John Brunner – Geheimnis der Draconier, Das

_Warnung an die Erde: Genetischer Kapitalismus_

Im Jahr 2020 stößt eine internationale Expedition 19 Lichtjahre von der Erde entfernt auf die Spuren einer menschenähnlichen Kultur: die der Draconier im System Sigma Draconis. Als spektakulärstes Artefakt hinterließen sie ein Teleskop, das sie aus einem natürlichen Mondkrater herausarbeiteten. Nachfolgende Expeditionen liefern den Beweis, dass die Draconier schon 3000 Jahre nach ihrer Entstehung untergingen. Eine fieberhafte Suche nach dem Grund für das Verschwinden der Fremden beginnt, damit eine ähnliche Entwicklung auf der übervölkerten Erde verhindert werden kann. Im Jahr 2028 landet die vierte Expedition auf der fremden Welt – und sie soll über die Schließung der Kolonie entscheiden.

_Der Autor_

John Kilian Houston Brunner wurde 1934 in Südengland geboren und am Cheltenham College erzogen. Dort interessierte er sich schon früh „brennend“ für Sciencefiction, wie er in seiner Selbstdarstellung „The Development of a Science Fiction Writer“ schreibt. Schon am College, mit 17, verfasste er seinen ersten SF-Roman, eine Abenteuergeschichte, „die heute glücklicherweise vergessen ist“, wie er sagte.

Nach der Ableistung seines Militärdienstes bei der Royal Air Force, der ihn zu einer pazifistisch-antimilitaristischen Grundhaltung bewog, nahm er verschiedene Arbeiten an, um sich „über Wasser zu halten“, wie man so sagt. Darunter war auch eine Stelle in einem Verlag. Schon bald schien sich seine Absicht, Schriftsteller zu werden, zu verwirklichen. Er veröffentlichte Kurzgeschichten in bekannten SF-Magazinen der USA und verkaufte 1958 dort seinen ersten Roman, war aber von der geringen Bezahlung auf diesem Gebiet enttäuscht. Bald erkannte er, dass sich nur Geschichten sicher und lukrativ verkaufen ließen, die vor Abenteuern, Klischees und Heldenbildern nur so strotzten.

Diese nach dem Verlag „Ace Doubles“ genannten Billigromane, in erster Linie „Space Operas“ im Stil der vierziger Jahre, sah Brunner nicht gerne erwähnt. Dennoch stand er zu dieser Art und Weise, sein Geld verdient zu haben, verhalf ihm doch die schriftstellerische Massenproduktion zu einer handwerklichen Fertigkeit auf vielen Gebieten des Schreibens, die er nicht mehr missen wollte.

Brunner veröffentlichte „The Whole Man“ 1958/59 im SF-Magazin „Science Fantasy“. Es war der erste Roman, das Brunners Image als kompetenter Verfasser von Space Operas und Agentenromanen ablöste – der Outer Space wird hier durch Inner Space ersetzt, die konventionelle Erzählweise durch auch typographisch deutlich innovativeres Erzählen von einem subjektiven Standpunkt aus.

Fortan machte Brunner durch menschliche und sozialpolitische Anliegen von sich reden, was 1968 in dem ehrgeizigen Weltpanorama „Morgenwelt“ gipfelte, der die komplexe Welt des Jahres 2010 literarisch mit Hilfe der Darstellungstechnik des Mediums Film porträtierte. Er bediente sich der Technik von John Dos Passos in dessen Amerika-Trilogie. Das hat ihm von SF-Herausgeber und -Autor James Gunn den Vorwurf den Beinahe-Plagiats eingetragen.

Es dauerte zwei Jahre, bis 1969 ein weiterer großer sozialkritischer SF-Roman erscheinen konnte: „The Jagged Orbit“ (deutsch 1982 unter dem Titel „Das Gottschalk-Komplott“ bei |Moewig| und 1993 in einer überarbeiteten Übersetzung auch bei |Heyne| erschienen). Bildeten in „Stand On Zanzibar“ die Folgen der Überbevölkerung wie etwa Eugenik-Gesetze und weitverbreitete Aggression das handlungsbestimmende Problem, so ist die thematische Basis von „The Jagged Orbit“ die Übermacht der Medien und Großkonzerne sowie psychologische Konflikte, die sich in Rassenhass und vor allem in Paranoia äußern. Die Lektüre dieses Romans wäre heute dringender als je zuvor anzuempfehlen.

Diesen Erfolg bei der Kritik konnte er 1972 mit dem schockierenden Buch „Schafe blicken auf“ wiederholen. Allerdings fanden es die US-Leser nicht so witzig, dass Brunner darin die Vereinigten Staaten abbrennen ließ, und boykottierten ihn quasi – was sich verheerend auf seine Finanzlage auswirkte. Gezwungenermaßen kehrte Brunner wieder zu gehobener Massenware zurück.

Nach dem Tod seiner Frau Marjorie 1986 kam Brunner nicht wieder so recht auf die Beine, da ihm in ihr eine große Stütze fehlte. Er heiratete zwar noch eine junge Chinesin und veröffentlichte den satirischen Roman Muddle Earth (der von |Heyne| als „Chaos Erde“ veröffentlicht wurde), doch zur Fertigstellung seines letzten großen Romanprojekts ist es nicht mehr gekommen. Er starb 1995 auf einem Science-Fiction-Kongress, vielleicht an dem besten für ihn vorstellbaren Ort.

Verwandtes Werk: „Die Pioniere von Sigma Draconis“ (Bedlam Planet; deutsch bei Heyne 1971).

Mehr von John Brunner auf |Buchwurm.info|:

[„Morgenwelt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1274
[„Chaos Erde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2555
[„Der ganze Mensch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3444

_Handlung_

Ian Macaulay ist Archäologe aus der erdigen Praxis. Er wundert sich, dass er für die vierte Expedition nach Sigma Draconis ausgewählt wird, an der doch offensichtlich nur Akademiker teilnehmen. Mit einer Ausnahme: Senor Ordonez-Vico ist der Chef des bolivianischen Militärgeheimdienstes. Er weigert sich, die übliche Raumfahrerkluft anzuziehen, und tritt in vollem militärischen Ornat auf. Nur den Säbel hat man ihm strikt verweigert. Alle hassen ihn. Er soll nämlich im Auftrag der UNO, welche die Expeiditionen nach Sigma Draconis finanziert und leitet, über die Schließung der Siedlung auf dem erdähnlichen Planeten dieser Sonne urteilen – und ob dort Waffen produziert werden, die gegen die Erde gerichtet sind.

Macaulay hat ja schon einige Paranoiker gesehen, aber Ordonez-Vico schlägt sie alle um Längen. Kommandant Rudolf Weil darf nicht mal eine Grußbotschaft an die Kolonie absetzen, um zu erklären, warum die |Stellaris| 12,5 Tage zu spät kommt. Doch während sich der Rest der Passagiere während des brutalen Bremsmanövers in den Gravitationssesseln quält, schickt Weil dennoch eine supergeheime Warnung an die Siedlung. Die Botschaft vernichtet sich sofort selbst. Die solchermaßen Benachrichtigten gucken sich alarmiert an: Na, das kann ja heiter werden!

Die |Stellaris| bringt die vierte Forschungsgruppe nach Draconis. 2020 entdeckte die erste den erdähnlichen Planeten, nachdem sich zuvor näher gelegene Sternensysteme als Nieten erwiesen hatten. Draconis ist 19 Lichtjahre von der Erde entfernt und nur durch den Flug durch den Quasiraum schneller als das Licht zu erreichen. Die Raumflüge sind ebenso teuer wie der Bau des Raumschiffs, und die Nationen der Erde rebellieren unter der finanziellen Last des Sternenflug-Fonds, den die UNO verwaltet. Ordonez-Vico soll entscheiden, ob die Basis aus Kostengründen zu schließen ist.

Der General unterzieht alle Wissenschaftler einem gemeinschaftlichen Verhör, und seine Spionaugen zeichnen alles auf. Sein Lügendetektor prüft die Wahrhaftigkeit der Aussagen. Seine Frage lautet einfach: Wieso verschwanden die Draconier vor hunderttausend Jahren, nachdem sie 3000 Jahre lang erfolgreich den Planeten erobert und besiedelt hatten? Könnte dies auch der Erde passieren? Die Wissenschaftler schließen nacheinander eine Invasion durch eine zweite Rasse, eine kosmische Katastrophe, planetare Katastrophen, eine Seuche und sonstige Krankheiten aus. Dann bleibt nicht mehr allzu viel als Erklärung übrig.

Ian Macauley, der Schriftexperte, soll die Aufzeichnungen der Draconier untersuchen, die sie in kristallinen Bögen niedergelegt haben, die man in Bibliotheken fand. Leider kann keiner die Schrift entziffern, denn die Draconier nahmen alles auf elektromagnetische Weise wahr. Unter den zehn Archäologen nimmt er also jetzt eine Schlüsselposition ein. Er kommt auf die ungewöhnliche Idee, sich einfach mal in einen der Draconier hineinzuversetzen. In einem Sammelsurium von Stangen erblickt er, anders als alle anderen zuvor, eine Art elektromagnetisches Barometer: ein Sturmwarngerät.

Darob ist auch Ordonez-Vico verblüfft und fragt misstrauisch, wieso niemand zuvor dies entdeckt hat. Soll hier etwas vertuscht oder verborgen werden, hm? Wütend geigt ihm Ian die Meinung über die unglaublich große Leistung der Forscher auf dieser Welt, und zwar auf eine bildhafte, anschauliche Weise, die der Bolivianer auf Anhieb begreift. Als der General den Fortbestand der Basis genehmigt, sind alle begeistert. Cathy Polyzotis, eine Biologin, gründet eine intensive Beziehung zu dem genialen Ian.

Als sie mit ihm die Kristallplatten der Draconier untersucht, entdeckt sie den piezoelektrischen Effekt, wie ihn jede Plattenspielernadel auf der Erde aufwies. Er findet Cathy auch ziemlich genial. Wirklich verblüffend findet der Direktor jedoch Ians Einfall, es wie in Simbabwe zu machen und sich in die Lebensweise und die Wahrnehmung eines Draconiers hineinzuversetzen. Zuerst als als aktives Männchen, dann als sesshaftes Weibchen, umgeben von zwei Schalen wie eine Krabbe und mit sechs Beinen, empfindlich für Schwarzweiß und das elektromagnetische Spektrum. Administrator Rorschach starrt ihn erst entgeistert an, dann genehmigt er den Versuch enthusiastisch.

Während die Forscher sich daran machen, die genaue Form der Draconier herauszufinden und nachzubauen, entdecken die Archäologen an einer der Ausgrabungsstätten eine Sensation: vier Gebäude mit je einer riesigen Statue davor und Unmengen von Kristallbögen darin. Die Statuen sind wunderschön, doch etwas findet Ian ziemlich beunruhigend: Unter diesen offensichtlichen Idealbildern liegen tote Großmütter und Mütter mit schwer deformierten Kindern und Föten. Könnte es sein, dass diese Mutationen die Draconier als Rasse ausgelöscht haben?

Ein halbes Jahr nach seiner Landung kann Ian endlich in die Attrappe des Draconiers schlüpfen. Wie jeder inzwischen weiß, war die männliche Phase recht aktiv, wurde von einer neutralen Phase gefolgt, die ein Jahr dauerte, bevor sie endlich die finale weibliche Phase überging, die recht sesshaft verlief. Um also möglichst viel erkunden können zu können, wählen die Bastler die männliche Form für Ians Selbstversuch. Ergänzt wird dieser Versuch auf der geistigen Ebene durch Hypnose und schließlich Selbsthypnose: Ian sieht nicht nur aus wie ein Draconier, er denkt auch, er wäre einer!

Innerhalb der vier Wochen des Selbstversuchs versetzt sich Ian immer tiefer in die Lage eines männlichen Eingeborenen. Wonach würde ihm der Sinn stehen, wenn er wüsste, dass er den Rest seines Lebens als Weibchen existieren würde? Gerade, als Ian blitzartig die Erkenntnis kommt, wird er von den Kollegen aus seiner Hypnose gerissen: Er hat 42 °C Fieber und ist völlig ausgehungert! So sehr hat er sich selbst vernachlässigt. Doch Ian trauert nur der verlorenen Erkenntnis nach.

Es soll anderthalb weitere Jahre dauern, bis er sie wiederfindet. Doch da bildet diese Nachricht nicht mehr einen freudigen Auftakt zu frohen Taten, sondern den Schlussakkord in einem Drama: Die |Stellaris| ist bereits 30 Tage überfällig – die Erde hat sie ihrem Schicksal überlassen. Wird die Kolonie das gleiche Schicksal ereilen wie einst die Draconier?

_Mein Eindruck_

Auf dem Titelbild steht zwar groß „ACTION“, doch davon kommt in dem Roman nichts vor. Und so mancher Leser könnte sich jetzt auch fragen, was denn bitteschön mit dem großen Teleskopspiegel auf dem Mond los ist, der im Trailer so großartig angekündigt wurde. Im Verlaufe der Dialoge erfahren wir lediglich, dass schon eine der ersten Forschungsgruppen den Mond besucht hat, aber dort nichts gefunden habe außer ein paar organischen Hüllen (Haut?) und wieder diese rätselhaften Kristallbögen.

Doch was steht auf diesen Bögen geschrieben? Das ist eben der Grund, aus dem der Chefarchäologe Igor schließlich Ian Macauley von der Erde angefordert hat. Ian hatte sich in Zimbabwe in die Lage eines Ureinwohners versetzt und war so zur Lösung des Rätsels der uralten Schriftzeichen gelangt. Mit Hilfe seines Selbstversuchs in der Hülle eines Draconiers will er diese Methode wiederholen – doch kurz vorm Ziel holt man ihn zurück, bevor er dabei draufgeht. Was könnten diese seltsamen Schriftzeichen darstellen, die auf sämtlichen Kristallbögen beinahe identisch sind? Was sich nicht variiert, kann doch auch keine Bedeutung haben, oder? Warum wurden diese Dokumente dann aber in solchen Unmengen hergestellt?

Wie man sieht, handelt der Roman nicht von Auseinandersetzungen, sondern von einer Suche nach Erkenntnis. Diese Erkenntnis ist von höchster Relevanz für die Menschen, denn sie betrifft nicht nur das Schicksal der Erde, sondern, nach Ausbleiben der |Stellaris|, auch das der Kolonie. Was hat die Draconier umgebracht? Sie stiegen in nur 3000 Jahren zur beherrschenden Spezies des Planeten auf, breiteten sich von Siedlungszentren planmäßig aus, besuchten den Mond, züchteten Pflanzen und Tiere genetisch um – und verschwanden dann einfach wieder.

Wie in vielen anderen Romanen Brunners ist die Suche nach Erkenntnis auf eine ganz spezifische Weise umgesetzt. In Krimis mögen ja Verhöre und Spurensuche zur Erkenntnis führen, doch kaum einer der Kommissare versetzt sich vier Wochen lang in die Lage des Täters, oder? (Von rechtlichen Bedenken mal ganz abgesehen.) Doch bei Brunner ist es gerade die Methode des Sichhineinversetzens, der Immersion, in die Lage des Untersuchten, die immer wieder zum Erfolg führt. Es ist die Begegnung mit dem Du, das im Ich die Erkenntnis auslöst, sei dieses Du nun ein auffällig friedliebender afrikanischer Stamm (in „Morgenwelt“) oder eine untergegangene Rasse.

Die Folgen der Erkenntnis sind häufig dramatisch. In „Die Pioniere von Sigma Draconis“, das als Alternativmodell auf dem gleichen Planeten (Asgard) spielt, führt der Selbstversuch des Helden zu einer völligen Neubewertung aller Siedler. Die Folgen sind schockierend drastisch. In „Der Schockwellenreiter“ erweist sich das demokratisch legitimierte System als faschistisch und wird von seinem kompetenten Opfer Nick, einem Computerhacker, per Computerwurm in die Knie gezwungen.

Immer geht es um Selbstbehauptung. Nicht immer gelingt sie. So etwa auch auf Sigma Draconis, wo sich die unversehens zu Siedlern umfunktionierten Forscher einem schweren Problem gegenübersehen, das ein Echo der ursprünglichen Draconier ist: Wie retten wir unser einzigartiges Erbgut? Da Chefarchäologe Igor Frau und Kind verloren und keine sonstigen Nachkommen hat, hat er ein Anrecht, seine Gene weiterzuvererben. Doch welche Frau würde sich dazu bereitfinden, das Kind eines Mannes auszutragen, den sie nicht liebt? Egal, ob man eine zweigeschlechtliche Spezies ist wie die Menschen oder eine Spezies mit veränderlichem Geschlecht wie die Draconier, stets geht es um die Rettung der wertvollsten Gene.

|VORSICHT, SPOILER!|

Die Weiterverfolgung dieses Gedanken aus seiner eigenen Betroffenheit heraus bringt Ian endlich auf die Lösung des „Geheimnisses der Draconier“: Die Draconier hatten ein kapitalistisches System entwickelt, in dem sie ihre Gene wie Geld und Aktien handelten. Wer in seiner männlichen Phase hohes genetisches Kapital erwerben konnte, dem war auch als späteres Weibchen ein gutes Leben beschieden. Der Wert des Genkapitals stieg umso mehr, je höher bestimmte hochgezüchtete Eigenschaften gehandelt wurden, etwa Schönheit oder bevorzugte Haarfarbe usw.

Es gab jedoch zwei dumme Nebeneffekte, die den Draconiern den Garaus machten. Erstens machten die hochgezüchteten Gene sie anfällig für Mutationen und Deformationen, wie sie bei den Weibchen unter den Statuen gefunden wurden. Und zweitens verhinderte die maximal verlängerte, erwerbsorientierte Männchenphase und die maximal verkürzte, konsumierende Weibchenphase, dass sich gesündere Gene erhielten und Weibchen mehrere Nachkommen zur Welt brachten. Die Draconier gingen, wie Ian es ausdrückt, an ihrem eigenen „genetischen Kapitalismus“ zugrunde. Sie wurden bankrott.

In den westlichen Gesellschaften der Gegenwart wird dieses Problem der erwerbsorientierten FRAUEN, die nicht oder nur relativ spät für Nachwuchs sorgen, immer wieder diskutiert. Dabei erscheint diese Diskussion sich mittlerweile von allein zu erledigen, denn immer mehr Frauen mit akademischem Hintergrund entscheiden sich dafür, Kinder zu haben. Sie lassen ihre berufliche Karriere eine Weile ruhen, um sich den Kindern zu widmen, bevor sie wieder in den Beruf zurückkehren. Dieses Verhalten funktioniert in den meisten westlichen Gesellschaften gut, solange es genügend finanzielle Unterstützung vom Staat gibt. Diese Unterstützung ist allerdings unterschiedlich. In dieser Hinsicht steht Deutschland nicht sonderlich gut da.

|Die Übersetzung|

Die Übersetzung ist zwar durchaus verständlich und stilistisch anspruchslos, aber leider mit Flüchtigkeitsfehlern gespickt, so dass ich den Eindruck hatte, der Übersetzer hätte sich nur sehr wenig Zeit dafür gelassen. Die Liste der Fehler wäre schier endlos, daher lasse ich sie einfach weg.

_Unterm Strich_

Dieser wissenschaftliche und auf Erkenntnis bedachte Zukunftsroman erweist sich als überraschend relevant für die Gegenwart des Lesers. Das sollte eigentlich keine Überraschung sein, weil ja jeder Zukunftsroman für aktuelle Leser geschrieben wird. Umso erfreulicher ist jedoch die Warnung des Autors, wonach wir Menschen den Fehler der Draconier, den ich oben geschildert habe, nicht wiederholen sollten. Brunners Romane, selbst solche Schnellschüsse, sind häufig als Warnung gedacht.

Ein amerikanischer Autor hätte den Schluss sicherlich gut ausgehen lassen und Ian mit seiner Cathy ein Happy End bereitet. Nicht so der Brite John Brunner, der in einer ganz anderen Erzähltradition steckt. Wer an den Schluss von [„Die Zeitmaschine“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3578 von H. G. Wells aus dem Jahr 1895 zurückdenkt, der kennt die trübsinnige Zukunftsvision für das Schicksal der Erde. Realistischerweise schätzt auch Brunner die Lage des Menschen so ein, dass dieser selbst auf einem erdähnlichen Planeten wie Asgard nicht überleben kann. Die letzten Seiten bestehen aus den Aufzeichnungen eines alten, gebrechlichen Ian Macauley, eines Ishmael ohne Zukunft.

Das Buch hätte wegen dieser Charakteristika sehr gut in |Heyne|s SF-Reihe gepasst, wo ja schon der Roman „Die Pioniere von Sigma Draconis“ erschien. „Das Geheimnis der Draconier“ schildert einen alternativen Besiedlungsverlauf.

|Originaltitel: Total Eclipse, 1974
Aus dem Englischen übertragen von Barbara Heidkamp
202 Seiten|
http://www.bastei-luebbe.de

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