Xinran – Himmelsbegräbnis. Eine Geschichte für Shu Wen

In dem Roman „Himmelsbegräbnis. Eine Geschichte für Shu Wen“ erzählt die Radiojournalistin und Autorin Xinran die Geschichte der Chinesin Shu Wen, die dreißig Jahre ihres Lebens in Tibet verbrachte, auf der Suche nach ihrem Mann Kejun. Es ist die Geschichte einer großen Liebe, aber auch die Geschichte eines entbehrungsreichen und schicksalsträchtigen Lebens in Tibet zur Zeit der Besetzung Tibets durch die Volksbefreiungsarmee Chinas.

Die junge Shu Wen ist noch keine zwei Monate mit ihrem geliebten Kejun verheiratet, als dieser sich entscheidet, seinem Volk als Militärarzt zu dienen, und mit einer Truppe der Volksbefreiungsarmee nach Tibet zieht. 100 Tage später erhält Shu Wen die Nachricht, dass Kejun im Krieg gestorben sei. Über die näheren Umstände seines Todes oder den Verbleib seiner Leiche erfährt sie nichts. Die wage Hoffnung, dass Kejun nicht tot sei, sondern möglicherweise von seiner Einheit getrennt wurde und nun allein in Tibet herumirrt, veranlasst Shu Wen zu der Entscheidung, die ihr ganzes Leben verändern soll. 1958 reist sie selbst als Ärztin mit einem Militärtrupp nach Tibet und beginnt die Suche nach ihrem Mann. Dreißig Jahre dauert es, bis Wen erfährt, was passiert ist, und sie nach China zurückkehrt. Dort trifft sie auf Xinran, die die Radiosendung „Words on the Night Breeze“ moderiert, in der chinesische Frauen von ihrem Schicksal erzählen. Shu Wen erzählt Xinran ihre Geschichte, die beschließt, diese zehn Jahre später als Buch zu veröffentlichen.

Die Autorin Xinran wurde 1958 in Peking geboren. Ab 1998 arbeitete sie als Radiojournalistin, unter anderem moderierte sie die in ganz China bekannte Sendung „Words on the Night Breeze“, auf deren Grundlage ihr erstes Buch entstand, welches erstmals 2002 unter dem Titel “ The good woman of China“ veröffentlicht wurde. In Deutschland erschien das Buch erstmals 2003 mit dem Titel „Verborgene Stimmen. Chinesische Frauen erzählen ihr Schicksal“. Seit 1997 ist Xinran Dozentin an der Universität in London und arbeitet zudem als freie Beraterin für chinesische Sprache, Kultur und neuere Geschichte.

Das Hörbuch „Himmelsbegräbnis“ umfasst 3 CDs mit insgesamt 246 Minuten Laufzeit. Bei längerem Zuhören fragt man sich jedoch, ob dieser Umfang gerechtfertigt ist und ob die Autorin das Gleiche nicht auch viel kürzer hätte erzählen können, ohne dass dadurch der Geschichte wesentliche Aspekte fehlen würden. Den Einstieg in die Erzählung gestaltet die Autorin recht interessant, indem sie zunächst einen Rückblick auf ein persönliches Erlebnis in ihrer Kindheit gibt, um dann auf ihre derzeitige Arbeit als Radiojournalistin und den Hintergrund für ihre Begegnung mit Shu Wen einzugehen. Dann beginnt die eigentliche Handlung, nämlich Shu Wens Reise nach Tibet, und damit auch der größtenteils recht langweilige Rest des Hörbuchs, welcher allerdings den Großteil der Gesamtspieldauer einnimmt. Dafür ist sowohl die monotone Vortragsweise der Sprecherin Ursula Illert verantwortlich als auch der träge Handlungsverlauf selbst. Zwar gewinnt der Zuhörer durch die detaillierten Beschreibungen einen guten Eindruck von der Landschaft, durch die Shu Wen reist, und von den Menschen, denen sie begegnet, doch verliert sich dadurch die Spannung, die zu Beginn durch die Nachricht von Kejuns Tod aufgebaut wird. Die Begegnung zwischen Shu Wen und der Tibeterin Zhuoma belebt den Fortgang der Geschichte kurzfristig, da Shu Wen in ihr nicht nur eine Freundin, sondern auch eine Leidensgenossin gefunden hat, wodurch nun zwei Frauen auf der Suche nach ihren Geliebten sind. Anschließend erzählt die Autorin jedoch ca. 30 Minuten lang von Zhuomas Vorgeschichte, inklusive vieler unbedeutender Details, die den Zuhörer von der eigentlichen Handlung ablenken, anstatt diese zu ergänzen oder zu bereichern.

Zu Beginn der zweiten CD erscheint es, als ob Shu Wen ihr Ziel, Kejun zu finden, vollständig aufgegeben hat. Während sie jahrelang bei einer tibetischen Familie lebt und mit dieser das Land bereist, kommt sie ihrem Ziel keinen Schritt näher. Erst gegen Mitte der dritten CD wird die Geschichte wieder etwas spannender, als sich langsam erste Hinweise auf Kejuns Schicksal finden. Das Ende der Geschichte inszeniert die Autorin meiner Meinung nach zu dramatisch und gleichzeitig viel zu unpersönlich. Im ganzen Verlauf der Geschichte erfährt man zu wenig über Shu Wens Gefühle und Gedanken, und es fällt dem Hörer sehr schwer, sich in die Figur hineinzuversetzen. Über Kejun erfährt man noch weniger, was im Bezug auf das Ende der Geschichte noch enttäuschender ist.

Insgesamt handelt es sich um eine eher langweilige Erzählung, die versucht, den Hörer mehr durch Traurigkeit und Monotonie zu betäuben anstatt durch eine spannende oder interessante Handlung zu überzeugen.

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