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Dark, Jason / Döring, Oliver – Don Harris, Psycho-Cop – Der Club der Höllensöhne (2. Folge)

_|Don Harris – Psycho Cop|:_

Folge 1: [„Das dritte Auge“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3907
Folge 2: [„Der Club der Höllensöhne“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3922
Folge 3: [„Das schwarze Amulett“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6690
Folge 4: „Das Erbe der Wächter“
Folge 5: [„Das Killer-Kommando“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6701
Folge 6: [„Das Glastonbury-Rätsel“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6709
Folge 7: [„Drei Gräber in Sibirien“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6711
Folge 8: „Triaden-Terror“ (erscheint am 10.12.2010)

_Mysteriös: Der Cop als Ödipus und Magier_

Don Harris ist Agent des europäischen Geheimdienstes European Special Intelligence (ESI) mit Sitz in London. Er verfügt bereits mit 15 Jahren über hellseherische Talente, von denen er aber selbst noch nichts weiß – bis zu einem gewissen Vorfall. 15 Jahre später führt ihn der Mord an einer ESI-Mitarbeiterin auf die Spur des „Clubs der Höllensöhne“, eines Geheimbundes, der die Weltherrschaft anstrebt.

Während Don den Hinweisen aus der Kanzlei von Archie Ramsay folgt und nach Glastonbury fährt, wird er von Visionen heimgesucht: Elektra, eine geheimnisvolle Frau, lockt ihn mit ihren telepathischen Kräften in ihr Landhaus. Don erkennt sie von Fotos wieder: Elektra war jahrzehntelang mit seinen Eltern befreundet – und ist in all den Jahren nicht um einen Tag gealtert! Während einer Geisterbeschwörung geraten sie und Don ins Visier der „Höllensöhne“ …

Wegen des hohen Gehalts an Gewalt und Sex (besonders in der 2. Episode) empfiehlt der Verlag das Hörspiel erst ab 16 Jahren.

_Der Autor_

Jason Dark ist das Pseudonym des Schriftstellers Helmut Rellergerd (geboren am 25.1.1945 in Dahle, Sauerland). Rellergerd wuchs in Dortmund auf, lebt heute in Bergisch Gladbach, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er hat die Romanfigur des Geisterjägers John Sinclair ins Leben gerufen. Die Abenteuer des englischen Helden entwickelten sich zur erfolgreichsten deutschen Gruselserie. „Don Harris, Psycho-Cop“ ist beruht auf einem Roman, dessen Buchausgabe 2006 bei |Blanvalet| in München erschien.

Die Serie „Don Harris, Psycho-Cop“ (1 & 2 bislang als Hörspiel)

Folge 1: [Das dritte Auge]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3907
Folge 2: Der Club der Höllensöhne
Folge 3: Das schwarze Amulett
Folge 4: Das Erbe der Wächter
Folge 5: Das Killer-Kommando
Folge 6: Das Glastonbury-Rätsel
Folge 7: Drei Gräber in Sibirien
Folge 8: Triaden-Terror
Folge 9: Dämonicus

http://www.jasondark.de

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Das Hörspiel wurde nach Rellergerds Buchvorlage von Oliver Döring gestaltet, der schon etliche John-Sinclair-Folgen inszeniert hat. Regieassistenz ist Pe Simon, Schnittassistenz Jennifer Keßler, für die Produktion zeichnet Alex Stelkens von |WortArt| verantwortlich, der sonst vor allem mit |Lübbe Audio| zusammenarbeitet. Die Originalmusik hat Florian Göbels komponiert.

|Die wichtigsten Rollen und ihre Sprecher:|

Erzähler: Douglas Welbat (General Stuart in „Gods and Generals“)
Don Harris, ESI-Agent: Dietmar Wunder (Cuba Gooding jr., Don „Basher Tarr“ Cheadle, Adam Sandler, Edward Norton)
Terry Sheridan, Scotland Yard: Gerrit Schmit-Foß (Leonardo DiCaprio, Scott „Turk Malloy“ Caan)
Mac „Silver“ Sterling, Dons Ausbilder bei ESI: Frank Glaubrecht (Al Pacino, Pierce Brosnan, Kevin Costner, Jeremy Irons, Christopher Walken u. v. a.)
Elektra: Claudia Urbschat-Mingues (Angelina Jolie)
James Fox, ein Höllensohn: Rainer Doering
Elaine Harris, Dons Mutter: Susanna Bonaséwicz (Sissy Spacek, Carrie „Leia“ Fisher, Isabelle Huppert)
Pfarrer: Martin May
Sowie Lutz Mackensy, Franziska Pigulla, Udo Schenk, Pe Simon sowie viele andere.

|Der Regisseur|

Regisseur Oliver Döring, geboren 1969, begann seine Karriere als freier Journalist, Autor und Comedy-Macher für diverse Rundfunkanstalten. Seine ersten Erfolge feierte er 1988 mit der in NRW sehr beliebten Radio-Comedy „Die EinsLive-Retter“. 1999 erhielt er ein Arbeitsstipendium im Hörspielbereich. Sein Durchbruch in dieser Branche gelang ihm im Jahr darauf als Autor und Regisseur der Hörspielserie „John Sinclair“.

Unter Verwendung hochwertiger Soundeffekte und mit einem fast ausnahmslos aus bekannten Synchronschauspielern bestehenden Ensemble betrieb er einen für eine kommerzielle Hörspielproduktion bis dato beispiellosen Aufwand. Die rasant geschnittene und mit selbstironischen Untertönen produzierte Serie fand bei Kritik und Publikum großen Anklang und eroberte mit zwei Sonderausgaben sogar die Longplay-Charts.

2006 verpflichtete Döring für seine dreiteilige Hörspielfassung des Romans [„Star Wars – Labyrinth des Bösen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3291 die Synchronschauspieler aus den Filmen und verwendete sowohl die originalen Soundeffekte als auch die Filmmusik von John Williams. Mittlerweile gilt Döring als einer der erfolgreichsten Regisseure des kommerziellen phantastischen Hörspiels. (Verlagsinfo)

_Vorgeschichte_

Elaine Harris, Gattin von Sir Edward of Glastonbury, stirbt bei der Geburt ihres Sohnes Don an Herzstillstand. Die Geburtshelfer holen das Baby per Kaiserschnitt. 15 Jahre später merkt der Internatsschüler Don, dass er über mehr Kräfte verfügt als andere Menschen. Er kann Ereignisse vorausahnen und psychische Verbindungen herstellen. Es ist ihm höchst peinlich, darüber mit seinem Freund Harry zu reden. Wenigstens dankt ihm der Vater der kleinen Lucy Taylor, die er vor dem Kältetod in einem zugefrorenen Teich bewahrt hat. Und Don kann alle Boxhiebe Harrys vorausahnen und ihn spielend besiegen.

Weitere fünfzehn Jahre später hat Don seine Talente in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Er arbeitet als Agent für die European Special Intelligence (ESI), wo man ihn neckisch als „Psycho-Cop“ tituliert. Sein bester Freund beim Scotland Yard ist Terry Sheridan. Der ruft ihn zum Tatort eines Mordes, der Don auf die Spur des „Clubs der Höllensöhne“ bringt.

_Handlung_

In Folge 1 rief der „Höllensohn“ Fox die Nummer von Archie Ramsay an, einem Anwalt in London. Um mehr über Ramsays Verwicklung herauszufinden, stieg Don mit seinem Mentor Mac „Silver“ Sterling in die Kanzlei Ramsays ein und Don sah sich dessen PC an. Dort stieß er auf eine komplette Biografie seiner selbst und auf ein Foto von Elektra, das sie neben seinen Eltern zeigt. Vor 30 Jahren sah sie genauso aus wie heute! Weitere Fotos zeigen Dons Gutshaus in Glastonbury sowie das nahegelegene Stonehenge. Ein Datum, der 16.4., wird mit dem Projekt „666“ in Verbindung gebracht. Das ist übermorgen …

Don und Mac trennen sich, doch als Don vor seinem Haus eintrifft, wartet ein Killerkommando der „Höllensöhne“ auf ihn. Sie macht allerdings durch eine ferngesteuerte Überwachungsdrohne auf sich aufmerksam, deren Auftauchen Don rechtzeitig warnt. Der Anschlag schlägt fehl. Mac meint zu der Drohne, dass sie bestimmt teuer war. Wer kann sich so etwas leisten – außer der ESI?

Auf dem Weg nach Glastonbury, wo er das Projekt 666 der Höllensöhne vereiteln will, trifft Don ein psychologischer Schlag. Es ist Elektra, die mit ihm telepathisch Kontakt aufnimmt und ihn zu ihrem Quartier lotst: einem Landhaus mitten in der Pampa. Don gibt seinem Beschützer Mac und dessen Truppe von Söldnern Bescheid, was Sache ist. Bestimmt sind auch die Höllensöhne irgendwo in der Gegend, wenn sie sich in Glastonbury treffen wollen, beispielsweise auf dem Glastonbury Tor, einem Burghügel, der das Land überragt.

In Elektras Landhaus erhält Don zwar keine Antworten auf brennende Fragen, dafür aber brennende Küsse auf den Mund und andere Körperteile. Nach eifrigem Bettsport richten sich Dons Sinne jedoch wieder auf die Vorgänge draußen. Er greift nach seiner Pistole, weil ihn seine Präkognition davor warnt, was gleich passieren wird: Eine MG-Salve durchlöchert die Eingangstür, dann tritt einer der Killer die Haustür ein, bereit, alles niederzumachen, was ihm in den Weg tritt. Und genau das tut Elektra. Don stockt das Blut. Schüsse fallen …

_Mein Eindruck_

Sind die Zeiten vorbei, in denen sich Hörspielgeschichten um expliziten Sex und Blutfontänen herumdrücken konnten? Offenbar schon, aber da wir nicht mehr im 19., sondern im 21. Jahrhundert leben, erscheint das vielleicht sogar angemessen. Folglich spritzt das Blut mal wieder schön hörbar, und was den Sex anbelangt, so kann sich der Fan in dieser Folge dementsprechend satthören. Zunächst hört man nur leidenschaftliche Küsse , dann Reißverschlüsse und schließlich geht es richtig gut zur Sache. Und dabei weiß Don noch nicht einmal, wie alt seine Sparringspartnerin beim Bettsport ist.

Was die Sexszene jedoch etwas grotesk wirken lässt, ist der ständige Szenenwechsel zu den sich anschleichenden Widersachern und der sich somit anbahnenden Gewalt. Dies ist ebenso grotesk wie die ständigen Ortsmeldungen, die Don an seinen vermeintlichen Beschützer Mac Silver durchgibt. Wir wissen ja inzwischen, dass Mac ein Verräter ist. Das ungerechtfertigte Vertrauen Dons, das er in Mac setzt, setzt Don in das Licht eines leichtgläubigen Idioten. Das kann wohl nicht ganz im Sinne des Erfinders sein.

Der Höhepunkt dieser Episode und der absolute Tiefpunkt an Plot-Intelligenz ist die Szene in der Burgruine auf dem Glastonbury Tor. Es ist schon schlimm genug, dass hier mittelalterliche Mystik und übernatürliche Erscheinungen mit dem Auftreten modern aufgerüsteter Söldner vermischt werden. Von Romantik kann daher keine Rede sein. Aber der Sinneswandel, den Don an den Tag bzw. die Nacht legt, als Mac ihn angreifen will, ist völlig unplausibel. Offenbar unter dem Diktat eines schnellen Szenenablaufs wird aus dem Leichtgläubigen ein Wütender, der sofort zum Angriff übergeht. Davon, dass eigentlich seine Welt ins Wanken geraten müsste, fällt kein Sterbenswörtchen. Wie auch immer: Mac findet sein verdientes Ende, wenn auch anders als erwartet. Zum Überlegen hat Don ja später noch Zeit. Die Kraft, mit der Don seinen Mentor ausschaltet – woher mag sie wohl kommen? Ein weiteres Rätsel, das der Aufklärung harrt.

Ebenfalls etwas unbefriedigend bleibt die Figur der Elektra. Wir vermuten mit Don, dass sie eine Langlebige ist. Aus welchem Grund dies so ist, bleibt (noch) im Dunkeln. Eine mystisch-archaische Gestalt ist diese Lehrerin und Geliebte, die mit so vielen Geheimnissen hinterm Berg hält, dass Don eigentlich frustriert sein müsste. Er stellt jedoch seine Neugier hintan, um diese aufregende Frau lieben zu können. Dass sie es schon mit seinem Vater getrieben hat und um ein Haar Dons Mutter geworden wäre, ist nur das Sahnehäubchen im ödipalen Inzest-Plot, der uns hier mehr oder weniger unverblümt geboten wird. Auf dem Titelbild wird sie folgerichtig mit einem aufregenden Vorbau dargestellt.

|Die Sprecher / Die Inszenierung|

Dies ist die Stunde – das Hörspiel ist 54 Minuten lang – der Pistolen und Gewehre. Schon die erste Szene endet mit Schüssen vor Dons Haus, und im Landhaus Elektras geht das Geballere weiter, um schließlich auf dem Burghügel seinen Höhepunkt zu finden. Wenigstens lässt sich bei dieser dritten Szene der Regisseur einen Trick einfallen. Die Schüsse fallen zwar, werden aber nur über das Walkietalkie Mac Silvers hörbar. Dito die Schreie von Macs Männern. Dieser schon in der antiken Tragödie eingesetzte „Mauerschau“-Effekt distanziert den Zuhörer vom blutigen Geschehen, präsentiert uns aber gleichzeitig Macs entsetzte Reaktion auf das Gemetzel an seinen Männern. Außerdem stellt es ihn und uns vor ein Rätsel: Was konnte diese hochgerüsteten Baller-Männer so leicht töten? Diese Szene ist also relativ trickreich gestaltet.

Stichwort „Walkietalkie“. „Krks! Krks!“, tönt es fortwährend in der gesamten Glastonbury-Aktion. Dieser Ton gehörte auch schon in den „John Sinclair“-Hörspielen zum Standardrepertoire in Oliver Dörings Soundeffekt-Arsenal. Zum „Krks! Krks!“ kommt der Filter hinzu, der das aus dem Walkietalkie dringende Wort elektronisch verzerrt klingen lässt. Ein weiterer Verzerrfilter wird bei der Übertragung in der Kommunikation mit dem Meister der Höllensöhne eingesetzt. All diese moderne Technik steht in groteskem Kontrast zu den mittelalterlichen Erscheinungen auf dem Burghügel, die direkt aus einer Sage über Merlin und Artus stammen könnten. Für manche Hörer könnte dieser Kontrast jedoch erst den besonderen Reiz der neuen Hörspielserie ausmachen, wer weiß?

Der Einsatz von Musik ist absolut minimal. Eine Piano-Kadenz mit einem ständig wiederholten Motiv ist beispielsweise für den Übergang in eine neue Szenenfolge zuständig. Außerdem bestreitet das Titelmotiv der Serie das Intro und das Outro. Songs wie in der 1. Folge gibt es diesmal keine, was ich wirklich schade finde.

_Unterm Strich_

„Don Harris“ ist ein Geisterjäger der modernen Art. Und wie sein Schicksalsgenosse John Sinclair, Hauptfigur einer schier endlosen Horror-Serie aus den siebziger Jahren, ist er von höheren Mächten (seinem Autor) auserkoren worden, die Übel und Schurken der Gegenwart zu bekämpfen. Seltsamerweise agieren selbige „Höllensöhne“, als befänden sie sich noch im tiefsten Mittelalter. Da ist die Rede von der „Zahl des Tiers“, das heißt: der des Antichristen. Und folglich geht es wieder mal, interpretierend gesprochen, um den alten christlichen Kampf der Engel und Heiligen mit den Vertretern und Schergen des Widersachers alias Satan alias Luzifer.

Don Harris ist als Streiter des Lichts mit besonderen Psi-Gaben versehen, doch ob diese ihm immer wieder aus der Patsche helfen, ist noch offen. Anscheinend muss er noch stärker werden. Doch je stärker er wird, desto furchteinflößender werden auch seine Gegner. Zum Glück muss er nicht alleine kämpfen, Terry und Elektra stehen ihm bei.

Das Hörspiel ist von |WortArt| und |Random House| sorgfältig produziert worden und ich habe an der Technik nichts auszusetzen. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der trivialen Handlung etwas Filmglamour. Die zahlreichen Soundeffekte sind Dörings Markenzeichen – er setzt sie auch gerne in seinen „John Sinclair“-Hörspielen ein, um Authentizität zu vermitteln. Schließlich hat heute jeder Cop und Bösewicht so ein Walkietalkie oder Handy, oder? Nur die Figuren und ihre intelligenzfreien Dialoge stören mich.

Da auch diese Episode mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet, ist es höchste Zeit für die Fortsetzung.

|54 Minuten auf 1 CD|
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J. R. R. Tolkien , Günter Merlau – Der Herr der Ringe: Die zwei Türme. Original Film-Hörspiel

Zwei Stunden Action und Phantasie

Dies ist das zweite Hörspiel, das nicht dem Originaltext Tolkiens folgt, sondern vielmehr die Filmfassung Peter Jacksons voll integriert, komplett mit allen Darstellern (s. u.) und deutschen Synchronstimmen. Das bedeutet beispielsweise, dass der Hörer nicht mehr auf die liebliche Arwen Abendstern zu verzichten hat, weil sie im Original nicht vorkommt. Und das bedeutet, dass man auch in den Genuss der fantastischen, OSCAR-prämierten Filmmusik Howard Shores gelangt.

Hörspiel-Folge 1: „Die Gefährten“

Der Autor

J. R. R. Tolkien , Günter Merlau – Der Herr der Ringe: Die zwei Türme. Original Film-Hörspiel weiterlesen

Schwind, Kai / Wiegand, Katrin / Buchholz, Sven – Ferienbande und die unerträglichen Schmuggler, Die

_Gelungene Parodie mit Lederlesben_

(Vorsicht, Parodie!) In ihrem dritten Abenteuer verschlägt es die Helden der Serie in die Berge, zu Bröckchens Onkel und Tante. Als ob interfamiliäre Konflikte noch nicht genug wären, bekommen es die Freunde auch noch mit einer Schmugglerbande zu tun, die das ganze Dorf terrorisiert. Wer steckt dahinter? Ist der Onkel in die Vorfälle verwickelt? Weiß der Besitzer des indischen Kebab-Ladens mehr? Und wer zum Teufel ist eigentlich dieser Mathieu? Da passiert das Unfassbare: Babsi wird entführt!

Vom Verlag ab 12 Jahren empfohlen.

_Die Autoren_

Kai Schwind und Sven Buchholz sind die Macher dieser Serie. Das Buch schrieb Kai Schwind zusammen mit Katrin Wiegand und führte zudem Regie. Sven Buchholz besorgte den Schnitt und steuerte die Technik bei der Aufnahme im Studio Hufsound.

Bisher erschienen:
1) Der Ferienbande und die entsetzlichen Ferien (2003)
2) Der Ferienbande und das voll gemeine Phantom (2005)
3) Der Ferienbande und die unerträglichen Schmuggler (2007)

_Die Inszenierung_

Die Sprecher und ihre Rollen:

Kai Schwind: Baul; Vishnu Punjab
Sven Buchholz: Bröckchen; Bernd
Chris Peters: Babsi
Matthias Keller: Erzähler
Sascha Draeger: Bernds Vater
Maud Ackermann: Tante Pfanni
Andreas von der Meden: Onkel Tarantino
Noah Sow: Hanne
Alexandra Maxeiner: Nanne
Michi Herl: Wirt
Katrin Wiegand: Wirtin
Konrad Halver: Horst Adler
Santiago Ziesmer: Mathieu
Johann König: Dritter
… und Bambi der Hund.

Die Musik trugen Viktor Weimer (auch Komposition), Judy Fox, The Funk Professor, Anna Küchler und The Unshushable Coktor bei.

Mehr Infos: http://www.ferienbande.de (oder www.ferienban.de) http://www.wortart.de (ohne Gewähr)

_Handlung_

Babsi, Bernd, Bröckchen und der sächselnde Baul sind unterwegs in der zwitschernden Natur und rufen nach ihrer Freundin Vivienne. Als sie an eine Hütte gelangen, schlagen sie kurzerhand die Tür ein. Seltsames Wimmern dringt aus dem Keller, wo sie denn auch folgerichtig die Gesuchte vorfinden. Aber warum schielt sie so zur Seite? Sie drehen sich um, da steht ein Mann – in Frauenkleidern! Er oder sie sagt, dass er/sie ein/e Kleiderdesigner(in) sei. Und er erkenne seinen Sohn Bernd, früher genannt Beate, ganz genau! Die anderen lassen Bernd, früher genannt Beate, doch tatsächlich allein mit seinem Vater …

Bernd erwacht schweißgebadet. Was für ein Albtraum! Der pure Horror!

Heute sind die vier Freunde von der Ferienbande (nicht zu vergessen ihren Hund Bambi) mit dem Zug unterwegs in die Berge. Da niemand sie am Bahnhof abholt, müssen sie selbst hinauf zur Hügelhütte stapfen, wo ihnen Bröckchens Tante Pfanni (die mit den Knödeln …) freundlich die Tür öffnet und sie begrüßt. Keine Spur von Onkel Tarantino. Der Schriftsteller schreibt wohl mal wieder an einem Meisterwerk zum Wohle der Menschheit.

In dem Zimmer, das ihnen Tante Pfanni anweist, ist alles aus so genannten „Stricklieselwürsten“ gestrickt, und zwar schreiend bunt, so dass sie fast Augenkrebs bekommen. Deshalb drängt es sie wieder hinaus in die freie Natur. Zuvor brüllt Onkel T. sie cholerisch an, ohrfeigt seine Frau Pfanni, und Bambi bellt dazu. Bloß weg hier! Von dem Hausmädchen Enid Blyton und dem portugiesischen Gärtner ist weit & breit nichts zu sehen.

Am Brunnen im Dorf schauen sie zwei Mädels aus dem Internat bei ihren Kampfsportübungen zu. Die Mädels im Lederdress stellen sich als Hanne und Nanne vor. Die Übungen machen sie angeblich, weil sie sich Internat dauernd verteidigen müssen. Sie finden Gefallen an der feschen Babsi und laden sie zu einer Lesbenparty ein, doch Babsi steht bekanntlich nur auf Mannsbilder und lehnt ab. Von Hanne & Nanne erfahren die vier Freunde erstmals, dass das Dorf unter der Kontrolle einer Schmugglerbande steht, die von einem gewissen Mathieu angeführt wird. Möglicherweise steckt der „Choleriker“ Tarantino sogar mit denen unter einer Decke!

Die immer hungrige Fressmaschine namens Bröckchen wittert Bratenduft. Wie mit einem untrüglichen Radar spürt er Vishnu Punjabs Kebapbude auf. Zusammen mit seinem ebenso hungrigen Hund Bambi zerlegt Bröckchen die Bude in ihre Bestandteile. Der Wirt Vishnu ist davon gar nicht angetan und verjagt sie zeternd. Als die Freunde abends Onkel Tarantino beschatten und er sie unwissentlich in das lokale Gasthaus lotst, stoßen sie erneut auf Vishnu. Babsi kann penetrant foltern, und so rückt Vishnu endlich mit seinem Geheimnis heraus: Weil er kein Schutzgeld zahlen wollte, wurde er einmal in das Hauptquartier der Schmuggler entführt. Diese stellten mit dem armen Inder unaussprechliche Dinge an.

Zurück in der Hügelhütte: Hier stehen die Dinge nicht zum Besten. Bambi wurde betäubt und Babsi ist weg! Die Suche von Gärtner und Hausmädchen nach dem entlaufenen Frauchen ist bislang ergebnislos verlaufen. Ob ihnen wohl Hanne & Nanne helfen können? Die geben ihnen bloß den Hinweis, dass Vishnu weiß, wo das Hauptquartier der Schmuggler ist. Sie bestechen den ängstlichen Kebapbrater skrupellos mit dem Versprechen einer heißen Liebesnacht. Mit der abwesenden Babsi.

Dann machen sie sich auf den Weg, die auf dem Berg liegende Schmugglerzentrale auszukundschaften. Ob sie dort wohl die vermisste Babsi aufspüren werden?

_Mein Eindruck_

Wie man sieht, handelt es sich um ein Stück Akustikdrama, das man so nicht alle Tage hört. Fernab von den Trampelpfaden der Political Correctness klopft die Parodie auf Jugendermittlerbanden wie „TKKG“, „Die drei ???“ sowie „Hanni & Nanni“-Romane auf jeden Busch, hinter dem sich ein hohles Klischee verbergen könnte. Und wenn das nicht funktioniert, werden die abgedroschenen Klischees einfach umgedreht. Aus Hanni & Nanni werden Hanne & Nanne, das Lederlesbenduo mit dem Emma-Peel-Appeal. Sie fordern Babsi zum gemeinsamen Menstruieren auf, als wäre es das Geilste auf der Welt. Der Onkel Tarantino, angeblich ein hochgeistiger Autor, entpuppt sich als schlägernder Autor von schnulzigen Liebesromanen.

So weit, so nett. Aber hier endet die satirische Kritik nicht. Nein, auch die Ferienbandenmitglieder selbst sind derartig krass als Karikaturen gezeichnet, dass man sie keineswegs für voll nehmen kann und sich über kurz oder lang fragen muss, wie sie es nur schaffen, irgendein Fitzelchen an Information herauszufinden, geschweige denn, einen Schurken – und das Böse ist bekanntlich immer und überall – zur Strecke zu bringen.

|Die „Helden“|

Babsi ist ein geiles Luder, was Bernd, der in sie verknallt ist, nun überhaupt nicht verkraften kann. Als sie mit dem Oberschurken in flagranti im Bett erwischt wird, schwinden ihm daher schier die fünf Sinne. Denn Mathieu, die maskuline Konkurrenz, ist halt doch ein rechter Kerl, wenn es ihm auch ein wenig an Geisteskraft mangelt. Das verrät schon das geistesgestörte Lachen, das ihn jedes Mal überkommt, wenn er seinen irren Plan erwähnt. Darüber darf jedoch nichts verraten werden, sonst wäre ja die Pointe perdu. Es hat bloß was mit Weltherrschaft zu tun (gähn).

Bröckchen ist so verfressen, dass er jede Kebapbude plündert und dabei zerlegt, und auch ansonsten sehr praktische Hängebrücken sind nicht vor ihm sicher. Baul ist das genaue Gegenteil, nämlich der Geek: ein wandelndes Lexikon, das aber meist nur unnützes Wissen von sich gibt. Bernd sollte eigentlich der Anführer sein, doch leider ist sein Nervenkostüm nicht vom besten Schneider gemacht, und liebend gern würde er das Hasenpanier ergreifen, würde sich nicht die anderen ständig auf ihn verlassen. Bleibt also noch Bambi, Bernds neurotischer Hund, der es liebt, sein Herrchen anzupissen.

Aber ein paar „Enthüllungen“ haben mich denn doch enttäuscht. Dass die Zentrale der Schmuggler an den Berghof des „Führers“ auf dem Obersalzberg erinnern soll, war ja gleich klar. Wenig überraschend war daher, dass sich der Hausmeister Horst Adler (vom Adlerhorst, klar?) als ausgewachsener Nazi entpuppt. Der nächste Schritt ist nur ein winziger. Die vereinigten Schmuggler-Truppen streben selbstverständlich nichts anderes als die Weltherrschaft an. Alles andere hätte mich auch gewundert. Auch die Tatsache, dass der künftige „Führer“ vergessen hat, seine Stromrechnung zu bezahlen.

|V-Effekt|

Ein sehr hübscher Verfremdungs- bzw. V-Effekt à la Brecht ergibt sich durch die direkte Einbeziehung des Erzählers in die Handlung. Der soll nämlich den Helden gerade mal aus der Patsche helfen. Als vernünftiger Mensch, der über solchen profanen Dingen steht, lehnt er dieses Ansinnen jedoch verlegen ab, denn schließlich werde er dafür nicht bezahlt und zweitens sei er ja gar nicht versichert.

Eine Anrede des Hörers gibt es zum Glück aber nicht. Dafür mischt sich ein Rechtsanwalt mit einer Einstweiligen Verfügung ein. Er will nämlich die Verwendung diverser Namen verbieten lassen. Ich glaube, er kommt vom Disney-Konzern, aber irgendwie muss er sich in der Adresse geirrt haben.

|Bonustrack|

Als Bonustrack ließe sich der Auszug aus Onkel Tarantinos alias Rosa Pichlhunds Schnulzenroman „Leidenschaftliche Stürme der Liebe“ (auf diesen Titel wäre ich nie gekommen) bezeichnen. Dies ist Schnulzenprosa in Reinkultur, allerdings mit einer netten, wenn auch reichlich abgedroschenen Pointe. Anscheinend gab es eine Art Quote, wie oft die Wörter „Schwangerschaft, Abtreibung, Menstruation, Eheberatung, Tage usw.“ im Text vorkommen müssen. Hiermit sei amtlich festgestellt, dass die Quote erfüllt wurde und sich die Autoren endlich wieder neuen Wortfeldern zuwenden können.

_Die Inszenierung_

Wenn man sich die Besetzungsliste anschaut, fällt auf, dass manche Sprecher zwei Rollen haben. Die Fähigkeit, beide Rollen auf eine Weise zu sprechen, dass die Identität des Sprechers in beiden Fällen nicht deutlich wird, spricht für die Qualität des jeweiligen Sprechers. Das betrifft Sven und Kai – bravo! Kai Schwind als Schnellsprecher Vishnu Punjab hab ich echt nicht wiedererkannt, und der Akzent ist astrein (dafür wurde ein Sprachcoach in Anspruch genommen, wie das Booklet verrät).

Sven Buchholz spricht sowohl den piepsenden Fettklops Bröckchen als auch Bernd, den Schwerenöter in Liebesnöten. Warum Bernd einmal Beate geheißen haben soll, lässt sich aus dieser Episode der „Ferienbande“ nicht ergründen. Es trägt höchstens dazu bei, ihm eine Neigung zum Transvestitentum anzuhängen – was sicherlich ganz im Sinne der Erfinder ist. Der sächselnde Baul hat mir ebenfalls gut gefallen. Ich finde diesen Akzent charmant.

|Geräusche|

Die Geräusche hat man wahrscheinlich schon tausendmal in den endlosen Reihen von TKKG- und Drei-Fragezeichen-Abenteuern gehört. Diesmal kommt immerhin ein pissender Hund und eine schallende Ohrfeige hinzu. Klingt zwar nicht nach einer großen Ausbeute, aber das muss es ja nicht sein. Schließlich ist Geräuschemacherei noch kein Leistungssport, sondern sollte sich den Dialogen unterordnen.

|Musik|

Dies gilt allerdings nicht für die Musik. Die funkigen Jazz-Kompositionen von Viktor Weimer gehen nicht nur ins Ohr, sondern auch in die Beine. Gibt es davon eine Platte? Jedenfalls trennt diese Musik die einzelnen Szenen sauber ab und zwar meist dann, wenn es gerade am spannendsten ist. Da gibt’s dann nur eines: dranbleiben!

Insgesamt wird aus dieser Kombination von Dialog, Musik und Geräuschen eine unverwechselbare Inszenierung. Zusammen mit den V-Effekten kann man durchaus von einer Parodie mit einer Eigencharakteristik sprechen, die sich stark von den erwähnten Endlosserien abhebt.

_Unterm Strich_

Diese Parodie auf bekannte Jugendhörpielserien wie „TKKG“ und „Die drei ???“ wartet mit einer kurzweiligen Handlung auf, die voller netter Einfälle und Überraschungen steckt. Sie dienen dazu, die abgedroschenen Klischees der Serien als solche zu entlarven. Dazu werden die üblichen Figuren häufig in ihr Gegenteil verkehrt – und was dergleichen Kniffe mehr sind. V-Effekte wie die Anrede des Erzählers gehören natürlich dazu. Das erinnert mich an die [Comedy-Ausgabe]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3564 der John-Sinclair-Hörspielserie, die im Jahr 2005 erschien. Inzwischen ist ja die „???“-Serie eingestellt, denn auch dort hat man die Zeichen der Zeit erkannt.

Ich fand diese Ausgabe der „Ferienbande“ sehr kurzweilig, an manchen Stellen aber auch selbst ein wenig abgedroschen. Müssen Schmuggler immer durchgeknallte Nazis sein und automatisch auch gleich die Weltherrschaft anstreben? Schließlich gibt es doch auch noch jede Menge anderer erstrebenswerter Dinge, wie etwa Klimaschutz. (Höre ich da ein Gähnen?)

|79 Minuten auf 1 CD|
http://www.ferienbande.de
http://www.wortart.de