Johns, Geoff / Jimenez, Phil / Pérez, George – Infinite Crisis 4 (von 7)

_Story_

Blüdhaven, jahrelang Wirkungsstätte von Nighthawk alias Richard Graysson, fällt. Mit spielerischer Leichtigkeit vernichtet der lebende Giftmüllbehälter Chemo das Leben in der gesamten Stadt und lässt nur einige wenige Superhelden am Leben, die der gefährlichen Strahlung widerstehen können. Nighthawk ist fassungslos und trifft zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder mit seinem ehemaligen Mentor Batman zusammen, der ihm von den Geschehnissen der letzten Tage berichtet. Nighthawk erfährt von den Plänen des seltsamen Superman von Erde-2 und schließt sich zur Bekämpfung dieser Aktivitäten wieder mit Batman zusammen.

Beide wissen aber noch nicht, wer genau hinter den aktuellen Katastrophen steckt. Doch schon bald bekommen sie Gewissheit, als Superboy-2 sich auf der Erde seinem Spiegelbild stellt und im Beisein vieler Superhelden ein brutales Gefecht austrägt. Zusammen mit Alexander Luthor hat der Superboy aus dem Paralleluniversum die Krise eingeläutet. Alex Luthor selber führt nämlich in Wahrheit die Society an, ist damit auch mitverantwortlich für die Verwüstung durch das führerlose Spectre und steht gerade erst am Anfang seiner herrischen Pläne. Und während er das völlig verblüffte Supergirl über seine Pläne informiert, tobt auf de Erde ein erbitterter Kampf zwischen Superboy und seinem Klon – der für den echten Superboy kein gutes Ende bereithält. Trotz der Hilfe der befreundeten Teen Titans ist ihm sein mächtiges Spiegelbild überlegen und tötet im Kampf gleich mehrere seiner Freunde. Erst als die Speed Force einschreitet, kehrt Ruhe ein – aber es ist die Ruhe vor dem schon drohenden, nächsten Sturm dieser Krise.

_Meine Meinung_

Der mittlere Part der „Infinite Crisis“ stellt ganz klar einen Wendepunkt der Handlung dar, weil die Karten mit einem Mal gänzlich neu gemischt werden müssen. Die ehemaligen Hoffnungsträger entpuppen sich nämlich plötzlich als fiese Schurken, deren Pläne weit über das hinausgehen, was man am Anfang noch für denkbar hielt. Die Zerstörung wird immer unüberschaubarer, und dies, obwohl sich Ausgabe 4 fast ausschließlich dem brutalen Gefecht der beiden Superboys widmet. Alleine deswegen ist dieser Band auch die bislang actionreichste Vertretung der Serie, gezeichnet vom ungleichen Kampf und den vielen unschuldigen Opfern, darunter auch einige der besagten Teen Titans. Zwar handelt es sich hierbei noch nicht um die Elite dieser Gruppe, doch alleine schon die Tatsache, dass ein Superboy einer anderen Dimension sich gegen die Vertreter des ‚Guten‘ auf der richtigen Erde stellt, ist erschreckend genug und dokumentiert ein weiteres Mal, wie unberechenbar |DC Comics| mit dieser Serie geworden sind. Die Maxime ‚Alles ist möglich‘ wird nicht nur propagiert, sondern auch ausgelebt, und allein diese Tatsache zeugt vom fortschrittlichen Denken, das sich im routinierten DC-Universum eingeschlichen hat. Gut so.

Allerdings ist Heft 4 inhaltlich nicht ganz so stark wie die vorangegangene Ausgabe. Durch die heftige Action flacht die komplexere Rahmenhandlung ein wenig ab, wenngleich es sich Geoff Johns ein weiteres Mal nicht nehmen lässt, weitere Tücken einzufügen und somit jeder Limitation vorzubeugen. Dennoch: Wichtige Aspekte der Handlung müssen hier erst einmal zurückstecken, so zum Beispiel das Verschwinden von Wonder Woman oder der Konflikt zwischen dem Superman von Erde-2 und dem hiesigen Batman, der durch die neue Gemeinschaft zwischen Richard Grayson und Bruce Wayne aufgefangen wird.

Lediglich das Chaos bleibt in derselben Dimension bestehen, in diesem Fall symbolisiert durch den Untergang von Blüdhaven und den radikalen mentalen Umschwung einiger tragender Persönlichkeiten, womit natürlich in erster Linie der undurchschaubare Alexander Luthor gemeint ist. Solche Ereignisse halten die Geschichte nicht nur spannend, sondern untermauern die non-transparente Herangehensweise des Autors samt seines Zeichnerteams Jimenez/Pérez/Reis. Gleiches gilt für das recht merkwürdige Ende, inszeniert als aussichtsreicher, ungeduldig stimmender Cliffhanger, der zwar schon durch die Vorschau auf das neue Heft (erscheint am 16. November) ein wenig entkräftet wird, aber immer noch unheimlich neugierig auf das nachfolgende Geschehen macht. Schließlich sind die hier entworfenen Umstände zum Ende des Magazins bei weitem noch nicht aufgelöst oder geklärt, sondern werden nur noch zusätzlich in den großen Wust an Verzwickungen gestreut, um das totale Chaos auf Erde-1 zu bestärken. Man darf also weiter gespannt sein, ob und wie Johns diese Krise auflösen wird – oder aber ob sie wirklich endgültig und von ‚unbegrenzter‘ Wirkung bleiben wird.

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