Peter Straub – Haus ohne Türen. Horror-Storys

Das Haus des Wahns

Straubs Romane wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 1989 und 1993 mit dem World Fantasy Award für „Koko“ als bestem Roman, dem British Fantasy Award und dem Bram Stoker Award. 2010 erhielt er den World Fantasy Award für sein Lebenswerk. Aber auch seine Novellen und Kurzgeschichten können sich sehen (und lesen) lassen. Mit „Haus ohne Türen“ liegt seine erste Storysammlung auf Deutsch vor.

Der Autor

Peter Straub zählt neben Stephen King, John Saul und Dean Koontz zu den herausragenden amerikanischen Horror-Autoren. Er wurde in Milwaukee, Wisconsin (wo viele deutsche Auswanderer wohnten), geboren und lebte ein Jahrzehnt lang in England und Irland. Seine Bücher sind in viele Sprachen übersetzt worden und hatten 1994 eine Weltauflage von 10 Millionen bereits weit überschritten. Heute lebt er mit seiner Frau auf einer Farm in Connecticut.

Zusammen mit Stephen King schrieb er „Der Talisman“ und dessen Fortsetzung „Das schwarze Haus“. Seine eigenen Romane sind ebenfalls – meistens – bei Heyne erschienen:

Romane

Der Talisman. („The Talisman“). Hoffmann & Campe 1986, ISBN 3-453-02523-7 (zusammen mit Stephen King).
Julia. Ein unheimlicher Roman. („Julia“). 7. Aufl. Heyne, München 1991, ISBN 3-453-02328-5.
Koko. Roman. („Koko“). 5. Aufl. Heyne, München 1992, ISBN 3-453-00373-X.
Mystery. Roman. („Mystery“). Heyne, München 1992, ISBN 3-453-06105-5.
Die fremde Frau. Roman. („Marriages“). Heyne, München 1992, ISBN 3-453-00292-X.
Wenn Du wüsstest. Psychothriller. („If You Could See Me Now“). 4. Aufl. Dtv, München 1996, ISBN 3-423-12052-5.
Reise in die Nacht. Roman. („The Hellfire Club“). Heyne, München 1997, ISBN 3-453-13649-7.
Schattenbrüder. („Mr. X“). Heyne, München 2001, ISBN 3-453-17754-1 (abweichender Titel „Mr. X“).
Der Hauch des Drachen. Roman. („Floating Dragon“). Heyne, München 2003, ISBN 3-453-87351-3.
Schattenland. Roman. („Shadowland“). Heyne, München 2004, ISBN 3-453-87958-9.
Das schwarze Haus. („Talisman II – Black House“). Heyne, München 2002, ISBN 3-453-87370-X (zusammen mit Stephen King).
Das geheimnisvolle Mädchen. Roman. („Under Venus“). 8. Aufl. Heyne, München 2005, ISBN 3-453-09967-2.
Geisterstunde. Roman. („Ghost Story“). Heyne, München 2005, ISBN 3-453-56501-0.
Der Schlund. („The Throat“). Heyne, München 1993, ISBN 3-453-56503-7.
Magic Terror. Roman. („Magic terror“). Pavillon-Verlag, München 2006, ISBN 978-3-453-77089-8.
Haus der blinden Fenster. Roman. („Lost Boy Lost Girl“). Heyne, München 2008, ISBN 978-3-453-43306-9.
Schattenstimmen. Roman. („In the Night Room“). Heyne, München 2008, ISBN 978-3-453-72181-4.
Okkult. Roman. („A dark matter“). Heyne, München 2012, ISBN 978-3-453-43590-2.

Die Storysammlung „Magic Terror“ ist ebenfalls sehr zu empfehlen.

Sammelbände

5 Stories. Borderlands Press, Baltimore, Md. 2008, ISBN 978-1-880325-03-2.
Haus ohne Türen. Kurzgeschichten. („Houses Without Doors“). Heyne, München 1994, ISBN 3-453-07551-X.
Magic Terror. Stories. („Magic Terror“). Heyne, München 2000, ISBN 3-453-17408-9.
Wild Animals. Three novels. Putnam, New York 1984, ISBN 0-399-13013-6 (Inhalt: „Under Venus“, „If you could see me now“ und „Julia“).

Inhalt

Vier Novellen und neun Kurzgeschichten:

1) „Kleine Tour durch die Stadt“
2) „Mrs God
3) Die blaue Rose
4) Der Wacholderbaum
Und weitere.

Mein Eindruck

Mit den Erzählungen der Sammlung „Haus ohne Türen“ dringt Straub in neue, beklemmende Dimensionen der Wirklichkeit vor – und das blanke Entsetzen lauert dort, wo es der Leser am wenigsten erwartet. Ich erinnere mich noch sehr deutlich jenes längst vergangenen Tages, als ich die Geschichte „Die blaue Rose“ las. Mit größter Abscheu legte ich das Buch zur Seite und dachte: „Das ist ja die größte Perversion, von der ich je gelesen habe!“ Peter Straub hätte sich über meine Reaktion sicherlich sehr gefreut. Mit dieser Vorstudie zu seinem Roman „Koko“ präsentierte er „das faszinierend realistische Psychogramm einer Bluttat unter Geschwistern“ (Verlagsinfo).

Wer den Vietnam-Roman „Koko“ gelesen hat, wird Tim Underhill wieder als Autor von „Die blaue Rose“, „Der Wacholderbaum“ und „Kleine Tour durch die Stadt“ wiedererkennen und sich auf das Schlimmste gefasst machen. In den vier Novellen und neun mitunter sehr kurzen Stories blickt der Autor hinter die vermeintlich makellose Fassade des Alltäglichen und entdeckt finsterste Abgründe.

Kindheits- und Kriegstraumata – der Autor hatte als Kind eine Nahtoderfahrung – nisten wie Krebsgeschwüre in den Seelen der Menschen; die Angst vor dem anderen Geschlecht, der Besuch in einer düsteren alten Bibliothek oder nur die flüchtige Begegnung auf der Straße reichen aus, um die jeweiligen Protagonisten in „Häuser ohne Türen“ zu locken.

Die amerikanische Dichterin Emily Dickinson schrieb die Vorlage für das Zitat: „Unheil wohnt im Haus ohne Türen.“ Niemand entkomme daraus. Mit virtuoser Meisterschaft schildert Straub Situationen, deren Folgen alles grundlegend verändern, unwiderruflich.

Unterm Strich

Die Stories und Novellen in „Haus ohne Türen“ sind mitunter packender und erschreckender als so manches, was Stephen King an Alpträumen niedergeschrieben hat. Und es ist weit besser erzählt. Sehr empfehlenswert für den, der ausreichend starke Nerven hat.

Taschenbuch: 448 Seiten
Originaltitel: Houses without doors, 1990;
Aus dem Englischen von J. Körber und A. Brandhorst
ISBN-13: 9783453075511

www.heyne.de

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