Die drei ??? und der verschollene Pilot (Folge 163)

Zur Story

Die für Onkel Titus übernommene Überführungsfahrt eines Chysler quer durch die Rocky Mountains endet für die drei ??? im dichten Nebel. Genauer gesagt in einem heruntergekommenen und sehr einsamen Berghotel namens „King of the Mountain“. De facto scheinen die Jungs seit Jahren die ersten Gäste zu sein, die der höchst kauzige Hotelier Fynch Hunterman mit seiner Gastfreundlichkeit beglücken darf. Davon müssen zumindest Peter und Bob aber erst einmal überzeugt werden, während der erste Detektiv schon gleich wieder ein Geheimnis wittert und förmlich darauf brennt, eine Nacht in der seltsamen Absteige zu verbringen.

Tatsächlich rankt sich um das Hotel und seine Umgebung eine düstere Geschichte von einem Flugzeugabsturz vor etwa zehn Jahren, der gleichwohl auch den Punkt markiert, an dem das ehemals florierende Haus dem Niedergang geweiht war. Ein Agent sei mit einer einmotorigen Maschine ganz in der Nähe notgelandet, woraufhin sich die CIA auf die Suche nach einem kleinen schwarzen Kästchen machte und dabei die halbe Umgebung umgrub. Erfolglos. Der Pilot hatte nur rätselhafte Zeilen für seine Schwester hinterlassen, wo dieses zu finden sei. Ein klarer Fall für die drei Fragezeichen. Doch sie stoßen auf renitente Gegenwehr eines geheimnisvollen Verfolgers.


Eindrücke

Schon der erste Blick auf die karge Besetzung lässt stutzig werden. So wenige Sprecher? Nun, wer die Romanvorlage kennt, dürfte das Abnicken und wissen warum. Es sei nur soviel verraten, dass am Ende doch etwas anderes herauskommt, als man meinen mag. Dabei startet der Plot recht unspektakulär mit ziemlich gewohnter Drei-???-Kost: Ein Auftrag für Onkel Titus, Nebel, eine gespenstische Absteige mit einem überaus schrägen Mâitre de la Maison und seine interessante Mär über einen Flugzeugabsturz sowie eine geheimnisvolle Botschaft, die es in dutzendfach erprobter Schnitzeljagd-Manier unter den wachsamen Blicken mit einem mysteriösen, maskierten Gegenspieler, zu entschlüsseln gilt. Dazu soll noch mal wieder der Geheimdienst seine Finger im Spiel haben. Dabei wurde das Gefahrenmoment bezüglich ihres Verfolgers allerdings gegenüber der Vorlage ordentlich eingedampft, was der Geschichte aber nicht zum Nachteil gereicht. André Minninger hat die Schere an den richtigen Stellen angesetzt und die Dramaturgieschraube gleichzeitig geschickt fester angezogen.

So entstehen drei oder vier Momente im Hörspiel, bei denen man sich durchaus erschrecken kann, wenngleich man den zugrunde liegenden Band von Ben Nevis vielleicht bereits kennt und demnach eigentlich gewarnt sein müsste. Trotzdem schafft es die Hörspielfassung eine ganz eigene, dichte Atmosphäre aufzubauen, welche von den passenden Geräuschen und nicht zuletzt den Zwischenmusiken ordentlich genährt wird. Die tonale Abmischung ist diesmal – rein subjektiv – besonders satt und kräftig geworden, die Effekte und Stimmen sind sehr räumlich gut platziert. Selbstverständlich spulen die (Stamm-)Sprecher ihr Programm routiniert ab und sogar das eine oder andere auflockernde Witzchen sitzt, ohne aufgesetzt zu wirken. Selbst die versteckte Gollum-Imitation („Meiiin Schaaaaatzzzzz!“) passt ganz hervorragend und sorgt bei Kennern von „Der Herr der Ringe“ gewiss für einen breiten Schmunzler (zumal wenn man weiß, dass Andreas Fröhlich seinerzeit die Dialogregie für die deutsche Vertonung der Film-Trilogie inne hatte). Mehr sei an dieser Stelle jedoch nicht verraten, da die Gefahr des Spoilerns gegeben ist.

Die Produktion

Buch und Effekte: André Minninger
Redaktion und Geräusche: Wanda Osten
Regie und Produktion: Heikedine Körting
Musik: Hagitte & Bertling (STIL), Morgenstern, George, Conrad

Sprecher und Figuren
Oliver Rohrbeck (Justus Jonas), Jens Wawrczeck (Peter Shaw), Andreas Fröhlich (Bob Andrews), Thomas Fritsch (Erzähler), Stephan Benson (Fynch Hunterman), Holger Mahlich (Inspektor Cotta)
Fazit

Die Kürzungen gegenüber der Romanvorlage verleihen dem Hörspiel eine gewisse Knackigkeit. Wo der Roman zuweilen etwas ausufert und sich in Geplänkel verliert, kommt man hier schneller auf den Punkt. Zudem kann die Audio-Fassung natürlich mit entsprechenden Sound-Effekten aufwarten, die dem Leser der Geschichte abgehen, was der düsteren, teils beklemmenden Atmosphäre sehr dienlich ist. So geschieht es dann und wann, dass die Adaption dem Buch etwas voraus hat und trotz des (notwendigen) Rotstifts genauso rund – wenn nicht gar runder – läuft. Die extrem schmale Sprecherliste lässt es vermuten: Es geht schon eher in Richtung psychologisches Kammerspiel à la „Drei ???“, was bis zum Showdown recht konsequent umgesetzt wurde. Der verschollene Rezensentendaumen zielt daher geradewegs auf den Berggipfel.

1 Audio-CD mit einer Laufzeit von ca. 74 Minuten
Erzählt von Ben Nevis nach Figuren von Robert Arthur
EUROPA / Sony Music Entertainment, 2013
EAN: 887254003229

www.natuerlichvoneuropa.de

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)