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Hamilton, Peter F. – Drachenfeuer (Der Drachentempel 2)

_Drachentöter sind auch nicht mehr das …_

Der Held des zweigeteilten Bandes findet endlich den Schatz, den er gesucht hat. Und der Fund zwingt ihn dazu, die Welt zu verändern und die Menschen zu befreien.

_Der Autor_

Der britische Science-Fiction-Autor Peter F. Hamilton wurde hierzulande mit seinem sechsbändigen Armageddon-Zyklus bekannt, in dem sich eine galaktische Zivilisation der Menschen einer tödlichen Bedrohung gegenübersieht. Nach dem Erzählband „Zweite Chance auf Eden“ folgte die Duologie „Der Drachentempel“ („Fallen Dragon“, 2001). Inzwischen erschienen noch auf Deutsch „Unendliche Grenzen“ (2003) sowie [„Der Dieb der Zeit“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=593 (2004).

_Handlung des zweiten Bandes (Kapitel 11 bis Schluss)_

Der Roman „Fallen Dragon“ wurde vom deutschen Verlag in zwei Bände aufgeteilt. Ich gebe hier den Inhalt bis zum Ende des zweiten Bandes wieder.

|Autarke Schottinnen|

Der Anfang des zweiten Bandes scheint zunächst überhaupt nichts mit der Haupthandlung zu tun zu haben, erweist sich aber am Schluss als ausschlaggebend. Denn die Hauptfigur, Lawrence Newton, lernt wieder einmal eine Frau kennen und lässt sich mit ihr auf eine Affäre ein. Er hat aber nicht damit gerechnet, dass sie es todernst meint.

Joona Beaumont kommt aus Schottland und ist eine Aktivistin. Sie demonstriert vor dem holländischen Hauptquartier des Großkonzerns Zantiu-Braun gegen dessen Politik. In diesem Gebäude will sich Lawrence für die Offizierslaufbahn qualifizieren. Er bemerkt die schöne Demonstrantin und grüßt sie, zunächst ironisch. Dann gibt er ihr Drinks aus. Sie landen zwar zusammen im Bett, aber Joona ist ganz anders als die hübschen Mädels, die Lawrence gewohnt ist, für eine Nacht aufs Zimmer zu nehmen.

Doch Zantiu-Braun lehnt ihn trotz guter Prüfungsergebnisse (im Simulator usw.) wegen mangelnder Anteile am Konzern ab, was ihm sehr ungerecht erscheint. Aus Frust fährt er mit Joona nach Schottland, zu ihrer geliebten Großmutter Jackie. Joona lehnt ihre Mutter ab (und damit unbewusst Lawrences Grundeinstellung). Ihr Vater ist weiß Gott wo.

Jackie verkauft Pullover aus selbst produzierter Wolle von selbst gehüteten Schafen in den schottischen Hochtälern. Ihre Philosophie, die Joona völlig übernommen hat, lautet: Mach dich von der gleichmachenden Kultur der Großkonzerne („Unikultur“ genannt) unabhängig und sorge für dich selbst, so weit es geht. Folglich zieht sie ihr eigenes Gemüse usw. Es ist der Urgedanke der Grünen und Alternativen aus den Siebzigerjahren, in die Tat umgesetzt.

Doch als der an Synthetiknahrung gewöhnte Sternenkrieger Lawrence herausfindet, dass das, was er auf seinem Sandwich isst, echtes Fleisch von echten Angusrindern ist, kotzt er sich die Seele aus dem Leib und flüchtet, so schnell ihn die Beine tragen können.

|Niederlagen|

Auf der von Zantiu-Braun eroberten Welt Thallspring entwickeln sich die Dinge zusehends zu Ungunsten der Eroberer. Prime, die subversive Software der Widerstandsbewegung, erlaubt deren Mitgliedern einige spektaktuläre Sabotageakte. Der vorläufig größte Coup zielt auf die moralische Integrität und Glaubwürdigkeit der Eroberer. Der junge Skin-Söldner Hal aus Newtons Platoon kommt vor Liebessehnsucht fast um und besorgt sich einen illegalen Besuch in einem obskuren Bordell. Am nächsten Morgen wird er verhaftet. Der Grund: Er habe die Tochter des Bürgermeisters vergewaltigt. Es gebe weder ein Taxi, das er benutzt habe, noch ein Bordell, wo er sich vergnügt habe.

Hal, der notgeile Bauerntrampel, mag toben und betteln, wie er will, niemand glaubt ihm (außer Newton). Auf Drängen des Bürgermeisters und des Gouverneuers wird er zum Tode durch Erschießen verurteilt. Denn das Prime hat alle gegenteiligen, Hals Version stützenden Daten aus dem Zentralcomputer gelöscht. Doch Newton lässt den hingerichteten Söldner nicht im Stich.

In einem Rückblick auf Newtons Kampagnen kommt nun erstmals (etwa auf Seite 160) die Sprache auf ein Dorf im Hinterland Thallsprings, wo nach seiner Meinung nicht alles mit rechten Dingen zugehen kann. Arnoon Village ist ein Bilderbuchdorf mit Häusern, die besser ausgestattet sind als eine Gouverneursvilla. Und das mitten im Dschungel? Newton selbst vereitelt eine Vergewaltigung und lernt Denise, die Schwester des Beinaheopfers, kennen. Denise ist der spätere Kopf der Widerstandsgruppe auf Thallspring.

Ein dritter Rückblick zeigt Newtons Platoon bei der verheerenden Kampagne auf dem Planeten Santa Chico. Die bis an die Zähne bewaffneten Söldner sind froh, dass sie mit heiler Haut aus dieser Hölle entkommen können. Der Grund: Die beschleunigte Evolution des Planeten hat die ursprünglichen menschlichen Siedler binnen weniger Generationen derartig umgestaltet, dass sie mit ihrer Umwelt optimal umgehen und sie ihre eigene Weiterentwicklung steuern können. Riesige, von Menschen gesteuerte „Elefanten“ namens Makrorexe rennen die Platoons nieder, Flugsaurier attackieren die Raumfähren und Hubschrauber.

|Der Drachenfund|

Nach der Hal-Episode, die die Unfähigkeit seines Arbeitgebers bloßgestellt hat, macht sich Newton mit einer kleinen Gruppe Getreuer auf in die Berge von Arnoon Province. Doch Denise und der Widerstand haben etwas dagegen. Ein schweres Gefecht dezimiert die Schatzsucher erheblich.

Als Einzigem gelingt es Newton, den Drachentempel zu erreichen, allerdings mehr tot als lebendig. Dort macht er Bekanntschaft mit dem vom Himmel gefallenen Alien, das als „Der Drache“ bezeichnet wird und dessen fremde Nanotechnologie die Angehörigen des Widerstands zu allen möglichen übermenschlichen Taten befähigt.

|Newtons Entscheidung|

Nun muss Newtons auf der Grundlage seiner bisherigen Erfahrungen mit dem Universum, das die Konzerne und ihre Skins geschaffen haben, überlegen, wie die überragende Technologie, die der Drache bereitgestellt hat, sinnvoll genutzt werden kann. Bei dieser Entscheidung hilft ihm der Hintergrund, den der Drache und Denise über das Universum der Drachen, das Ring-Universum, liefern.

Newtons Entscheidung bedeutet das Ende der Konzerne und Freiheit für Menschen wie Joona Beaumont und die Evolution auf Santa Chico. Doch bevor es so weit ist, muss er sich mit einem hartnäckigen Verfolger namens Simon Roderick auseinandersetzen, dem Vorstandsvorsitzenden des Superkonzerns Zantiu-Braun.

Der Showdown findet im Orbit um den Roter-Riese-Stern Aldebaran statt. Denn dies ist die Heimat der Drachen …

_Mein Eindruck_

|Der Drachentöter und der Hort|

Die Geschichte erinnert nicht von ungefähr an die Sage von Siegfried dem Drachentöter, die ihrerseits wieder auf isländischen Vorbildern beruht. Allerdings wandelt der Autor die Sage beträchtlich ab. Der Drache ist nicht der eifersüchtige Hüter des Schatzes, sondern ein bereitwilliger Geber von neuem Wissen – er ist der Schatz selbst. Selbstredend sollte man ihn nicht zerstören, sondern vielmehr vor Leuten, die ihn für ihre eigenen Machtzwecke missbrauchen wollen, bewahren.

|Bösewichte und Kritik|

In der Folge ist Newton mit den Kräften eines Siegfried ausgestattet, und er setzt die Drachenmacht zu Zwecken ein, die in seinen Augen „gut“ sind. Simon Roderick hingegen erscheint nun als habgierige und neidische Gestalt à la Alberich und Hagen, die es auf Newton und seinen Drachen abgesehen haben. Roderick ist der Repräsentant der Globalisierung bzw. eines global operierenden Konzerns. Man braucht nur „Zantiu-Braun“ durch „Microsoft“ zu ersetzen und sieht den Bezug zur aktuellen Wirklichkeit des Lesers.

Rodericks und ZB’s Rolle sind deutliche Hinweise darauf, was der Autor kritisiert: Die „Unikultur“, die nimmersatte Konzerne über die ganze von ihnen beherrschte Welt verbreiten. Die Globalisierungsgegner im Buch, wie etwa Joona Beaumont und die Anführerin auf Santa Chico, haben durchaus einige Argumente, die für sie sprechen: Sie gehen Wege, die den Companys nicht passen, die aber für die Menschheit als solche wichtig und sogar notwendig sein können, zumal auf anderen Welten als der alten, ausgelaugten Erde.

Zum Glück bleiben alle Liebeshändel und Frauenzweikämpfe, die man sattsam aus der Nibelungen-Saga kennt, bei Hamilton außen vor. Allerdings findet auch Newton kein Liebesglück bei der schönen Guerillakämpferin Denise – das wäre ja ein unerträgliches Klischee. Stattdessen scheint er zu Roselyn zurückzuwollen, jener Frau, die ihm „einst das Herze brach“. Na ja.

|Offene Frage|

Was am Schluss umgeklärt bleibt: Es wurde zwar gesagt, woher Newton sein eigenes Prime, also die Alien-Software, hatte. Doch bleibt verschwiegen, woher Newtons Freund Vince das Prime hatte. Eine Verbindung zu Arnoon Village wird nämlich nicht gezogen. Wir müssen annehmen, dass der gute Vince das Prime aus dem globalen Datapool gefischt hatte, was doch recht unwahrscheinlich erscheint: Der Datapool wird laufend von den KIs der Konzerne überwacht.

Mag der Showdown auch toll gewesen sein, so schafft es der Autor doch nicht ganz, alle losen Fäden zu verknüpfen und einen befriedigenden Schluss zurechtzuzimmern. Wahrscheinlich hatte er nicht wie Prof. Tolkien zwölf Jahre Zeit für sein Werk.

|Die Übersetzung|

Zur Übersetzung kann ich nur das bereits in der ersten Besprechung Gesagte wiederholen. Ich habe auch im zweiten Band Fehler gefunden (Seiten 328, 447, 493 und 621). So hat der Übersetzer das englische Wort „holiday resort“ nicht als Ferien- oder Freizeitanlage übersetzt, sondern als „Ferien-Ressort“. Dumm nur, dass im Deutschen ein „Ressort“ etwas ganz anderes meint.

_Unterm Strich_

Als moderne Abwandlung der Sage vom Helden Siegfried und dem Drachenhort reüssiert diese Duologie als eine abenteuerliche Söldner- und Piratenstory, die in der Gründung einer neuen Weltordnung mündet. So ist’s recht. So haben die griechischen Prometheus-&-Co.-Mythen angefangen. Und aus diesem Holz sind eigentlich die besten Heldensagen geschnitzt, wenn man sich einmal die Geschichte der „heroischen“ Unterhaltungsliteratur ansieht.

Hamiltons Romanen liegt es fern, diese Mythen und Motive infrage zu stellen oder gar subversiv zu hinterfragen. Vielmehr kombiniert er ihre Elemente zu etwas Neuem, das für den heutigen jugendlichen Leser sowohl fesselnd als auch interessant ist. Wer nicht zu hohe Ansprüche an solche Unterhaltungs-Science-Fiction stellt, dürfte mit der Duologie „Der Drachentempel“ zufrieden sein.

Hamilton, Peter F. – Sternenträume (Der Drachentempel 1)

_Auch die Zukunft braucht Söldner und Piraten!_

Abenteuer auf fremden Welten – wer würde die nicht gerne lesen und sogar selbst erleben? Der Held des Zweiteilers „Der Drachentempel“ erlebt beides, doch ganz anders, als er sich dies vorgestellt hat.

_Der Autor_

Der britische Science-Fiction-Autor Peter F. Hamilton wurde hierzulande mit seinem sechsbändigen Armageddon-Zyklus bekannt, in dem sich eine galaktische Zivilisation der Menschen einer tödlichen Bedrohung gegenübersieht. Nach dem Erzählband „Zweite Chance auf Eden“ folgte die Duologie „Der Drachentempel“ („Fallen Dragon“, 2001). Inzwischen erschienen noch auf Deutsch „Unendliche Grenzen“ (2003) sowie [„Der Dieb der Zeit“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=593 (2004).

_Handlung des ersten Bandes (bis Kapitel 10)_

Der Roman „Fallen Dragon“ wurde vom deutschen Verlag in zwei Bände aufgeteilt. Ich gebe hier den Inhalt bis zum Ende des ersten Bandes wieder, also bis zum 10. Kapitel. Es geht leider nicht ohne ein paar Vorausverweise auf den zweiten Band.

Lawrence Newton wächst in der Familie eines wohlhabenden Kolonialpolitikers auf dem Planeten Amethi auf. Allerdings interessiert er sich als typischer Pubertierender weder für Politik noch für gute Schulnoten, sondern vor allem für interaktive Games. Auch die Science-Fiction-Serie „Flight: Horizon“ hat es ihm angetan. In dieser erforschen kühne Menschen die Tiefen des Weltraums; man kennt das ja aus „Star Trek“ und seinen Ablegern.

Eines Tages nimmt ihn sein Vater verblüffenderweise zu einem Ausflug in ein Kongresshotel mit. Dort lernt Lawrence die umwerfend schöne Roselyn kennen, die gerade als irische Einwanderin von der Erde eingetroffen ist. Die beiden haben eine tiefe, leidenschaftliche Liebesaffäre und gehen sogar zusammen auf die Hochschule. Seine Leistungen verbessern sich zusehends – die Beamtenlaufbahn steht ihm offen.

Bis zu jenem Tag, an dem Roselyn aus Versehen eine kleine Information entschlüpft, die Lawrence klar macht, dass ihn sein Vater hinsichtlich der Forschungsexpeditionen der Erde belogen hat. Keine große Sache. Doch dann belauscht er auch, dass Roselyn von seinem Vater engagiert worden ist, um seine schulischen Leistungen zu verbessern und ihn ganz allgemein auf „den richtigen Weg“ zu bringen. Für Lawrence bricht eine Welt zusammen, und er verlässt seine Heimatwelt.

Als einfacher Söldner für den Megakonzern Zantiu-Brown nimmt er an planetenumspannenden Feldzügen teil. ZB nämlich kauft tief verschuldete Kolonialplaneten auf, um so einen Gewinn zu „realisieren“. Diese „Gewinnrealisierung“ ist nichts anderes als moderne Piraterie im 23. Jahrhundert. Die Söldner erwerben bei diesen Kampagnen Anteile an ihrem Arbeitgeber und haben Aufstiegschancen (diese sind beschränkt, wie der zweite Band zeigt).

Der Autor beschreibt haarklein, wie die überlegene Ausrüstung der ZB-Söldner, der Skins, aufgebaut und zusammengesetzt ist. Unterm Strich handelt es sich um eine kybernetische Aufrüstung von Körper und Geist des Söldners in körperlicher, waffentechnischer und kommunikativer Hinsicht. Skins sind praktisch unangreifbare Halbgötter. Auf den eroberten Welten sind sie dementsprechend verhasst.

Die neueste Kampagne führt die Skins auf die grüne Welt Thallspring, wo man sie ebenfalls mit einem Steinhagel empfängt, doch der Gouverneur gibt klein bei. Denn erstens drohen die ZB-Schiffe damit, einen tödlichen Gammastrahler einzusetzen und zweitens legt man ausgewählten Geiseln Halsbänder um, die sich auf Funkbefehl in tödliche Sprengkapseln verwandeln.

Doch etwas ist diesmal anders. Es gibt nämlich eine organisierte Widerstandsbewegung im Untergrund der Städte von Thallspring. Zunächst sehen die Attacken, denen Skins zum Opfer fallen, wie einfache Unfälle aus, doch dann wird einer entführt. Wer steckt dahinter? Wie konnte es geschehen, dass die Datenbanken und -verbindungen der Söldner, ja, sogar die Künstlichen Intelligenzen manipuliert werden konnten? Simon Roderick, der Statthalter Zantiu-Browns auf Thallspring, und Lawrence Newton, inzwischen Sergeant der Skins, sind sehr beunruhigt. Doch es kommt noch schlimmer.

_Mein Eindruck_

Nach den Angaben des Klappentextes hört Newton „Gerüchte von einem geheimnisvollen Drachentempel, einem mythischen Platz, wo vor vielen Jahrtausenden ein fremdes Wesen vom Himmel abgestürzt sein soll und wo nun Priester einen ungeheuren Schatz horten“.

Mal vom holprigen Deutsch dieses Satzes abgesehen, so stimmt davon nur die Hälfte und nichts davon findet sich in diesem ersten Band des Romans. Insofern kann man das Buch mit Recht als eine Mogelpackung bezeichnen. Lawrence schöpft Verdacht auf Seite 160 des zweiten Band und findet die Wahrheit erst auf Seite 330 heraus. Das ist also noch eine Weile hin.

Statt um eine Schatzsuche und ein mysteröses Alien geht es zunächst einmal um die verratene Jugendliebe des jungen Lawrence, um die fragwürdige Piratenpolitik Zantiu-Browns und um die Hintergründe der Widerstandsbewegung auf Thallspring. Deren Anführerin Denise erzählt nämlich den Kindern von Thallspring eine merkwürdige Sage aus einem gewissen „Ring-Universum“ – wo sie diese Geschichte wohl her hat?

Ansonsten hat dieser erste Band große Ähnlichkeit mit einem Söldnerroman, der lediglich um zwei Dimensionen angereichert worden ist. Und im zweiten Band bricht eine kleine Gruppe dieser Söldner eigenmächtig zu einer kleinen Schatzsuche auf. Immerhin führt dies dann aber zu einer kompletten Veränderung des von Menschen besiedelten Universums (mehr dazu in der entsprechenden Rezension).

|Die Übersetzung|

Wie schon beim Armageddon-Zyklus, klebt der Übersetzer Axel Merz manchmal zu sehr am Original und überträgt eins zu eins ins Deutsche, besonders dann, wenn der Originalausdruck keine Entsprechung in einem einzelnen Wort zu haben scheint. Für den deutschen Leser, der den Originalausdruck nicht kennt oder nicht erschließen kann, macht dies aber das Verständnis einer Übersetzung schwierig oder diese sogar doppeldeutig.

Beispiele. Gleich auf Seite 7 geht’s schon los: „Es war der Weg der Dinge in Kuranda.“ Eine wörtliche Übertragung aus dem Englischen. Nun, man kann sich vorstellen, was gesagt werden soll. Aber im Deutschen würde man sagen „so liefen die Dinge nun mal in Kuranda“.

Aber es gibt auch sachliche Fehler wie etwa „Bilbo Bentlin“ (statt „Beutlin“) und sogar komplette falsche Wörter, so etwa „ich“ statt „ist“ auf der letzten Seite des zweiten Bandes. Auch das Wort „extradieren“ (S. 531, Band 1) sucht man im DUDEN vergebens, denn es muss „extrudieren“ heißen wie im restlichen Buch auch – oder „extrahieren“, aber nicht an dieser Stelle.

_Unterm Strich_

Hamilton gelingt es wie schon im Armageddon-Zyklus auch diesmal wieder, eine spannende Söldner-Actionhandlung mit einer anrührenden Lebensgeschichte (nämlich der von L. Newton) zu verbinden und diesem Komplex durch die Mythen aus dem Ring-Universum eine gewisse Überhöhung zu verleihen, so dass der Leser Anteil sowohl am kleinsten Element, einem Individuum, als auch am größten Komplex, dem Universum, nimmt und sich am Schluss das eine in das andere einordnet und es verändert. Das ist clever gemacht und an kaum einer Stelle langweilig.

Besonders junge Leser, die sich mit L. Newton identifizieren können, werden den Roman spannend und interessant finden. Das sind nach Hamiltons Vorstellung offenbar Leser, die sowohl Tolkiens Romane kennen, als auch Science-Fiction-Serien im TV und Computer-Games mögen. Und da der Kampf der Söldner und ihre Schatzsuche im Vordergrund stehen, dürften die von ihm gewünschten Leser vor allem männlich sein.

Trotz aller Fehler usw. habe ich den Roman und seine Fortsetzung in wenigen Tagen verschlungen, denn die Bücher sind geschickt erzählt (Gegenwart wechselt mit Vergangenheit ab) und mit netten Einfällen gespickt. Besonders gefiel mir die Figur des Lawrence Newton. So stellt man sich den männlichen Helden par excellence vor, doch er ist zum Glück nicht frei von menschlichen Fehlern (ich sage nur: Roselyn!).

Die Fortsetzung trägt den Titel „Drachenfeuer“ (Nr. 23255).

Peter F. Hamilton – Die Nano-Blume (Mindstar 3)

Spannender SF-Krimi mit Schreckensvisionen
„Die Nano-Blume“ ist der Abschlussband der furiosen Mindstar-Trilogie, mit der sich der Brite Peter F. Hamilton seinen Platz auf den vordersten Ränge im Science Fiction-Genre erobert hat: eine gekonnte, rasante Mischung aus Detektivkrimi und Science Fiction, ein Actionreißer aus der nahen Zukunft, in dem auch Aliens ein Wörtchen mitreden.
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Peter F. Hamilton – Das Mord-Paradigma (Mindstar 2)

Spannendes Katz-und-Maus-Spiel

Eine gekonnte, rasante Mischung aus Detektivkrimi und Science-Fiction, ein Actionreißer aus der nahen Zukunft. Dies ist der zweite Band der furiosen Mindstar-Trilogie, mit der sich der Brite Peter F. Hamilton seinen Platz auf den vordersten Ränge im Science-Fiction-Genre erobert hat.

Handlung

Das Geschehen dreht sich um den ebenso genialen wie egozentrischen Physiker Edward Kitchener und sein finales Rendezvous mit Todesfolge. Nobelpreisträger Kitchener beschäftigte sich mit Kosmischer Quantentheorie – ein Forschungsauftrag des britischen Konzerns „Event Horizon“, den wir bereits aus dem ersten Band „Die Spinne im Netz“ kennen und dem Julia Evans vorsteht.

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Hamilton, Peter F. – Spinne im Netz, Die (Mindstar 1)

_Die Post geht ab im Cyberspace_

Mit seiner Mindstar-Trilogie verhalf der Engländer Hamilton der Space-Opera in der Science-Fiction wieder zu neuen Ideen und neuem Glanz. In stilistischer Hinsicht ist „Die Spinne im Netz“ ein spannender Actionkrimi vor dem Hintergrund einer phantasievoll weitergeführten Wirklichkeit.

_Handlung_

Im Mittelpunkt dieses Romans steht Greg Mandel, ein rechter Kerl, der zuzupacken versteht. Und gleich in der ersten Szene befreit er eine hübsche junge Frau, Eleanor, aus den Klauen einer Sekte, die von ihrem Vater geführt wird. Zum Glück besteht Eleanor nicht nur aus Arsch und Titten, sondern trägt beherzt und intelligent wesentlich zum Erfolg der Mission bei, auf sich ihr Freund nun einlässt.

Mandel ist ehemaliges Mitglied einer britischen Elitetruppe namens Mindstar-Bataillon. Dessen Angehörige waren experimentell mit Extradrüsen ausgestattet worden, um so ihre geistige Kapazität zu erhöhen. Inzwischen verdient sich Mandel als Privatdetektiv seine Brötchen und zwar mit einer ausgefallenen Eigenschaft: Er kann feststellen, ob jemand lügt. Seine Drüse schüttet Neurohormone aus, die es ihm erlauben, die Hirnaktivität seines Gegenübers zu scannen. Leider ist das Aktivieren der Drüse auch sehr erschöpfend – dann hat Mandel einen „Neurokater“.

In einer Hightech-Zeit, in der Verbrechen von bezahlten Hackern per Computernetz verübt werden, in einer Zeit der Künstlichen Intelligenz ist Mandel derjenige, den man ruft, wenn es hart auf hart kommt, will heißen, wenn böse Buben üble Dinge tun. So auch, als ein Saboteur das mächtige Wirtschaftsunternehmen Event Horizon bedroht.

Nachdem die globale Erwärmung zahlreiche Küstenstädte hat absaufen lassen, wurde wertvolle Produktionskapazität in den Erdorbit verlegt. Event Horizon (wörtlich: „Ereignishorizont“) hat eine wichtige Orbitalfabrik für Chips, liefert aber 35 Prozent Ausschuss. Wie kann das sein? Der Sicherheitschef der Firma, Morgan Walshaw, rekrutiert Mandel im Auftrag seines Bosses, Philip Evans, um mal die Belegschaft der Fabrik auf Saboteure zu scannen. Evans lebt krank in seinem luxuriösen Schloss mit seiner hübschen Tochter Julie, die allerdings KI-mäßig aufgerüstet ist und Mandel durchaus folgen kann. Sie wird nach dem Tod ihres Opas Philip die Firma leiten.

Nachdem Mandel den Fall geklärt hat, geht der Spaß erst richtig los. Denn der Hintermann der Orbitaloperation ist Kendric di Girolamo, ein stinkreicher Freelance-Unternehmer, der mal mit Julie ein Verhältnis hatte. Kein Wunder, dass zwischen den beiden große Abneigung herrscht. Girolamo hat zudem Julies Freundin Katerina unter Drogen gesetzt und zu seiner Sexsklavin gemacht.

Und hinter Girolamos Angriffen auf Evans‘ Zentralcomputer steht die abgesetzte ehemalige Regierungspartei, die SVP. Das scheint eine Art linke Nazipartei gewesen zu sein, die das Land komplett in den zehn Jahren ihrer Herrschaft komplett herunterwirtschaftete, aber wieder zurückkommen will. Die SVP hat es zudem auf eine neue Erfindung Event Horizons angesehen: Der Gigaleiter könnte billige Energie an jedem Ort der Erde bereitstellen. Es könnten also auch noch andere Unternehmen dahinterstecken.

Mandel macht einen Hacker nach dem anderen dingfest, doch der Mann im Hintergrund hat noch ein As im Ärmel: Er nimmt Mandel und dessen präkognitive Gehilfin Gabriel gefangen. Es scheint ernst zu werden. Aber was wäre Greg ohne seine Eleanor? Und Julie ist ja auch noch da.

_Fazit_

Diese weiterentwickelte Kombination aus Cyberpunk und Actionthriller ist durchaus gut zu lesen und recht unterhaltsam. Lediglich die gewundenen Intrigen könnten etwas verwirren, etwa durch sehr viele Namen. (Ein Personenverzeichnis gibt es nicht.)

Hamilton hat sich außerdem so seine Gedanken über eine mögliche Zukunft seines Landes gemacht. Diese Visionen sind womöglich noch weitaus interessanter. Jeder Hackerfan aus dem grauen Cyberpunkzeitalter, jeder Ökofreund wird in dem Buch etwas für seinen persönlichen Geschmack finden. So viele Interessen bedient Hamilton, dass es schon wieder ein wenig suspekt und beliebig erscheint.

Ich habe mich in der Mitte etwas allein gelassen gefühlt, als der zweite Plot einfach nicht richtig in die Gänge kommen wollte und Personen wie Julie im Vordergrund standen. Diesen toten Punkt muss man eben überwinden, denn die letzten hundert Seiten sind Action und Spannung pur.

Gut fand ich aber, dass sich die Hauptfiguren aufgrund der Ereignisse weiterentwickeln: Julie, Greg, Eleanor. Das unterscheidet das Buch von reiner Massenware. Dennoch sind noch zu viele Klischees in der Figurenzeichnung zu finden: der kernige Greg, die sexy Eleanor, die unschuldige Julie, der weise (aber skrupellose!) Opa usw.

|Originaltitel: Mindstar rising, 1993
Aus dem Englischen übertragen von Thomas Schichtel|

Peter F. Hamilton – Drachenfeuer (Der Drachentempel 2)

Der Drachentöter und die Globalisierung

Lawrence Newton desertiert aus der Söldnerarmee, in der er angeheuert hatte, um Abenteuer zu erleben. Mit einer Hand voll Gefährten macht er sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen „Drachentempel“, einem mythischen Platz, wo vor vielen Jahrtausenden ein fremdes Wesen vom Himmel abgestürzt sein soll und wo nun Priester einen ungeheuren Schatz horten. Aus der einfachen Schatzsuche wird jedoch bald ein gefährliches Unternehmen, von dem mehr als das Schicksal einiger weniger Menschen abhängt. Lawrence rüttelt an alten Geheimnissen, und plötzlich ist das ganze Sternensystem in Gefahr… (Verlagsinfo)

Der Autor

Peter F. Hamilton – Drachenfeuer (Der Drachentempel 2) weiterlesen

Peter F. Hamilton – Sternenträume (Der Drachentempel 1)

Schatzjäger zwischen allen Fronten

Der junge Lawrence Newton hat immer davon geträumt, die Galaxie zu erforschen. Doch er ist im falschen Zeitalter geboren: Die Eroberung des Weltraums geht ihrem Ende entgegen. Zwanzig Jahre später ist er Sergeant eines Invasionstrupps, der im Auftrag eines großen Konzerns einen Planeten zu erobern versucht. Während des Kampfes hört er Gerüchte von einem geheimnisvollen „Drachentempel“, einem mythischen Platz, wo vor vielen Jahrtausenden ein fremdes Wesen vom Himmel abgestürzt sein soll und wo nun Priester einen ungeheuren Schatz horten. (Verlagsinfo)

Abenteuer auf fremden Welten – wer würde die nicht gerne lesen und sogar selbst erleben? Der Held des Zweiteilers „Der Drachentempel“ erlebt beides, doch ganz anders, als er sich dies vorgestellt hat. Denn er gerät zwischen alle Fronten, und sein Schatz rückt in weite Ferne.
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[NEWS] Peter F. Hamilton – Die Dämonenfalle

Der Meister der Space Opera meldet sich wieder zu Wort! Peter F. Hamilton stellt auf eindrucksvolle Weise sein großes erzählerisches Talent unter Beweis. Ganz gleich, ob es um SF mit Horror-Elementen geht, um einen Mord in einem alternativen viktorianischen Oxford oder um brandneue Abenteuer im Intersolaren Commonwealth: In Die Dämonenfalle läuft Hamilton zur absoluten Höchstform auf und demonstriert einmal mehr, warum er zu den größten SF-Autoren der Gegenwart zählt. (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 352 Seiten
Originaltitel: Manhattan in Reverse
Bastei Lübbe

[NEWS] Peter F. Hamilton – Die Besessenen (Armageddon-Zyklus 5)

Die Konföderation steht kurz vor dem Zusammenbruch. Die Besessenen haben es dadurch noch leichter, neue Welten zu infiltrieren. An allen Fronten wird gekämpft: Auf der Erde wütet Quinn Dexter, verfolgt von Louise Kavanagh. Ihr gelingt es, einige Verbündete zu finden. Doch deren Ziele stimmen nicht immer mit ihren eigenen überein … (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 992 Seiten
Pieper

[NEWS] Peter F. Hamilton – Seelengesänge (Armageddon 3)

Der dritte Band des faszinierenden Armageddon-Zyklus: Die uralte Bedrohung ist von Lalonde entkommen und hat den Frieden der Konföderation zerstört. Jene, die sich ihr unterwarfen, haben gottähnliche Kräfte erlangt, doch wandeln sie nun auf den Pfaden des Bösen. Auf allen Planeten wird gegen die Höllenkräfte gekämpft. Währenddessen setzt Dr. Alkad Mzu alles daran, die von ihr entwickelte Superwaffe zu reaktivieren. Joshua Calvert muss sie finden, bevor die Apokalypse ausbricht … (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 944 Seiten
Originaltitel: The Neutronium Alchemist 1
Piper

[NEWS] Peter F. Hamilton – Der unsichtbare Killer

Zwei Welten. Viele Tote. Ein Killer.

Newcastle, 2142: Detective Sidney Hurst untersucht den Tatort eines brutalen Mordes und stellt dabei fest, dass ein Serientäter am Werk sein muss. Denn zwanzig Jahre zuvor sind auf dem Tropenplaneten St. Libra Menschen auf dieselbe Weise getötet worden. Angela Tramelo sitzt seitdem für die Tat im Gefängnis – offenbar unschuldig. Also wird ein Expeditionsteam nach St. Libra geschickt, um dort der Sache auf den Grund zu gehen. Doch bald schon schaltet jemand ― oder etwas ― die Teammitglieder nach und nach aus … (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 1136 Seiten
Originaltitel: Great North Road
Bastei Lübbe

[NEWS] Peter F. Hamilton – Der Abgrund jenseits der Träume (Die Chronik der Faller 1)

Endlich kehrt Peter F. Hamilton zu seinem beliebtesten Universum zurück. Auf diesen Band, Teil des »Commonwealth«-Zyklus und zugleich idealer Einstieg für Neuleser, haben die Fans seit Jahren gewartet: Was liegt hinter der Leere, der gefährlichsten Anomalie der Galaxis, die niemand zuvor durchquert hat? Die Leere ist ein gewaltiges, machtvolles Gebilde, mysteriöser und gefährlicher als alles im Universum. Als ein selbsternannter Prophet von dort Traumbilder empfängt, die auf eine bevorstehende Katastophe hindeuten, wird Nigel Sheldon beauftragt, zur Leere zu reisen. Er soll alles über den Ursprung der Träume herausfinden und die letzte Grenze überschreiten. Und was er entdeckt, wird über das Schicksal aller Zivilisationen entscheiden … (Verlagsinfo)

Broschiert: 816 Seiten
Originaltitel: The Abyss Beyond Dreams
Piper

Peter F. Hamilton – Die dunkle Festung, Die (Commonwealth-Saga 4)

Die Commonwealth-Saga:

Band 1: Der Stern der Pandora
Band 2: Die Boten des Unheils
Band 3: Der entfesselte Judas
Band 4: Die dunkle Festung

Mit „Die dunkle Festung“ schließt Peter F. Hamilton seine Commonwealth-Saga ab. Der geheimnisvolle Feind der Menschheit, der „Starflyer“, wird enttarnt und zum letzten Gefecht gestellt, auch der Konflikt mit den Primes strebt seinen Höhepunkt zu. Entweder die Primes gehen unter oder die Menschheit; es scheint keine Alternative zum eigenen Genozid oder dem Xenozid an den Primes zu geben. Das behagt dem von den Pfaden der Silfen heimgekehrten Ozzie nicht, während sein alter Partner Nigel Sheldon wesentlich pragmatischer denkt: Er hat für seine superreiche Dynastie bereits Generationsschiffe in Auftrag gegeben, mit denen er sich im Fall der Fälle absetzen kann …

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Peter F. Hamilton – Die Boten des Unheils (Commonwealth-Saga 2)

„Die Boten des Unheils“ ist der zweite Band des |Commonwealth|-Zyklus von Peter F. Hamilton, der mit [„Der Stern der Pandora“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?idbook=2261 begann.

Die Expedition des Raumschiffs |Second Chance| zu dem fernen Dyson-Sternpaar endet in einer Katastrophe: Kaum eingetroffen, bricht die unerklärliche Barriere um das Sternensystem zusammen und man wird von aggressiven Aliens attackiert. Bei der überstürzten Flucht bleiben zwei Besatzungsmitglieder zurück.

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Peter F. Hamilton – Der Stern der Pandora (Commonwealth-Saga 1)

Im Jahr 2380 hat sich das intersolare Commonwealth der Menschheit auf über 600 Welten in einem knapp 400 Lichtjahre durchmessenden Gebiet ausgebreitet. Man versteht es zwar, überlichtflugfähige Sternenschiffe zu bauen, aber es existieren nur wenige.

Denn just zum Zeitpunkt der ersten Landung auf dem Mars entdeckte man die Wurmlochtechnologie – die vermeintlichen Raumfahrtpioniere sprachen bedeutungsschwere Worte und wurden im selben Moment winkend aus einem kalifornischen Physiklabor gegrüßt, das ein Wurmloch zum Mars geöffnet hatte. Die Expansion des Commonwealths wurde durch die Wurmlochportale ermöglicht, mit deren Hilfe man per Bahn von Welt zu Welt reisen kann.

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Peter F. Hamilton – Der Dieb der Zeit – Das zweite Leben des Jeff Baker

Die europäische Regierung hat im Jahr 2042 den ersten Menschen dauerhaft verjüngt: Jeff Baker, der angesehene „Vater der Datasphäre“, die 2010 das Internet abgelöst hat. Doch was bedeutet es für Jeff und seine Familie, von einem hellwachen, aber müden Greis zu einem ungestümen Sexprotz verwandelt worden zu sein? So oder so – die Rechnung dürfte für die EU-Regierung nicht aufgehen. Jeff muss sich zwischen seiner Familie und der Loyalität zur Regierung entscheiden.

Der Autor

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Hamilton, Peter F. – Den Bäumen beim Wachsen zusehen

Ein rätselhafter Mord ereignet sich an der ehrwürdigen Universität von Oxford: Im rechten Auge des Studenten Justin Ascham Raleigh steckt ein Messer. Doch weder den Mörder noch seinen Fluchtweg noch das Motiv vermag Chefinspektor Pitchford herauszufinden. Wie es scheint, haben Justins fünf engste Freunde alle ein Alibi bzw. kein Motiv.

Der Familien-Ermittler der Raleighs hofft auf den technischen Fortschritt, um die Beweismittel, wo sie auch sein mögen, herbeizuschaffen, um den wahren Mörder zu finden, zu überführen und seiner gerechten Strafe zuzuführen.

In der Tat dauert es noch 206 Jahre, bis Edward dieses Kunststück gelingt, 10.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Und im Vatikan herrschen immer noch die Borgias.

Der Autor

Peter F. Hamilton wurde 1960 in Rutland, GB, geboren. 1988 erschien seine erste Kurzgeschichte in dem Science-Fiction-Magazin „Fear“. Sein erster Roman, der erste Band der „Mindstar“-Trilogie, erschien 1993. Das Hauptwerk Hamiltons bildet bislang der (im Deutschen) sechsbändige |Armageddon|-Zyklus, eine der wichtigeren New Space Operas.

Der Sprecher

Detlef Bierstedt ist ein gefragter Synchronsprecher, der u.a. George Clooney und Jonathan Frakes (Star Trek TNG) seine Stimme leiht und mit Begeisterung Hörbücher interpretiert. Für |Lübbe Audio| hat er die Dick-Francis-Romane gelesen.

Handlung

Wir schreiben das Jahr 1832. Im englischen Oxford klingelt zu nachtschlafender Stunde das Telefon von Edward Bucahanan Raleigh, einem Ermittler der weitverzweigten Familie Raleigh. Am Apparat: Francis Haughton, der Repräsentant bzw. Unterhändler des Klans. Schlechte Nachrichten: Einer der Ihren wurde an der Uni tot aufgefunden – ermordet!

Im Elektroauto – Verbrennungsmotoren sind verboten – fahren die beiden mit dem Affentempo von 25 km/h zur Uni, ans Dunbar College. Seltsam, es sind immer noch Leute unterwegs, die Hälfte davon schwangere Frauen. Chefinspektor G. A. Pitchford empfängt die beiden Herren im Zimmer des getöteten Studenten. Es ist voller Sternkarten, Fotos und einer elektrischen Schreibmaschine. Justin Ascham Raleigh studierte hier Astronomie, nun steckt ihm ein Messer im Hirn.

Er war Mitglied einer Freundesgruppe von weiteren fünf Studenten und Studentinnen, die der Reihe nach von Inspektor Pitchford verhört werden. Peter Samuel Griffith und Carter Osborne Kenyon werden entlastet. Bethany Maria Caesar aus dem Klan der Caesars war Justins Freundin, er wollte sie heiraten und viele Kinder mit ihr haben. Sie studiert Biochemie und steht kurz vor der Entdeckung der DNS. Sie kommt ja wohl kaum als Täterin infrage.

Dann sind da noch die schwangere Christine Jayne Lockett, eine Künstlerin von lockeren Sitten, und der zwielichtige Anthony Caesar Pitt. Er macht seine Aussage nur in der Obhut des Familien-Repräsentanten Neill Heller Caesar. In der Mordnacht will Anthony in einem illegalen Spielklub des Lasters gefrönt haben. Immerhin kann Edward Raleigh Anthonys Zigarrenstummel finden und in einer Plastiktüte verstauen. Es sieht ganz so aus, als habe jeder der fünf Studenten ein gutes Alibi. Wie aber konnte der Mord verübt werden, wie konnte der Mörder entkommen? Niemand hat ihn aus Justins Zimmer kommen sehen. Ist er an der Glyzinie vor dem Fenster hinuntergeklettert?

Edward schwört bei seiner Familienehre, er werde den Mörder bis ans Ende seiner Tage verfolgen und nicht ruhen, bis er ihn – oder sie – dingfest gemacht hat. Einstweilen hinterlegt er seine Beweismittel in der Gefrierkammer des Gerichtsmedizinischen Instituts auf dem Raleigh-Hauptsitz in Southampton. Es wird von der attraktiven Rebecca Raleigh Stothard geleitet, einer klugen Frau, die zwar – wie viele der Langlebigen in den Familien — bereits über hundert Jahre alt ist, aber durch ihre Verjüngungskuren aussieht wie Mitte Zwanzig. Edward findet sie ausnehmend verführerisch. Trotz ihrer 17 Kinder.

Manhattan im Jahre unserer Herrin Maria 1853. Die anhaltende Bevölkerungsexplosion hat auch die Völker, die sich seit 1630 in Nordamerika niedergelassen haben, zu einer platzsparenden Bauweise in die Höhe gezwungen. Es gibt TV, Luft- und Raumfahrt, sogar einen Kanaltunnel. Neill H. Caesar empfängt Edward. Edward bestätigt Anthonys Alibi. Im Vatikan herrschen immer noch die Borgias.

Der Jupitermond Ganymed im Jahre unserer Herrin Maria 1920. Die „Kuranda“ legt als erstes Raumschiff der Raleighs auf einer der vielen Welten der Familie Caesar an. In der Ganymed-Hauptstadt Neu-Mailand wird Edward von Bürgermeister Ricardo Saville Caesar empfangen. Die Raleighs und Percys fragen sich besorgt, was zum Kuckuck die Caesars mit all ihren Welten vorhaben.

Edward besucht Bethany Maria Caesar auf dem vulkanischen Jupitermond Io in ihrem Forschungsinstitut. Bei ihrem Anblick ist er entsetzt: Sie sieht ALT aus! Zu seiner Bestürzung hat sie Einwände gegen die Langlebigkeit der Familien: Deren Mitglieder würden sich gegen Wandel wehren. KIs nähmen ihnen die Arbeit ab, so dass sie in Trägheit verfielen. Bethany, einst Justins Braut, entwickelt die Nanotechnologie zur Biononik.

1971, das Raleigh Familien-Institut. Bethanys Biononik hat die Menschen quasi zu Göttern gemacht. Tod, Altern, sogar Arbeit gehören der Vergangenheit an. Das Wichtigste ist nun Materie, aus der man per Biononik einfach alles herzustellen vermag. Der Bevölkerungsdruck hat die Menschheit sich auf die gesamte Galaxis ausbreiten lassen, seitdem sie mit ihren Raumschiffen durch Wurmlöcher zu den fernsten Welten gelangen kann. Im Vatikan herrschen immer noch die Borgias.

Doch der Mord an Justin Raleigh ist ungelöst, ungesühnt, und Edward, nunmehr im Obersten Familienrat der Raleighs, darf nicht ruhen. Er zitiert Christine Jayne Lockett herbei. Anders als die Familien und die meisten Kurzlebigen ist sie ein Hippie und eine Naturanhängerin, die die Langlebigkeit und Rückstellung ablehnt. Gegen ihren Willen lässt er – wie in der Dick-Story „Paycheck“ – ihr Gedächtnis auslesen und nach Erinnerungen aus der Mordnacht durchsuchen. Doch die „Zeitreise“ beweist ihre Unschuld. Wäre Edward nicht bereits so mächtig, würde sie ihn vor den Kadi zitieren.

Wieder führt Edward sein Weg zu Carter Osborne Kenyon, einem der Sechs aus Oxford. Im Jahr 2000 unserer Herrin Maria besucht er ihn in der Erdumlaufbahn. Obwohl das Gehirn des Kernphysikers nach einem schweren Unfall schwer beschädigt ist, lässt er auch dessen Gedächtnis analysieren. Und diesmal findet er auf der erneuten „Zeitreise“ ins Jahr 1832 den ersten handfesten Hinweis auf den Mörder.

Wir schreiben das Jahr unserer Herrin Maria 2038. Region Eta Carinae, eines 10.000 Lichtjahre von der alten Erde entfernten Riesensterns. Edward ist gekommen, um den Täter zu verhaften und einer, wie er behauptet, „gerechten“ Strafe zuzuführen. Doch der Unterschied zwischen Humanität und Barbarei ist manchmal nur eine Frage des Standpunktes…

Mein Eindruck

Der alternative Geschichtsverlauf, den Hamilton in seiner wunderbar spannenden Detektivgeschichte klassischen Zuschnitts zeichnet, blickt auf eine ehrwürdige britische Tradition zurück. Schon in den sechziger Jahren stellte sich der britische Autor Keith Roberts ein England vor, in dem es dem Vatikan gelungen war, die vom katholischen Glauben abgefallene Königin Elizabeth I. ermorden zu lassen, In der Folge konnte die Armada des katholischen Königs Philipp von Spanien England erobern und komplett auf katholische Werte zurückstellen.

Doch anders als bei Roberts stellt sich Hamilton vor, dass diese Wende nicht zu technischem Rückschritt – statt Telefon gibt es noch Signalmasten für die Nachrichtenübermittlung – geführt hätten, sondern wegen der Bevölkerungsexplosion zu beschleunigtem technischem Fortschritt. Eine dünne privilegierte Oberschicht, die Familien der Langlebigen, treibt die wissenschaftlichen Studien voran, während die Kurzlebigen oder „Ephemeren“ niedere Arbeiten à la Morlocks verrichten. Revolutionen hat es schon lange nicht mehr gegeben, in Rom herrschen die Kaiser und der Kongress des Zweiten Imperiums, im Vatikan die Borgias. Diese vertreten die biblische Doktrin von Johannes Paul II.: Keine Verhütung, sondern vermehret euch und bevölkert die Erde – und den gesamten Weltraum am besten gleich dazu!

Das Raffinierte und wirklich Befriedigende an dieser Erfindung Hamiltons ist, dass es genau diese Kluft zwischen Lang- und Kurzlebigen ist, die das Motiv für den Mord an Justin liefert. Edward, der unermüdliche Ermittler, muss erst diesen Balken in seinem Auge finden, bevor er überhaupt dessen Bedeutung begreift. Und so das Motiv erkennt. Seine Strafe ist furchtbar und hat nicht wenig von einem Mord und ewiger Verdammnis an sich. An diesem Punkt ist es dem Hörer überlassen, ein moralisches Urteil zu fällen: Der Mord musste gesühnt werden, in Ordnung – aber wirklich um diesen Preis?

Der Sprecher/Die Inszenierung

Detlef Bierstedt liest ausdrucksvoll, leicht verständlich, nicht zu überhastet. Den verschiedenen Figuren vermag er unterschiedliche Charakteristika zu verleihen, so dass man sie unterscheiden kann. Das einzige Detail, das ein Englischkenner einwenden könnte, ist seine Aussprache des Familiennamens Raleigh. Bierstedt spricht das [rälli] aus, als handle es sich um eine Rallye statt um eine Sippe. Ich würde es [rå:li] aussprechen, so wie die Universitätsstadt in North Carolina – oder wie in „Sir Walter Raleigh“, einem der ersten Entdecker Nordamerikas zu Elizabeths I. Zeiten.

Unterschiede zum Buch

Wieder einmal konnte ich den gesprochenen Text mit dem in Peter Crowthers Anthologie „Unendliche Grenzen“ (Bastei-Lübbe 2003, Nr. 23266) vergleichen. Dabei stellte ich fest, dass etliche Seiten gestrichen worden sind. Dies betrifft zum Beispiel ein Forschungsgebiet, das Justin beackerte. Allerdings ist das nicht weiter schlimm, wie mir scheint, denn der Begriff C-60 taucht später nie wieder auf, ist also ohne Belang. Andere Kürzungen betreffen Ausführungen über die Weiterentwicklung der Menschheit während der erzählten Zeit. Dass Bethany die Biononik (= Nanotechnologie) entwickelt hatte, entging mir zunächst, das wird aber später nochmals separat erwähnt.

Unterm Strich

Schon die erste Zeile der Story verblüfft den Hörer: ein Telefon im Jahre 1832?? Und so geht es bis zum Schluss weiter. Die Geschichte ist eine Entdeckungsreise, die ihren eigenen Reiz ausübt.

Zum anderen ist sie auch eine spannende Detektivgeschichte klassischen Zuschnitts, die eines Sherlock Holmes oder Auguste Dupin (E. A. Poe) würdig wäre. Wenn man alle Möglichkeiten ausgeschlossen hatte, bleibt frei nach Ockham und Holmes nur noch eine logische Lösung übrig, so unwahrscheinlich sie auch erscheinen mag. Diese spezielle Lösung jedoch bricht einem schier das Herz. Dass sie an den Kern des Problems dieser Zukunft rührt, macht sie so zwingend und überzeugend. Sie führt uns selbst zur Frage zurück, was passieren würde, wenn jeder es dem Vatikan recht machte. Selbst wenn dort nicht die Borgias herrschen.

Das Hörbuch

Bierstedts Lesung ist ein Vortrag, dem man gerne folgt (selbst wenn man sich nicht wie ich Notizen dabei macht). Man muss schon die Ohren ein wenig spitzen, um alle ironischen Abweichungen von der uns bekannten Geschichtsschreibung zu bemerken. Dennoch: Ein ernsthafter Ermittler vom Zuschnitt eines Edward Raleigh muss auch entsprechenden Ernst auszudrücken vermögen. Es geht ihm um nichts Geringeres, als den Mörder zur Strecke zu bringen, möge es auch über 200 Jahre dauern.

Diesen Ernst glaubwürdig zu vermitteln, gelingt Bierstedt meiner Ansicht nach. Auch wenn ich über die Aussprache von „Raleigh“ ganz anderer Ansicht bin.

_Michael Matzer_ © 2004ff