Knizia, Reiner – Zu viele Köche (Kartenspiel)

Ein erster Blick auf Cover und Spielmaterial suggeriert Kunterbuntes; doch mit einem Spielautor wie Reiner Knizia im Rücken, kann man sich eigentlich sicher sein, dass „Zu viele Köche“ weitaus mehr ist als nur lebendig-farbige Kartenspiel-Kost. Und die ersten Testrunden bestätigen: Dieses Spiel ist mitunter strategischer, als man glauben mag – und bringt zudem den Party-Effekt, den man irgendwie doch dahinter vermutet, gleich mit.

_Spielidee:_

Der Name ist in „Zu viele Köche“ in der Tat Programm. Denn der Brei bzw. die einzelnen Menüs, die man in den fünf Runden des Spiels zu kochen gebeten wird, ist relativ schnell verdorben, wenn zwei bis fünf Spieler ihre Zutaten in wilder Abfolge hineinschmeißen. Ziel ist es, seine eigenen Menüs mit möglichst vielen passenden Zutaten zu würzen und gleichzeitig zu vermeiden, dass zu viele Fremdkörper wie etwa die superscharfe Peperoni Einzug in die Mahlzeit erhalten. Allerdings ist man gezwungen, jedes der fünf zur Verfügung stehenden Menüs einmal zu kochen – und damit beginnen die Schwierigkeiten. Aber auch der Spaß …

_Spielmaterial:_

Bunt, freakig, einfach Pegasus – der Blick auf die Karten zeigt, worin der Unterschied zu herkömmlichen Spielen dieser Art liegt, nämlich in der schrillen Optik. Es braucht daher auch ein wenig Fantasie, um Fisch, Huhn und Peperoni auf den Karten genau zu identifizieren. Doch das natürlich auch beabsichtigt. Die Übersichtlichkeit könnte dennoch kaum besser sein, da die farblichen Besonderheiten in der Konzeption unverkennbar sein und eine schlichte Trennung zur einfachsten Übung macht. Aus diesem Grund: Es schaut seltsam aus, aber es ergibt durchaus Sinn!

_Spielvorbereitung:_

Zu Beginn einer Partie bekommt ein Spieler eine Karte mit fünf Stammkunden sowie 13 der Zutatenkarten. Lediglich im Spiel zu fünft erfolgt hier aufgrund des begrenzten Kartenmaterials eine andere Aufteilung. Außerdem erhält jeder Beteiligte jeweils eine der insgesamt fünf Menükarten, die er verdeckt vor sich ablegt. Mehr geschieht nicht, sprich die erste Runde kann beginnen.

_Spielablauf:_

Vor jeder Runde wählt nun jeder Spieler ein Menü aus, das er im kommenden Durchgang zu kochen gedenkt. Hierbei soll die Auswahl der Zutaten in den Handkarten eine grobe Orientierung liefern, sobald dies noch möglich ist. Denn ein einmal zubereitetes Menü verschwindet im Anschluss an die Runde in der Ablage. Die Menüs werden verdeckt abgelegt und gleichzeitig aufgedeckt. Der Startspieler wirft nun die erste Karte in die Mitte, den Topf, und nennt deren Wert. Der nächste Spieler im Uhrzeigersinn legt eine weitere Karte auf diesen Stapel und benennt den addierten Wert der eigenen und der vorher abgelegten Karte. Ferner muss er sich an einige Spielregeln halten. So muss er im Sinne eines Stichspiels immer ‘bedienen‘, darf also beispielsweise nur ein Gemüse auf ein vorher ausgelegtes Gemüse legen, usw. Lediglich für den Fall, dass er nicht mehr die passende Zutat vorrätig hat, darf er etwas anderes legen. Sobald der Wert im Topf die Zahl 10 überschreitet, bekommt derjenige, der die letzte Karte beigesteuert hat, alle im Topf befindlichen Zutaten und beginnt mit einer neuen Karte. Sollte zwischenzeitlich eine Peperoni in den Topf geworfen werden, darf man im Übrigen frei anlegen und muss sich nicht mehr nach der Bedienregel richten.

Wonach richte ich meine Menüplanung nun aus? Nun, für Fisch, Huhn und Gemüsesuppe sind die Voraussetzungen gleich. Viele eigene Zutaten, keine Peperoni, und schon gibt es für jede passende Karte zum Ende der Runde, also dann, wenn der erste Spieler alle Zutaten ausgespielt hat, einen weiteren Stammgast, während unliebsame Scharfmacher (also Peperoni) einen Stammkunden abziehen. Beim Fast Food schaut die Sache anders aus; fünf Stammkunden sind sicher. Doch jede einzelne Zutat reduziert die Kundschaft wieder, da Fast Food nun mal schnell geht und keine Kochkünste erfordert. Wer sich schließlich entscheidet, Chili zuzubereiten, sammelt natürlich Peperoni, sollte aber tunlichst vermeiden, Zutaten mit dem Wert 0 einzusammeln. Denn wer braucht schon einen Brühwürfel in seinem Chili?

Am Ende jeder Runde werden schließlich die Stammkunden addiert und im ungünstigsten Falle auch subtrahiert. Nach fünf Durchgängen hat jeder Spieler dann jedes seiner Menüs einmal gekocht. Anschließend werden alle Stammkunden gezählt und verglichen. Der Spieler, der die meisten zufriedenen Gäste in sein Lokal locken konnte, ist der Sieger.

_Persönlicher Eindruck:_

Manchmal kann eine gute Spielidee so einfach sein, dass die Frage im Raume steht, warum man sie nicht direkt selber entwickelt hat. Tja, vielleicht weil man nicht auf den Namen Reiner Knizia hört. Der betriebsame Spielemacher hat in „Zu viele Köche“ kurz und prägnant auf den Punkt gebracht, warum er so manches Mal den Unterschied zwischen sehr gut und durchschnittlich macht und was dazugehört, ein flottes, unkompliziertes Kartenspiel zu konzipieren. Die Grundidee ist sicher nicht innovativ, baut aber in kürzester Zeit einen ungeheuren Reiz auf, der sich vorrangig an das angenehme Tempo und den strategischen Kniff, der durch die Begrenzung der Möglichkeiten beim Kochen der Menüs klammert. Klar abzugrenzen ist jedoch, dass die Sache erst mit mehreren Spielern interessant wird, da man hier definitiv längerfristiger planen muss und man vor allem auch noch intuitivere Handlungsschritte einplanen sollte. Zu viert scheint das Ganze ideal, aber auch die komplette Ausreizung des 5-Spieler-Systems ist empfehlenswert, zumal man hier mit einer kleineren Kartenanzahl zurechtkommen muss. Der Mechanismus, einerseits Karten zu sammeln, andererseits aber auch situationsabhängig mit aller Macht zu verhindern, Karten zu bekommen ist prima ausgearbeitet, und er funktioniert vorzüglich – so eben, wie man es von einem schlichten, in seinem Langzeitreiz aber begeisterungsfähigen Spiel erwartet. Da kann man selbst zum grafischen Design stehen, wie man will. Es ist gewöhnungsbedürftig, aber dank der feinen Systematik nie problematisch. Womit auch der letzte mögliche Kritikpunkt ausgehebelt wäre …

Die Blechdosen-Edition aus dem Hause Pegasus hat in den vergangenen Jahren einige kleine Perlen von mittlerer Spieldauer ans Licht gebracht. „Zu viele Köche“ gehört definitiv dazu!

|Kartenspiel für 2-5 Spieler
Empfohlen ab 8 Jahren
ASIN: B002EP9KNC|
[www.pegasus.de]http://www.pegasus.de

_Spiele von Reiner Knizia bei |Buchwurm.info|:_
[„Blue Moon City“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3106
[„Sudoku Kids- Das brisante Kinderspiel“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3955
[„Medici vs. Strozzi“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5516

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