Sonnleitner, Marco (Autor) / Minniger, André – Die drei ??? – Im Netz des Drachen (Folge 156) (Hörspiel)

_Zur Story_

Auf dem Rückweg von einem Cliff-Diver-Event, zu ihrem geparkten Wagen, entschließen sich die drei Fragezeichen eine vermeintliche Abkürzung durch einen Pinienwald zu nehmen. Dort vernehmen sie einen panischen Schrei, ausgestoßen von einer flüchtenden Frau, die behauptet oben auf der Kuppe des Hügels ein Monster gesehen zu haben. Neugierig, wie die drei Detektive nun mal sind, beschließen sie der Sache doch mal nachzugehen – auch wenns inzwischen schon stark dämmert. Alsbald stehen sie vor einem riesigen Anwesen, das vollkommen auf Mittelalter getrimmt zu sein scheint – und: Es ist von einem Zaun von spitzen Speeren umgeben. Als Bob sich ein wenig schmal macht und durch die dahinter liegende, dichte Hecke späht, wird er von einem zotteligen Arm gepackt, zu dem auch scharfe Krallenhände und ein Paar unheimlich funkelnder Augen gehören. Nur mit Mühe kann er sich dem Griff entwinden.

Der Schock sitzt den Detektiven immer noch in den Knochen, als sie sich am nächsten Morgen aufmachen, diesen Angriff dem örtlichen Sheriff zu melden. Der jedoch sieht das Ganze gelassen und verrät, dass, seit der geniale, aber schwer kranke, Spiele-Programmierer Stephen Baron sich aus seinem Domizil „Dragoncourt“ zurückgezogen habe und es zum Verkauf stünde, es gelegentlich derartige Vorfälle gäbe, die er aber nicht weiter zu verfolgen gedenkt. Offenbar treiben sich dort lediglich ein paar besonders glühende Fans des Online-Adventures „Land der Drachen“ herum. Um Genaueres zu erfahren wenden sie sich an die Stiftung, welcher der Verkaufserlös zukommen soll. Verwalter Holbrooke ist nicht besonders glücklich über die Vorkommnisse und engagiert die drei Detektive herauszufinden, wer sich da auf dem Gelände herumtreibt und warum. Vor Ort sind die Parallelen zwischen Onlinespiel und realer Welt dermaßen augenfällig, dass es eine Bedeutung haben muss. Und was hat es mit dem Brief des „Schwarzen Ritters“ auf sich?

_Eindrücke_

Urheber der Geschichte ist Marco Sonnleitner, der, wenn er nicht gerade wieder mal Fußballfälle bastelt, immer auch für einen Schuss Mystery bei den „Drei ???“ gut ist und dabei auch oft recht originelle, wie aktuelle Themen aufgreift. Ersteres muss man in diesem Fall etwas verneinen, denn eine Online-Story hatten wir mit „Vampir im Internet“ schon mal in ähnlicher Form. Aktualität jedoch ist sicherlich vorhanden und so mancher wird sich an den Hype von „WoW“ & Konsorten erinnert fühlen. Queste, Avatare und der ganze Klimbim halt. Der Clou ist eben die Analogie zwischen den Recherchen in der Spielwelt und denen in der Realität – das gab’s so allerdings noch nicht und stellt eine interessante Spielart dar. Eher üblich ist hingegen die Verwendung eines (wie immer) ziemlich verschwurbelten Rätsels als zusätzlicher Antrieb für den Plot und Daseinsberechtigung für Schlaumeier Justus‘ Klugscheißerei.

Solcherlei Elemente kennt man inzwischen genügend und obwohl Serienklischees ja bedient werden müssen und sollen, ist das inzwischen ziemlich abgegriffen. Zudem geht der Hörspielfassung – dank André Minningers onmipräsenten Rotstiftes, der die Vorlage stets auf ein fürs Klientel erträgliches Maß zurechtstutzen muss – so mancher Handlungsstrang und einige Details ab, mit denen die Romanfassung das Ganze wieder ein wenig ausbügeln kann, sodass das Hörspiel demgegenüber etwas „unrund“ scheint. Sofern man das Buch kennt jedenfalls. Ob Nicht-Leser das genauso sehen, sei mal dahingestellt. Zumindest was die Umsetzung angeht, gibt es indes wenig Grund zur Klage. Sprecher und Geräuschkulisse sind generell auf gewohnt hohem Niveau, besonders Bobs unheimliche Begegnung(en) der monströsen Art haben einen schön wohligen „Huch!“-Effekt und wirken keineswegs aufgesetzt. Lediglich die quäkige Feen-Stimme nervt etwas.

_Die Produktion_

Buch und Effekte: André Minninger
Redaktion und Geräusche: Wanda Osten
Regie und Produktion: Heikedine Körting
Musik: Hagitte & Bertling (STIL), Morgenstern, George, Conrad

_Sprecher und Figuren_

Oliver Rohrbeck (Justus Jonas), Jens Wawrczeck (Peter Shaw), Andreas Fröhlich (Bob Andrews), Thomas Fritsch (Erzähler), Manfred Reddemann (Ryan Holbrooke), Gerhart Hinze (Sheriff Picket), Patrick Elias (Stephen Baron), Wolfgang Berger (Zyklon), Neil Malik (Al Dahab), Regine Lamster (Frau), Mike Olsowski (Matthew), Holger Mahlich (Inspector Cotta), Volker Bogdan (Zabriski), Oliver Mink (Fred)

_Fazit_

Ein solider Mittelklassefall, der als Hörspiel nicht an sein Print-Pendant herankommt, da im direkten Vergleich einfach zu viele Dinge aus der Vorlage fehlen, sodass so mancher Handlungssprung und nicht immer ganz plausibel und einige Szenenschnitte zudem irgendwie zusammengeschustert wirken. Ansonsten ist der 156. Fall der Fragezeichen in der Hörspielversion aber keinesfalls ein Rohrkrepierer. Aktuelle Thematik, ordentliche Atmosphäre und ein flottes Tempo kennzeichnen ihn. „Im Netz des Drachen“ dürfte bestimmt häufiger mal den Weg in den Player finden, wenngleich hier noch einmal nachdrücklich das (wesentlich ausführlichere und somit reibungsloser ablaufende) Buch empfohlen sei. Der mittelalterliche Rezensentendaumen zeigt jedenfalls satt in die Waagerechte mit Tendenz nach oben.

|1 Audio-CD mit einer Laufzeit von ca. 72 Minuten
Erzählt von Marco Sonnleitner nach Figuren von Robert Arthur
EUROPA / Sony Music Entertainment, 2012|
EAN: 886979232624

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