C. J. Cherryh – Fortress of Eagles (Galasien-Zyklus 2)

Gefahr und Verrat an allen Fronten

Cefwyn ist nunmehr König von Ylesuin, herrscht in der Hauptstadt Guelemara und verfolgt zwei Pläne: seine Braut Ninévrisë offiziell zu heiraten, die schöne Regentin von Elwynor; und zweitens, sein Reich Ylesuin mit Elwynor zu vereinen, zu einem Reich, das einst als glorreiches Galasien bekannt war. Zwei ehrenvolle Pläne fürwahr, indes es gibt erheblichen Widerstand, nicht zuletzt übernatürlicher Art…


Was zuvor geschah: Der Zauberer Mauryl erschuf einen jungen Mann und versah ihn mit geheimem Wissen um das Königreich Ylesuin. Tristen ist wie Parzival ahnungslos, was die Welt angeht, in die er gestoßen wird, als Mauryl gegen einen mächtigen Feind, den Zauberer Hasufin, unterliegt. Er sucht weisungsgemäß den Kronprinz Cefwyn auf, und dessen Zauberer-Ratgeber Emuin nimmt Mauryls Geschenk an. Doch worin besteht das Geschenk und was ist so Besonderes an einem ahnungslosen jungen Mann aus den Wäldern?

Im Vorgängerband gelingt es Tristen, das Vertrauen des Kronprinzen Cefwyn von Ylesuin zu gewinnen und ihm durch Prüfungen beizustehen. Nach dem Verlust seines Vaters wird Cefwyn der neue König und kümmert sich um die Beseitigung der Opposition in der Provinz Amefel. Tristen rettet die Regentin von Elwynor vor einem Schattenfeind und führt sie Cefwyn zu. Dieser macht ihr sofort einen Heiratsantrag: Wäre sie seine Frau, entstünde eine mächtige Allianz. Doch sie hat Rebellen im eigenen Land, die als nächstes, unter Hasufins Führung, in Amefel einfallen. Es kommt zu einer Entscheidungsschlacht.

Die Autorin

Caroline Janice Cherryh, geboren 1942 in St. Louis, ist von Haus aus Historikerin und lebt in Oklahoma. Sie erhielt schon 1980 ihren ersten Science-Fiction-Preis für ihre umwerfende Novelle „Kassandra“. 1983 folgte der erste HUGO Award für „Pells Stern“, später ein weiterer für „Cyteen“. Beide Romane gehören zu ihrem Allianz-Union- bzw. PELL-Zyklus, der eine Future History darstellt, wie sie schon von anderen Größen des Science-Fiction-Feldes geschaffen wurde, darunter Robert A. Heinlein oder Isaac Asimov.

Der Zyklus

Dies ist der zweite Band im fünfbändigen „Fortress“-Zyklus von C.J. Cherryh. Der dritte Roman erschien im Januar 1999 unter dem Titel „Fortress of Owls“. Unter dem Titel „Fortress of Dragons“ und „Fortress of Ice“ hat Cherryh inzwischen zwei abschließende Romane veröffentlicht (siehe unten). Dieser Fantasy-Zyklus stellt einen Höhepunkt in Cherryhs umfangreichem Schaffen dar: Die Recherche und Vor-Ort-Besuche erforderten 20 Jahre, sagt ihr Verlag. Das glaube ich gerne, denn dieser Kenntnisreichtum ist schon in den realistischen Details des ersten Bandes nicht zu übersehen.

1) Fortress in the Eye of Time (1994)
2) Fortress of Eagles (1998)
3) Fortress of Owls (1999)
4) Fortress of Dragons (2000)
5) Fortress of Ice (2006)

Vorgeschichte

Das Königreich Ylesuin erstreckt sich von den Shadow Hills im Norden bis zur schimmernden See im Süden, und der Fluss Lenúalim fließt mittendurch. Westlich davon liegt das Sihhe-Reich Elwynor, und östlich von Ylesuin erstreckt sich das feindliche Chomaggar. Ylesuin selbst ist in etwa ein Dutzend Grafschaften aufgeteilt, von denen Amefel an Elwynor grenzt. Tatsächlich waren Amefel und Elwynor einst unter den Sihhe-Königen vereint: Galasien. Das Land ist aufgeteilt durch Berg- und Hügelketten und vielfach bedeckt von Wäldern voller Wild.

Es ist das dritte Zeitalter der Welt, und die Sihhe-Könige der alten Zeit sind alle verschwunden. (Obwohl sich die Könige des benachbarten Elwynor immer noch nur als „Regenten“ der Sihhe bezeichnen und auf die prophezeite Rückkehr des Sihhe-Königs hoffen.) Das alte Königreich Galasien, das die Sihhe Ynefel nannten, ist verschwunden und mit ihm die prächtigen Bauten, die seine gleichnamige Hauptstadt Ynefel auszeichneten.

Von den vier mächtigen Festungen, die Galasien einst schützten, steht nur noch eine einsam emporragende Burg. Wir können sie ebenfalls Ynefel nennen. In ihre Mauern sind die Antlitze von Dämonen, Königen und Göttern eingelassen – eine steinerne Erinnerung. Nach Jahrhunderten der Verlassenheit jedoch ist der Festungsturm neuerdings wieder bewohnt, und hier erschafft Mauryl seine größte Schöpfung: Er gibt ihr den Namen Tristen.

Es gelingt Tristen, das Vertrauen des Kronprinzen Cefwyn von Ylesuin zu gewinnen und ihm durch Prüfungen beizustehen. Nach dem Verlust seines Vaters wird Cefwyn der neue König und kümmert sich um die Beseitigung der Opposition in der Provinz Amefel. Tristen rettet die Regentin von Elwynor vor einem Schattenfeind und führt sie Cefwyn zu. Dieser macht ihr sofort einen Heiratsantrag: Wäre sie seine Frau, entstünde eine mächtige Allianz. Doch sie hat Rebellen im eigenen Land, die als nächstes, unter Hasufins Führung in Amefel einfallen. Es kommt zu einer Entscheidungsschlacht.

Handlung

Cefwyn ist nun König von Ylesuin, herrscht in der Hauptstadt Guelemara und verfolgt zwei Pläne: seine Braut Ninévrisë offiziell zu heiraten, die schöne Regentin von Elwynor; und zweitens, das Land Ylesuin mit Elwynor zu vereinen, zu einem Reich, das einst als glorreiches Galasien bekannt war.

Doch je näher der Tag der Hochzeit rückt, desto ferner rückt die Verwirklichung seiner Träume. Die starken nördlichen Barone wollen ihn kontrollieren, denn sie fürchten die Macht seines engsten Freundes Tristen. Und der Quinalt, das religiöse Oberhaupt des Königreichs, übt Druck auf Cefwyn aus. Für ihn ist Ninévrisë eine Heidin und obendrein Angehörige des zaubermächtigen Geschlechts der – mittlerweile in Ylesuin ausgerotteten – Sihhë-Fürsten. Außerdem beschuldigt er Tristen der Zauberei.

Um den Baronen und besonders dem Quinalt entgegenzukommen, soll Tristen auf Cefwyns Drängen lügen, nicht zuletzt, um auch sich selbst zu schützen. Tristen selbst scheint ein wiedergeborener Sihhë-Lord zu sein, seine Banner tragen Wappen alter Sihhë-Burgen. Nun versteckt er seine Kräfte und sein Schwert. Doch schon bei einer simplen Zeremonie des Quinalts und des Hofes merkt er, dass der Quinalt absolut keine Ahnung hat, was er mit der Magie und den Grenzen der Wirklichkeit anstellt: Er öffnet den Schatten aus dem Zwischenreich den Weg ins Diesseits. Tristen muss an sich halten, um nicht laut zu protestieren.

Während der Ausbruch des Krieges mit Ninévrises Gegnern näher rückt, weiß König Cefwyn, dass er sich nicht dazu zwingen lassen darf, zwischen seinem Freund Tristen und seiner Braut zu wählen. Nur Tristen besitzt die Macht, König und Königreich vor der sicheren Vernichtung durch die Feinde zu bewahren. In einer dramatischen Szene gelingt es Cefwyn, den Heiligen Vater derartig unter Druck zu setzen, dass dieser von nun an nicht mehr gegen ihn opponiert. Zugleich vollführt Cefwyn einen Geniestreich aus, indem er Tristen zum Herzog von Amefel einsetzt. Damit Hat Tristen nicht nur eine offizielle Aufgabe im Krieg gegen die Elwynor-Rebellen, sondern kann auch den Vizekönig in Amefel ablösen, dessen Loyalität Cefwyn nicht gewiss erscheint.

Wie sich herausstelt, kommt Tristen keine Minute zu früh, als er nach einem Gewaltritt mitten in der Nacht die Burg von Henas Amef erreicht. Amefel-Rebellen haben sie eingenommen und wollen den Vizekönig vertreiben. Ist auch hier die Hexerei der Elwynor-Rebellen am Werk?

Mein Eindruck

Wie schon in „Fortress in the Eye of Time“ beginnt die richtige Action erst in der zweiten Hälfte des Buches und zwar, nachdem Tristen Guelemara zusammen mit dem Ex-Zauberer Emuin verlassen hat. Die Action betrifft die Erstürmung von Burg Zeide in Henas Amef und prunkt mit rasanten Gefechten, der hektischen Suche nach dem Rädelsführer und mehreren tragischen Szenen. Darunter ist nicht nur die letzte Missetat der verbannten Aswydd-Herzöge, sondern auch ein ruchloses Massaker an wehrlosen Gefangenen.

Als Abschluss gelingt Tristen ein listiges Manöver, in dessen Verlauf er dem verjagten Vizekönig einen Brief abjagt, das diesen als Komplizen in der Verschwörung der nördlichen Barone gegen den König bloßstellt. Sofort schickt Tristen einen Kurier los, um Cefwyn dieses wichtige Dokument des Verrats zu überbringen. Es erreicht den König im denkbar günstigsten Augenblick.

Amefel ist eine völlig andere Umgebung als das zentrale Guelemara. Hier reden die Leute völlig anders und haben absolut kein Problem mit Zauberei. Deshalb heißt die allgemeine Bevölkerung die Rückkehr des Lord Sihhe jubelnd willkommen. Doch Tristen grübelt mir Recht darüber nach, wie es überhaupt zur Rebellion eines Amefel-Grafen kommen konnte und mit wem dieser sich verbündet hatte. Die Antwort liegt praktisch auf der Hand: mit den Elwynor-Rebellen um Tasmôrden, der die Regentin stürzen will.

Doch warum wurde der König bzw. Tristen nicht rechtzeitig von der Vorbereitung der Rebellion unterrichtet, fragt sich Tristen in einem ruhigen Moment. Er geht in den grauen Ort, eine Art telepathischer Hyperraum, und befragt den Sohn des Rädelsführers. Schnell hat er herausgebracht, wer den König hintergegangen hat. Das führt zu weiteren Konsequenzen. Tristen aber hat sich als fähiger Herzog über Amefel erwiesen und erwirbt sich großen Respekt sowohl unter der Bevölkerung als auch unter den Grafen.

Verwandte Werke

Tristen ist, wie gesagt, ein Wahrheitsfinder. Sein Schwert trägt auf der einen Seite die Inschrift „Wahrheit“, auf der anderen Seite der Klingen ist „Illusion“ eingraviert. Diese wahrheitsfindende Funktion des Schwertes erinnert jeden Fantasyfreund natürlich an „Das Schwert der Wahrheit“ von Terry Goodkind. Allerdings haben die Helden dieses Romanzyklus, Richard und seine Frau Kahlan, ganz andere Probleme als Tristen und Cefwyn. Auch ist die Magie völlig anders geartet. Aber es geht stets auch um Wahrheit und Täuschung.

Hinsichtlich des Realismus in einer höfischen und ritterlichen Umgebung lässt sich „Fortress“ am ehesten mit Stephen R. Donaldsons Doppelroman „Mordants Not“ vergleichen. Darin verschlägt es die junge Terisa an einen Königshof, der voller labyrinthischer Intrigen steckt und sich einem drohenden Krieg mit einem Nachbarreich gegenübersieht. Ähnlich verhält es sich so auch in Cherryhs erstem und zweitem „Fortress“-Roman.

Die Namen im „Fortress“-Zyklus, die der walisischen Tradition entspringen, erinnern mich an Cherryhs Doppelroman „Der Baum der Schwerter und Juwelen“ (The Dreaming Tree), in der auch Arafel, die letzte Elbin, ebenfalls eine Rolle als Macht und Retterin spielt. Die Magie in „Fortress“ ist von höchst zweifelhafter Natur, weil vom Feind missbraucht. Diese Art düsterer Zauberei findet sich in Cherryhs einzigem Dark-Fantasy-Roman „Faery in Shadow“ wieder. Alle erwähnten Werke habe ich besprochen.

Vielleicht sind Cherryh auch die Deryni-Romane von Katherine Kurtz untergekommen. Parallelen dazu sind jedenfalls ebenso unübersehbar. Doch vielen dieser Vorgänger (außer Kurtz) fehlt es an der detaillierten Beschreibung der Welt, in der das Geschehen spielt. Keiner schreibt so glaubwürdig wie Cherryh.

Unterm Strich

In diesem Band des Zyklus muss Cefwyn erst gezwungen werden, sich von Tristen zu trennen, zumindest geografisch, bevor es zu ordentlicher Action kommen kann. Die klare Zweiteilung des Bandes ist völlig in Ordnung, denn das war ja schon im ersten Band so, doch der Leser muss eben in der ersten Hälfte ein wenig Geduld aufbringen. Dann erst geht es richtig zur Sache.

Das Ergebnis von Tristens entschlossenen und klugen Aktionen kommt auch seinem Freund, dem König, im denkbar günstigsten Augenblick zugute, nämlich dann, als einer der Nordbarone Genugtuung für seinen Sohn verlangt, den Cefwyns treuer Gefolgsmann Cevulirn, ein Südbaron, im Duell getötet hat. Fortan ist durch Tristens Hilfe vor weiteren unverschämten Forderungen der Nordbarone gefeit und kann die Schritte tun, die er schon lange pant. So etwa seine Heirat mit der geliebten Regentin Elwynors.

Wie in einem formelgerechten Ritterroman schließt daher auch „Fortress of Eagles“ (gemeint ist die Burg von Henas Amef) mit einer strahlenden Hochzeit und einem Kuss für die Braut. Augenzwinkernd hat die Autorin diese Szene allerdings so kurz wie möglich beschrieben. Auf diese Weise wiederholt sie nicht das sattsam bekannte Klischee.

Alle Titel der Fortress-Serie werden inzwischen auf Plattformen wie Amazon.de für nur wenige Euro angeboten. Das ist ein gutes Zeichen, dass sie besonders beliebt sind. leider gibt es immer noch keine deutsche Übersetzung, soweit ich weiß.

Hardcover: 335 Seiten
Sprache: Englisch

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