Howard, Jonathan L. – Totenbeschwörer (Johannes Cabal 2)

_Die Johannes-Cabal-Trilogie:_

Band 1:[„Seelenfänger“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6176
Band 2: _“Totenbeschwörer“_
Band 3: – nur angekündigt –

_Wirklich, man hat_ nichts als Scherereien mit der Welt! Nur weil Johannes Cabal darauf bestanden hat, in der Bibliothek ein Buch auszuleihen, das die Bibliothekare für die Ausleihe gesperrt hatten, steht er jetzt vor der Wahl, seinen Kopf zu verlieren oder einen toten Kaiser wiederzubeleben. Und natürlich landet der geplagte Geisterbeschwörer bei seinen verzweifelten Bemühungen, Unannehmlichkeiten zu vermeiden, nur in noch größeren Unannehmlichkeiten …

_Die meisten_ Charaktere in diesem Band sind neu.

Johannes Cabal ist als Hauptperson natürlich noch immer dabei. Und noch immer ist er so unnahbar und rational wie eh und je. Allerdings hat er inzwischen seine Seele wieder, worüber er durchaus froh ist, wenn sie ihm nur nicht immer wieder Gewissensbisse verursachen würde, die er möglichst zu ignorieren versucht, mit mäßigem Erfolg.
Außerdem zeigt sich in diesem Band ein bisher unerheblicher Charakterzug, nämlich eine geradezu unbezähmbare Neugierde.

Neuer Gegenspieler anstelle des Teufels ist ein mirkarvianischer Kavallerieoffizier namens Comte Marechal. Ein engstirniger, ehrgeiziger und heimtückischer Kerl, der offenbar nicht verwinden kann, dass seine Familie vor ein paar Jahrhunderten in einem Krieg ihre Ländereien verloren hat, und nun geradezu davon besessen ist, in einem neuen Krieg sämtliche verlorenen Gebiete zurückzugewinnen.

Dazu kommt eine Handvoll mehr oder weniger skurriler Nebencharaktere, mit denen Cabal sich herumschlagen muss, fast schon eine Ansammlung überzeichneter Klischees wie das der verwöhnten Adligen, des rebellischen Studenten oder der dominanten Hausfrau, die ihren Mann unterdrückt. Der Autor spielt mit diesen Stereotypen, die durch die leichte Übertreibung fast schon liebenswert wirken, und dadurch plastisch und gleichzeitig ein wenig schräg. Das gilt auch für Cabals Gegenspieler Marechal.

Trug der erste Band noch ein wenig die Züge einer Queste, so hat der Leser es diesmal mit einer Krimikomödie zu tun, die allmählich zu einem internationalen Zwischenfall ausufert. Zwar spielt sich der gesamte Konflikt zwischen fiktiven Zwergstaaten ab, Marechal und Konsorten scheinen aber sozusagen direkt dem preußischen oder österreichischen Militärlexikon entstiegen. Und nicht nur der Militarismus, auch die Spionage kriegt ihr Fett weg.

Der Ort der Handlung ist großteils auf ein Luftschiff beschränkt, das ein wenig an ein U-Boot von Jules Verne erinnert, und dessen Beschreibung allein schon durch die ungewöhnlichen Fremdwörter höchst drollig klingt. Und obwohl Cabal sich bewusst ist, dass er sich nur in Schwierigkeiten bringen wird, wenn er seine Nase in all die Merkwürdigkeiten auf diesem Luftschiff – von der Mannschaft über die Passagiere bis hin zu den Geschehnissen – hineinsteckt, kann er es einfach nicht lassen. Nebenbei kabbelt er sich auch noch mit Leonie Barrow, der Tochter des bärbeißigen Kommissars aus dem ersten Band, die ebenfalls zufällig an Bord ist. Der Schlagabtausch zwischen diesen beiden, die sich offenbar ebenso sehr hassen, wie sie sich gegenseitig bewundern, ist das Sahnehäubchen auf dem ganzen Trubel.

Dabei hätte das alles problemlos vermieden werden können, hätte der Kapitän die Bitte eines Passagiers um Besichtigung nicht zugänglicher Bereiche einfach abgelehnt. Aber dann hätte es schließlich nichts zu erzählen gegeben, und das wäre wirklich unendlich schade gewesen.

_Denn herausgekommen_ ist bei all dem eine Mischung, nicht ganz so knallig wie im Vorgängerband, aber genauso witzig: Wie Cabal und Leonie Barrow aus all den schrägen Vögeln an Bord den Täter herauszufinden versuchen, liest sich genauso amüsant wie die gelungene Persiflage nicht nur auf Militär und Geheimdienste, sondern auch auf romantischen Antimilitarismus und Idealismus. Allein die Szene, in der Cabal mit der jungen Adligen Tee trinkt, ist absolut hinreißend.

Ein wenig ungewöhnlich fand ich das Kapitel „Das Grab von Umtak Ktharl“, eine angehängte Episode von etwa dreißig Seiten am Ende des Buches, wo die Geschichte bereits zu Ende ist. Nicht, dass dieses kurze Anhängsel nicht ebenfalls lesenswert wäre, es steht nur in keinem direkten Zusammenhang zur Handlung des eigentlichen Buches und führt auch nicht zu einem endgültigen Abschluss im Sinne von „nun ist Johannes wieder zu Hause“. Deshalb frage ich mich, warum sie in diesem Band enthalten ist. Vielleicht gibt die Fortsetzung darauf eine Antwort. Ich bin jetzt schon gespannt.

_Jonathan L. Howard_ lebt in Bristol ist seit 1990 ein fester Bestandteil in der Branche Computerspiele, außerdem schreibt er Drehbücher. 2005 erschien seine erste Kurzgeschichte „Johannes Cabal and the Blustery Day“, und nach einer weiteren Kurzgeschichte folgte der erste Band einer Romanreihe über seinen ungewöhnlichen Helden. Der Autor arbeitet zurzeit an Band drei.

|Taschenbuch: 413 Seiten
Originaltitel: Johannes Cabal the Detective
Deutsch von Jean-Paul Ziller
ISBN-13: 978-3442470341|
[www.johannescabal.com]http://www.johannescabal.com

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