Crichton, Michael – Sphere – Die Gedanken des Bösen

Seit „Timeline“ und „Jurassic Park“ gehört Michael Crichton sicherlich zu den großen amerikanischen Schriftstellern verfilmbarer Belletristik. Seine Bücher sind meist wissenschaftlich angehaucht und dabei lehnt Crichton, der selbst Medizin und Philosophie studiert hat, sich oft weit aus dem Fenster mit seinen pseudowissenschaftlichen Spekulationen.

„Die Gedanken des Bösen“ ist bereits mit Dustin Hoffman, Sharon Stone und Samuel L. Jackson in den Hauptrollen in „Sphere“ mehr oder weniger gut verfilmt worden. Zu Beginn lernt der Leser den dreiundfünfzigjährigen Psychologieprofessor Norman Johnson kennen, der zu einem vermeintlichen Flugzeugabsturz gerufen wird. In seiner Funktion als Psychologe muss er häufiger an solchen Katastrophenorten die Überlebenden psychologisch betreuen. Doch dieses Mal scheint die Situation eine andere zu sein, denn Norman hat nichts von einem Flugzeugabsturz vernommen. Mit einem Hubschrauber wird er an eine Stelle im Südpazifik zwischen Samoa und den Fidschi-Inseln gebracht, wo einige Navy-Schiffe versammelt sind. An Bord eines der Schiffe wird Norman mit Captain Barnes bekannt gemacht, der die Leitung über die geheime Aktion hat. Was ist eigentlich passiert?

Barnes fragt Norman zu seiner Abhandlung aus, die er einst für den Fall der Begegnung mit Außerirdischen verfasst hat. In dieser Abhandlung hat Norman ein optimales Team aus verschiedenen Wissenschaftlern zusammengestellt, die für eine Begegnung mit Außerirdischen am besten gewappnet wäre und diesen Wissenschaftlern sieht Norman sich plötzlich gegenüber, denn angeblich wurde in der Tiefe des Meeres ein außerirdisches Raumschiff gefunden, das das Team nun zusammen erkunden soll. Warum wird der Fund allerdings so geheim gehalten, wenn tatsächlich die sensationelle Entdeckung eines außerirdischen Objektes gemacht wurde?

Norman begibt sich zusammen mit den anderen Wissenschaftlern Beth, Harry und Ted in die Tiefe. Bei der Erkundung des Raumschiffes entdeckt das Team eine riesige Kugel, die sich leider nicht öffnen lässt. Was verbirgt diese Kugel? Und für welchen Zweck wurde das Raumschiff gebaut? Die Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel und versuchen mit allen Mitteln, die Kugel zu öffnen, doch Harry ist derjenige, der es schafft und in die Kugel verschwindet, bevor diese sich wieder verschließt. Als Harry einige Stunden später wieder heraustritt, ist er verwirrt und verändert, auf Norman und Ted wirkt er manisch, außerdem behauptet er, dass er sich nicht mehr an die Vorgänge im Inneren erinnern könne. Verbirgt Harry etwas vor den anderen? Kurz nach Harrys Rückkehr aus der Sphäre erhalten die Wissenschaftler eine verschlüsselte Nachricht auf den Monitor, die sie zusammen entschlüsseln können. Wer nimmt dort Kontakt mit ihnen auf? Ist es ein Wesen aus der Kugel? Plötzlich ist das Unterwasserhabitat von fremdartigen Lebewesen umzingelt und wird von einem Riesenkalmar angegriffen, der das Raumschiff zu zerstören droht.

Die Geschichte klingt auf den ersten Blick sehr interessant und mysteriös, denn was übt eine größere Faszination auf die Menschheit aus, als die Aussicht auf den Kontakt zu außerirdischen Lebewesen? Doch was sich in der Kugel tatsächlich verbirgt, das bleibt dem Leser zunächst vorenthalten. Crichton ist sich selbst bei diesem Buch wieder treu geblieben, er schreibt kurze und knappe Sätze und Kapitel, um seine Leser gefangen zu halten. Langsam aber sicher wird die Spannung aufgebaut, da der Leser immer begieriger darauf wird zu erfahren, was es mit dem entdeckten Raumschiff tatsächlich auf sich hat und welche Mächte in der Kugel stecken.

Crichtons Bücher sind oft wissenschaftlich angehaucht und erhalten dadurch einen besonderen Reiz. Leider schreibt Crichton oft über Dinge, von denen er offenkundig keine Ahnung hat, denn ein Naturwissenschaftler würde nie eine ganze Garnele unter ein Elektronenmikroskop halten und mit dem Auge durch das Okular schauen, Crichton verwechselt an dieser Stelle leider das Elektronenmikroskop mit einem normalen Lichtmikroskop. Seine Bücher würden mehr Glaubwürdigkeit erhalten, wenn sie an mancher Stelle etwas intensiver recherchiert gewesen wären.

Nichtsdestotrotz versteht Crichton es, seine Leser zu packen und in fremde Welten zu entführen. Durch seine mysteriösen Geschichten und die Gefahren, in die sich seine Hauptcharaktere begeben müssen, wird der Leser an das Buch gefesselt, da er endlich das Geheimnis der Kugel entschlüsseln möchte. Abgesehen von den wissenschaftlichen Fachbegriffen ist Crichtons Sprache einfach zu verstehen und dadurch, dass seine Sätze kurz gehalten werden, erscheint das Buch recht kurzweilig. „Die Gedanken des Bösen“ wird durch die simple Sprache und die kurzen Kapitel zu einem schnellen und flüchtigen Leseerlebnis, das schnell in Vergessenheit gerät, wenn das Buch erst einmal ausgelesen ist. Crichton gelingt es zwar, etwas Spannung in seinem Buch aufzubauen, doch bleibt seine Sprache dabei so einfach und nüchtern, dass er damit leider keinen Eindruck mehr schinden kann.

In seiner Beschreibung konzentriert sich Crichton auf die Person des Norman Johnson, der zwar nicht aus der Ich-Perspektive erzählt, aber dennoch klar im Mittelpunkt des Buches steht. Über ihn erfährt der Leser etwas mehr als über die anderen Expeditionsteilnehmer, da er Zugang zu Normans Gedanken erhält. Am Rande erhalten auch Beth und Harry etwas mehr Gewicht, alle anderen Charaktere bleiben im Hintergrund, der Leser erfährt gar nichts über ihren Hintergrund oder ihre Gedanken. Ich finde es etwas schade, dass Crichton seinen Charakteren meist so wenig Gewicht verleiht, dass der Leser sich nicht in sie hineinversetzen und mit ihnen fühlen kann. Denn wenn die Wissenschaftler hier in Lebensgefahr durch den Kalmar geraten, lässt uns das überraschend kalt, da die persönliche Beziehung zu den Protagonisten fehlt.

Insgesamt ist das Buch wesentlich besser gelungen als der Film, da es näher auf die Faszination, die die Kugel auf die Wissenschaftler ausübt, eingehen kann und bestimmte Phänomene detaillierter beschrieben werden. Am Ende gelangt Norman zu einer Theorie, die die Vorgänge im Raumschiff erklären soll, doch wie er zu dieser Theorie gelangt, wird nur im Buch genauer erklärt.

Nach der Lektüre hatte ich das Gefühl, dass Michael Crichton langsam die Ideen ausgehen, denn vom Aufbau der Geschichte her weist sein neuestes Werk „Beute“ große Ähnlichkeiten zu „Die Gedanken des Bösen“ auf, denn auch hier sind Wissenschaftler eingeschlossen und müssen auf sich alleine gestellt großen Gefahren trotzen und auch das vermeintlich sichere Habitat verlassen, obwohl draußen der Tod durch unbekannte Wesen lauern könnte.

Mich persönlich konnten „Die Gedanken des Bösen“ nicht fesseln und begeistern, da mir einmal der eher schlechte Film in Erinnerung war und mir Crichtons Bücher insgesamt zu ähnlich sind. Ich habe erst drei seiner Werke gelesen, doch selbst damit konnte ich klare Parallelen erkennen, die mich davon zurückhalten, in nächster Zeit ein weiteres Buch von Michael Crichton in die Hand zu nehmen und zu lesen. Ich würde mir wünschen, dass Crichton seinen Charakteren mehr Farbe verleiht und sich mit seinen wissenschaftlichen Behauptungen nicht zu sehr aus dem Fenster lehnt. Leider ist dem Autor mit diesem Buch kein großer Wurf gelungen, „Die Gedanken des Bösen“ unterhält zwar recht gut, hebt sich aber nicht vom Durchschnitt ab.