Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter – Stonehenge (Offenbarung 23, Folge 7)

_Allohol macht auch dich unsterblich!_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätselt wird gelöst.

Ein kleiner Bronzekelch aus Trons Besitz führt den Hacker Georg Brand auf die Spur eines alten Druidenkults. Uraltes Wissen hütet dieser Zirkel, der Georg nach Südengland und zum Hügel von Salisbury führt, zu den Ruinen von Stonehenge. Hat Tron wirklich wirklich das Geheimnis des Zaubertranks der alten Kelten gelöst, der Unsterblichkeit verspricht?

Dies ist die bislang lustigste Episode des Serie – Georg Brand schaut einfach zu tief ins Whiskyglas …

_Der Autor_

Über Jan Gaspard ist nichts bekannt, und es scheint sich um ein Pseudonym zu handeln (siehe Webseite von |LPL records|). Jedenfalls zeichnet er nach Angaben des Booklets für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. (Es dürfte auch eine Menge „Transpiration“ gegeben haben, wenn man Thomas A. Edison glauben darf.) Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern.

Andy Matern wird von zwei Spezialisten unterstützt. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen.

|1. Staffel von „Offenbarung 23“:|
1) [„Wer erschoss Tupac?“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1934
2) [„Tupacs Geheimnis“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2012
4) [„Die Krebs-Macher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2472

|2. Staffel:|
5) [„Das Handy-Komplott“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2576
6) [„Der Fußball-Gott“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2577
7) [„Stonehenge“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2590
8) [„Macht!“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2591

|3. Staffel:|
9) [„Gier!“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3104
10) [„Die traurige Prinzessin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3113
11) [„Die Hindenburg“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3131
12) [„Der Piratenschatz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3136

|4. Staffel:|
13) [Das Wissen der Menschheit]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3885
14) Das Bernsteinzimmer
15) Durst!
16) Krauts und Rüben

Mehr Infos: http://www.offenbarung23.de und http://www.vertraue-niemandem.net

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt. Als da wären:

David Nathan spricht die Hauptfigur Georg Brand alias T-Rex und klingt wie Johnny Depp.
Marie Bierstedt spricht Tatjana Junk alias Nolo, die Freundin von „Tron“.
Detlef Bierstedt spricht den Reporter Kai Sickmann und klingt wie George Clooney am Telefon.
Dagmar Berghoff spricht eine Nachrichtensprecherin und klingt wie Dagmar Berghoff (logo!).
Dietmar Wunder spricht T-Rex’ besten Kumpel Kim Schmittke und klingt wie Cuba Gooding jr. bzw. Adam Sandler.
Arianne Borbach spricht Margo und klingt wie Catherine Zeta-Jones.
Till Hagen spricht Ian G. und klingt wie Jonathan Pryce in „Fluch der Karibik“.
Benjamin Völz spricht Boris F. alias „Tron“.
Tilo Schmitz spricht Herrn Brand senior und klingt wie Ving Rhames oder Michael Clarke Duncan.
Marianne Groß spricht die Kuratorin und klingt wie Angelica Huston oder Meryl Streep.
Lutz Mackensy spricht den Druidengroßmeister Saint-Clair und klingt wie Rowan Atkinson oder Christopher Lloyd.
Friedrich Schoenfelder spricht die „Stimme der Wahrheit“ und klingt wie David Niven, Peter Cushing oder Vincent Price.
Helmut Krauss ist der Erzähler und klingt verdächtig nach Marlon Brando oder Samuel L. Jackson.

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“, und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen. Diesmal geht es um Whisky – oder sowas Ähnliches.

_Handlung_

Bald ist Wintersonnenwende, und im Keller der Berliner Urania-Loge findet ein konspiratives Treffen statt. Der Großmeister des Zirkels kündigt einen Wissenden an, der herausfinden werde, wie man den Zaubertrank der Unsterblichkeit zubereitet. Von wem redet der Typ bloß?

Die Nachrichtensprecherin (Dagmar Berghoff) steht am Tag der Sommersonnenwende auf der Ebene von Salisbury. Im Zirkel der Steine von Stonehenge vollzieht die so genannte Druid Society ihr alljährliches Ritual. Sie erinnert an den Krieg im Bohnenfeld, der sich 1985 am Verbot des jährlich hier stattfindenden Stonehenge-Festivals entzündete und die Demonstranten – New-Age-Jünger und viele Aussteiger – gegen die Polizei kämpfen ließ. Aber was machen die Druiden da eigentlich, fragt die Reporterin.

November in Berlin. Georg Brand sitzt immer noch gefesselt im Keller der Urania-Loge von Berlin, vor ihm stehen im Fackelschein der Reporter Kai Sickmann und der Druidengroßmeister Saint-Clair. Man nimmt ihm die Handschellen ab. Er soll sich den Druiden anschließen. Saint-Clair hat eine Aufgabe für den Hacker, der in seinen Kreisen als T-Rex bekannt ist. Er zeigt ihm einen Bronzebecher mit Glockenform, der uralt sein muss.

Dieses Gefäß komme aus Avebury und wurde unweit von Stonehenge gefunden. Ein Bildmotiv zeigt, wie ein Riese einen Zwerg in einen Kessel tunkt. Steckt die keltische Legende dahinter, wonach der Gott Lugh seinen Wundarzt gebeten habe, die verwundeten Krieger zu heilen und dieser sie in einem Zauberkessel wiederherstellte? Aber was befand sich in dem Kessel – der Trank der Unsterblichkeit?

Mit diesem Rätsel der „durchgeknallten Komiker“ im Kopf besucht Georg seine Freundin Tatjana Junk, die als Nolo bis 1998 die Freundin Trons war. Er erhofft sich nicht viel, ist daher umso erstaunter, als sie ihm erzählt, dass Tron an einem eben solchen Becher besonders interessiert war und sich danach eine Whiskyflasche – wohl die erste in seinem Abstinenzlerleben – gekauft habe. Auf dem Boden des Tonbechers im Museum habe der Name einer Whiskydestille in Schottland gestanden: Talisker.

Georg muss sofort die Probe aufs Exempel machen und testet in der Bar Hudson, die 300 Whisky-Sorten vorrätig hat, den besagten Whisky. Völlig benebelt antwortet er auf die Fragen von Ian G, der ihn hier aufstöbert. Ja, dieser durchgeknallte Typ namens Saint-Clair habe ihm ein Rätsel aufgegeben. Na, und? Als Ian seinen Kumpel vor diesen Typen warnt, ist Georg schon eingepennt.

Er erwacht mit einem Kater, der sich gewaschen hat. Mitbewohner Schmittke bemuttert den Patienten, bis Georg kurz vor Mittag wieder ansprechbar ist. Unglaublich, dass er zu einem fiesen Trick gegenüber Ian fähig ist: Er hört dessen Handy ab (siehe Episode 5!). Ian telefoniert mit seinem „Bruder Tom“, der Georg bislang als „Mista Beat“ bekannt war, der Manager von Tupac. Als sich die Stimme von Tron einschaltet, wird das Gespräch abgewürgt. Echt blöd! Aber T-Rex fragt sich nun: Warum wollen diese Komiker nicht, dass ich nach Stonehenge fahre?

_Mein Eindruck_

Eigentlich ist die Lösung für den Zaubertrank der ollen Kelten wirklich „pillepalle“, wie Georg in Todesangst schreit. Und dass sein Auftraggeber, der Oberdruide Saint-Clair, nicht von selbst draufgekommen sein soll, nehme ich dem Typen keine Sekunde ab. Aber trotzdem hält er größte Stücke auf seinen „jungen Wissenden“, der die Nachfolge von Tron antreten soll. Dass der minderbemittelte Saint-Clair von einer Frau – dreimal darf man raten, wer – mächtig eins auf die Mütze bekommt, ist daher schon ziemlich verwunderlich.

Als ginge es mit dem Teufel zu, taucht auch in England wieder Ian G aus der Versenkung auf und tut unserem Helden T-Rex gar Übles an. Sogar auf einen Altarstein wird der Ärmste gebunden und selbstredend soll er irgendwelchen längst toten Göttern geopfert werden. Diese Szene greift derart tief in die Mottenkiste des Gruselfilms, dass es die Sau graust. Ich hoffe, der Autor hat sie selbst nicht ernst genommen, oder er bekommt zehn Jahre Ekelhaft in den Verliesen des Vatikan.

Immerhin nehme ich eine nette Erkenntnis mit nach Hause: Die Jungsteinzeitler waren auch bloß Menschen. Stonehenge war ja nicht bloß Observatorium, sondern auch Kalender. Den brauchten nicht bloß die Bauern, sondern auch die Heiratswilligen. Wer am Sonnwendtag ein Kind zeugte, konnte sicher sein, dass es im März – zehn Mondmonate später – zu einer Zeit geboren wurde, wenn es wieder genügend Nahrung gab und es wärmer wurde. Die Überlebenschancen waren also ungleich höher als für ein im Winter gezeugtes Kind.

Nicht nur wurde an Sonnwend gezeugt, sondern auch kräftig gebechert. Daher die Sache mit dem Whisky, den offenbar schon die Altvorderen zu schätzen wussten. Slainte!

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Es ist schon lustig, wenn man in einem Serienhörspiel all jene Schauspieler sprechen hört, die man sonst mit bildschirmfüllenden Actionkrachern oder großartigen Romanzen in Verbindung bringt: Wesley Snipes, Ving Rhames, Johnny Depp und George Clooney. Das hebt die Handlung, die ansonsten leicht etwas trivial hätte wirken können, doch gleich eine Stufe höher, verleiht ihr den Glanz von Hollywood.

Besonders David Nathan als T-Rex hat mir gefallen, denn man hört immer einen leichten ironischen Zungenschlag bei ihm heraus. Etwas Humor hatte die Hörspielserie bislang nämlich dringend nötig. Paranoia ist ja schön und gut, aber sie ist schwer die ganze Zeit zu ertragen. Besserte sich die Lage an der Humorfront schon in den Episoden 5 und 6, so explodiert nun geradezu eine Ironiebombe. T-Rex hat eine derart freches Mundwerk, dass ich mich vor Vergnügen kringelte. „Durchgeknallte Komiker“ ist ja noch harmlos gegen die anderen Dinger, die er loslässt. Diese Respektlosigkeit macht das ganze Mysteriengewäsch endlich erträglich.

_Geräusche und Musik_

Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere, sondern sind in dieser Hinsicht zurückhaltend.

Die Musik fungiert meist ein Pausenfüller: Fetzige Gitarren, für die Markus Wienstroer verantwortlich zeichnet, und schließlich etwas wie Elektro-Rock. Mir gefielen mehr die Gitarren. Zum Glück fehlt nun die Rapmusik, weil ich mit Rap nur wenig anfangen kann.

_Unterm Strich_

Bei dieser Episode hat der Autor wirklich zu tief ins Whiskyglas geschaut, aber genau deshalb ist sie die bislang lustigste der Serie. Der Bierernst der ersten Staffel hat einer bissigen, fast schon zynischen Ironie Platz gemacht, dass es ein Vergnügen ist, Georgs Respektlosigkeiten gegen die versammelten „Komiker“ anzuhören. Die völlig verkalkten Verschwörungstheorien à la „Da Vinci Code“ haben wir allmählich dicke, daher muss sich das jeweils gelüftete Geheimnis eigentlich umso mehr der aktuellen Realität zuwenden. Das geschah im „Handy-Komplott“ und in „Der Fußball-Gott“. „Stonehenge“ stellt einen Rückfall in das alte Mysteriengeraune dar. Aber es ist wie gesagt sehr gut zu ertragen, wenn man ein stabiles Zwerchfell sein Eigen nennt.

Das mit 76 Minuten ungewöhnlich lange Hörspiel ist von Lübbe und LPL Records gewohnt sorgfältig produziert worden und es gibt absolut nichts daran auszusetzen – wie schade. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der ansonsten höchst trivialen und unglaubwürdigen Handlung den Glamour des Abenteuers.

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