Fisher, Jude – Hobbit, Der. Eine unerwartete Reise. Das offizielle Begleitbuch

_Centerfold: Begleitbuch mit wunderbaren Fotos und Mega-Infos_

Das offizielle Begleitbuch zu »Der Hobbit – Eine unerwartete Reise« ist die passende Verbindung von Buch und Film. Hier werden die Figuren, Schauplätze und Orte des Films vorgestellt. Viele Fotos und informativer Text rund um Bilbo und seine Gefährten lassen keine Fragen offen. (Verlagsinfo)

Es gibt mindestens fünf deutsche Begleitbücher zum Film:

„Das Begleitbuch“ erklärt Figuren, Schauplätze und Orte, „Die Geschichte in Fotos“ erzählt mit vielen Fotos nach; „Die Welt der Hobbits“ beschreibt deren Leben und „Das Filmbuch“ schildert die Entstehung des Films. Im Rätsel- und Sammelbuch werden Text, Fotos und Rätsel kombiniert und laden ein zum Versinken in eine Welt, in der garantiert keine Langeweile aufkommt. (Verlagsinfos)

_Die Autorin_

Die Britin Jude Fisher hat 20 Jahre lang als Verlegerin und Buchhändlerin gearbeitet und ist Autorin aller „Offiziellen Begleitbücher“ (Visual Companions) der drei „Herr der Ringe“-Filme. Außerdem hat sie selbst einen Fantasyroman (dt. bei Blanvalet) verfasst und eigentlich Spezialistin für altisländische Texte (Die Edda usw.). Laut Verlag hat sie unter dem Pseudonym „Gabriel King“ vier Romane verfasst, und wie man weiß, handelt sich dabei um mindestens zwei Katzen-Fantasy-Romane, die bei Heyne erschienen sind: „Auf geheimen Pfaden“ und „Die Goldene Katze“.

_Inhalt und Eindruck_

Das Vorwort von Hauptdarsteller Martin Freeman ist eine nette Zugabe, bringt aber nichts Neues – außer zwei Fehlern in der Übersetzung. Da ist von einem „Barden in Laketown“ die Rede. Erste gibt es in SEESTADT keine Barden, sondern nur Kaufleute, Fischer und einen Krieger, zweitens existiert dort ein Krieger namens BARD. Erste Zweifel kommen auf, ob die Übersetzerin wirklich der Tolkien-Welt kundig ist.

Wie in einer Game-World stellt Jude Fisher die wichtigsten Schauplätze und Figuren vor. Hobbits, Bilbo Beutlin, Beutelsend – das sind Standards zur Beschreibung der Ausgangslage. Dann kommen Bilbos Gäste: 13 Zwerge und ein Zauberer namens Gandalf. Diese Besucher werden haarklein mit kompletter Biografie, familiären Beziehungen und Adelsposition vorgestellt. Denn Thorin Eichenschild ist ein König im Exil und seine Neffen Fili und Kili sind demzufolge Thronanwärter! Auch der weißhaarige Balin stammt von königlicher Linie ab.

Schön finde ich, dass die Autorin das maximale Alter einer jeden Rasse nennt. Hobbits können bis zu 130 Jahre alt werden, Zwerge bis zu 250 Jahre. Dass Gandalf an die 3000 Jahre alt ist, verdient offenbar keine Erwähnung, wohl aber sein – neben dem Stab – zweitwichtigstes Attribut: das Schwert Glamdring. Dessen Heft ist mit Zauberrunen verziert – siehe das Titelbild des „Offiziellen Filmbuchs“.

Solche Attribute der Stärke weisen alle Figuren auf (Bilbo hat ja den Einen Ring) und werden stets gesondert erwähnt. Thorin etwa hat eine Elbenklinge namens Orkrist, Dwalin zwei Äxte, Bifur eine Lanze, Bofur eine Kombi aus Hammer und Pickel, Dori eine Bola, Bombur ein Hackmesser, Nori eine Streitkeule, Gloin eine Streitaxt und so weiter. Balin, der später Moria zurückerobern will, soll angeblich ein Schwert führen. Auf seiner Abbildung ist es nicht zu sehen. Ein Gamer könnte mit diesen Figuren und ihren Attributen schon ein Spiel anfangen.

|Handlung|

Nachdem die wichtigsten Begleiter der titelgebenden Hauptfigur sowie ihr Reiseweg auf einer vierseitigen Ausklapp-Karte (!) vorgestellt worden sind, kann die Autorin daran gehen, die Handlung zu skizzieren: „Die Queste“ (S. 44) Merkwürdigerweise fallen wieder Namen, mit denen der Filmzuschauer rein gar nichts anfangen kann. Da ist die Rede von „Dale“ statt von Thal. Und worum es sich bei Khazad-dûm handeln soll, wissen nur Zuschauer, die schon den „Herrn der Ringe“ gesehen haben: Es ist Moria, die Zwergenbinge.

Die Abenteuer der Expedition beginnen in der Begegnung mit den Trollen, führen nach Bruchtal (ein sehr schönes Set), wo schlanke Elben ein potentiell unsterbliches Leben führen – jedenfalls solange, bis Mittelerde (erneut) untergeht. Eine wunderbare Doppelseite zeigt ein Bruchtal-Detail, wo sich Gandalf und Galadriel, Mitglieder des Weißen Rates, unterhalten. Der Weiße Rat zeigt auf S. 56/57 diesmal auch Christopher Lee als Saruman, was eine rare Aufnahme ist. Lee erscheint in fast keinem der deutschen Begleitbücher. Im Begleittext wird Dol Guldur, die Festung des neuen Feindes, erwähnt, der Name aber nicht übersetzt: „Festung der dunklen Magie“.

Sehr schön wird auch dargestellt, dass Galadriel und Elrond über zwei der drei Elbenringe der Macht verfügen. Diese Machtattribute sind für Gamer etc. stets wichtig. So lässt sich die Stärke der jeweiligen Spielfigur einschätzen. Je größer ihre „Macht“, desto begehrenswerter ist sie auch. Interessant: Galadriels Tochter Celebrían ist mit Elrond verheiratet, taucht aber nie auf. Die Tochter der beiden ist bekanntlich die schöne Arwen, die sich Aragorn versprochen hat.

|Im Nebelgebirge|

Hier lauern Gollum, die Goblins und die Orks und Warge eines gewissen Azog auf die Expeditionsmitglieder. Die Geschichte des Einen Rings, der 16 andere beherrscht, ist gut, aber knapp erklärt. So fehlt etwa der Hinweis, dass die drei Elbenringe dem Einen Ring nicht unterworfen sind. Wer die sieben Zwergenringe besitzt, ist auch hier nicht erklärt.

Von den Bergriesen, die miteinander kämpfen, ist nichts zu sehen, wohl aber von Radagast, dem wunderlichen Zauberer. Seine Name bedeutet „Zähmer der Tiere“, und genau dies tut er. Dieser tollen neuen Figur sind ganze vier Seiten gewidmet, das meiste davon Bilder. Merkwürdig: Sein Haus Rhosgobel soll angeblich am „südlichen Rand des Grünwalds“ liegen, doch wer die mitgelieferte Landkarte konsultiert, findet Rhosgobel am westlichen Rand der Mitte des Grünwalds bzw. Düsterwalds liegen. Dol Guldur ist dort gar nicht erst eingezeichnet. Das ist auch nicht sonderlich hilfreich.

Einen letzten Ausblick auf den Fortgang der Queste liefert die letzte Doppelseite: Gandalf betritt Dol Guldur …

_Die Übersetzung _

Die Merkwürdigkeiten der Übersetzung habe ich bereits erwähnt. Einen „Barden“ nach Laketown zu versetzen, ist ein schlechter Witz. „Laketown“ und „Dale“ hätten der deutschen Synchronisation angeglichen und als „Seestadt“ und „Thal“ übersetzt werden soll. Der Name „Khazad-dûm“ erschließt sich nur demjenigen, der „Herr der Ringe: Die Gefährten“ gesehen oder das Buch gelesen hat. Wenn ich mich recht erinnere, kommt der Name, den die Zwerge Moria gegeben haben, im HOBBIT-Film nicht vor. „mor-iâ“ bedeutet „Schwarzer Abgrund“, und darin verschwindet Gandalf ja, um den Balrog zu bekämpfen (im Prolog zu Jacksons zweitem Teil der HdR-Trilogie).

_Unterm Strich_

Dieses Buch ist mit 75 Seiten nahezu doppelt so umfangreich wie die schmalen Softcover-Bilderbücher „Die Geschichte in Fotos“ und „Die Welt der Hobbits“ (s. meine Berichte). Folglich enthält das Buch wesentlich mehr Informationen für denjenigen, der die HOBBIT-Welt und den Film näher kennenlernen möchte.

Auch die Filmfotos und die Landkarte sind noch großformatiger als dort, was in einer vierseitigen Ausklappkarte gipfelt. Allerdings ist hier keines von Radagasts „Bunnies“ als Centerfold zu bewundern, sondern lediglich die Karte von Mittelerde mit dem Reiseweg der Expedition zum Einsamen Berg. Die Ränder der Karte sind garniert mit Fotos der jeweiligen Gegend, etwa dem Ostviertel des Auenlandes oder den Trollhöhen usw.

|Das Personal|

Den größten Teil des Buches nehmen die 13 Zwerge mit ihren detaillierten Biographien ein, hinzukommen Bilbo, der Meisterdieb, und Gandalf, der Zauberer. Nun hat der potenzielle Gamer schon einen soliden Grundstock für ein HOBBIT-Spiel, doch etwas fehlt noch: die Feinde und die Helfer. Letztere sind die Elben und der Weiße Rat. Die Feinde sind weitaus zahlreicher: Orks, Goblins, Warge und Trolle. Gollum und der Ring dürfen natürlich nicht fehlen, stellen sie doch einen Wendepunkt der Geschichte dar.

Dies ist, wie gesagt, eines der wenigen Begleitbücher, das Christopher Lee als Saruman zeigt. Am besten gefiel mir indes der „verrückte“ Zauberer Radagast, wunderbar schräg dargestellt von Sylvester McCoy, einem Comedian. Ihm sind nicht weniger als vier Seiten gewidmet.

Leider ist auch hier sein Outdoor-Ferrari nicht zu sehen, nämlich sein von acht Paar Karnickeln (besagte Bunnys) gezogener Rennschlitten. Damit brettert er nicht nur durch den Grünwald, sondern auch durchs Einsame Land, das zwischen den Trollhöhen und Bruchtal liegt und von Warg-Orks heimgesucht wird. Radagast lenkt sie von Gandalf & Co. ab.

Stattdessen mag sich so mancher Betrachter über die Vogelkacke auf seinem Mantel wundern. Der Grund ist simpel: Unter seinem Zaubererhut gewährt er einem Vogelpärchen Zuflucht in einem Nest, das es in seinem Haar gebaut hat. Das Mäuschen, das angeblich in seinem Bart haust, ist leider ebenso wenig zu sehen. Das Studio wollte dem Betrachter wohl nicht zu viel zumuten.

|Für wen sich das Buch eignet|

Das Buch eignet sich erstens für Leser, die den Film noch sehen wollen: Es informiert sie mit großer Detailtiefe, macht ihnen Appetit und verrät keine Geheimnisse und Überraschungen (Smaug, die Steinriesen, den Prolog). Zum anderen erinnert es den Zuschauer, der den Film oder die HOBBIT-Trilogie gesehen hat, an die besten Momente und die wichtigsten Figuren, quasi als Memento.

Drittens ist es ganz einfach ein wundervoll und aufwendig produziertes Bilderbuch, das eine Geschichte erzählt. Daher ist es auch für Sammler interessant. Und Sammler von Tolkieniana und Kinematografika gibt es wahrlich genug.

|Gebunden: 75 Seiten mit Ausfalttafel
Originaltitel: The Hobbit: An Unexpected Journey. Visual Companion (2012)
Aus dem Englischen von Birgit Herden
ISBN-13: 978-3608939781|
http://www.klett-cotta.de

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