Alle anderen Hörspielfreunde würden sich sicher auf weitere Gastauftritte der beiden freuen … gern auch mal von Anfang an als Team. Jetzt kennen sich die beiden ja.

Audio-CD
Spieldauer: 78 Min.
Tracks: 16
ISBN-13: 978-3785747056

http://www.luebbe.de

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