Dark, Jason; Döring, Oliver – John Sinclair – Im Jenseits verurteilt (Folge 57, Hörspiel)

_Perfide: Entführung ins Labyrinth der Angst_

„Geisterjäger“ John Sinclair ist Oberinspektor in einer Sonderabteilung von Scotland Yard, die sich mit übersinnlichen Fällen befasst. Sinclair wird von einem Kreuz beschützt und gewarnt, das vom Propheten Hesekiel selbst stammt. Zur doppelten Sicherheit trägt er auch eine Beretta-Pistole mit sich, die mit Silberkugeln geladen ist. Werwölfe und ähnliches Gelichter mögen so etwas gar nicht. Heißt es.

Folge Nr. 57 entspricht dem Band 197 der Bastei-Romanserie und wird in Folge 58 abgeschlossen.

Die Hörspiele dieser Reihe sind Vertonungen der gleichnamigen Bastei-Heftserie. Mit der Folge 50 feierte die Hörspielreihe ein Jubiläum. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab einem Alter von 16 Jahren.

_Handlung_

|PROLOG|

Kara ist zusammen mit dem Zauberer Myxin in die Schattenwelt der Vorhölle eingedrungen und hat sich einen der dort hausenden Dämonen geschnappt. Sie schüttelt und würgt das bedauernswerte Wesen, bis es herausrückt, was sie wissen will: Er diene dem Spuk, der sich mit Asmodina, der Tochter Satans, zusammengetan habe, um den Fürsten der Hölle zu stürzen. Eine große Schlacht werde vorbereitet, doch noch seien paar Vorbereitungen zu treffen. So etwa warte man auf die Ankunft von Morasso, dem Anführer der Mord-Liga, und dem Spuk helfen soll. Morasso wiederum habe einen Helfer, einen Menschen. Und sie hätten es wiederum auf den Sohn des Lichts abgesehen. Der Dämon hat seine Schuldigkeit getan: er explodiert. Kara und Myxin müssen sich beeilen, um John Sinclair, besagten Sohn des Lichts zu warnen. Er könnte zwischen die Fronten geraten …

|Haupthandlung|

John Sinclairs Sekretärin Glenda Perkins wird aus einem Londoner Ladengeschäft entführt und in einen finsteren Keller gebracht, wo sie sich ausziehen soll. Sie befürchtet bereits, vergewaltigt zu werden, als ihr Retter naht: Rick Hunter. Er macht den Finsterling u8nschädlich und bringt Glenda hier raus. Sie bemerkt nicht, dass er verwundet ist und schwarzen Sirup blutet …

John Sinclair hat bemerkt, dass Glenda verschwunden ist. Ihr Entführer ist Bonzo, ein Handlanger von Logan Costello. Als Sir Powell den Londoner Gangster zu sich zitiert, meint Costello, Bonzo habe sich aus seiner Organisation ausgeklinkt. Powell droht, Morasso zu benachrichtigen, was Costello gleich ins Schwitzen bringt. Binnen einer halben Stunde liefert Costello den Namen des Mittelsmannes, dessen Auftraggeber Bonzo auf Glenda gehetzt haben: Rick Hunter.

John Sinclair konsultiert Kara und Myxin, um sich mit ihnen über die Hintergründe der Ereignisse zu beraten. Glenda ist unerreichbar, was John besorgt werden lässt. Als Kara ihm von Rick Hunter erzählen, wächst seine Besorgnis noch: Hunter arbeitet für den Spuk, der in der Hölle haust. John und Kara können Hunter nur dann herbeibeschwören, wenn er bereit ist, etwas dafür zu geben. John bietet einen geweihten silbernen Nagel.

Mit ihrem goldenen Schwert öffnet Kara das Tor der Dimensionen und ruck, zuck sind die drei in einer alten, von Damona entweihten Kapelle, die mit satanistischen Symbolen geschmückt ist. Hier zieht Kara einen Schutzkreis, den keiner der drei verlassen darf, will er sich nicht der Hölle preisgeben. Dann beschwört sie Rick Hunter herbei, den Wanderer zwischen den Welten …

Unterdessen ist Johns Freundin Jane Collins, die Reporterin, auf einer heißen Fährte. Sie ist einem Ring von Betrügern aus der Geldwäscherszene auf die Spur gekommen. Die Briefkastenfirma Scotts Enterprises entpuppt sich als Tarnfirma von Logan Costello und bezieht Geld von Morasso. Dies zumindest beteuert ihr Gewährsmann Rick Hunter. Als er ihr zu schnell und zu stur fährt, verlangt sie, er solle anhalten. Doch statt zu gehorchen rast er in eine Sackgasse und direkt in eine Mauer, genau wie mit Glenda Perkins. Rick lacht, als die Mauer verschwindet – und sich dahinter die Hölle auftut …

_Mein Eindruck_

Man kann nicht behaupten, dass diese Doppelfolge simpel gestrickt wäre. Gleich drei Handlungsstränge sind zu verfolgen, erst der von Glenda Perkins, dann der von John Sinclair und schließlich der von Jane Collins. Das sorgt für jede Menge Abwechslung und für eine spannende Szene nach der anderen. Glenda steht kurz vor ihrer Vergewaltigung, wie es scheint, wird aber gerettet. Ebenfalls für ordentlichen Thrill sorgen ihre unheimlichen und gruseligen Abenteuer im Labyrinth der Angst, das der Spuk gebaut hat, um sich an der Angst seiner Opfer zu laben. Hier hausen menschenfressende Dämonen, und Glenda hat, ebenso wie später Jane Collins, nichts zu lachen.

Der Hintergrund des Geschehens wird gleich im Prolog erklärt: Asmodina und der mysteriöse Spuk schicken sich an, Satan vom Thron zu stoßen – gar nicht nett vom lieben Töchterlein, oder? Der Spuk ist eine mir neue Gestalt im Universum des John Sinclair. Dass er so übel ist wie Asmodina und Morasso, zeigt sich schon bald am Schicksal von Glenda und Jane. Mit Rick Hunter gebietet er über einen halb menschlichen Diener, der ihm seine Opfer herbeischafft.

Natürlich haben alle es auf John Sinclair abgesehen. Doch wird sich John in die aufgestellte Falle locken lassen, um Glenda und Jane zu retten? Das soll hier nicht verraten werden. Zumindest macht es ihm Asmodina äußerst schwer, die Nerven zu behalten, als sie ihm seinen Verrat an der verstorbenen Nadine Berger vorwirft. Wegen Nadine, seiner heimlichen Liebe, hat John immer noch schwere Schuldgefühle – ein Schwachpunkt, denn die Kreaturen der Hölle stets auszunutzen wissen. So auch diesmal …

_Der Autor_

Der unter dem Pseudonym „Jason Dark“ arbeitende deutsche Autor Helmut Rellergerd ist der Schöpfer des Geisterjägers John Sinclair. Am 13. Juli 1973 – also vor 37 Jahren – eröffnete der Roman „Die Nacht des Hexers“ die neue Romanheft-Gruselserie „Gespenster-Krimi“ aus dem Hause Bastei. Inzwischen sind über 1700 „John Sinclair“-Romane erschienen, die Gesamtauflage der Serie beträgt laut Verlag über 250 Millionen Exemplare.

_Der Produzent_

Oliver Döring, Jahrgang 1969, der seit 1992 ein gefragter Allrounder in der Medienbranche ist. „Als Autor, Regisseur und Produzent der ‚John Sinclair‘-Hörspiele hat er neue Maßstäbe in der Audio-Unterhaltung gesetzt und ‚Breitwandkino für den Kopf‘ geschaffen“, behauptet der Verlag. Immerhin: Dörings preisgekröntes Sinclair-Spezial-Hörspiel „Der Anfang“ hielt sich nach Verlagsangaben wochenlang in den deutschen Charts.

Buch und Regie: Oliver Döring
Realisation: Patrick Simon
Tontechnik und Schnitt: ear2brain productions
Hörspielmusik: Christian Hagitte, Simon Bertling, Florian Göbels
Produktion: Alex Stelkens (WortArt) und Marc Sieper (Lübbe Audio)

Mehr Infos gibt es unter: [www.sinclair-hoerspiele.de]http:// www.sinclair-hoerspiele.de
und [www.wortart.de]http:// www.wortart.de (ohne Gewähr)

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Frank Glaubrecht spricht den Geisterjäger himself und ist die deutsche Stimme von Al Pacino.
Joachim Kerzel, die deutsche Stimme von Jack Nicholson und Dustin Hoffman, spricht den Erzähler.
Suko: Martin May
Jane Collins: Franziska Pigulla
Sir James Powell: Karlheinz Tafel
Glenda Perkins: Ilya Welter
Sheila Collins: Daniela Hoffmann (Stimme von Julia Roberts)
Myxin: Eberhard Prüter
Kara: Susanna Bonaséwicz
Asmodina: Martina Treger
Spuk: Boris Tessmann
Maddox: Walter Gontermann
Rick Hunter: Philipp Schepmann
Logan Costello: Bernd Vollbrecht
Bonzo Pagonetta: Raimund Krone
Ansage: Fred Bogner

Die Macher der „Geisterjäger“-Hörspiele suchen ihren Vorteil im zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb der Hörbuchproduktionen offensichtlich darin, dass sie dem Zuhörer nicht nur spannende Gruselunterhaltung bieten, sondern ihm dabei auch noch das Gefühl geben, in einem Film voller Hollywoodstars zu sitzen. Allerdings darf sich niemand auf vergangenen Lorbeeren ausruhen: bloßes Namedropping zieht nicht, und So-tun-als-ob ebenfalls nicht.

Die Sprecher, die vom Starruhm der synchronisierten Vorbilder zehren, müssen selbst ebenfalls ihre erworbenen Sprechfähigkeiten in die Waagschale werfen. Zum Glück tun Pigulla, Kerzel, Glaubrecht und Co. dies in hervorragender und glaubwürdiger Weise. Statt gewisse Anfänger zu engagieren, die mangels Erfahrung bei den zahlreichen emotionalen Szenen unter- oder übertreiben könnten, beruht der Erfolg dieser Hörspielreihe ganz wesentlich darauf, dass hier zumeist langjährige Profis mit schlafwandlerischer Sicherheit ihre Sätze vorzutragen wissen.

Übertriebene Ausdrucksweisen heben die Figuren in den Bereich von Games- und Comicfiguren. Das kann bei jugendlichen Hörern ein Vorteil sein. Die Figuren schreien wütend, fauchen hasserfüllt oder lachen hämisch. Besonders unheimlich ist die Darstellung des Spuk, eines wirklich mächtigen Dämons. Leider erfahren wir rein gar nichts über seine Herkunft und Entstehung. Auch alle anderen Figuren muss der Hörer bereits kennen, um sie zuordnen zu können.

|Geräusche|

Die Geräusche sind genau die Gleichen, wie man sie in einem halbwegs realistischen Genre-Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Schlüsselszenen recht stimmungsvoll aufgebaut. Insbesondere die Szenen in der Hölle sind stilecht mit viel Hall und Donner aufgebaut. Auch ein Energiezischen kommt mal vor, und dass Schreie obligatorisch sind, versteht sich von selbst. Schließlich ist dies hier die Hölle und kein Kindergeburtstag (obwohl gestressten Eltern der Unterschied wirklich nur minimal erscheinen mag).

|Musik|

Die Musik gibt ziemlich genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und leitet in den kurzen Pausen bzw. Übergängen gleich zur nächsten Szene über. Sie wurde von einem Orchester eingespielt, und so entsteht der Eindruck, die Begleitmusik zu einem alten Hollywood- oder British-Horror-Movie zu hören.

Stets gibt die Musik genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit einem klassischem Instrumentarium produziert. Mit einer einzigen Ausnahme: Die Titelmelodie der Serie erschallt in einem hämmernden Rock-Rhythmus aus den Lautsprecherboxen. Sehr sympathisch.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Booklet etc.|

… enthält im Innenteil Angaben über die zahlreichen Sprecher und die Macher. Darunter weist der Verlag auf den offiziellen JOHN-SINCLAIR-Song „CAIN – Age of Darkness“ hin, der „auf allen bekannten Musik-Downloadportalen“ zur Verfügung stehe.

_Unterm Strich_

Diese Folge ist der Auftakt zu einer komplex angelegten Doppelfolge. Nach einem Start in den Londoner Gefilden des Diesseits folgt eine schrittweise Verlagerung in die höllischen Regionen, vor allem ins Labyrinth der Angst des Spuks. Diese dämonische Figur wird in der Serie meines Wissens neu eingeführt, entbehrt aber keineswegs der höllischen Zutaten, wie etwa Grausamkeit, Hinterlist und Schadenfreude.

Glenda Perkins und Jane Collins haben nichts zu lachen und können nur hoffen, von John Sinclair gerettet zu werden. Aber kann es John mit Asmodina und dem Spuk gleichzeitig aufnehmen, fragt sich der Hörer. Die Antwort erfolgt hoffentlich in der Fortsetzung. Auch die Frage nach der Herkunft und Entstehung des Spuks wird bang erwartet, und auch die Figur des Rick Hunter gibt etliche Rätsel auf – eine weitere unvermittelt eingeführte Figur. Das lässt leider den Schluss zu, dass diese Doppelfolge vor allem für jene begierigen Leser geeignet ist, die kein Heft der Serie um John Sinclair verpasst hat.

|Das Hörspiel|

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Die Action kommt niemals zu kurz, was die Game-Freunde doch einigermaßen zufriedenstellen sollte.

|Audio-CD mit ca. 56 Minuten Spieldauer
ISBN-13: 978-3785742372|

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