Rickman, Phil – Turm der Seelen, Der

_Die „Merrily Watkins“-Romane:_

01 „Frucht der Sünde“
02 [„Mittwinternacht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6067
03 [„Die fünfte Kirche“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6283
04 _“Der Turm der Seelen“_
05 „Der Himmel über dem Bösen“
06 „Die Nacht der Jägerin“ (Januar 2011)
07 „The Smile of a Ghost“ (noch kein dt. Titel)
08 „Remains of an Altar“ (noch kein dt. Titel)
09 „The Fabric of Sin“ (noch kein dt. Titel)
10 „To Dream of the Dead“ (noch kein dt. Titel)
11 „The Secrets of Pain“ (noch kein dt. Titel)

_Inhalt_

Merrily Watkins, Beraterin für spirituelle Grenzfragen des Bistums Herefordshire, wird gleich zweimal um Hilfe gebeten: Die streng gläubigen Eltern der vierzehnjährigen Amy glauben, dass ihre Tochter besessen ist. Tatsächlich verhält sich das Mädchen ausgesprochen unnormal – aber ob tatsächlich das Böse dahinter steckt? Und in einem alten Hopfenturm soll es spuken. Der Besitzer bittet Merrily um einen Exorzismus.

Beide Geschichten entwickeln ein beunruhigendes Eigenleben, das Merrily nur nach und nach durchdringt. Die unheimliche Historie des Hopfenturms führt mehrere Generationen zurück bis zu Differenzen zwischen den Anwohnern und Saisonarbeitern der Roma, und nach und nach legt Merrily den Kern dessen frei, was nach so langer Zeit noch nach Rache sucht. Da man ihr Informationen vorenthält, gerät Merrily unvorbereitet in die Nähe von etwas, das überraschend stark, alt und unversöhnlich ist. Als wäre das nicht kompliziert genug, trifft sie Lol wieder, den sensiblen Musiker, den sie vor einiger Zeit getroffen und beinahe geliebt hätte. Ist es Zufall, dass er in der Gegend ist? Und inwieweit ist er in die Geschehnisse um den Hopfenturm verstrickt?

Kein Wunder, dass sie bei all dem Stress kaum Zeit hat, sich um ihre Tochter Jane zu kümmern. Die Sechzehnjährige hat eigene Probleme, mit denen sie sich herumschlagen muss. Eines davon betrifft Eirion, den stoischen Waliser, mit dem sie seit einigen Monaten liiert ist: Wie soll es mit ihnen weitergehen? Teils geht es Jane nicht schnell genug, teils wird es ihr zu rasant, zu erschreckend ernst mit dem Jungen. Und so ganz nebenbei stolpert sie auch noch in den zweiten Fall, den ihre Mutter zu bearbeiten hat: Die möglicherweise besessene Amy geht auf Janes Schule – und sie hat ein Geheimnis, das aus dem Ruder zu laufen droht …

_Kritik_

Der vierte Fall für Hochwürden Merrily Watkins bringt Dinge in Bewegung, die im letzten Band („Die fünfte Kirche“) auf der Stelle traten. Ab und an fragte man sich schon, ob Merrily irgendwann auch mal ein Erfolgserlebnis haben wird, und jetzt endlich erscheint sie mal ein bisschen souveräner. Lol wieder zu treffen, ist ein wenig wie das Wiedersehen mit einem alten Freund, aber ungleich spannender ist einmal mehr die Entwicklung Janes. Wie Rickman, der selbst keine Tochter hat, die komplizierten Prozesse im Innern einer Heranwachsenden darstellt, ist unglaublich. Mit Eirion ist ein passender Gegenpart zu dem impulsiven Mädchen geschaffen worden, und die alternativen spirituellen Strömungen zur anglikanischen Kirche unter den Jugendlichen in der englischen Provinz, sind einmal mehr nicht nur interessant dargestellt, sondern auch überraschend realitätsnah: Der Wiccaglauben ist die am schnellsten wachsende Religionsgemeinschaft der britischen Inseln momentan.

Rickman schreibt stilistisch sauber und dem unterschiedlichen Hintergrund seiner Protagonisten gemäß sowohl passend als auch originell. Die Geschichte der Roma-Arbeiter ist spannend und unmittelbar erzählt, und mit ihnen als Medium ist es fast noch einfacher als sonst, Rickman die untrennbare Verknüpfung von Wissenschaft und Übernatürlichem abzunehmen. Wobei das ja nie ein Problem war: Rickman schlingt die Stränge aus Alltäglichkeiten, kleinen Sorgen und Freuden, aus normaler menschlicher Niedrigkeit und aus Geistererscheinungen so sorgfältig umeinander, dass sie als homogenes Ganzes erscheinen und ein sehr eigenes, zwingendes Muster ergeben.

_Fazit_

Phil Rickmans Reihe um Merrily Watkins und ihre Tochter Jane ist eine gelungene Melange aus Mystery und Krimi, innovativ erdacht und gefällig niedergeschrieben. Die eine oder andere Länge verzeiht man gern, und „Der Turm der Seelen“ selbst hat mir noch einmal mehr Kurzweil bereitet als der vorangegangene Band der Reihe.

Wer sich unter der Mischung einer sehr bodenständigen Exorzismusbeauftragten und unerklärlichen Phänomenen noch nichts vorstellen kann, wer den kalten Schauer des Unheimlichen genauso mag wie die Introspektionen zweier sehr eigener junger Frauen, der sollte hier unbedingt zugreifen. Rickman ist ein sehr, sehr guter Erzähler, und seine Geschichten sind alles andere als alltäglich.

|Taschenbuch: 624 Seiten
Originaltitel: The Cure of Souls
Aus dem Englischen von Karolina Fell
ISBN-13: 978-3499253331|
[www.rowohlt.de]http://www.rowohlt.de
[www.philrickman.co.uk]http://www.philrickman.co.uk

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