Marx, André – Die drei ??? und das versunkene Dorf

Die Erstveröffentlichung des 136. Falles des pfiffigen Detektiv-Trios aus dem fiktiven Rocky Beach in Kalifornien fiel im Februar 2007 ziemlich genau in das nahe Ende der Lizenzstreitigkeiten zwischen dem deutschen Stammverlag |Franckh-Kosmos| und den amerikanischen Rechteinhabern. Sehr zur Freude der treuen Leserschaft konnten die Stuttgarter die Zukunft der beliebten Serie retten und sich die Rechte sichern. Es gab daraufhin gottlob nur geringfügige Änderungen, wie das ® hinter „Die drei ???“ sowie ein kaum merklich abgeändertes Cover-Erscheinungsbild. Das macht die 2007er Erstausgaben fast schon zu Sammlerstücken, diese folgen nämlich noch dem alten Design, welches ab 2008 endgültig Geschichte ist – auch für spätere Auflagen der alten Bände.

_Zur Story_

Darren Duffs hat schon viel von den drei Fragezeichen gehört. Man könnte sogar behaupten, er ist ein glühender Verehrer. Umso aufregender für ihn, dass er einen potenziellen Fall für Justus, Peter und Bob anzubieten hat. Schließlich kann man vom kleinen, beschaulichen Kaff Ridgelake im Bundesstaat Oregon nicht gerade behaupten, es wäre eine vor Abenteuer sprühende Metropole. Doch ein nächtens geheimnisvoll leuchtender Bergsee? Das ist doch schon mal was. Interessant genug, um die Drei die beeindruckende Distanz von 700 Meilen auf sich nehmen zu lassen. Prompt verfransen sich die Detektive auf dem Weg ins Dorf und werden sogleich Zeuge davon, dass Darren nicht gesponnen hat. Mehr noch: Sie retten einen alten, verwirrten Mann aus dem eiskalten Wasser.

Statt Dankbarkeit schlägt dem Trio im Dorf aber Misstrauen entgegen. Die schrulligen Bewohner Ridgelakes, insbesondere der feindselige Wirt Joe Wilcox, mögen keine Fremden – das schließt auch Darren mit ein, obwohl er der Großneffe des Bürgermeisters ist. Bei diesem wohnen die Jungs auch, wobei Darren seinem Großonkel Cedric wohlweislich nichts von deren Detektivtätigkeit erzählt. Bei ihren Recherchen finden sie dann heraus, dass das „alte“ Ridgelake seinerzeit aufgegeben wurde, das Dorf aber immer noch existiert: Auf dem Grund des nahen Stausees. Den gesamten Ort scheint seither ein düsteres Geheimnis zu umgeben, welches auch das Leben in der neuen Siedlung beeinträchtigt. Um Klarheit zu bekommen muss man zuweilen tief tauchen … Gelegentlich auch mal in der Vergangenheit.

_Eindrücke_

André Marx gehört seit den Neunzigerjahren fest zum Establishment der so genannten „Neuen Ära“ der Serie, wobei er ein breites, wenn nicht sogar das bislang breiteste Themenspektrum in seinen Büchern aufzubieten hat. Sozusagen die Allzweckwaffe unter den ???-Autoren. Nicht alle seine Stories stoßen auf Begeisterungsstürme bei den Fans, was auch ziemlich unmöglich sein dürfte, im Großen und Ganzen liefert er jedoch stets zumindest solide Geschichten ab. Und auch nicht wenige Glanzlichter. Dazu gehört der Fall des versunkenen Dorfes ebenfalls. Die Zutaten sind zwar allesamt ziemlich bekannt und auf die eine oder andere Art sicher auch schon einmal verwendet worden. Doch wie so oft im Leben ist das jeweils eine Frage der richtigen Mischung.

Sieht man davon ab, dass es sicher recht unwahrscheinlich sein dürfte, ob die drei Jungs wirklich 700 Meilen mal eben so aus Jux und Dollerei für einen nicht mal sicheren Fall zurücklegen würden, ist die Geschichte stimmig und atmosphärisch dicht. Tragendes Element ist hierbei das versunkene Dorf selbst sowie das quasi unvermeidliche Tauchen dorthin, welches im Sinne des Spannungsbogens selbstverständlich nicht komplikationslos verlaufen kann und darf. Solcherlei Dinge regen naturgemäß die Fantasie an und sorgen auch für ein leichtes Schaudern. Dabei geht es aber nicht um reine Effekthascherei, das alles passt sich nahtlos in die intelligente und teilweise anrührende Rahmengeschichte ein, die am Schluss sogar noch mit einer recht unerwarteten Wendung auftrumpfen kann.

_Fazit_

Es ist alles vorhanden, was Fans – und solche, die es vielleicht werden wollen – gerne lesen: Ein spannendes Setup mit Action und Witz, eingebettet in ein wohldurchdachtes, schlüssiges Gesamtbild. Dass dabei natürlich auch so manches lieb gewonnene ???-Klischee bedient wird, gehört logischerweise dazu. Der routiniert verfasste, rasch verschlungene Band hat das Zeug dazu, ein moderner Klassiker zu werden und liefert einmal mehr den Beweis, dass auch heute nach nahezu 50 Jahren immer noch gute Bücher der Serie erscheinen.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_

„Die drei ??? und das versunkene Dorf“ – Band 136
Basierend auf Figuren von Robert Arthur
Erzählt von André Marx
Franckh-Kosmos, 2007/2008
Cover Illustration: Silvia Christoph
Redaktion: Martina Zierold
|128 Seiten Hardcover
ISBN-13: 978-3-440-11705-7|

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