Jon Skovron – Pakt der Diebe (Empire of Storms 1)

Abenteuerliche, überlange Klischeesammlung

Hope ist noch ein Mädchen, als ihr Dorf von den Magiern des Kaisers angegriffen und dem Erdboden gleich gemacht wird. Sie allein überlebt und findet in einem Kloster nicht nur Unterschlupf, sondern wird dort auch von den Kriegermönchen in den Kampfkünsten unterwiesen. Red ist ein Straßenjunge, der in den finsteren und überfüllten Gassen New Lavens zum besten Taschendieb heranwächst, den das Imperium je gesehen hat. Jahre vergehen – doch als Hope und Red einander auf schicksalhafte Weise begegnen, schließen sie einen Pakt, der die Zeit der Ungerechtigkeit beenden wird … (Verlagsinfo)

Der Autor

Jon Skovron ist Amerikaner und hat außer diversen Kurzgeschichten auch einige Jugendbücher geschrieben, von denen bisher keines auf Deutsch erschienen ist. „Pakt der Diebe“ ist sein erster Roman für Erwachsene und der erste Band der Trilogie Empire of Storms, die im englischen Original bereits bis Band drei gediehen ist.

Trilogie „Empire of Storms“

Band 1: „Pakt der Diebe“ (Hope and Red“, 2016)
Band 2: „Bane and Shadow“ (02/2017, „Schatten des Todes“, 10/17)
Band 3: „Blood and Tempest“ (11/2017, noch ohne dt. Titel)

Mehr Info: www.jonskovron.com/index.html.

Handlung

Das Imperium der Stürme wird auf einem Wasserplaneten von der Hauptinsel Steingart beherrscht, wo der Herrscher in der Hafenstadt New Laven residiert. Die Stadt ist ein sehr unterschiedliches Sammelsurium von Stadtteilen und umfasst die schönsten Gärten wie auch die verkommensten Kaschemmen und Absteigen.

Gelehrter Dieb

Hier wächst der Waisenjunge Rixidendron auf, der wegen seiner rubinroten Augen allgemein Red genannt wird. In seiner Jugend wird er von Sadie rekrutiert, die sich als Piratenkönigin ihren Lebensunterhalt zu verdienen gedenkt. Drei Monate können die Piraten den imperialen Verfolgern zu Wasser und zu Lande entkommen, doch eines Tages wehren sich die überfallenen Dörfler und zünden ihrerseits das Schiff an. Das bedeutet das Ende seiner steilen Seeräuberkarriere.

Schwertkämpferin

Etwa zur gleichen Zeit wächst ein junges Waisenmädchen als einzige Überlebende eines Überfalls bei den Mönchen auf. Der Überfall wurde von den Biomanten des Kaisers verübt, experimentierenden Magiern, die stets ein Warnzeichen hinterlassen: ein Oval mit acht senkrechten Strichen, das an einen Kraken erinnert. Das Mädchen nennt sich nach ihrem Dorf Bleak Hope (düstere Hoffnung) und wird gegen alle Regeln von Abt Hurlo in den Orden der Vinchen aufgenommen. Zunächst als Küchenmagd eingestellt, lehrt Hurlo das Mädchen erst Leibesertüchtigung, dann Kampfsport und schließlich sogar Schwertkampf. Er schenkt ihr sogar zum Abschied das edle Schwert Kummerklang, das er einst im Namen des Kaisers führte, sehr zu seinem Verdruss, denn der Kaiser ist ein Trottel.

An ihrem letzten Tag in der Ordensburg wollen die von einem konkurrierenden Mönch angeführten Ordensbrüder der Ketzerei ihres Abtes ein Ende bereiten. Doch Hurlo stellt sich ihnen entgegen und verteidigt die Flucht seines weiblichen Schützlings mit seinem Leben. Hope, so weiß, hat ihr Leben der Jagd auf die Biomanten gewidmet. Sie heuert auf dem Schiff von Kapitän Carmichael als dessen Leibwächterin an.

Jahre später

Sadie ist inzwischen alt und krank geworden, doch Red kümmert sich um sie, sehr zum Verdruss seiner schönen Freundin Nessel, die nichts für Romantik oder Sentimentalität übrigzuhaben scheint. Red hat sich inzwischen auf die Bekämpfung der Imps spezialisiert, der kaiserlichen Soldaten in der Stadt. Als diese seinen ältesten Freund Filler, einen Schmied, verprügeln, tötet er mehrere von ihnen und stiehlt in der folgenden Nacht die Steuerkasse des Kaisers.

Kaum verteilt er seine Beute an seine Helfer, tritt Kapitän Carmichael mit seiner Leibwächterin ein. Hope fällt Red sofort auf. Nicht jeden Tag sieht man eine ausgebildete Schwertkämpferin, die sich wie ein Panther bewegt. Er verguckt sich in sie, doch allmählich wird mehr daraus. Die Kampfkunst der Fechterin bekommen die Feinde von Carmichael am eigenen Leib zu spüren: Deadface, der inzwischen das Kommando über die Unterstadt übernommen hat, will Carmichaels Schiff übernehmen und an dessen zweiten Offizier verteilen, doch er hat die Rechnung ohne Hope gemacht.

Nach getaner Arbeit verdankt es Hope nur Reds Hilfe, dass sie aus Deadfaces Hauptquartier mit heiler Haut davonkommt. Sie hat sich geschworen, Carmichaels Andenken Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Denn Deadface hat, wie sie feststellen muss, einen Handel mit den Kaiserlichen sowie mit den Biomanten abgeschlossen. Und die Biomanten suchen immer Menschenmaterial für ihre frevlerischen Experimente…

Biomantin

Wie alle Welt weiß (und meist schmerzvoll erfahren hat), gehören dem Orden der Biomanten nur Männer an. Einer dieser Männer ist der junge Brigga Lin, der von einer entlegenen Insel und ihrem uralten Tempel erfahren hat. Hier gibt es zwar nichts zu essen außer psychedelischem Moos, aber Brigga stößt im ältesten Teil der Tempelruine auf ein Loch im Boden. Er wagt es, seinen Arm hineinzustecken – und wacht erst zwei Tage später auf einer anderen Insel wieder auf.

In seinen Armen umklammert er ein uraltes Buch. Es ist das grundlegende Lehrbuch der Biomanten, weist aber ein ihm unbekanntes Zusatzkapitel auf. Darin steht, dass eine bestimmte Magie, die sich um das Element der Luft dreht, nur von einer Frau ausgeführt werden könne. Es wäre die ultimative Ketzerei, dies zu tun, also tut es Brigga unter höchster Geheimhaltung: Er wechselt sein Geschlecht. Nun muss er nur noch die passende Magie zum Funktionieren bringen…

Unterm Strich

Der langatmige Roman ist eine actionreiche Kombination aus Piratenabenteuer, Rache-Story und Klassenkampf. Red und Hopes Werdegang werden kontrastierend erzählt. Beide sind aus ihrer Familie gerissen worden. Red stammt aus der Oberschicht, was im letzten Zehntel noch ziemlich wichtig wird. Doch er fällt unter die Räuber der Unterstadt und muss sich unter ihnen behaupten. Er ist unpolitisch, bis er Hope begegnet, erst dann sieht er ein, dass die Unterstadt an einem Aufstand gegen die kaiserlichen nicht vorbeikommt – und mit Hope hat er die beste Schwertkämpferin weit und breit an seiner Seite. Was kann da schon schiefgehen? So ziemlich alles, als die Kreaturen der Biomanten auftauchen.

Hope wächst als Waise in einem Kloster auf. Doch ihr Lehr- und Fechtmeister ist alles andere als fromm, sondern ein Tabubrecher par excellence. Dieses Szenario kennen wir schon aus der Cale-Trilogie, die Paul Hoffman über die „Linke Hand Gottes“ geschrieben hat. Der Leser erwartet, dass die Erfahrung mit den Widrigkeiten der Welt die starren Regeln von Hopes Kodex korrumpiert, doch das Gegenteil tritt ein: Es sind ihre Regeln und Glaubenssätze, die den Bewohnern der Unterstadt imponieren und sie zum Kampf gegen die Unterdrücker ermutigen. Das war mir denn doch etwas zu idealistisch.

Das Buch endet nicht mit den vielen Actionszenen des Aufstandes, sondern mündet in eine weitere Geschichte, die sich um die Suche nach dem Biomanten dreht, den Hope für ihr Unglück verantwortlich macht. Sie findet ihn ausgerechnet in Reds Elternhaus, was natürlich für reichlich Ungemach sorgt – und zum nächsten Band überleiten dürfte.

Das Buch sorgt für Fans des Piraten Locke Lamora, bei dem der Autor so einiges abgekupfert hat, sicher für einige Begeisterung. Andererseits wirken die kopierten Elemente nicht gerade einfallsreich. Auch die Biomanten kennt man schon: Saruman und der Nekromant sind ihre Vorbilder aus Tolkiens Romanen – korrumpierte Weise, die sich in den Dienst des Herrschers stellen ließen. (Wer bei diesen Vergleichen stutzig wird, sollte wissen: Der Nekromant, Sauron, ist der Diener Melkors, der bösen Gottes in Tolkiens Schöpfung. Na, und Saruman wird zu Saurons Diener.)

Mir ist das Buch viel zu lang geraten, so als ob der Autor unbedingt noch Seite um Seite hat schinden müssen. Sicher, auch Schicksale wie das der unglücklichen Brigga müssen zu Ende erzählt werden. Aber wie viele Nebenhandlungen kann man in einen Einzelroman packen, ohne den Leser zu verwirren oder zu langweilen?

Die Übersetzung

Die Übersetzung ist flott zu lesen und weist keine Anzeichen von Zensur auf. Wo es um Schwänze, Eier und Fotzen geht, erscheinen keine drei verdächtigen Auslassungspunkte… Für so manchen Erziehungsberechtigten könnte dies aber der Grund sein, das Buch nicht unter 16 Jahren freizugeben.

S. 248: „…waren schlau genug [zu sein], um das Schild zu verstecken.“ Die Wörter „zu sein“ sind überflüssig.

S. 467: „“Nun dann“, sagte Ash…“ Statt „Ash“ muss es Alash heißen.

S. 501: Reds Cousin. Da Hope gemeint ist, sollte es wohl besser „Reds Cousine“ heißen.

S. 546: „Ich habe dich immer respektie[r]t…“ Das R fehlt.

S. 572: „den die Biomanten ihr genommen hatte[n],…“ Das N fehlt.

Taschenbuch: 592 Seiten
Info: „Hope and Red – The Empire of Storms“
Deutsch von Michelle Gyo
www.heyne.de

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