Farmer, Philip José – dunkle Herz der Zeit, Das

_Spannender Tarzan-Roman_

Nachgereichte Fortsetzungen sind oft wenig erstklassig – nicht so diese gelungene Fortsetzung des Zyklus um Tarzan, den Affenmenschen!

Edgar Rice Burroughs, der Schöpfer des Affenmenschen Tarzan, konnte vor seinem Tod sein letztes Manuskript nicht mehr in einem Roman umsetzen. Statt seiner hat der amerikanische Fantasy- und Science-Fiction-Autor Philip José Farmer diese Aufgabe übernommen – mit Erfolg! Denn Farmer ist für diese Aufgabe prädestiniert: Mit „Lord Tyger“ und seinen Opar-Romanen hatte er bereits Tarzan-Romane geschrieben, die nicht die schlechtesten sind.

_Der Autor_

Philip José Farmer wurde bereits 1918 in North Terre Haute, Indiana, als Nachkomme von deutschen, niederländischen und irischen Vorfahren geboren. 1946 verkaufte er eine Kriegserzählung an das Magazin „Adventure“, sein erster Roman „The Lovers“ (Die Liebenden) erschien 1952 in „Startling Stories“ und brachte zum ersten Mal das Thema Sexualität in die (eher prüden) Science-Fiction-Magazine seiner Zeit ein. Danach galt er als Tabubrecher. Viele seiner Werke zeichnen sich durch unterhaltende Themen und Erzählweise sowie durch Ideenreichtum aus. Das gilt auch für den fünfbändigen Flusswelt-Zyklus.

_Handlung_

Die Handlung spielt in Britisch-Ostafrika im Oktober 1918, als der Erste Weltkrieg kurz vor seinem Ende steht. Doch die Deutschen in Ostafrika haben Jane, Tarzans Frau, entführt. Auf der Suche nach ihr gerät Tarzan ins Visier mehrerer Safaris, die ihn im Auftrag eines unbekannten Amerikaners einfangen und lebend nach New York bringen sollen. Der Grund für die Verfolgung durch den Mister X wird erst ganz am Schluss enthüllt.

Die erste Safari wird von einem Großwildjäger namens Helmson angeführt und führt auch zum gewünschten Erfolg. Denn mit Hilfe eines Bärenmenschen namens Rahb gelingt es Helmson, Tarzan in jedem Versteck aufzuspüren. Nachdem er sich wieder befreit hat, sieht sich Tarzan weiterhin von Rahb verfolgt, bis dieser sich auf seine Seite schlägt. Rahbs Frau, die schwanger ist, wird von Helmson als Geisel gefangen gehalten – sie drei sind die letzten ihrer Rasse. Rahb bittet Tarzan um Hilfe.

Als ob zwei Aufgaben nicht schon genug wären – vom täglichen Überleben ganz abgesehen – sieht sich Tarzan bald auch mit dem Plan Helmsons konfrontiert, das sagenhafte Gold aus dem Land der „Großen Mutter der Schlange“ an sich zu bringen. Die Lageskizze dafür hatte Helmson Tarzan abgenommen. Der Eingeborene Waganero, ein Harfner, kennt sich zufällig mit dem Goldland aus, und so nehmen ihn Tarzan und Rahb in ihren Mini-Stoßtrupp auf, nachdem sie ihm das Leben gerettet haben. Weil Helmson inzwischen Verstärkung bekommen hat, wächst die Gefahr für Tarzan und seine Gefährten von Tag zu Tag. Schließlich entscheidet sich das Schicksal aller Beteiligten im Gold-Land, wo in einem kristallenen Baum das „dunkle Herz der Zeit“ schlägt.

_Mein Eindruck_

Tarzanfreunde kommen in diesem kurzweiligen Abenteuerroman voll auf ihre Kosten. Selbst Fantasyleser und Science-Fiction-Fans finden hier und da Aspekte, die ihnen bekannt vorkommen dürften. So wird Tarzan beispielsweise für eine Art Mutant erklärt, der deshalb über übermenschliche Kräfte verfüge. Die Eingeborenen halten ihn sowieso für einen Dämon. Und der Autor weiß auch immer wieder zu zeigen, dass Tarzan weit mehr ist als nur ein Weißer, der von einer Äffin (Kala) großgezogen wurde. Geschichten über Außerirdische, die im Goldland gelandet waren, erhöhen die Spannung zusätzlich.

Tarzan erscheint hier nicht wie in den zahllosen Filmen als der ständig chauvimäßig brüllende Muskelmänne, der sich im adretten Lendenschurz von Liane zu Liane schwingt, um seiner heimeligen Jane ein Geburtstagspräsentchen zu verehren.

Dieser Affenmensch bewegt sich bei Farmer vielmehr wie ein Bewohner des Dschungels, vermag wie ein Affe zu fühlen und wie ein Mensch der Zivilisation zu denken – sehr vielseitig, dieser Bursche! Kein Wunder, dass er sich ständig in irgendeiner Patsche befindet und von mehreren Safaris verfolgt wird. Wo immer Tarzan auftaucht – man kann darauf wetten, dass sich bald eine mittlere Katastrophe wie etwa ein Erdbeben, ein Vulkanausbruch oder etwas in dieser Preislage ereignet.

_Unterm Strich:_ „Das dunkle Herz der Zeit“ ist ein kurzweiliger, gut erzählter Roman, dem es auch nicht an Humor mangelt. Besonders der Schlusssatz trieft vor bitterer Ironie.

|Originaltitel: The dark heart of time, 1999
349 Seiten
Aus dem US-Englischen übertragen von Michael Koseler|

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