Peter F. Hamilton – Das Mord-Paradigma (Mindstar 2)

Spannendes Katz-und-Maus-Spiel

Eine gekonnte, rasante Mischung aus Detektivkrimi und Science-Fiction, ein Actionreißer aus der nahen Zukunft. Dies ist der zweite Band der furiosen Mindstar-Trilogie, mit der sich der Brite Peter F. Hamilton seinen Platz auf den vordersten Ränge im Science-Fiction-Genre erobert hat.

Handlung

Das Geschehen dreht sich um den ebenso genialen wie egozentrischen Physiker Edward Kitchener und sein finales Rendezvous mit Todesfolge. Nobelpreisträger Kitchener beschäftigte sich mit Kosmischer Quantentheorie – ein Forschungsauftrag des britischen Konzerns „Event Horizon“, den wir bereits aus dem ersten Band „Die Spinne im Netz“ kennen und dem Julia Evans vorsteht.

War der Mord an Kitchener ein Eifersuchtsdrama, Vertuschung von Datendiebstahl oder gar die Tat eines Irren? Wie konnte es überhaupt passieren, dass der Mörder den besten Schutzschild durchdrang, den es für Geld zu kaufen gab? Und warum wurde der gute Prof so grausam zugerichtet?

Julia Evans schickt ihren alten Freund und Helfer Greg Mandel ins Rennen, um die Fährte aufzunehmen. Mandel ist das Überbleibsel des so genannten Mindstar-Bataillons, eines gescheiterten Versuchs in übersinnlicher Kriegsführung. Er und seine Mitsöldner, allesamt schon von Haus aus PSI-sensitiv, entwickelten durch Einpflanzung künstlicher Neurohormon-produzierender Drüsen erstaunliche Talente – in Gregs Fall die Fähigkeit, im Bewusstsein anderer Menschen zu lesen.

Wichtige Rollen im Mandel-Fall Nummer zwo spielen eine Psychodroge, die Einblicke in die Vergangenheit erlaubt, eine hochmoderne Verwahranstallt für psychisch Kranke (vulgo: Irrenanstalt), ein Schuss Quantentheorie, schmutzige politische Geschäfte und ein ungesühnter Mord.

Sympathisch ist hierbei, dass nicht nur Greg Mandel eine wichtige Rolle spielt, sondern auch Julia, seine cybermäßig aufgerüstete Chefin, sowie Gregs Freundin und spätere Frau Eleanor. Sie weist nicht nur jede Menge Mumm auf, sondern auch beeindruckende Körpermaße und nicht minder beeindruckende Intelligenz.

Fazit

Auch „Das Mord-Paradigma“ zeichnet sich wieder durch eine spannende Handlung aus, einigermaßen guten Erzählstil, eine Hand voll lebendig gezeichneter Figuren und schließlich durch einen glaubwürdig ausgedachten, aber nicht zu einfallslosen Hintergrund.

Wie in allen Mindstar-Romanen greift Hamilton tief in die Krimi-Kiste, extrapoliert die heute schon beunruhigenden Klimadaten (Treibhauseffekt, steigender Meeresspiegel, überflutete Küstenstriche), rührt etwas Biowissenschaft, Quantentheorie (die eh niemand versteht) und Cyberpunk hinzu, würzt mit einer guten Prise Politik und Wirtschaftskrieg – und fertig ist nicht etwa eine ungenießbare PSI-Pampe, sondern eine schier übersinnlich gute Mixtur aus real erscheinender Zukunftswelt und ebenso realen, weil fehlerbehafteten Menschen.

Dass Hamiltons Mindstar-Trilogie keine Eintagsfliege war, beweist seine Armageddon-Trilogie, die Bastei-Lübbe bei uns in sechs Bänden veröffentlicht hat. Nach einem Storyband dazu kamen bislang noch zwei Einzelromane, von denen „Fallen Dragon“ auf Deutsch in zwei Teilen veröffentlicht wurde.

Taschenbuch: 528 Seiten
Originaltitel: A quantum murder, 1994
Aus dem Englischen übertragen von Thomas Schichtel
www.luebbe.de

Band 1: „Die Spinne im Netz“