Preston & Child – Demon. Sumpf der Toten (Special Agent Pendergast 15)

Special Agent Pendergast ist inzwischen zu einer Art Institution des mystischen Thrillers geworden. Im Jahr 1994 löste er in „Relic – Museum der Angst“ seinen ersten Fall: Mit „Demon – Sumpf der Toten“ sind wir inzwischen bei Band 15 angelangt. Zwischendurch sah es an einigen Stellen so aus, als hätte Pendergast das letzte Stündlein geschlagen, doch in diesen Büchern geht nicht alles nach den Gesetzen der Logik zu, und so konnte sich Pendergast bislang immer auch aus den brenzligsten Situationen retten. Und Band 16 hat das Erfolgsduo Douglas Preston und Lincoln Child auch bereits geschrieben. Pendergast-Fans – zu denen ich mich definitiv auch zähle – können sich also bald auf eine Fortsetzung freuen.

Kostbarer Wein

Im vorliegenden Buch wird Pendergast als Privatermittler tätig. So ist einem vermögenden Weinliebhaber die gesamte Sammlung teurer und seltener Weine gestohlen worden. Als Belohnung erbittet sich Pendergast eine der übrig gebliebenen sechs Flaschen eines der seltensten Weine der Welt. Und so begibt er sich mit seinem Mündel Constance Greene in das kleine Städtchen Exmouth. Die Stadt hat eine düstere Vergangenheit, sollen doch während der Hexenprozesse die Hexen aus Salem dorthin geflohen sein, um weiter ihren düsteren Künsten nachgehen zu können.

Als Pendergast mit Constance zusammen den Tatort betritt, sieht er sofort, dass der Weindiebstahl nur ein Ablenkungsmanöver war. Die Diebe hatten es vielmehr auf eine kleine eingemauerte Nische abgesehen, in der ganz offensichtlich ein Mensch eingemauert war, denn Pendergast bemerkt sofort einen alten Knochen, der eine grausige Geschichte zu erzählen hat.

Mit dem bekannt untrüglichen Gespür und einer Kombinationsgabe, vor der selbst Sherlock Holmes manchmal verblassen dürfte, begibt sich Pendergast auf Spurensuche und in einer Rückführung sogar an den eigentlichen Tatort einer überaus grausigen Tat…

Schaurige Vergangenheit

Wie gewohnt schaffen es Preston und Child, ihre Leser vom ersten Kapitel an in den Bann zu schlagen. Der aktuelle Fall mag zunächst etwas bedächtig anmuten, verspricht ein vermeintlich banaler Weindiebstahl doch keinen allzu spannenden Fall. Doch was der Weindiebstahl vertuschen soll, ist viel größer als das und reicht weit in die Vergangenheit zurück. Auch Constance betätigt sich in diesem Buch als Ermittlerin und ist Pendergast mitunter sogar einen winzigen Schritt voraus – doch ob ihr das zum Verhängnis werden könnte?

Der Fall nimmt schnell Fahrt auf und fesselt einen direkt an das Buch. Als der eigentliche Fall etwa auf der Mitte des Buches bereits aufgeklärt ist, fragt man sich natürlich, was die Autorern auf den restlichen gut 200 Seiten zu erzählen haben. Und das hat es wahrlich in sich. Hat man in der ersten Hälfte gedacht, etwas von grausigen Taten zu lesen, so wird es in der zweiten Hälfte des Buches deutlich schauriger. Dann nämlich wütet ein blutdurstiges Monster durch das kleine Städtchen.

Auch in diesem Fall sind alle bereits bekannten Komponenten vorhanden. Wir treffen auf die bekannten Protagonisten, wobei Proctor nur eine relativ kleine (aber nicht unentscheidende) Rolle spielt, Constance aber recht viel Platz eingeräumt wird. Der treue Pendergast-Fan erkennt vieles wieder und wundert sich auch nicht mehr über Übersinnliches. Das wiederum stört mich normalerweise immer – nur nicht bei Pendergast. Möglicherweise hat hier schon eine Gewöhnung eingesetzt, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall streuen die Autoren diese übersinnlichen Komponenten so wohldosiert ein, dass sie nie überhand nehmen und man sich wirklich daran stören könnte. Dieses Mal fand ich die Rückführung besonders spannend, als Pendergast bei der schrecklichen Tat als Zeuge anwesend sein kann. Die Szene beschreiben Preston & Child denn auch so plastisch, dass man selbst als Leser an diese Küste versetzt wird und ebenfalls Zeuge wird, wie viele Menschen ihr Leben verlieren.

Lust auf mehr

„Demon – Sumpf der Toten“ ist zwar bereits der 15. Pendergast-Fall, aber Überdruss setzt hier noch lange nicht ein, ich könnte von Pendergast noch mindestens 15 weitere Fälle verschlingen. Und nach dem gemeinen Cliffhanger am Schluss fiebere ich bereits jetzt dem nächsten Buch entgegen, in dem dann eine Aufklärung kommen muss, die das vorliegende Buch schuldig bleibt.

Durch die Zweiteilung ist das Buch schon recht ungewöhnlich – das gefällt vielleicht nicht jedem. Und wer lieber mehr über Pendergast und seine Angehörigen erfahren will (wie es in einigen anderen Büchern der Fall war), wird womöglich auch enttäuscht sein. Band 15 ist nicht der beste Pendergast-Band, aber doch ein Thriller, der von vorne bis hinten fesselt und gut unterhält!

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3426654026
www.knaur.de

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