Siefener, Michael – Somniferus

_Michael Siefener_ wurde 1961 geboren wurde und ist promovierter Jurist. Er wandte sich von dieser Profession 1992 ab, um als freier Schriftsteller und Übersetzer – im Rheinland lebend – zu arbeiten.

Der Autor kann zahlreiche Veröffentlichungen vorweisen, darunter über zwanzig Romane. Seine Genre-Vorliebe ist die Fantasy. Zuletzt erschienen im Jahr 2006 „Die magische Bibliothek“ (|Edition Medusenblut|), „Totentanz“ (gemeinsam mit Silke Urbanski, |Emmons|), „Nathaniel“ (|Festa|) sowie „Hinter der Maske“ (|KBV|).

_In Köln_ vegetiert ein erfolgloser Schriftsteller namens Ralf Weiler vor sich hin. Statt Verträge für ein Manuskript, findet er bestenfalls Post vom Sozialamt in seinem Briefkasten. Umso erstaunter ist Ralf Weiler, als er einen Brief von einem Notar aus der Eifel erhält. Das Thema ist sein „Erbonkel“ Jakob Weiler, ein Mann voller Selbstgerechtigkeit und zudem höchst unbeliebt. Jakob Weiler war vor seiner Pensionierung Pfarrer und Priester und selbst in seiner Gemeinde in Manderscheid bei Daun umstritten.

Im Gespräch mit dem Notar Harder erstaunen erste Ungewöhnlichkeiten: Onkel Jakob hat seinen Selbstmord angedeutet und anstelle eines Testaments verschiedene Vollmachten hinterlassen, die Ralf Weiler ermöglichen, über das Haus nebst Scheune sowie das Konto und Sparbuch (immerhin einige hunderttausend Euro) zu verfügen. Jakob Weiler ist immerhin nicht auffindbar.

Ralf Weiler findet das alles sehr sonderbar, zumal er seinen Onkel nicht sehr mochte. Jener Jakob Weiler hatte seine Schwester – und Mutter des Ralf Weiler – nahezu verdammt. Nicht einmal zu ihrer Beerdigung erschien der Geistliche.

In seinem neuen Domizil fühlt sich Ralf Weiler zunächst unwohl, aber die Nachbarn empfangen ihn – trotz ihrer Vorurteile gegen dessen Onkel – freundlich und herzlich. Der an Bescheidenheit gewöhnte Weiler hat von dem Konto seines Onkels nur wenig Geld für seinen Unterhalt abgehoben.

Als er aber nach einer Woche ans Sparbuch will, ist dies plötzlich leergeräumt. Es gab noch eine zweite Vollmacht – die der Notar selber besaß. Sie sprechen miteinander und Notar Harder räumt ein, dass Onkel Jakob ein sonderbares Spielchen treibt und dies eine Bedingung war, sofern das Sparbuch noch existierte. Jakob Weiler wusste, dass sein Neffe mit Geld sorgsam umgeht. Als nächstes überreicht er ihm einen Brief des Onkels: Nur wenn er ein mittelalterliches Buch – ein Unikat – besorgt, das ein Bibliophiler namens Adolphi besitzt, erhält er das Geld zurück. Im weitesten Sinne ist das Buch der Schlüssel zum „Reichtum“. Das Gespräch mit Adolphi verläuft negativ, zumal dieser Jakob Weiler verabscheute.

Ralf Weiler entscheidet sich, nachts bei Adolphi einzubrechen und entdeckt dessen Leiche mit zertrümmertem Schädel. An das Buch denkt er überhaupt nicht mehr und bei der Flucht steht er plötzlich im Türrahmen Lisa gegenüber, der Tochter des Ermordeten.

Nach einer Verhaftung und einer Flucht ist Notar Harders bereit, Ralf Weiler zu helfen, weil ihm die Spielchen von Onkel Jakob auch nicht gefallen. Er sucht einen Termin mit Lisa Adolphi und kann sie überzeugen, dass Ralf kein Mörder ist. Sie ist bereit, das gesuchte Buch zu einem Gespräch mitzubringen. Als nächstes Problem stellt sich durch eine weitere Nachricht heraus, dass die Hausbank des Onkels nur gegen Vorlage dieses Buches und des Personalausweises Ralf das Geld wieder bereitstellt. Dies geschieht, und zudem gibt es im Schließfach des Onkels den nächsten mysteriösen Brief. Die Gottheit Somniferus sei der Schlüssel zum Reichtum.

Lisa Adolphi, die sehr langsam zu Ralf Weiler Vertrauen fasst, studiert mit ihm das sonderbare Buch, um eine Spur der eher grausamen antiken Gottheit zu finden. „Eiflia“ ist der Ort einer Statue … „Eiflia“ … Eifel. Der Albtraum beginnt erst …

_Peter Woy_ liest diesen Thriller über eine Distanz von knapp sieben Stunden. Bisher ist mir Peter Woy als Hörbuchvorleser gänzlich unbekannt. Leider verrät das Booklet nichts über ihn, doch ein paar Recherchen im Internet verraten, dass Woy Theaterschauspieler und offenbar auch Regisseur ist. Wie für viele Schauspieler ist die Arbeit als Vorleser bei Hörbuchvertonungen ein nettes Zubrot.

Eine Stimme zu charakterisieren, fällt ungeheuer schwer. Peter Woy betreffend, fällt eine jedenfalls höchst angenehme Vorleserstimme auf. Nicht „vorlesend“, sondern doch vielmehr erzählen. Er setzt, je nach Situation, stimmliche Akzente, liest bedächtig und klar formuliert. Die Modulation ist außerordentlich gut und man hört Peter Woy interessiert und gespannt zu. Den sehr schönen und flüssigen Schreibstil von Michael Siefener setzt Peter Woy gelungen um.

_Michael Siefener_ macht einen Antihelden zur dramatischen und interessanten Figur, ohne ihn unglaubwürdig zum Helden zu konstruieren. Ralf Weiler ist dem Leser einfach nah und angenehm. Emotionen und Irritationen um den verstorbenen und ungeliebten Onkel werden bestens beschrieben. Eine Passage, die ich sehr schätze, ist, als Ralf sich entscheidet, bei Herrn Adolphi einzubrechen, weil diese Tat so hilflos wirkt – ein Akt der Verzweiflung, den Peter Woy als Vorleser bestens hervorhebt. Auch das „Herantasten“ zwischen der zunächst vorurteilsvollen Lisa Adolphi und Ralf Weiler wirkt sehr gelungen. Man bedenke, dass der Autor irgendwie „die Kurve kriegen muss“, dass Lisa in Ralf Weiler keinen Mörder, sondern ein Opfer der Situation sieht. Durch den Mittler in Form des Notar Harders gelingt dies glaubwürdig. Wer misstraut schon einem Notar …

Mehr als die bereits beschriebenen Geschehnisse zu verraten, würde potenziellen Zuhörern den Reiz nehmen. Ich möchte allerdings feststellen, dass die bereits existente „Hoch“spannung auf der Suche nach der antiken Gottheit Somniferus zur „Höchst“spannung wird. Und – ist Jakob Weiler wirklich tot? Was bezweckt er, sei es tot oder lebend?

_Der Verlag |Radioropa|_ überrascht bei vielen neuen Hörbücher mit recht unbekannten Vorlesern. Es sind keine bekannten Synchronsprecher, doch stehen sie ihnen in nichts nach. Vor allem begeistert auch das Preis-/Leistungsverhältnis: keine zehn Euro für knapp sieben Stunden Hörspaß.

|Radioropa| fügt den üblichen Audio-CDs zudem innovativ gleich das komplette Hörbuch nochmals im mp3-Format bei. Besser geht es nicht. Wer indes keine Hörbücher mag, findet das gleichnamige Taschenbuch beim |KBV|.

http://www.hoerbuchnetz.de
http://www.kbv-verlag.de

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