Koontz, Dean – zweite Haut, Die

_Handlung_

Martin Stillwater ist ein erfolgreicher Kriminalautor, liebender Ehemann und Vater. Er lebt mit seiner Frau Paige und seinen zwei kleinen Töchtern Charlotte und Emily in einem beschaulichen Städtchen in Kalifornien. Doch etwas stört die Idylle, denn Marty leidet plötzlich unter merkwürdigen Blackouts, während denen er immer wieder dieselben zwei Wörter minutenlang wiederholt: „Ich muss …“

Verängstigt geht er zum Arzt, doch dieser bescheinigt ihm beste Gesundheit. Aber die Blackouts verstärken sich immer mehr, und Martin leidet zudem unter Angstzuständen, denn er fühlt, dass irgendetwas oder irgendjemand nach ihm sucht … und eine telepathische Verbindung zu ihm hat. Der Autor verzweifelt zusehends in der Angst um seine geistige Gesundheit, als plötzlich ein Doppelgänger in seinem Haus auftaucht.

Der Doppelgänger behauptet, er sei der richtige Martin Stillwater und er wolle nun sein Leben zurückholen. Es kommt zum Kampf, in dem der mysteriöse Doppelgänger vermeintlich tödlich verletzt wird. Doch als die Polizei auftaucht, ist er verschwunden, so dass diese Martins Geschichte nicht glaubt. Sie denkt, er wolle nur sein neues Buch vermarkten. Also flieht Familie Stillwater, doch der Killer bleibt ihnen auf der Spur …

_Der Autor_

Dean Ray Koontz wurde 1946 in Bedfort, Pennsylvania, geboren und gewann mit 20 Jahren bereits den ersten Platz bei einem Schreibwettbewerb. Er besuchte das Shippensburg State Teachers College, heiratete 1966 und lebt heute mit seiner Frau in Orange County / Kalifornien. Seine Bücher erreichten eine Weltauflage von über 100 Millionen Exemplaren in 18 Ländern. Mehrere seiner Romane schafften es in die Bestsellerlisten.

_Mein Eindruck_

Dean Koontz dürfte eigentlich jedem Fan des Thriller-Genres ein Begriff sein. „Die zweite Haut“ wurde 1993 beim |G.P. Puntman’s Son|-Verlag veröffentlicht. Nun gibt der Roman sozusagen sein Deutschland-Comeback, denn der |Heyne|-Verlag hat ihn noch einmal neu aufgelegt (aber leider nicht neu übersetzt, siehe unten) und bietet ihn zum Schnäppchenpreis von 4,99 € an. Und das ist ein wirkliches Schnäppchen, denn „Die zweite Haut“ ist wirklich einer der besten Romane von Koontz, die ich bisher gelesen habe. Außer Stephen King dürfte kein anderer Autor für so gnadenlos rasante Thriller und Horror-Romane stehen wie Dean Koontz, wobei ich Letzteren eindeutig favorisiere.

Kommen wir zum Buch: Der Roman ist um das klassische Doppelgängermotiv gestrickt, das unter anderem wegen der anhaltenden Klon-Debatte aktueller denn je ist. Er greift das Klon-Thema auf und verbindet es geschickt mit der für seine Bücher fast schon obligatorischen kalifornischen Kleinstadtidylle. Hinzu kommen noch eine weltumspannende Organisation namens Network sowie eine Prise surrealen Horrors, und fertig ist der Thriller.

Den größten Schrecken erzeugt er dadurch, dass er drei verschiedene Perspektiven verwendet: Familie Stilwater, Alfie (Doppelgänger) und die zwei Agenten des Network, Oslett und Clocker. Die teilweise perversen Gedanken und Ansichten von Alfi und Oslett lassen den Leser einerseits nur den Kopf schütteln und erzeugen andererseits auch eine enorme Solidarisierung mit den Opfern (Familie Stillwater), so dass man richtig mitfiebert.

Das Motiv von Gleichheit und Verschiedenheit nimmt einen wichtigen Raum in diesem Buch ein, denn Marty und Alfie sind zwar genetisch (fast) identisch, doch unterscheiden sie sich in ihrem Wesen fundamental. Indem er die beiden Kontrahenten „durchleuchtet“, zeigt Koontz auf, dass der Mensch mehr ist als nur ein genetischer Code und dass die Lebensumstände und die gesellschaftliche Sozialisation großen Einfluss auf das Wesen des Menschen haben. So ist Marty in einem behüteten und glücklichen Elternhaus aufgewachsen, wohingegen Alfie von einer Organisation als Killer gezüchtet wurde und sich seine gesellschaftlichen Kontakte aufs Töten und aufs Anschauen von Kinofilmen beschränken. In der Art und Weise, wie Alfie über seine Kinohelden und Kinobekanntschaften spricht, ist zudem ganz deutlich eine Koontz’sche Kritik an der Traumfabrik Hollywood mit deren Heldenmythos und den für sie typischen Schwarzweiß-Schemata zu erkennen.

Zurück zu den Perspektiven: Der Autor wechselt diese äußerst geschickt, denn meistens klärt er den Leser über den Plan der Person auf, um dann zum Kontrahenten zu wechseln. Hierdurch schürt er eine Erwartungshaltung beim Leser, was die Spannung noch einmal deutlich erhöht. Als die drei Perspektiven, und somit die drei handelnden Parteien, beim Finale des Buches dann aufeinander treffen, endet das Ganze in einem grandiosen Showdown mit einem sehr unerwarteten Schluss.

So toll „Die zweite Haut“ auch geworden ist, so ärgerlich ist die vor Fehlern strotzende Übersetzung, die teilweise echte Slapstik-Qualitäten aufweist. Wenn Alfie erzählt, dass Morgan Freeman im Film „Lean On Me“ eine Rektor|in| spielt oder Drew Oslett auf eine |fünfwortige| Liturgie wartet, die da lautet: „Ich bin friedlich Vater“, so zerstört das jede noch so mühevoll aufgebaute Stimmung. Besonders interessant dabei ist, dass mir eine deutlich ältere Ausgabe von „Die zweite Haut“ in die Hände gekommen ist, bei der genau die gleichen Fehler vorkommen. Offensichtlich hat man über Jahre hinweg diese Mängel nicht bemerkt. Peinlich, peinlich …

_Fazit:_ Dean Koontz hat mit „Die zweite Haut“ einen rasanten Thriller der Extraklasse geschaffen, dessen ethische Motive heute aktueller denn je sind. Absoluter Pflichtkauf für Thriller- und Horrorfreunde.

http://www.heyne.de

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